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Ich habe mich total verloren - ich kann mich nicht mehr wiederfinden - wie soll es nur weitergehen!

7. August 2014 um 18:05

Ich wäre so froh wenn jemand von euch sich die Zeit nimmt das zu lesen (lang) - ich weiß einfach nicht mehr weiter.
Also. Ich bin 27, in einer Beziehung seit 6 Jahren, habe zwei Hunde und zwei Katzen.
Und zur Zeit geht es mir einfach nur noch schlecht. Ich habe jegliche Perspektive verloren. Jeglichen Mut, Selbstvertrauen, die Fähigkeit mich für etwas zu begeistern. Ich lebe jeden Tag einfach so vor mich hin, in den Tag hinein und warte darauf dass er vorüber geht damit der nächste Tag kommt. Wenn ich dann darüber nachdenke weis ich nicht einmal warum, denn am nächsten Tag tue ich wieder genau das selbe!
Ich habe fast nur noch negative Gedanken, ich bin frustriert und irgendwie kann ich keinem mehr etwas gönnen. Ich bin richtig verbittert würde ich sagen. Ich bekomme Zustände wenn ich junge Mädchen (mit Anfang 20 oder so) sehe, sie machen mich raßend. Ich denke das kommt daher dass sie mir vor Augen führen was ich alles verpasst habe, welche Chancen ich nicht genutzt habe, dass ich gerne noch einmal in diesem Alter wäre um einfach alles anders zu machen, denn für manche Dinge ist es inzwischen einfach zu spät.

Mein erstes Problem:
Ich habe keinen wirklichen Job in dem Sinne dass man etwas sinnvolles tut, sein eigenes Ding macht, Kollegen hat usw.. Ich arbeite bei meiner Mutter in der Firma und eigentlich ist diese Anstellung wenn ich mal ehrlich bin einfach nur Beschäftigungstherapie denn dort sitze ich täglich nur rum, habe vllt einmal in der Woche etwas für 30 Minuten zu tun und das war es dann.
Ich habe eine schulische Ausbildung in einem Job den ich nie ausgeübt habe geschweige denn mochte. Danach habe ich keine andere Ausbilung mehr gemacht.

Mein zweites Problem:
Meine Freunde habe ich fast alles verloren- wenn ich überhaupt jemals welche hatte. Meine Eltern und ich sind früher oft umgezogen, ich war immer die neue, ich kam immer irgendwo dazu und habe mich oft nicht richtig dazugehörig gefühlt. Versteht mich nicht falsch, eigentlich bin ich sehr selbstbewusst und auch kommunikativ, ich kenne auch viele Leute, aber mehr dann auch nicht. Ich habe eine EINZIGE Freundin die ich als meine "Beste Freundin" bezeichnen würde, aber auch mit ihr ist es nicht so wie man sich das jetzt wünschen würde.. W
eil immer noch andere im Spiel sind, andere mit denen sie genauso gut befreundet ist wie mit mir.
Eigentlich gibt es in meinem Leben nur eine einzige Person der ich alles erzählen kann, meinen Freund.

Ich weiß nicht wie all das passieren konnte, ich bin nett zu den Leuten, ich bin keine Zicke und ich bin auch nicht merkwürdig oder so etwas, ich bin recht hübsch (durchschnitt würde ich sagen ) ich denke ich komme nur einfach immer "zu spät".

Mein drittes Problem (vielleicht auch eher "Auslöser):
Als ich klein war waren meine Eltern sehr sehr reich. (Ich oder auch meine Eltern waren aber NIE arrogant, das ist wirklich so) Ich meine, ohne blöd zu klingen, wir konnten uns wirklich einiges leisten. Mehrmals im Jahr Urlaube, drei Ferienhäuser, ein Restaurant das mein Vater eher zum Spaß betrieb, vier Autos, Jaguar, Porsche, Mercedes.. Wir hatten es Wirklich sehr gut. Ich bin in dem Glauben aufgewachsen dass ich "alles sein kann was ich will wenn ich groß bin". Ich hatte Träume, so viele! Mit 26 heiraten, mit 27 das erste Kind bekommen. In einem schönen Haus wohnen, selbstständig sein beruflich, mit etwas besonderem, neuem, mit etwas kreativem. Autorin vielleicht? Journalistin? Etwas erfinden? Etwas mit Tieren? Etwas bewegen einfach! Beliebt zu sein, vielleicht manchmal auch berühmt.
Dann habe ich zugesehen wie alles nach und nach in die Brüche ging. Meine Eltern wurden gestresster, die Autos weniger.. Wir verloren ein Haus nach dem anderen.. Dann kam die Wirtschaftskrise was und dann den Rest gab. Das ging so weit dass wir auf der Straße standen (als ich 21 war).
Mein Vater ist ein Lebenskünstler und hat sich immer etwas für uns einfallen lassen, er ist wirklich clever und er hat auch noch einige Werte, von denen man aber eben leider auch nicht runter beißen kann. Daher ist seit (spätestens) 6 Jahren bei uns absolutes Chaos und ein wöchentlicher Kampf auf die nächste Woche und die nächste..
Nun könnte man sagen dass ich 27 bin und eigentlich ja selbst auf eigenen Beinen stehen sollte aber genau das ist der Punkt. Seit ich denken kann bekomme ich vorgebetet dass alles wieder so wird wie früher, dass ich immer noch alles erreichen kann was ich will. Ich hab es einfach bis heute verpasst selbstständig zu werden und etwas aus mir zu machen- warum auch immer, ich verstehe es selbst nicht!
Und ich kann mich einfach nicht davon lösen! Ich weiß dass das schwer zu verstehen ist aber vllt versteht mich doch irgendwer. Es ist nicht so dass ich verwöhnt, faul oder sonst etwas bin, ich kann nur einfach nicht! Ich kann mich nicht mit einem "normalen" Leben abfinden! Ich kann dieses neue Leben, das nun meines ist einfach nicht annehmen, ich ertrage es nicht! Ich weiß das klingt furchtbar, aber versucht mich zu verstehen!

