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Ich leide an gefühllosigkeit

12. August 2017 um 0:36

Hallo ihr Lieben,

Ich wende mich an Euch, um eure Meinungen zu hören.

Ich bin weiblich und 27 Jahre alt, und ich leide meiner eigenen Auffassung nach und der Auffassung meiner Freunde an Gefühllosigkeit gegenüber Männern.
Ich weiß nicht, ob ich weiß was Liebe ist. Von 18-21 Jahren hatte ich eine fast dreijährige Beziehung, die entstand aber mehr aus gesellschaftlichem Druck. Wir haben uns freundschaftlich sehr gut verstanden und hatten Sex. Nach 2 einhalb Jahren sind wir beide aus unserer Heimatstadt weggezogen, um zu studieren. Wir sind zusammengezogen, was der Anfang vom Ende war. Ich habe es beendet, da es mir zu "nahe" wurde. Getrauert habe ich deswegen nie - es war mir gleichgültig.
Danach hatte ich noch eine kurze Beziehung, die ich aus denselben Gründen beendet habe.
Verliebt war ich einige wenige Male (sehr wenige Male), allerdings war das von meiner Seite aus nie von langer Dauer. Und wenn es vom Mann nicht erwidert wurde, dann war es mir auch nach einigen Tagen gleichgültig.
Liebeskummer kenne ich nicht.

Seit einigen Jahren kenne ich auch kein "Verliebt sein" mehr. Es passiert einfach nie, auch wenn sich doch einige Männer hin und wieder für mich interessierten.
Asexuell bin ich nicht, da ich die Lust auf Sex verspüre und diesen auch habe. Allerdings nie was Ernstes, was mir Recht ist. Im studium waren es oft wechselnde Partner, seit einiger Zeit nur noch einer (mein Ex, mit dem ich einige Monate vor 5 Jahren zusammen war). Das daraus wieder jemals mehr werden könnte, schließe ich aus und möchte ich auch nicht.

Ich empfinde kein Verlangen nach Romantik und Zweisamkeit. Nie. Meine Single Freundinnen jammern, dass sie ihre Abende oft alleine verbringen müssen. Für mich ist die Einsamkeit am Abend das Größte. Niemals könnte ich mir vorstellen, mit einem Mann zusammen zu wohnen. Meine Single Freunde sind auch oft neidisch auf glücklich vergebene - ich hingegen empfinde Mitleid für Paare.

Ich bin keineswegs sozial isoliert. Ich habe viele Freunde und empfinde auch freundschaftliche Gefühle. Nur halt nichts was darüber hinausgeht.

Mit 14 Jahren habe ich das Wichtigste in meinem Leben verloren. Meine eineiige Zwillingsschwester ist plötzlich an einer Meningitis verstorben. Durch ihren Tod habe ich meine Jugend in Isolation verbracht. Ich war selbstmord gefährdet und stand ein Jahr lang unter Beobachtung in stationärem Aufenthalt. Danach war ich noch jahrelang in Therapie und meine einzigen Kontakte waren meine Eltern und die verwaisten Geschwister aus meiner Selbsthilfegruppe. Bis ich 18 war habe ich in einer Traumwelt gelebt, in der es meine Schwester noch gab. Irgendwann bin ich aufgewacht und habe wieder Freundschaften geschlossen. Richtig gut ging es mir allerdings erst, als ich mein Zuhause verlassen habe und einen Freundeskreis aufgebaut habe, der mich nur ohne sie kennt.
Mein Therapeut bestätigte mir, dass meine Gefühllosigkeit mit ihrem Tod zusammenhängt. Ich empfinde Dinge wie Liebeskummer nicht als schlimm, da ich das für mich Schlimmste schon erlebt habe und im Vergleich dazu für mich nichts im Leben mehr schlimm/schlimmer sein kann.
Das stimmt nicht nur in Bezug auf die Liebe, sondern auch auf andere Niederlagen im Leben. Sie lassen mich kalt.

Das Problem ist nun aber, dass mein Therapeut schon vor langer Zeit das Problem erkannt hat und auch ich selber, ich aber nicht weiß was ich dagegen tun kann.
Ich würde gerne anders denken und fühlen, aber ich kann es nicht. Ich würde gerne Gefühle haben, aber ich habe sie nicht. Ich denke, dass ich aus diesem Grund auch nie eine Familie haben werde, denn ich empfinde weder einen Beziehungswunsch, noch im Geringsten einen Kinderwunsch.

Auch wenn mir vielleicht keiner helfen kann, tat es gut, sich das mal von der Seele zu schreiben. Im Freundeskreis stoße ich auf Unverständnis.

Vielleicht hat ja jemand eine Meinung zu meiner Situation oder ähnliche Erfahrungen gemacht.

