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Ich habe Ihm die Hand gehalten und trost gespendet bis zuletzt !!!

16. Dezember 2006 um 18:28

Mein Cousin ist im alter von nur 41. Jahren vor einigen Tagen verstorben. Nach einer langen, schweren und schmerzhaften Krankeheit. Eigentlich an keiner bestimmten Krankheit allerdings fing es von fünf Jahren mit dem Herz an und ging über Dickdarm, Dünndarm, Milz, Entzündungen und hohem Fieber zu Lungenentzündung, Bauchspeicheldrüsenblutung zum Ende hin über Nieren, Leber und multiples Organversagen. Doch er war wie immer in den letzten fünf Jahren der Meinung, dass er nach 5 - 10 Tage wieder aus der Klinik kommt - doch diesesmal war es doch anders.

Ich bekam einen Anruf wie so oft in den letzten Wochen, dass es Ihm nicht gut ginge und man nicht weiß, ob er die Nacht überlebt. Also wie immer nach dem Nachtdienst sofort zu Ihm in die Klinik. Aber heute sah er so anders aus: muss leider sagen, dass kaum noch Leben in Ihm war. Seine Hände sahen schon so aus als ob er tot war (blass, fältig und ohne Kraft) - er kämpfte so verzweifelt um sein Leben, dass er all seine Energien zur kranken Körperstelle weiterleitete.

Der Puls war an diesem Tag ja schon sehr niedrig aber eigentlich ziemlich konstant. Doch nach 1,5 Stunden an seinem Bett bekam er plötzlich starkes Fieber mit schweißausbruch und nur zwei, drei Minuten später dann ganz eisik kalten schweiß den ich Ihm wie immer mit einem Waschlappen abschusch. Doch dann plötzlich ging der Puls/Herzton so schnell bergab - dass wir kaum noch Zeit hatten die Dinge anzustrechen, die man gerne noch gesagt hätte. Muss aber sagen das er im künstlichen Koma lag - da er eine offene Bauchdecke hatte und die Schmerzen sonst zu stark für Ihn gewesen wären. Doch wenn plötzlich alle Automaten Piepen und man sieht wie die Anzeigen auf dem Monitor immer kleiner werden - da fehlen einem die Worte um zu sagen wie sehr ich ihn als Cousin hatte. Und ob er sich auch immer in meiner Umgebung wohl gefühlt hatte. Oder ob ich fremd für ihn war. Was ich nicht denke - aber nie mit ihm besprochen hatte und plötzlich denkt man solche Dinge.

Alles Piepte und die Ärzte kamen angerannt - konnten aber nichts mehr für Ihn tun, denn er hatte schon alle möglichen Medikamente bekommen - die Ihm hätten helfen können. Also stellten Sie die Computer aus und ließen seiner Frau und mir die nötige Zeit um Abschied nehmen zu können. Doch obwohl wir wußte, dass der Tag eines Tages kommen würde - kam er für uns und vorallem für Ihn selbst viel zu früh.

Ich fühle mich leer - trauere aber irgendwie noch nicht richtig - da ich das Gefühl habe als ob er immer noch im Krankenhaus ist. Ich habe Ihn so lieb gehabt ohne es eigentlich gewußt zu haben. Aber das geht wohl jedem so. Man weiß ja meist erst wie sehr man liebt wenn der jenige nicht mehr da ist.

Am 04.01.07 findet nun seine Beerdigung statt. Das wäre eigentlich sein 42. Geburtstag gewesen. Ich hoffe, dass ich an diesem Tag mal so richtig doll weinen kann um mich dann mit der Verarbeitung auseinander setzen kann.

Netti

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28. Dezember 2006 um 0:46

Hallo netti
hallo netti,

ich habe deinen artikel aufmerksam gelesen

meine mutter ist am ersten weihnachtsfeiertag verstorben.
sie war 62 aber für mich zu jung zum sterben

leider hatte ich nicht das glück bei meiner mutter zu sein.
ich bin ein paar stunden zu spät gekommen.
alle wusten das es nach 2 jahren kampf mit dem krebs zu ende geht aber so schnell

ich mache mir vorwürfe das ich in der stunde nicht bei ihr war und was noch schlimmer ist vor 21 jahren habe ich schon meinen vater so verloren.

ich komme immer zu spät in meinem leben.

ralf

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30. Dezember 2006 um 8:21

Hallo netti!
ich hatte deinen beitrag schon vor ein paar tagen gelesen, aber da wusste ich noch nicht, was ich antworten könnte.

es muss -zusätzlich zum tod- ein schock gewesen sein, zwischen all den piepsenden geräten zu sitzen. ich mag mir das gar nicht vorstellen.
dein cousin lag zwar im künstlichen koma, aber ich bin mir sicher, dass er deine anwesenheit gespürt hatte. es gibt viele menschen, die warten, bis jemand da ist, sich noch verabschieden. es tat ihm sicherlich gut, nicht alleine zu sterben.
auch wenn jemand schon längere zeit krank ist, so ist es doch ein schlag ins gesicht, wenn dieser dann 'plötzlich' stirbt.

allerdings verwundert es mich, dass die beerdigung erst im neuen jahr stattfindet. wird er denn eingeäschert, dass es deshalb so lange dauert? das mag nun pietätlos klingen, aber es ist ja auch eine qual für die angehörigen, denn erst mit der beerdigung kann doch die trauerarbeit so richtig beginnen...

ich wünsche dir ganz viel kraft und alles gute!!
mistelzweig

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31. Dezember 2006 um 22:24

Ich halte nun schon seit fast zwei jahren jeden Tag .ihre Hand........
Hallo Netti , ich kenne dieses gefühl der Unmacht. Seit fast zwei jahren liegt meine Mutter im Koma und ich bin jeden tag bei Ihr und halte ihre Hand und bete um gesund werden.
Seitdem gehe ich jeden tag ins Bett und weiß nicht , ob sie es schafft.Ich gehe weiter jedn Tag zu ihr hin und werde beten.........

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