Dazu kommt dass ich einen Plan hatte.. einen festen Plan für mein Leben und ich befürchte dass ich meine Chance dazu verpasst habe als ich jünger war (jetzt bin ich 27, in einer Beziehung seit 6 Jahren, ich habe das Gefühl mir rennt die Zeit davon bevor es zeit wird zu heiraten und Kinder zu bekommen! ) und das kann ich nicht ertragen, ich kann mich damit auch nicht abfinden!

Gerade seit meinem 27sten Geburtstag habe ich das Gefühl ganz deutlich JEDE EINZELNE Chance zu sehen die ich in meinem Leben bisher hatte (in die USA zu ziehen, dort zu leben, zu arbeiten, den richtigen Job zu lernen usw..) und verpasst habe. Einfach verpasst. Es ist zu spät für diese ganzen Dinge, für meine Pläne!

Ich habe das Gefühl wie ich es drehe und wende ich kann meine Pläne nichtmehr verwirklichen, ich habe die Zeit dazu verpasst. Ich bin "aus dem alter raus". Es ist nicht so dass ich nichts dafür tun würde, doch! Aber ich möchte meinen Freund nicht verlieren, ich möchte mich nicht trennen müssen und ich möchte meine Tiere behalten können. Und ich habe immer das Gefühl die einzige Möglichkeit für mich irgendwie noch glücklich zu werden wäre, mich von meinem Freund zu trennen, meine Tiere abzugeben, alles zu verkaufen was ich habe und irgendwie mir einen Wert bringt, meine Koffer zu packen, in den Flieger zu steigen und ganz neu anzufangen- und zwar JETZT (so lange es noch nicht zu spät ist einen neuen Mann kennen zu lernen und Kinder noch in so absehbarer zeit zu bekommen dass ich noch eine "junge" Mutter bin!!!).
Ich kann und will das aber nicht! Ich liebe meinen Freund und ich liebe meine Tiere. aber ich bin einfach mit dem Rest meines Lebens absolut nicht glücklich!
Ich hasse es dort zu leben wo ich wohne, ich will (am besten) weg aus Deutschland! Versteht ihr in welcher Zwickmühle ich mich befinde!?

Ich klinge furchtbar, und undankbar und durcheinander, ich weiß, aber ich hoffe irgendwer versteht mich! Kennt vielleicht ähnliches? Hat auch schon solche Gedanken gehabt und Dinge durchgemacht? Ich weiß nichtmehr weiter, ich finde keine Lösung, ich kann nicht mehr. Ich fühle mich so verloren, hilflos und ohne Perspektive! Wie ohnmächtig!

Manchmal denke ich dass ich vllt eine Art Torschlusspanik habe, aber ich glaube das ist es nicht! Oder Angst vor dem älter werden? Was ich aber auch nicht glaube..

Wie erträgt man es einen Traum den man immer hatte aufgeben zu müssen!?

Im Großen und Ganzen würde ich es so zusammenfassen: Ich bin nun 27 und möchte langsam daran denken zu heiraten, Kinder zu bekommen, eine Familie zu gründen und eine Familie zu sein. Aber ich bin selbst einfach noch nicht "vollständig" also kann ich all dies nicht! Ich bin nicht die Person geworden die ich immer sein/werden wollte.

