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Ích fühle mich leer und deswegen unddankbar...

20. September 2014 um 18:02 Letzte Antwort: 16. Oktober 2014 um 5:27

Halli Hallo ihr Lieben,

ich stehe gerade irgendwie an einem Punkt, an dem es nicht weiter geht. Ich habe so viele Probleme im Kopf, das ich nicht klar bin für das positive im Leben. Aber mal von vorne:

Durch mein Leben zieht sich bisher dieser rote, beschissene Faden. Meine Mutter trennte sich früh von meinem Dad, weil er sie schlug und auch kein Halt davor machte, ob wir was mitbekommen oder nicht. Diese Leidenschaft für "schlechte" Männer hat meine Mutter leider schon immer, die nachfolgenden "Väter" wurden immer schlimmer, mein Stiefvater hat mich über Jahre missbraucht, bis auf eine Vergewaltigung hat er so ziemlich alles mit mir gemacht. Er schlug zwar meine Mum nicht, dafür mich umso mehr, egal wann, wo oder wer dabei war. Es wussten alle, geholfen hat niemand, erst als meine Schwester mitbekommen hat wie er mich angefasst und erpresst hat ist was passiert. Plötzlich hatte ich Familie und Menschen die mir halfen.

Das war aber auch nur von kurzer Dauer, meine Oma fragte irgendwann mal meine Mutter, ob sie sicher sei das ich für die Übergriffe nicht auch was bekommen hätte... Sehr nett von ihr und damit hat sie ein weiteres, negatives teil für mein heutiges Fundament geschaffen.

Dazu kommt, das ich meiner Mutter kaum böse sein kann, meine Schwester ist mit 6 Monaten am plötzlichen Kindstod gestorben, ich fand sie damals mit 6 Jahren tot in ihrem Bett. Also wie soll ich einer Frau Vorwürfe machen, die mich einerseits mein Leben lang im Stich gelassen und bei allem zugesehen hat und andererseits den größten Verlust den an sich vorstellen erlitten hat...

Mit 15,16 Jahren war ich an dem Punkt, das mein Leben mir gar nichts mehr Wert war, ich aß nichts mehr, nahm unheimlich viel ab und versuchte mir 2 mal das Leben zu nehmen. Als meine Mutter gecheckt hatte was da gerade mit mir passiert, erpresste sie mich. Entweder ich esse wieder oder sie steckt mich in eine Klinik, rückwirkend betrachtet hätte sie das besser getan aber sie wusste, das ich sie und meine Geschwister (Ich hab 3 Geschwister, ich bin 26, M. ist 24, T. 20 und S. 15 Jahre) niemals alleine lassen könnte, das wäre zugleich meine Rettung und der Untergang meiner Mutter und Geschwister gewesen, da ich die war, die sie versorgt und den Haushalt machte, weil meine Mum es nicht mehr schaffte.
Wir sind ständig im Ort umgezogen, Freunde hatte ich kaum welche aufgrund meines Aussehens. Nachdem ich missbraucht worden war, bin ich wie ein Flodder Kind in die Schule gegangen.

Mit 16 folgte dann der Super Gau. Meine Mutter lernte Sonntags einen Mann im Mekkes kennen und Montags war er eingezogen. Der Streit eskalierte so, das er mich schubste, wir stritten und zum schluss warf meine Mutter mich aus der Wohnung.

Ich stand mit 16 fast völlig alleine da, mein Vater wohnte in Hannover (er änderte sich, wir haben nun Kontakt) und ich hatte nur meinen damaligen Partner. Ich durfte erst mal bei ihm unterkommen, mit 17 hatte ich dann eine eigene Wohnung und stand unter Betreuung des Jugendamtes. Die haben mich allerdings bis auf einen wöchentlichen Besuch komplett in den Seilen gelassen ich hatte keine Ahnung davon das man Strom überhaupt anmelden muss oder wie man allgemein mit Geld umgehen sollte, das wiederrum führte dann mit 18 in Schulden die ich heute noch habe.

Ich hab die folgenden Jahre dann so vor mich hingelebt, meine ganze Kraft in meine Haustiere und meine Arbeit gesteckt. Mit 23 hab ich dann meine Ausbildung zur Kinderpflegerin abgeschlossen und mich mit 24 J. von meinem Freund getrennt, wir waren damals seid 10 Jahren ein Paar, aber das war alles mehr freundschaftlich, wir waren zu jung und hatten zu viele Probleme um langfristig glücklich zu sein. Dazwischen waren wir einmal knapp ein Jahr getrennt, ich hab mit so ziemlich jedem Typen gepennt um mir zu beweisen, das ich gar nicht so schlimm bin, was aber langfristig auch nicht das war was ich wollte. Aber erst als ich dann auf einen Mann traf, der mich bei einem unserer Treffen dann so verletzte das ich extrem blutete und starke Schürfverletzungen im ganzen Intim Bereich und nicht aufhörte obwohl ich vor Schmerzen darum gebettelt hab, hab ich gemerkt, das dass nicht DER Weg für mich ist.

