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Ich kann einfach nicht den Friedhof betreten...

8. Juni 2006 um 16:49 Letzte Antwort: 10. Juni 2006 um 18:40

Hallo ihr Lieben!

Ich bin 23 Jahre und habe vor 7,5 Jahren meinen drei Jahre älteren Bruder durch einen Verkehrsunfall verloren. Wir waren vor seinem Tot jeden Tag zusammen und waren nicht nur Geschwister sondern er war auch mein bester Freund! Wir haben alles zusammen gemacht und hatten dadurch auch viele gemeinsame Freunde. Das ganze ist jetzt schon Jahre her und inzwischen geht das Leben auch einfach weiter - natürlich vergeht nicht ein Tag, wo ich nicht an ihn denke. Mein Problem ist, dass ich einfach nicht sein Grab besuchen kann. Mal bin ich drauf und dran hinzufahren, habe aber sofort wieder Angst davor. War damals erst 15 Jahre und habe die ganze Trauer in mich hineingefressen - ich wollte stark sein und habe mich immer versucht zusammenzureissen, damit meine Eltern nicht noch trauriger werden. Ich hatte lange Zeit dadurch psychisch bedingte körperliche Probleme (Angstattacken, ständige Toilettengänge, aber auch angst vorm allein sein). Gestern wäre sein 27. Geburtstag gewesen. Vor schlechtem Gewissen träume ich schon die letzten zwei Nächte immer davon, dass er will, dass ich zum Friedhof komme, aber ich kanns einfach nicht ;-(

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8. Juni 2006 um 20:18

...
Das klingt jetzt vielleicht etwas "einfach", aber hast du schonmal daran gedacht, eventuell jemanden Liebes mitzunehmen, wenn du auf den Friedhof gehst? Vielleicht fällt es dir dann einfacher... wünsch dir jedenfalls viel Glück!

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9. Juni 2006 um 20:15

Gleiches verhalten
hallo
ich habe vor fünf jahren meine beste freundin verloren von jetzt auf gleich. wir waren am abend zuvor alle im schwimmbad und es war so wie sonst. in der nacht ist sie dann tragisch verstoben. fünf jahre...ich war erst einmal in der zeit dort. auch ich schaffe es nicht.trauer holt einen einfach wieder ein! du bist alleine der es so geht aber ich hoffe das du damit klarkommen wirst
alles gute

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10. Juni 2006 um 18:40

Es kann sehr tröstlich sein
Hallo du

Ich kenne das Gefühl. Eine sehr gute Freundin von mir ist vor zwei Jahren einfach so gestorben.
Anfangs wollte ich auch nicht auf den Friedhof. Schon gar nicht mit einer anderen Person. aber ich habe sie jeden Tag ein stückchen mehr vermisst und irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten, ich wollte in ihrer nähe sein und bin irgendwie zum Friedhof gegangen, weiss selbst nicht wie ich dahin kam. Und plötzlich stand ich vor ihrem Grab. Ich glaube ich hatte Angst davor es mir einzugestehen, dass sie nicht mehr kommt. Ich dachte wohl, wenn ich das Grab nicht sehe, dann könnte ich mir einreden, dass sie wieder kommt. Sie kommt aber nicht wieder. Aber das habe ich erst x Friedhofbesuche später realisiert.
Aber ich kann dir sagen, inzwischen gehe ich "gerne" dahin. es hat sowas tröstliches. Wenn ich sie schon nicht mehr sehen kann, dann will ich wenigstens so bei ihr sein. Ich erzähle ihr immer was bei mir so läuft. Manchmal gehe ich auf den Friedhof um einfach nur nachzudenken. Manchmal um einfach nur zu weinen, wenn es mir schlecht geht aus was für Gründen auch immer.

Ich kann dir nur raten, geh hin. Es ist schwer, bis du da bist. Deine Welt wird für einen Moment wieder zusammenbrechen. Aber eins kann ich dir sagen, du wirst erst dann Abschied nehmen können. Ich war natürlich auch bei der beerdigung meiner Kollegin, aber realisiert habe ich das alles damals nicht. Verabschieden konnte ich mich damals auch nicht, es waren zuviele Leute da, die ich zum grössten Teil auch nicht kannte. Verabschiedet habe ich mich erst viel später. Hab den Mut und geh hin, es wird dir gut tun, und dir helfen, mit deiner Trauer umgehen zu können.

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