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Hochbegabung? Wie damit umgehen?

17. November 2011 um 17:25

Guten Tag zusammen =)

Bin ganze neu hier, ich habe mich für diese Frage extra hier angemeldet. (An dieser Stelle: Ich hoffe ich habe weder das falsche Forum gewählt, noch einen Thread eröffnet, dessen Inhalt einen 2m-Bart hat; ist eine persönliche Frage und habe leider im Internet nicht viel Passendes gefunden) Danke an die Leser die bis zum Ende durchhalten und mir antworten =)

Aaaaalso ich fang ma von vorne an (das fällt mir jetzt nciht so leicht *durchatme*) Ich wollte euch gerne um Rat bitten weil ich mich seit einiger Zeit sehr unglücklich fühle. Es liegt der Verdacht nahe, dass ich hochbegabt bin (oder zumindest als Kind war, dazu unten mehr) und meiner Meinung nach ist genau das der Grund für mein schlechtes Gefühl.

Einerseits fühle ich mich einsam. Ich lebe zwar mit meinem Freund zusammen und wir verstehen uns sehr gut. Auch zu meinen Eltern habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Aber seit Jahren (ungefähr seit ich 15 oder 16 bin) schaffe ich es nicht mehr, gute, stabile Freundschaften aufzubauen. Egal wo ich hinkomme, ob im Job, in der Uni oder im Supermarkt oder was weiß ich wo, komme ich mir vor wie eine Außerirdische. und das wird immer stärker. Viele Leute reden dummes Zeug oder benehmen sich irrational. Ich sehe immer diese vielen Sachen, die nur aus Dummheit und Unreflektiertheit resultieren können, komme mir oft vor wie in einem Affenstall. Mir fehlen Menschen, die meine Interessen teilen und mit denen ich mich unterhalten kann (bis eben auf die 3 personen die ich eben aufgezählt habe, aber man braucht auch mal einen Außenstehenden zum Reden, zum Spaß haben etc) Bitte versteht das nicht als Eingebildetheit meinerseits, es ist nur das, was ich fühle.

So viel zum ersten Problem. Das zweite ist, dass ich mich, obwohl ich sehr gut lernen kann, zu nichts aufraffen kann. Mein Studienfach interessiert mich sehr, dennoch fühle ich mich wie blockiert. Ich habe immer Sehnsucht nach lernen und Wissen, aber ich habe permanent das Gefühl, meine Stärken nicht zu nutzen. Mit einem Bild beschrieben: Ich komme mir vor, als säße ich auf dem Trockenen und kann den Fluss, zu dem ich will, schon rauschen hören, aber eine riesige Mauer versperrt mir den Weg. Irgendwie habe ich einfach keinen Zugriff zu meinem Potential oder was auch immer es ist, ich habe immer das Gefühl irgendwas falsch zu machen, wie jemand, der das Fenster aufmachen will und einfach nicht an den blöden Verschluss dran kommt.

So und das dritte und letzte Hauptproblem ist, dass ich an so gut wie nichts Spaß habe, jedenfalls nicht auf Dauer. Fange ich einen neuen Sport an, ist er mir nach 2 Wochen zu langweilig. Lesen ist auch schön, aber auch nicht dauernd. Fernsehen oder Pc zocken kann man ja auch mal, aber eben auch nicht dauernd. Ich kann nicht über Witze lachen weil ich sie meistens zu doof finde. Ich gehe nur selten weg, weil ich es sinnlos finde. So findet man aber wiederum keine Freunde, manchmal habe ich aber auch das Gefühl, dass ich keinen Spaß an Dingen habe weil mir die Menschen fehlen, mit denen ich sie teilen kann. Mein Freund hat andere Interessen und das ist auch okay so.
Ich habe einfach das Gefühl, auf der Stelle zu treten und das schon seit Jahren.
Bitte nehmt mich ernst, ich habe mich nciht hier angemeldet, um ein bisschen kokettieren zu gehen. Seit Jahren habe ich diese Probleme und unterdrücke sie, sie sind aber eher schlimmer geworden.