Dann lernte ich Gott sei dank meinen Mann kennen, plötzlich ging alles ganz schnell, wir haben geheiratet und eine kleine Tochter von 12 Wochen.

Aber auch hier war mein Glück nur von kurzer Dauer und daran bin ich selber Schuld. Wir sind zwar zusammen und unserer Tochter geht es gut, trotzdem schaffe ich es nicht, komplett glücklich zu sein und fühle mich dann schon gleichzeitig schlecht weil ich so undankbar bin. Was will ich denn mehr??

Mittlerweile bin ich 26 Jahre alt, wir haben nicht einen Cent für schöne Dinge übrig, ich habe keine Freunde und meine Familie nervt mich nur noch. Ich kann es nicht ertragen, wenn meine Mutter, Schwester oder Schwiegermutter sich mal wieder aufregen weil sie meine Tochter ne Woche nicht gehalten habe, ich kann es ganz schlecht sehen wenn einer von dreien die kleine hält und distanziere mich immer mehr von meinem "alten" Leben und denen, die darin eine Rolle gespielt haben und weiß selber nicht warum. Ich weine viel und oft und hasse mich selbst weil ich nicht einfach glücklich bin das ich eine so wunderbare und schöne Tochter habe.

Naja wenn ich ehrlich bin hätte ich einfach gerne Freunde, ich fühle mich einsam und alleine und die letzten Jahre war für jede Freundschaft eine Belastungsprobe, keine von den so wichtigen Freunden ist geblieben. Den ersten Schwung Freunde habe ich lassen müssen als sich meine Interessen in Richtung Diskothek und feiern entwickelt haben, ich hatte als Jugendliche ja nicht die Chance mich auszuleben. Nachdem ich genug gefeiert hatte, sind die Disco Freunde auch gegangen. Dazu kam das meine Finanzen nicht wirklich rosig sind, so konnte ich mit meinen "Freunden" nicht mithalten und wir haben uns alle voneinander entfernt, finanziell sieht es noch genauso beschissen aus.

Ich hatte nie Angst auf Leute zuzugehen aber mittlerweile geh ich kaum noch raus, bin nichts anderes als Mutter und Frau, es fühlt sich alles nur nach Zwang an und ich habe nicht einen Menschen, bei dem ich das Gefühl hab mal alles erzählen zu können. Jeder Mensch, dem ich mich geöffnet habe ist weg, bis auf mein Mann. Aber das alleine ersetzt keine Freundschaften und das wiederrum zieht ihn runter.

Ich stecke in einem absoluten Teufelskreis fest und weiß einfach nicht, wie ich daraus komme =(

Sorry wegen dem Roman


Lg Banshee

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16. Oktober 2014 um 5:27

Woooow
Erstmal sorry das ich jetzt erst antworte.

Deine Antwort hat mich zu Tränen gerührt, selten oder sogar noch nie habe ich mich so verstanden gefühlt. Du hast Dinge beschrieben, für die ich keine Worte gefunden habe.

DANKE für deine so ausführliche Antwort.

Ich habe so oft darüber nachgedacht, die Menschen die mir nicht gut tun von meinem leben zu distanzieren aber i ch habe immer so ein schreckliches gewissen, in der einen Sekunde weiß ich das ich recht habe mit meiner wehemenz und im nächsten Moment denke ich das ich zu hart bin. Und dann denke ich daran was ich falsch mache, warum ich es nicht verdient habe, genauso so gemocht zu werden wie ich bin. Das alles was ich tue (und ohne eingebildet zu sein, wirklich) ist immens ich gebe immer mehr als ich bekomme was ja grundsätzlich nicht schlimm wäre wenn denn überhaupt was käme außer mal ein Brotkrumen um mich bei Laune zu halten.
Warum gebe ich und bemühe mich und bin doch immer nur der Dreck in den Profilen der Schuhe? Ob das nun Familie oder Freunde sind (eher waren) am ende bin ich einsam und alleine. Aber nur solange bis jemand was will weil die dumme ja niemals nein sagt.

Gleichzeitig tut es weh, zu erkennen das man alleine ist und das jede Art der Bemühung nichts bringt. Egal was ich tue, ich bin immer das Mädel was nicht normal ist weil es nicht auf Frauen Kram sondern Autos, nicht auf rosa sondern grün steht. Ich war niemals die vorzeige Tochter, ich war immer eigen und heute hasse ich mich das ich nicht einfach bin wie man mich haben will.

Mein Leben ist im Moment eine Sackgasse aber ich will einfach noch nicht aufgeben und kämpfen Selbst wenn für mich nur ein glückliches jahr vorgesehen ist. Es lohnt sich immer. Auch wenn ich am ende nur lebe, um meiner Tochter einen anderen Start zu ermöglichen.

Es tut gut, eine Plattform zu haben, auf der ich meine Gedanken teilen kann.

Danke

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