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Ich bin nicht in der Lage, richtig um meine Mami zu trauern, dabei hab ich sie abgöttisch geliebt!

14. August 2010 um 23:01 Letzte Antwort: 27. September 2010 um 18:10

Hallo an alle!

Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin, aber ich muß mir den Kummer mal aus der Seele schreiben.
Vielleicht hilft es ja.
Meine liebste Mami ist am 1.2.2010 an Krebs gestorben. Letztes Jahr wurde sie im November ins Krankenhaus gebracht und die Diagnose hat mich erschüttert. Sie gaben ihr höchstens noch ein halbes bis drei viertel Jahr zu leben. Am 11.Januar. 2010 wurde sie aus der Paliativstation entlassen und ich freute mich, daß ich sie daheim pflegen durfte. Durch die bösartigen Tumore in der Wirbelsäule war sie nicht in der Lage, aufzustehen oder sich selber im Bett zu drehen. Sie war an das Bett gefesselt und ich hab sie anfangs alle zwei stunden gelagert, später jede halbe stunde. Die Schmerzen für sie waren unerträglich, daher bekam sie immer mehr Morphium verschrieben und später Valium, weil sie sich selber aufgekratzt hat. Für sie und für mich war es eine schreckliche Zeit. Sie hat im Krankenhaus noch gekämpft, daheim hat sie aufgegeben und dabei wollte ich ihr eine schöne Zeit machen. Ich habe alles versucht. Und doch habe ich sie verloren und so bald. Ich habe gewaltige Schuldgefühle. An manchen Tagen, ich habe ja Wochen kaum mehr geschlafen, war ich so unbeherrscht ihr gegenüber, dabei konnte sie doch nichts dafür, daß es ihr so ging und sie dauernd meine Hilfe benötigte. Ich habe sie zum weinen gebracht, das werde ich mir niemals verzeihen. Es war einfach nur schrecklich. Habe immer wieder versucht, mich zusammenzureißen, was mich auch meine Gesundheit später gekostet hat. Gestorben ist sie leider nicht bei mir, obwohl ich fast ständig bei ihr war, sondern bei meinem vater. Das hat mich auch zutiefst verletzt. Ich wollte in der letzten Stunde so gern bei ihr sein. Alles in allem ging danach irgendwie das Leben bei mir weiter. Sicher, ich habe geweint und ich hatte auch einen Nervenzusammenbruch, aber dennoch habe ich das Ganze erschreckend gut verarbeitet, oder sollte ich lieber verdrängt sagen? Ich bin häufig an ihrem Grab um es zu pflegen, ich arbeite viel und beschäftige mich, unternehme viel. Aber ich bin nicht in der Lage, mich an die schönen Zeiten mit ihr zu erinnern und weiß Gott wir hatten so unendlich viele wundervolle 36 Jahre miteinander. Ich bin auch nicht in der Lage, mit meinem Mann über die letzten drei schrecklichen Monate ihres Lebens zu reden. Ich blocke gleich ab. Ich weiß es ist nicht richtig, aber wenn ich mich zwinge darüber zu reden, wird alles nur noch schlimmer. Wie soll ich das alles nur richtig verarbeiten? Ich sehe nur die letzte Zeit mit ihr und deswegen verdränge ich das und lebe mein Leben weiter. Und das klappt ganz gut. Nur ich möchte so gern an die schöne Zeit mit ihr denken und kanns einfach nicht. Stattdessen verdränge ich alles. Sie war für mich die liebste Mami und zugleich meine beste Freundin. Und nun bin ich so kalt und gefühllos geworden, und auch einsam. Wie soll ich das ändern? Wie komme ich dazu, ihren Tod als normal zu verarbeiten und damit richtig klarzukommen? An manchen Tagen kommt es mir so vor, als ob ich nicht genug um sie getrauert habe. Viele sagen, ich habe es gut weggesteckt. Aber ich bin nicht dieser Meinung. Ich habe Angst, daß das dicke Ende noch kommt. Das kann doch an Trauer nicht alles gewesen sein.
Sorry jetzt ist der Text unheimlich lang geworden. Ich spiele mit dem Gedanken, in eine Selbsthilfegruppe zu gehen. Weiß aber nicht, an wen ich mich da wenden muß. Vielleicht könnt ihr mir einen rat geben. Danke fürs zuhören.

