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Ich brauche Hilfe...

10. März 2008 um 22:39

Ich bin mit 16 vergewaltigt worden (am 07.04 ist es 2 Jahre her). Ich möchte die ganze Geschichte irgendwie verarbeiten, aber irgendwie klappt es nicht. Deswegen hoffe ich hier Hilfe zu finden.

Seit das passiert ist, habe ich mich extrem verändert. Ich lasse kaum noch Menschen an mich heran. Ich hab kaum noch vertrauen zu irgend jemandem, weder zu meiner Mutter, noch zu meinem Freund.
Zwar habe ich meiner Mutter darüber gesprochen, aber dennoch hat es mir nicht wirklich was gebracht. Auch mit meinem Freund hab ich versucht darüber zu reden, aber er zieht sich seitdem ziemlich von mir zurück. Ich habe ihn schon mehrfach darauf angesprochen, dass mir gerade jetzt seine Nähe wichtig ist, aber er reagiert nicht darauf. Er zieht sich stattdessen noch mehr von mir zurück. Dadurch geht es mir eher noch mieser als es mir schon vorher ging.

Ich gebe mir die Schuld dafür, obwohl ich weiß, dass ich keine Schuld habe, aber diese Schuldgefühle gehen einfach nicht weg. Ich schäme mich dafür und ekel mich oft auch vor mir selbst.Ich liege oft nachts wach und kann nicht schlafen, weil diese Bilder immer wieder kommen und ich Angst habe, vor dieser Stille und dem alleine sein. Ich gehe jeden zweiten Tag duschen, um mir irgendwie alles "wegzuwaschen" aber bringen tut es ja doch nichts. Ich will das alles einfach nur noch vergessen!

Ich war schon bei einer Psychologin, aber auch die hat mir nicht geholfen. Anstatt darüber zu reden hat sie über allen möglichen anderen Kram geredet und das Thema so gut es geht verschwiegen.

Könnt ihr mir helfen, das Geschehene zu verarbeiten?? Oder mir Tipps und Ratschläge geben? Bitte...

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11. März 2008 um 16:52

Hm..
hey du. ich bin im moment auch dabei ne therapie zu machen. allerdings nicht bei ner psychologin, weil ich bei dieser auch schlechte erfahrungen gemacht hab, so von wegen verschweigen und über alles reden nur ned über das problem. ich arbeit als kinderkrankenschwester und bin in meinem krankenhaus bei nem klinikseelsorger. ne richtige therapie ist es nicht, aber er versucht mit mir eine art traumabewältigung. naja was heißt eine art. es ist traumabewältigung und hat mir sehr viele hilfreiche tipps gegeben. das sind projekte und versuche, die nicht jedem helfen, aber mir tut es sehr gut. wenn du möchtest kannst du mir gern eine privatnachricht schreiben und ich geb dir die infos die er mir gegeben hat. auch was den umgang mit dir, also wie sich deine familie und dein freund verhalten sollte und was alles möglich ist kann ich dir natürlich in dem zusammenhang auch viele informationen schicken, damit auch dein freund etwas handfestes hat.
glg loran

