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Ich hasse meine Gedanken

9. Juli 2014 um 21:04

Liebe KK-Gemeinde,

Ich hatte es nicht immer leicht im Leben. Meine Mutter wollte damals keine Kinder, hatte mich aber trotzdem bekommen, da sie in einem armen Land aufwuchs, indem es nicht üblich war Kinder abzutreiben. Sie wurde schwanger, heiratete meinen Vater und gebar mich. Sie ließ mich immer spüren, dass sie mich nie wollte und ich hatte kaum andere Bezugspersonen in meinem Leben. Mein Vater lernte ich nur kurz kennen. Dann ging meine Mutter nach Deutschland und führte hier ein Rotlicht leben(zumindest denke ich das) und ließ mich bei meiner Oma, die zwar auf mich aufgepasst hat, aber zu der ich nie eine richtige Beziehung aufbauen konnte. Ich vergaß meine Mutter, da sie auch sehr selten anrief und lebte weiter meine Kindheit. Als ich 6 war, holte sie mich aus meinem Heimatland nach Deutschland. Ich kannte sie nicht und wusste auch nicht so recht, was mit mir passiert. Ich war völlig allein in einem fremden Land und das hat eine sehr tiefe Wunde hinterlassen Meine Mutter hatte immer sehr hohe Erwartungen an mich, schließlich ist sie einen harten Weg gegangen, um mich hier her zu holen. Ich musste immer gut in der Schule sein und immer besser und schlauer als alle, dabei war ich auch nur ganz normal. Hinzu bekam ich eine neue Familie(Stiefvater, alkoholabhängig und drogenabhängig) und eine Oma und einen Opa. Irgendwann ließ meine Mutter sich scheiden, weil mein Stiefvater so abhängig war, dass er nachts aus Versehen in mein Zimmer kam und sich schlafen legen wollte.(Es klingt so, als wäre er handgreiflich, war er aber nicht, einfach nur verwirrt). Nach der Scheidung wollte meine neune Familie nichts mehr von mir wissen. Das alles kurz dargestellt, wobei alles natürlich immer viel komplexer und ausführlicher ist.
Ich hatte nie jemanden und erlitt danach eine tiefe Depression, war in der Psychiatrie und zog von Zuhause aus, um mich von meiner Mutter zu trennen, da sie selbst psychisch schon immer nicht ganz da war. Seitdem bin ich nun 5 Jahre in Therapie. Ein halbes Jahr in der Psychiatrie, dann zwei ambulant bei einem Psychiater: Ich machte eine Pause und arbeitete in einem Kinderheim für behinderte Kinder in Russland, bis ich dann mein Studium begann. Seitdem bin ich wieder in Therapie. Aber es bessert sich nur gering was! Ich kann einfach nicht mehr. Was mich am meisten stört sind meine Gedanken. Hier ein Katalog:

Ich bin nicht schön genug
ich bin so dumm, wieso kann ich nicht einfach schlau sein?
ich habe einen hässlichen Stil
ich habe keine Hobbys, würde aber so gerne welche haben, kriege das nicht auf die Reihe
würde gerne wieder was soziales machen, schaffe das aber auch nicht
ich bin zu schlecht für meinen Freund
alle merken, dass ich anders bin
wieso bin ich so anders? Das ist so gemein, andere sind so glücklich und haben so viel glück gehabt, wieso nicht ich? wieso liebte mich niemand, als ich es gebraucht habe? ich würde so gerne auch einfach nur einen Menschen gehabt haben, dann würde ich mich jetzt nicht so hassen
wieso hat meine mutter mich nicht abgetrieben?
wieso bin ich nicht so schön und gepflegt und sehe immer perfekt aus wie die anderen Mädchen, die ich so oft sehe
wieso kann ich mich nicht einfach mögen und auf mich achten?
wieso kann ich diese schrecklichen Gedanken nicht abestellen?
wird sich nie was ändern?
warum kann ich nicht so strukturiert sein, wie andere im Studium/Leben?
Wieso lasse ich zu, dass andere Menschen mich herunterziehen(z.B. mein Lehrer, der meinem Kurs in meinem sprachwissenschaftlichen Studium die Sprache lehrt, die ich studiere. Er sagt, wird sind alle so schlecht und faul. DIe einen nimmt das nicht mit, die anderen(auch mich) schon. Wieso gehöre ich dazu?
Wieso muss ich mich immer mit anderen vergleichen und schneide immer schlechter ab?
Wieso sind die anderen besser?
.....

Ich hoffe, dass das einen kleinen Einblick in meine Psyche zeigt.
Und irgendjemand überhaupt Lust hat das alles zu lesen

Liebe Grüße
A.

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9. November 2014 um 16:27

Ich weiss ganz genau was du meinst!
Dies habe ich auch seit Jahren !
Diese fürchterliche Gedanken die nicht mehr weggehen...
Du hast echt sehr viel im Leben erlebt und das tut mir leid... Jetzt fängst du an alles was passiert ist in Frage zu stellen das ist bei mir auch so...
Schreib mir mal eine Private Nachricht wen du dies liest es würde mich freuen mit jemaden zu sprechen dem es gleich geht wie ich ...!