Liebe Grüße
Ina

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12. August 2017 um 0:36

Hallo ihr Lieben,

Ich wende mich an Euch, um eure Meinungen zu hören.

Ich bin weiblich und 27 Jahre alt, und ich leide meiner eigenen Auffassung nach und der Auffassung meiner Freunde an Gefühllosigkeit gegenüber Männern.
Ich weiß nicht, ob ich weiß was Liebe ist. Von 18-21 Jahren hatte ich eine fast dreijährige Beziehung, die entstand aber mehr aus gesellschaftlichem Druck. Wir haben uns freundschaftlich sehr gut verstanden und hatten Sex. Nach 2 einhalb Jahren sind wir beide aus unserer Heimatstadt weggezogen, um zu studieren. Wir sind zusammengezogen, was der Anfang vom Ende war. Ich habe es beendet, da es mir zu "nahe" wurde. Getrauert habe ich deswegen nie - es war mir gleichgültig.
Danach hatte ich noch eine kurze Beziehung, die ich aus denselben Gründen beendet habe.
Verliebt war ich einige wenige Male (sehr wenige Male), allerdings war das von meiner Seite aus nie von langer Dauer. Und wenn es vom Mann nicht erwidert wurde, dann war es mir auch nach einigen Tagen gleichgültig.
Liebeskummer kenne ich nicht.

Seit einigen Jahren kenne ich auch kein "Verliebt sein" mehr. Es passiert einfach nie, auch wenn sich doch einige Männer hin und wieder für mich interessierten.
Asexuell bin ich nicht, da ich die Lust auf Sex verspüre und diesen auch habe. Allerdings nie was Ernstes, was mir Recht ist. Im studium waren es oft wechselnde Partner, seit einiger Zeit nur noch einer (mein Ex, mit dem ich einige Monate vor 5 Jahren zusammen war). Das daraus wieder jemals mehr werden könnte, schließe ich aus und möchte ich auch nicht.

Ich empfinde kein Verlangen nach Romantik und Zweisamkeit. Nie. Meine Single Freundinnen jammern, dass sie ihre Abende oft alleine verbringen müssen. Für mich ist die Einsamkeit am Abend das Größte. Niemals könnte ich mir vorstellen, mit einem Mann zusammen zu wohnen. Meine Single Freunde sind auch oft neidisch auf glücklich vergebene - ich hingegen empfinde Mitleid für Paare.

Ich bin keineswegs sozial isoliert. Ich habe viele Freunde und empfinde auch freundschaftliche Gefühle. Nur halt nichts was darüber hinausgeht.

Mit 14 Jahren habe ich das Wichtigste in meinem Leben verloren. Meine eineiige Zwillingsschwester ist plötzlich an einer Meningitis verstorben. Durch ihren Tod habe ich meine Jugend in Isolation verbracht. Ich war selbstmord gefährdet und stand ein Jahr lang unter Beobachtung in stationärem Aufenthalt. Danach war ich noch jahrelang in Therapie und meine einzigen Kontakte waren meine Eltern und die verwaisten Geschwister aus meiner Selbsthilfegruppe. Bis ich 18 war habe ich in einer Traumwelt gelebt, in der es meine Schwester noch gab. Irgendwann bin ich aufgewacht und habe wieder Freundschaften geschlossen. Richtig gut ging es mir allerdings erst, als ich mein Zuhause verlassen habe und einen Freundeskreis aufgebaut habe, der mich nur ohne sie kennt.
Mein Therapeut bestätigte mir, dass meine Gefühllosigkeit mit ihrem Tod zusammenhängt. Ich empfinde Dinge wie Liebeskummer nicht als schlimm, da ich das für mich Schlimmste schon erlebt habe und im Vergleich dazu für mich nichts im Leben mehr schlimm/schlimmer sein kann.
Das stimmt nicht nur in Bezug auf die Liebe, sondern auch auf andere Niederlagen im Leben. Sie lassen mich kalt.

Das Problem ist nun aber, dass mein Therapeut schon vor langer Zeit das Problem erkannt hat und auch ich selber, ich aber nicht weiß was ich dagegen tun kann.
Ich würde gerne anders denken und fühlen, aber ich kann es nicht. Ich würde gerne Gefühle haben, aber ich habe sie nicht. Ich denke, dass ich aus diesem Grund auch nie eine Familie haben werde, denn ich empfinde weder einen Beziehungswunsch, noch im Geringsten einen Kinderwunsch.

Auch wenn mir vielleicht keiner helfen kann, tat es gut, sich das mal von der Seele zu schreiben. Im Freundeskreis stoße ich auf Unverständnis.

Vielleicht hat ja jemand eine Meinung zu meiner Situation oder ähnliche Erfahrungen gemacht.

Liebe Grüße
Ina

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