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11. März 2008 um 18:43

Also..
es ist so. du weißt selber, wie sich jemand fühlt der vergewaltigt worden ist. innerliche unruhe, weinen, erinnern, konzentrationsangst, schreckhaftigkeit, albträume, schlafstörungen, traurigkeit, appetitlosigkeit usw sind dinge, die völlig normal sind nach ner extremen belastung, allerdings sollten diese gefühle auch abklingen nach 5-10 tagen. in extremfällen kann es sich auch bis zu 4 wochen hinziehen. leider wissen viele von uns, dass dies nicht immer der fall ist, da vergewaltigung ein extrem harter fall ist. jedenfalls gibts viele möglichkeiten, damit klar zu kommen und sich ein stück weit selbst zu therapieren. ganz wichtig ist erstmal, dass klare umgangsregeln in der familie herrschen oder auch mit angehörigen usw usw.
1) man muss darüber sprechen: es ist sehr wichtig, dass die vergewaltigung nicht gesprächsthema nummer 1 wird, dass aber auch nicht ganz aufgehört wird darüber zu reden. klar muss der fall nicht ständig aufgerollt werden, vielmehr ist es wichtig über die gefühle zu reden. d.h. wenn du dich schlecht fühlst sag das, und gib auch deiner familie, deinem freund usw die möglichkeit auch ihre gefühle zu äußern.
2) lasst euch zeit: eine solch extreme situation braucht viel zeit um abzuklingen, ganz geheilt werden kann sowas leider nie. jeder von euch benötigt seinen eigenen rhytmus wie er damit umgeht und wie er es verarbeitet. während deine mum vielleicht eher damit klar kommt, kann es deinen freund sehr viel härter erwischt haben, wodurch er natürlich auch länger zeit braucht um klar zu kommen und du wirst natürlich am meisten zeit in anspruch nehmen um damit klar zu kommen
3) findet euer lachen wieder. es ist was schlimmes passiert und da zu lachen ist unvorstellebar. nur lachen ist gold für die seele. es schafft gemeinschaft, vertrauen und hilft seelische schäden für kurze zeit zu vergessen
4) wertschätzung: nehmt euch gegenseitig in die arme, sagt euch dass ihr euch wichtig seit und gebt euch das gefühl, dass ihr so dankbar füreinander seit
5) seit tolerant: gerade wenn jemand mal eine auszeit benötigt ist das keine schande oder bedeutet, dass er sich nimmer fürs thema interessiert und kein bock mehr hat darüber nachzudenken. es heißt einfach neue energie sammeln um dann wieder zu helfen
6)entwickelt rituale: rituale sind nicht nur handlungen sondern auch heilungsfördernd. gerade bei mädchen, die danach kein körpergefühl mehr haben ist dies sehr hilfreich. abends vom freund streicheln lassn für 10 minuten um vertrauen aufzubauen und auch das schöne an berührungen wieder zurückzufinden.
7) nehmt euch zeit für dinge, die spaß machen
wie ich scho gesagt hab, will ich dir helfen und sagen wie ich damit klar komme. ich bin gerade dabei das konzept des "sicheren ortes" zu machen bzw. mir anzueigenen. bei der sache geht es nicht darum, dass das opfer sich eine eigene welt schafft, und so unnahbar und unverletzlich ist. bei dem sicheren ort geht es lediglich darum sich einen geistigen zufluchtsort zu schaffen, an den man sich zurückziehen kann wenn es zu viel wird und man mit einer situation nicht klar kommt. es ist so. ich hab sehr große probleme, wenn leute um mich rum sind und mir zu nahe kommen. egal ob se hinter mir laufen oder sonst wo. wenn ich in solch einer situation bin ball ich meine faust (es ist das zeichen für meinen körper dass ich jetzt an meinem sicheren ort bin). sobald ich meine faust balle kommt in mir ein inneres bild hoch. nämlich mein sicherer ort, den ich mir so geschaffen hab, dass ich mich 100%ig wohl fühle. an diesem ort halte ich mich nicht lange auf, aber so lange bis ich mich wieder beruhig hab. d.h. ich merke jemand läuft hinter mir. vorher hab ich mich umgedreht musste in extremfällen auch stehen bleiben mit dem rücken zur wand und musste dann die situation abwägen, ob ich jetzt in gefahr bin oder nicht. erst wenn ich mir sicher bin es passiert nichts dann geh ich weiter. das ist natürlich keine möglichkeit wenn ich in der stadt unterwegs bin und mich wirklich alle 2 minuten umdrehn musste und stehn bleiben musste. also ball ich die faust, bin in diesem moment an meinem ort den ich innerlich vor mir sehe. durch diesen ort kommt mein sicherheits gefühl wieder zurück und ich kann sehr oft ohne stehen zu bleiben weiterlaufen.
wenn noch was wissen möchtest, frag einfach. steh gern für fragen offen.
glg loran

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11. März 2008 um 21:05
In Antwort auf muirmn_12921611

