Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Ich habe eine Depression

Letzte Nachricht: 4. Juni um 2:12
01.06.21 um 22:47

Hi,
ich muss mal was loswerden.
Vor drei Jahren einen Monat nachdem ich 18 wurde habe ich aus Dummheit ein Bordell besucht und Geschlechtsverkehr (mein erstes Mal) gehabt. Seit diesen Tag gehe ich ständig in mein Zimmer, ziehe mich zurück und fange einfach an zu heulen. Ich hasse mich selbst dafür und kann mich einfach nicht mehr ertragen. Keine einzige Sekunde vergeht ohne über diese abscheuliche Tat nachzudenken. 

Irgendwann ging es soweit, dass ich beschlossen habe Selbstmord zu begehen. Jedoch hat mein Onkel mich rechtzeitig gestoppt. Daraufhin wurde ich in eine Klinik überwiesen und habe Medikamente bekommen und musste eine Psychotherapie beginnen. Dort wurde mir die Diagnose sehr schwere Depression gestellt. Nach sechs Monaten wurde ich entlassen. Es ging mir dann zwar ein bisschen besser, aber nicht deutlich. Deshalb habe ich sechs weitere Male ein Bordell besucht. Einerseits dachte ich, dass sich meine Depression irgendwie durch ein Wunder auflöst, obwohl ich mich dafür bis zum Boden schäme und andererseits weil mich mein bester Freund dazu geraten hat nochmal dahinzugehen. Ich lehne Prostitution sehr stark ab und dennoch war ich ganze siebenmal in einem Bordell. Ich hasse mich selbst dafür und ekel mich vor mich selbst. Ab und zu habe ich Selbstmordgedanken, aber nicht mehr so oft wie früher. Ich weiß das ich selbst Schuld für meine Taten trage. Ich weiß einfach nicht wie ich mit dieser Schuld leben soll.
 
In letzter Zeit wurde der Gedanke "Was soll ich einer zukünftigen Freundin sagen, wenn sie mich fragt mit wem ich mein erstes Mal gehabt habe?". Ich kann nicht lügen, aber ich will auch keine Frau damit belasten, da es meine eigener Ballast ist. Seit drei Jahren muss ich mit dieser Scheisse leben. Ich habe auch seit zweieinhalb Jahren kein Bordell besucht und werde es sicherlich nie wieder tun. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Ich kann mich selbst einfach nicht mehr leiden und jeder fragt mich ständig was mit mir los ist. Ich sitze nur in meinem Bett und weine ständig und das seit drei Jahren.

Hat jmd vllt. was Ähnliches durchgemacht? 
Habt ihr irgendwelche Tipps?
Wie würdet ihr als Frau reagieren (Bitte nur ernste Antworten)?
Ich finde einfach keinen Ausweg mehr!

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03.06.21 um 8:14

Lieber theo677,

du berichtest, dass du wegen deiner Depression in einer Therapie warst, aber "entlassen" wurdest. Hast du mittlerweile einen ambulanten Therapie-Platz?

Wenn nicht würde ich dir raten, dich bei allen Psychotherapeuten in deiner Umgebung auf die Warteliste für einen Therapieplatz setzen zu lassen.

Ich höre aus deiner Nachricht eine Verzweiflung. Du sagst, dass du sieben Mal in einem Bordell warst, obwohl du das eigentlich nicht möchtest und nicht gut findest.

Ich vermute, dass dieser konkrete Fall einen Wertekonflikt in dir triggert, der aber nicht in dieser Situation seinen Ursprung hat. Hast du auch in anderen Lebensbereichen das Gefühl, dass du anders handelst (handeln musst) als du es dir wünschst und geplant hast?

In einer (Schema-)Therapie kannst du aufarbeiten, welche deiner Verhaltensmuster dazu führen, dass du dich anders verhältst als du es dir wünschst und planst.

Wichtig ist dabei, dass du lernst zu unterscheiden, was du selbst willst und was andere von dir erwarten und dich dann von den äußeren Erwartungen abzugrenzen.
Fu berichtest, dass dein Freund dir geraten hat in das Bordell zu gehen. Wieso bist du der Empfehlung gefolgt?
Wieso verurteilst du dich im Nachhinein dafür? Gibt es vielleicht noch eine andere Einflussperson in deinem Leben, die dem Bordellbesuch kritisch gegenübersteht?

Am Ende ist es unwichtig, mit wem du dein erstes Mal hattest. Es zählt nur, dass du mit dir selbst im reinen bist und ein liebevolles und wertschätzendes Umfeld für dich schaffst, in dem du dich wohl fühlst. Dazu gehört auch, sich von den Meinungen und Empfehlungen anderer abzugrenzen und die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.

Die Frau, die zu dir passt wird sich in dich verlieben, weil du der Mensch bist, der du bist und nicht weil du gemacht hast, was du gemacht hast (im positiven wie im negativen). Wenn dich eine Frau dafür liebt, was du machst, ist sie die Falsche.

Ich wünsche dir, dass du Strategien findest, um deine Depression zu ertragen. Das Gute ist: Bei den meisten Menschen klingt die Depression über die Jahre (in Wellen) ab. Es wird besser werden und du wirst sie vielleicht mit einer Therapie sogar ganz hinter dir lassen können.

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04.06.21 um 2:12

Deine Gedanken sind von außen betrachtet etwas eigentümlich und schwer nachvollziehbar, ungeachtet der Frage, wie man zur käuflichen Liebe stehen mag: Das Sich-Suhlen in Schuld, das Festkleben in mitunter etwas sonderbaren Gedankenspiralen, die für Außenstehende wenig Sinn ergeben, ich glaube, das ist Ausdruck deiner Krankheit. Ich denke, du solltest dir weiterhin professionell helfen lassen. Mit einer Depression ist nicht zu spaßen. Es ist ganz wichtig, dass du Hilfe bekommt und Gespräche mit Menschen führen kannst, die wissen, wie sie dich aus deinen unheilvollen und wenig hilfreichen Gedankenspiralen herausführen können, möglicherweise auch unter Einbeziehung von Medikamenten. 

Wir alle machen Fehler, tun Dinge, die wir im Nachhinein verurteilen. Die Kunst besteht darin, sich zu verzeihen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Schuld ist schon ein Gefühl, das man zunächst anerkennen sollte, wenn man einen Fehler gemacht hat (und sei es auch nur im eigenen Ermessen), aber in weiterer Folge darf und muss die Schuldspirale verlassen, denn Schuld ist ein lähmendes Gefühl. Wo ist da der Lernzuwachs? Die Entwicklung? Die Schuld hält einen oft nur fest und lässt uns mit dem Gefühl zurück, nicht zu genügen. Wesentlicher ist es aber, zu erkennen, was man ändern, wo man sich entwickeln möchte. 

Ich hoffe, dass du Hilfe erhältst und wünsche dir alles Gute. 

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