Und dann ist da noch dieses Gefühl! Ich nenne es immer "so ein Ziehen". Es ist so eine Art "Heimweh" aber irgendwie anders. Es überkommt mich immer (und oft) ganz plötzlich, ohne Vorwarnung, und dann macht es mich fertig. Es breitet sich in mir aus, es überwältig mich, mir kommen die Tränen. Ich kann es kaum erklären, es ist eine Art extremes Glück kombiniert mit extremer Trauer !? Verzweiflung!? Es ist dann in etwa so: Ich stehe irgendwo und rieche etwas, sehe etwas, höre ein Lied oder auch einfach nur so, und dann bekomme ich diesen Flashback, ganz kurz, an irgend etwas von früher. Unser Haus am See, Abend, draußen, Gelächter, Warmer Sommerwind, meine Eltern, glücklich, ich als Kind, mein Vater trägt mich nach oben ins Bett, er und meine Mutter tanzen.. Aber alles ganz schnell! Manchmal sind es solche Erinnerungen oder einfach nur ein Gefühl dass ich irgendwann in unserer Glücklichen Zeit hatte und dann "zieht" etwas in mir so unglaublich stark dass es mich fast zerreißt. Kennt das jemand?? Was ist das alles nur..


(Falls jemand nun auf diesen Gedanken kommen sollte - denn ich weiß wie ich mich anhöre - in Therapie war ich schon, wegen Hypochondrie und Panikstörungen als Ergebnis von dem was alles bisher passiert ist, mit meiner Familie und unserem Leben.. Ich habe diese Dinge (meistens) einigermaßen im Griff, aber das ist auch etwas anderes denke ich.)

Ich weiß, manchmal klinge ich wie ein faules, jammerndes, undankbares Häufchen Elend dass sich gerne im Selbstmitleid suhlt, aber ich schwöre euch dass ich das nicht bin. Ich bin eigentlich jemand anders, ich schaffe es nur nicht das auch zu sein..

Ich hoffe irgendjemand versteht mich..?




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8. August 2014 um 9:50

Hallo.
Deine Unzufriedenheit kommt erstmal aus dir selbst, nicht aus Deinen Lebensumständen. Das denken wir zwar gerne, aber dem ist nicht so. Wenn Du innerhalb dieser Umstände nicht zur Entwicklung fähig bist, dann brich aus. Eigentlich bräuchtest Du nur etwas Mumm, einen kleinen Plan und Disziplin. Wenn das nicht geht, spar dein Geld für einen Australien- oder Thailandflug, mach da Soziale abriet, wo man Dir Kost und Logie zahlt und sieh zu, dass Du Dein denken veränderst. Oder geh in die Schweiz und rack da mal richtig als Kellnerin oder sowas. Du musst was schaffen, im Sinne von arbeit. Durch den Nutzen, den man in sich selbst erkennt, erkennt man auch irgendwann wieder den Sinn des Lebens.

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8. August 2014 um 14:50

Damit hast du ja recht..
.. Es fällt mir nur so schwer. Meine Mutter versteht mich absolut nicht, ich denke dass sie allgemein wenig Verständnis für mich oder meine Situation hat.. Ich habe ihr das schon mehrmals gesagt aber es einfach nicht auf die Reihe bekommen etwas neues anzufangen.. Manchmal stehe ich mir selbst im weg, undzwar so richtig! Dann denke ich mir "was bringt es denn hier etwas neues anzufangen wenn ich so oder so weg will" und dann denke ich immer dass ich garnicht weg kann.. An einem Tag bin ich voller Energie und will loslegen, schmiede Pläne, schaue nach Wohnungen und schreie Bewerbungen und am anderen Tag bin ich wieder völlig entmutigt und weiß nicht mehr was ich will! Und wohin ich will!
Ich wohne mit meinem Freund zusammen und wir sind eigentlich sehr glücklich in unserer Beziehung! Ich liebe ihn sehr, auch wenn die Schmetterlinge vom Angang ein wenig bei mir verflogen sind.. Ich bin aber nicht aus Gewohnheit mit ihm zusammen! Ich bemerke nur in letzter zeit oft dass ich unterbewusst auch ihm eine gewisse schuld gebe, wenn ich mir dann denke dass ich wenn ich ihn damals nicht kennengelernt hätte definitiv weg gegangen wäre und dann wäre Vllt alles ganz anders geworden.. Und dann bin ich frustriert und unglücklich und ärgere mich über mich Selbst und über ihn..
Er kennt meine Situation und auch meine Gedanken und Probleme und er hat wirklich sehr viel Verständnis für mich und meine Launen - ich weiß dass er mich sehr liebt. Aber er ist auch etwas, naja "träge". Er ist nicht bereit sich in ein "Abenteuer" zu stürzen, etwas "unsicheres" zu Wagen oder neu anzufangen. Er denkt sehr rational und vernünftig was sicher nicht schlecht ist aber mich dann doch ziemlich runter zieht.. Er würde sicher auch mit mir ins Ausland gehen aber mit seinem Job ist das schwierig er ist da gebundener als ich..

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9. August 2014 um 16:50

Spontan dazu
einfach nur weg ....
das ist ein innerer zustand. das ist ein wunsch im inneren sich von etwas zu lösen.
.... antworte spontan: wovon willst du dich lösen?

welche stimme sagt denn viele dieser sätze, die du da geschrieben hast. ist alles deine eigene stimme?

ich kann vieles nachempfinden, ich fühle mich ähnlich, wenn auch die Rahmenbedingungen andere sind.

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