Also..
es ist so. du weißt selber, wie sich jemand fühlt der vergewaltigt worden ist. innerliche unruhe, weinen, erinnern, konzentrationsangst, schreckhaftigkeit, albträume, schlafstörungen, traurigkeit, appetitlosigkeit usw sind dinge, die völlig normal sind nach ner extremen belastung, allerdings sollten diese gefühle auch abklingen nach 5-10 tagen. in extremfällen kann es sich auch bis zu 4 wochen hinziehen. leider wissen viele von uns, dass dies nicht immer der fall ist, da vergewaltigung ein extrem harter fall ist. jedenfalls gibts viele möglichkeiten, damit klar zu kommen und sich ein stück weit selbst zu therapieren. ganz wichtig ist erstmal, dass klare umgangsregeln in der familie herrschen oder auch mit angehörigen usw usw.
1) man muss darüber sprechen: es ist sehr wichtig, dass die vergewaltigung nicht gesprächsthema nummer 1 wird, dass aber auch nicht ganz aufgehört wird darüber zu reden. klar muss der fall nicht ständig aufgerollt werden, vielmehr ist es wichtig über die gefühle zu reden. d.h. wenn du dich schlecht fühlst sag das, und gib auch deiner familie, deinem freund usw die möglichkeit auch ihre gefühle zu äußern.
2) lasst euch zeit: eine solch extreme situation braucht viel zeit um abzuklingen, ganz geheilt werden kann sowas leider nie. jeder von euch benötigt seinen eigenen rhytmus wie er damit umgeht und wie er es verarbeitet. während deine mum vielleicht eher damit klar kommt, kann es deinen freund sehr viel härter erwischt haben, wodurch er natürlich auch länger zeit braucht um klar zu kommen und du wirst natürlich am meisten zeit in anspruch nehmen um damit klar zu kommen
3) findet euer lachen wieder. es ist was schlimmes passiert und da zu lachen ist unvorstellebar. nur lachen ist gold für die seele. es schafft gemeinschaft, vertrauen und hilft seelische schäden für kurze zeit zu vergessen
4) wertschätzung: nehmt euch gegenseitig in die arme, sagt euch dass ihr euch wichtig seit und gebt euch das gefühl, dass ihr so dankbar füreinander seit
5) seit tolerant: gerade wenn jemand mal eine auszeit benötigt ist das keine schande oder bedeutet, dass er sich nimmer fürs thema interessiert und kein bock mehr hat darüber nachzudenken. es heißt einfach neue energie sammeln um dann wieder zu helfen
6)entwickelt rituale: rituale sind nicht nur handlungen sondern auch heilungsfördernd. gerade bei mädchen, die danach kein körpergefühl mehr haben ist dies sehr hilfreich. abends vom freund streicheln lassn für 10 minuten um vertrauen aufzubauen und auch das schöne an berührungen wieder zurückzufinden.
7) nehmt euch zeit für dinge, die spaß machen
wie ich scho gesagt hab, will ich dir helfen und sagen wie ich damit klar komme. ich bin gerade dabei das konzept des "sicheren ortes" zu machen bzw. mir anzueigenen. bei der sache geht es nicht darum, dass das opfer sich eine eigene welt schafft, und so unnahbar und unverletzlich ist. bei dem sicheren ort geht es lediglich darum sich einen geistigen zufluchtsort zu schaffen, an den man sich zurückziehen kann wenn es zu viel wird und man mit einer situation nicht klar kommt. es ist so. ich hab sehr große probleme, wenn leute um mich rum sind und mir zu nahe kommen. egal ob se hinter mir laufen oder sonst wo. wenn ich in solch einer situation bin ball ich meine faust (es ist das zeichen für meinen körper dass ich jetzt an meinem sicheren ort bin). sobald ich meine faust balle kommt in mir ein inneres bild hoch. nämlich mein sicherer ort, den ich mir so geschaffen hab, dass ich mich 100%ig wohl fühle. an diesem ort halte ich mich nicht lange auf, aber so lange bis ich mich wieder beruhig hab. d.h. ich merke jemand läuft hinter mir. vorher hab ich mich umgedreht musste in extremfällen auch stehen bleiben mit dem rücken zur wand und musste dann die situation abwägen, ob ich jetzt in gefahr bin oder nicht. erst wenn ich mir sicher bin es passiert nichts dann geh ich weiter. das ist natürlich keine möglichkeit wenn ich in der stadt unterwegs bin und mich wirklich alle 2 minuten umdrehn musste und stehn bleiben musste. also ball ich die faust, bin in diesem moment an meinem ort den ich innerlich vor mir sehe. durch diesen ort kommt mein sicherheits gefühl wieder zurück und ich kann sehr oft ohne stehen zu bleiben weiterlaufen.
wenn noch was wissen möchtest, frag einfach. steh gern für fragen offen.
glg loran

Mh
Also erstmal danke, dass du dir so viel Mühe gegeben hast und so viel geschrieben hast! Ich denke ich nehme mir erstmal etwas Zeit, über das, was du geschrieben hast nachzudenken. Bis jetzt hab ich allerdings keine Fragen. Falls noch welche aufkommen würde ich aber gerne auf dich zurück kommen, ist das ok?

Liebe Grüße

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12. März 2008 um 17:08
In Antwort auf callie_11869244

Mh
Also erstmal danke, dass du dir so viel Mühe gegeben hast und so viel geschrieben hast! Ich denke ich nehme mir erstmal etwas Zeit, über das, was du geschrieben hast nachzudenken. Bis jetzt hab ich allerdings keine Fragen. Falls noch welche aufkommen würde ich aber gerne auf dich zurück kommen, ist das ok?

Liebe Grüße

Klar
kannst jeder zeit auf mich zurückkommen

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23. März 2008 um 17:42

Therapie
Hallo,

es tut mir sehr leid, was Dir passiert ist.

Es ist sicherlich der falsche Weg, hier irdendwie `rumzudoktern. Du musst Dich an den Gedanken einer langen Therapie am besten mit einem stationären Aufenthalt in der Psychatrie von 6 Wochen einstellen.

Ich habe das hinter mir und kann nur sagen, dass es wahrscheinlich die wertvollste Zeit für mich persönlich war. Therapieeinrichtungen sind keine

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23. März 2008 um 17:47

Therapie 2
Hallo nochmal,

mein Text ist nur zur Hälfte angekommen; daher nochmal:

Therapieeinrichtungen sind keine Klappsmühle.Hilfe findest Du z. B. beim Weissen Ring. Die nehmen Dir den ganzen Papierkram ab.

Ich wünsch Dir Alles Gute und fang so schnell wie möglich damit an.

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