LG marsonia

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17. August 2010 um 1:45

Ich denke,
das zeigt uns erst wie wir uns fühlen wenn alles schon zu spät ist...ich kenne das gefühl, wenn man weiß dass man etwas NIE WIEDER gut machen kann. dieser schmerz zerfrisst einen. du weißt dass deine mutter dich geliebt hat, und sie wird auch wissen dass du es genauso getan hast.
trauer um eine gegangene person verläuft immer in mehreren phasen. es ist eine schreckliche zeit, ist diese zeit erstmal vorbei wird sich zeigen ob du stark geworden bist und dich nichts mehr aus der bahn werfen kann, oder du zerbrichst an der trauer, was leider auch häufig passiert.

vergiss diese person einfach nie, wenn du deine geliebte mutter immer in den gedanken behältst, du weißt wie sie gelacht hat, wer sie war, dann wird sie dir auch nie vergehen.


ich habe einen freund der seinen vater mit 15 jahren zum grab begleiten musste. sein vater war anegtrunken in den teich gefallen und lag dort 3 monate unter einer eisschicht.
nachdem die sachen rauskam, bewunderte ich ihn zutiefst. es war die zeit die ihn gebildet hat, als ich ihn mal 2 jahre später fragte ob er an seinen vater noch denke, antwortete er mir : "Jeden Tag ! ich werde ihn nie vergessen". ich denke du solltest viel mit gleichgesinnten reden, leute denen ähnliches widerfahren ist,

ansonsten kann ich dir nur sagen : Mein Beileid ! aber das bekommst du wahrscheinlich schon genug, und worte heilen keine wunden.


Für die Welt ist ein Mensch gegangen, aber für einen Menschen die Welt

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10. September 2010 um 16:29

Richtig trauern, wie geht das??
Hallo liebe marsonia2!
Mein aufrichtiges Beileid für dich. Auch ich habe meine Mama verloren. Es war am 15.August 2009- drei Tage nachdem sie ihren 57. Geburtstag hatte...
Ein Jahr lang habe ich nicht um meine Mama weinen können, es war schrecklich..
Nun bin ich wegen psychischer Probleme in Therapie und lerne gerade, dass es keinen "richtigen" Weg gibt zu trauern, denn jeder fühlt anders und braucht andere Dinge um mit der trauer fertig zu werden. Das einzige was wichtig ist, sagt meine Therapeutin- dass man seinen Gefühlen traut und lernt sie zuzulassen. Sich Zeit dafür nehmen ist auch ganz wichtig, und auch wenn es sich ganz schrecklich anfühlt und einem Angst macht lass die Gefühle zu und versuche nicht sie zu verdrängen!!
Ich wünsche dir viel Kraft, hab keine Angst, es ist schwer, aber du schaffst das...

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27. September 2010 um 18:10

Danke!
Ich möchte mich hier bei allen bedanken, die mir ihre eigenen Erfahrungen berichtet haben und ich das Eine oder Andere für meine Trauer befolgt habe.
Es ist wirklich so, daß jeder seine trauer anders bewältigt und ich habe auch Euren Rat befolgt, indem ich mit einer Person darüber gesprochen hat, die das Gleiche durchgemacht hat.
Aufeinmal konnte ich darüber reden und es kamen sogar die schönen Zeiten mit meiner Mami in Gespräch. Meine Freundin sagte auch zu mir, daß der Schmerz bei mir noch zu groß und zu frisch sei, als daß ich das noch verarbeiten könnte, wie ich eigentlich wollte. Das erschien mir doch plausibel. Vielleicht hat sie Recht. Und vielleicht wird es mir eines Tages gelingen, "normal" mit dem Tod meiner Mami umzugehen. Was auch immer das heißen mag.....
Danke nochmal an Alle und mein herzliches Beileid für alle diejenigen, die das auch erlebt haben.
LG marsonia

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