Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Ich bin 30 und meine Mutter kann nicht loslassen

17. Februar um 21:34 Letzte Antwort: 20. Februar um 19:41

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, damit es aber nicht ausartet, versuche ich mein Problem zu komprimieren. Ich bin einfach verzweifelt und weiß nicht mehr wohin. Meine Mutter hat sehr hohe emotionale Erwartungen an mich. Mir fällt es wiederum sehr schwer Emotionen ihr gegenüber zuzulassen. Ich denke, dass hat viel was mit meiner Zeit als Teenagerin und junge Erwachsene zu tun. Ich habe mich irgendwann von den Strukturen Zuhause gelöst und mein eigenes Ding gemacht. Das führte natürlich auch teilweise zur Ablehnung. Aber auch vorher, war mein Verhältnis nie gut zu meinen Eltern. Ich habe einen geistig Behinderten Bruder, den ich über alles liebe und schon immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihm hatte. Auch da hat meine Mutter besonders geklammert und tut es noch immer. Meine Familie ist nach Deutschland gezogen, ich bin hier geboren. Ich musste meine Eltern schon immer unterstützen, vor allem bezüglich der Sprachbarrieren. Für bürokratisches reicht es nach wie vor auch nach 30 Jahren nicht aus. Verständlich selbst ich als Studierte, muss manchmal staunen über Anträge... und mit dem Kopf schütteln. Nun zu meinem akuten Problem: 
Ich bin vor 5 Jahren von Zuhause ausgezogen für mein Studium, 300 KM entfernt. Seitdem habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Meine Mutter hat aber immer viel geweint und sich immer vorgestellt, dass es ja nur ein temporärer Umzug ist und ich irgendwann zurück kommen werde. Letztes Jahr habe ich ein Auslands-Stipendium bekommen, ich war überglücklich. Meine Mutter frustriert und sauer. Dann kam Corona und ich konnte es nicht antreten. Vor einigen Wochen bin ich mit meinem Studium fertig geworden. Ich habe mich auf eine neue Stelle beworben und diese bekommen, zusätzlich wurde mir dann eine Stelle als Leitungsvertretung angeboten. Ich bin natürlich überglücklich. Meine Mutter jedoch nicht. Bei wirklich JEDEM Gespräch sagt sie mir, dass ich zurück kommen soll. Sie freut sich zwar über das was ich erreiche, sagt dann aber zugleich Sachen wie "die Stelle könntest du auch hier bekommen", "es wäre aber viel schöner, wenn du dir Stelle hier hättest", "komm doch wieder zurück". 
Neulich hat sie mit Vorwürfe gemacht, wer sich denn um meinen Bruder kümmern soll, wenn meine Schwester (wohnt genau so wie mein Bruder Zuhause) und ich ins Ausland gehen würden). Heute meinte sie, obwohl ich bald eben die neue Stelle antrete, dass sie ohne mich es nicht schafft und ich zurück kommen soll.
Sie macht mir einen enormen psychischen Druck. So dass es mir extrem schwer fällt für meine eigene Zukunft zu planen und ohne diesen Druck freie Entscheidungen treffen kann. Sie versteht es einfach nicht, dass ich erwachsen bin und mein eigenes Leben habe. Zudem macht sie mir gleichzeitig Druck, eine Familie zu gründen und Kinder zu kriegen. Dabei bin ich seit 10 Jahren Single. Wenn ich eine eigene Familie hätte, hätte ich noch weniger Zeit. Was ich also paradox finde. Ich kann sie und ihre Denkweise nicht ändert, das weiß ich. Wie kann ich mir selbst helfen? Wie kann ich diese Schuldgefühle abschalten und diesen permanenten emotionalen Druck von ihr aushalten? Es wird wirklich jeden Tag schlimmer mit ihr, obwohl jetzt 5 Jahre vergangen sind seit meinem Auszug. Sie lässt einfach nicht los. Gibt es hier Gleichgesinnte? 😔

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19. Februar um 21:50

Hey du,
ich bin zwar nicht in exakt der gleichen Situation, jedoch gibt es da einige Parallelen in Bezug auf Geschwister und Überforderung der Eltern bzw. Zuschieben der Verantwortung. Vor allem den Punkt mit den Schuldgefühlen und dem emotionalen Druck kenne ich sehr gut. Hast du dich einmal ganz klar mit ihr ausgesprochen und ihr gesagt, wie sehr du wegen ihr leidest? Besonders der Vorwurf mit deinem Bruder ist schlimm. Sie kann dir die Verantwortung nicht aufbürden, sie ist für ihn verantwortlich. Dass du so schlimme Schuldgefühle hast, resultiert genau aus diesem Verhalten. Und diese in den Griff zu bekommen, ist schwierig und ich kann dir nur den Rat geben, einfach mal über eine Psychotherapie nachzudenken. Es ist wichtig, dass man mit sich im Reinen ist und deine Mutter verhindert dies. Wenn sie überfordert ist, soll sie sich Hilfe suchen aber nicht dir ihre schwierige Situation anlasten. Du bist da nicht verantwortlich für und darfst frei deine Zukunft planen, ganz unabhängig von deinen Eltern oder deinem Bruder! Und das ganz ohne schlechtem Gewissen, aber alleine schafft man es leider nicht immer, das auch wirklich zu glauben.
 