Lg The Beat

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24. November 2014 um 21:27
In Antwort auf feelthebeat7

Ich weiss ganz genau was du meinst!
Dies habe ich auch seit Jahren !
Diese fürchterliche Gedanken die nicht mehr weggehen...
Du hast echt sehr viel im Leben erlebt und das tut mir leid... Jetzt fängst du an alles was passiert ist in Frage zu stellen das ist bei mir auch so...
Schreib mir mal eine Private Nachricht wen du dies liest es würde mich freuen mit jemaden zu sprechen dem es gleich geht wie ich ...!

Lg The Beat

Was sind Gedanken....
Gedanken...
"fürchterliche Gedanken"...

Sind Gedanken wirklich "fürchterlich"?

Was sind Gedanken überhaupt? Macht die Augen zu und denkt...denken...denken..

Was seht ihr?

Also ich sehe Bilder..viele Bilder....

Ein Bild ist in erster Linie für mich eine SACHE. Darauf sind viele EINZELNE Bilder, Details zu sehen.

Da ist z.b. ein Baum, ein Haus, ein Auto, eine Frau.

aber KEIN "schöner" Baum, kein "kaputtes" Haus, kein "dreckiges" Auto, keine "hässliche" Frau.

Ihr müsst erst einmal lernen, BILDER zu BETRACHTEN.

WAS ist auf dem Bild/ WAS ist in dem Gedanken?

NICHT WIE, sondern WAS ist die erste Frage.

--
Betrachtet/beobachtet eure Gedanken/Bilder. Ganz neutral, wie wenn ihr in einen neuen Raum geht oder einen neuen Ort besucht.

An einem neuen Ort SCHAUT ihr euch auch zuerst um, WO ihr seid, WAS es gibt und NICHT, ob der Raum schön ist oder hässlich.

--

genauso müsst ihr es mit den Gedanken handhaben.

Stellt euch vor, ihr denkt nach. Ihr geht dazu in ein Museum (euer ich) und schaut euch die Bilder (eure Gedanken) an.

In erster Linie geht ihr die Bilder DER REIHE NACH ab.

Ihr steht bei JEDEM Bild, um es zu BETRACHTEN.

Jetzt BEWERTET ihr das Bild: Ihr stellt euch die Frage: Wie finde ich es?

Wenn ihr es gut findet, bleibt ihr stehen und schaut es noch länger an.

Wenn ihr es SCHLECHT findet, dreht ihr euch um und GEHT WEITER.

--

Wieso bleibt ihr bei euren Gedanken dann stehen, die euch NICHT gefallen? Wieso habt ihr nur "fürchterliche" Gedanken = Bilder?

Weil ihr euch die selber AUSGEGUCKT habt.
Geht doch weiter! Dreht euch doch um!

Im Museum bleibt ihr doch auch nicht bei den FÜR EUCH hässlichen Bildern stehen.

Also warum bleibt ihr bei euren "fürchterlichen" Gedanken hängen.

--

Und jetzt noch eine Erklärung der "fürchterlichen" Gedanken.

Gedanken sind nicht "fürchterlich". Genauso wenig wie ein BILD fürchterlich ist.

Ein Bild ist erst mal eine Darstellung von Dingen.
Eine Darstellung des Seins.
Völlig wertefrei, völlig neutral.

das "fürchterliche" hängt nur davon ab, wer sich das Bild anschaut.

Wenn DU dir ein Bild von einem weißen Haus an dem Mittelmeer anschaust, kann es sein, dass DU es schön findest.

Jetzt kommt ein Außenstehender, der nicht in dein Museum reinkommt (logisch, sind ja DEINE Gedanken, hat daher keinen DIREKTEN Zugriff darauf).

Aber du erzählst ihn von dem Bild (Gedanken).

Er ist vllt. Kunstliebhaber und wird anhand deiner (genauen oder schwammigen) Beschreibung des Bildes dir sagen, dass er es "fürchterlich" findet. Er hat schon "viel bessere" Bilder gesehen.

Komisch, DU findest es doch gut.

--

Jetzt stell dir vor, du konfrontierst einen AUßenstehenden mit DEINEN Bildern, die du FÜRCHTERLICH findest.

Was wird er dir wohl sagen?

1. Sieht er sie nicht DIREKT. Er muss auf deine Beschreibung vertrauen.

2. Wird er einen anderen Hintergrund haben (Kunstliebhaber, Hobbymaler, Anhänger einer bestimmten Kunstepoche etc.).

Er wird dir sagen: Ich kann dich nicht verstehen, wieso DU DAS(!) Bild "fürchterlich" findest.

DAS Bild. Das Bild ist.

Es ist für beide. Es ZEIGT beiden das Gleiche.

Trotzdem ist es für dich Fürchterlich, für den anderen schön.

---

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25. November 2014 um 21:56

Tut mir leid
Îch würde dir gerne mit allen mir zur verfügung stehenden mitteln helfen. Aber wen dir selbst die Therapie nicht helfen konnte zweifel ich ob ich das kann. Ich kann dir so vieles sagen und so vieles hast du schon gehört. Wen du mir irgend wie sagen könntes was du brauchst was du willst vielleicht bin ich dann in der lage dir zu helfen.
Wen nicht dann wünsch eich dir alles gute viel glück und erfolg.
I belive and i trust in you.

MFG: SicK

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