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20. Februar um 19:41
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Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, damit es aber nicht ausartet, versuche ich mein Problem zu komprimieren. Ich bin einfach verzweifelt und weiß nicht mehr wohin. Meine Mutter hat sehr hohe emotionale Erwartungen an mich. Mir fällt es wiederum sehr schwer Emotionen ihr gegenüber zuzulassen. Ich denke, dass hat viel was mit meiner Zeit als Teenagerin und junge Erwachsene zu tun. Ich habe mich irgendwann von den Strukturen Zuhause gelöst und mein eigenes Ding gemacht. Das führte natürlich auch teilweise zur Ablehnung. Aber auch vorher, war mein Verhältnis nie gut zu meinen Eltern. Ich habe einen geistig Behinderten Bruder, den ich über alles liebe und schon immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihm hatte. Auch da hat meine Mutter besonders geklammert und tut es noch immer. Meine Familie ist nach Deutschland gezogen, ich bin hier geboren. Ich musste meine Eltern schon immer unterstützen, vor allem bezüglich der Sprachbarrieren. Für bürokratisches reicht es nach wie vor auch nach 30 Jahren nicht aus. Verständlich selbst ich als Studierte, muss manchmal staunen über Anträge... und mit dem Kopf schütteln. Nun zu meinem akuten Problem: 
Ich bin vor 5 Jahren von Zuhause ausgezogen für mein Studium, 300 KM entfernt. Seitdem habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern. Meine Mutter hat aber immer viel geweint und sich immer vorgestellt, dass es ja nur ein temporärer Umzug ist und ich irgendwann zurück kommen werde. Letztes Jahr habe ich ein Auslands-Stipendium bekommen, ich war überglücklich. Meine Mutter frustriert und sauer. Dann kam Corona und ich konnte es nicht antreten. Vor einigen Wochen bin ich mit meinem Studium fertig geworden. Ich habe mich auf eine neue Stelle beworben und diese bekommen, zusätzlich wurde mir dann eine Stelle als Leitungsvertretung angeboten. Ich bin natürlich überglücklich. Meine Mutter jedoch nicht. Bei wirklich JEDEM Gespräch sagt sie mir, dass ich zurück kommen soll. Sie freut sich zwar über das was ich erreiche, sagt dann aber zugleich Sachen wie "die Stelle könntest du auch hier bekommen", "es wäre aber viel schöner, wenn du dir Stelle hier hättest", "komm doch wieder zurück". 
Neulich hat sie mit Vorwürfe gemacht, wer sich denn um meinen Bruder kümmern soll, wenn meine Schwester (wohnt genau so wie mein Bruder Zuhause) und ich ins Ausland gehen würden). Heute meinte sie, obwohl ich bald eben die neue Stelle antrete, dass sie ohne mich es nicht schafft und ich zurück kommen soll.
Sie macht mir einen enormen psychischen Druck. So dass es mir extrem schwer fällt für meine eigene Zukunft zu planen und ohne diesen Druck freie Entscheidungen treffen kann. Sie versteht es einfach nicht, dass ich erwachsen bin und mein eigenes Leben habe. Zudem macht sie mir gleichzeitig Druck, eine Familie zu gründen und Kinder zu kriegen. Dabei bin ich seit 10 Jahren Single. Wenn ich eine eigene Familie hätte, hätte ich noch weniger Zeit. Was ich also paradox finde. Ich kann sie und ihre Denkweise nicht ändert, das weiß ich. Wie kann ich mir selbst helfen? Wie kann ich diese Schuldgefühle abschalten und diesen permanenten emotionalen Druck von ihr aushalten? Es wird wirklich jeden Tag schlimmer mit ihr, obwohl jetzt 5 Jahre vergangen sind seit meinem Auszug. Sie lässt einfach nicht los. Gibt es hier Gleichgesinnte? 😔

Hallo, du hast ein Recht auf Freude in deinem Leben. Du scheinst sehr stark zu sein, deshalb wirst du es auch schaffen, dich aus dieser Abhängigkeit zu befreien. Das kann niemand außer dir tun. Sie hält dich fest und nun hast du es erkannt und solltest ihr sagen, wie wichtig diese Familie dir ist, aber du so nicht weitermachen kannst. Leid ist immer selbst gemacht. Dieser unangenehme Schritt kann dir niemand abnehmen. Wenn du es nicht sagen kannst, dann schreib ihr. Schreib wie du dich fühlst und das du dich krank fühlst bei diesem Druck. Es gehören immer 2 dazu. Einer der den Druck macht und einer der ihn annimmt. Ich weiss, wie schwer das ist, aber was ist die Alternative. Du bestimmst über dein Leben und du trägst nicht die Verantwortung für das Leben deiner Mutter. Du trägst aber Verantwortung für dein Leben. Lebe es, beende diese Gedanken und Versuch dich über das, was du erreicht hast zu freuen. So wie du dich beschreibst bist du stark und mutig genug dieses Gespräch zu führen. Manchmal braucht man einfach Mal eine  Unterbrechung. Wenn alles nichts bringt nimm die wie sie ist, sag ihr das du verstehst , das sie Angst hat, aber du wirst dich positionieren müssen, wenn du diese Quälerei beenden möchtest. Ich wünsche dir viel Glück.

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