So und nun zu dem Punkt mit der Hochbegabung. Wie bereits erwänt, liegt nahe, dass ich hochbegabt bin, oder es zumindest war (hab mir sagen lassen, das könne sich "auswachsen"). Und zwar weil ich schon mit drei zeimlich gut sprechen konnte ("kannst du mir die Tür aufmachen, bitte?"). Ich habe mir im Vorschulalter von meiner Mutter immer sagen lassen, welecher Buchstabe welcher ist und habe mir lesen selber beigebracht. Schon mit 5 wollte ich nicht mehr in den Kindergarten. Meine Mutter wollte mich früher einschulen, aber irgendwie haben ihr alle Verwandten abgeraten. Das Ende vom Lied war, dass ich in der 1. Klasse viel zu weit war, dann die 2. übersprungen habe und am Ende der 4. eine der besten in der Klasse war, fast nur 1en und so (außer in Sport *g*). Ich habe schon als Kind solche Fragen gestellt wie, was der Sinn des Lebens ist, und ob die Menschen nicht eigentlich auch Tiere sind, nachdem ich was von Evolution gehört hatte. Ich habe noch ein Grundschulfreundschaftsbuch von mir, wo ich in der ersten Klasse im Gegensatz zu allen anderen schön geschrieben habe, fehlerfrei, Astronautin werden wollte und Tschaikowsky mochte O.o Joa...

Ich kam dann aufs Gymnasium, und ab da wars vorbei mit dem Spaß. Ich bin notenmäßig abgestürzt, der Tiefpunkt war in der 8. Klasse, wo ich *gar nichts* mehr für die Schule gemacht habe und fast sitzengeblieben wäre. Zudem wurde ich noch von "Freundinnen" gehänselt, ich wäre ja so unreif, und ich wäre immer so eingebildet. Heute sehe ich das anders, ich denke sie waren irgendwie neidisch oder so, und wenn ich gesagt habe, dass ich finde, dass ich etwas gut kann wurde mir das als Eingebildetheit ausgelegt. Nunja. Ich hatte also eigentlich in der Unter- und Mittelstufe nur so ein bisschen Freundinnen, aber nie so richtig, war also immer so der Außenseiter. Demensprechend litt auch mein Selbstbewusstsein. In der 9. Klasse hatte ich dann nochmal etwa ein Jahr eine richtig gute Freundschaft, aber auch das ging kaputt, und danach war echt Ende Gelände. Ich habe in der Oberstufe mit niemandem geredet, war in der Pause so gut wie immer alleine. Mehrere Lehrer haben so Spürche losgelassen wei, ich solle doch mein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Ich wusste nie, wie ich das anfangen soll. Oft habe ich Sachen gesagt, man hat mich nciht verstanden, und derjenige, der es nach mir (meiner Meinung nach fast genau so) gesagt hat, wurde dann gelobt. Ich wusste nie, wie ich mit diesen Anforderungen umgehen, kam mir immer unverstanden vor.
Das Abi habe ich dann auch noch 2 mal machen müssen, weil mir in der Shcule immer langweilig war und ich dementsprechend demotiviert war. Dennoch habe ich neben der Schule immer schon viel gelesen, war an Bildung interessiert, habe mir 2 Jahre lang versucht, selbst Klavier spielen beizubringen. Irgendwie hatte ich immer den Trieb zu lernen, und dieser wurde eigentlich nie erfüllt.

Ich habe inzwischen mit 2 Psychologinnen gesprochen und beide hielten das mit der Hochbegabung für relativ wahrscheinlich. Leider konnten sie mir auch nicht richtig helfen. außer dass ich mal einen Test machen soll, den ich bisher (außer so doofen Teilen im Internet (die ziemlich gut ausfielen, so weit das überhaupt repräsentativ ist)) nicht gemacht habe.
Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, was dieser Test mir sagen soll. Die Zahl auf dem Papier wird mir nicht bei meinen Alltagsproblemen helfen.

So liebe (und ausdauernde ) Lesergemeinde, nun meine Fragen: Habt ihr vielleicht einen Rat für mich, wie ich, so blöd das klingt, "meinesgleichen" finden kann, oder wie ich Zugriff zu meinem Kopf kriege oder so? Wie ich damit umgehe, wo ich mir Rat holen kann? Ich leide schon unter diesem "Außerirdischen-Gefühl". Ich komme mir einfach immer fehl am Platze vor.

Vielen Dank für eure Hilfe, ich hoffe ihr könnt mich beraten, weiß nicht weiter.

Grüße,

Blaubär21

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17. November 2011 um 18:22

-.-
Sorry, ich habs aus Versehen, 2 mal veröffentlicht, kann das bitte jemand löschen? =(

Danke! =)

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26. November 2011 um 20:55

Hallo!
Aus eigener Erfahrung kann ich sehr gut nachvollziehen, was du schreibst. Wolmins Antwort kann ich voll und ganz unterschreiben. Darüber hinaus möchte ich dir noch empfehlen, was mir geholfen hat, da rauszukommen.
Die Art, wie du schreibst, lässt Rückschlüsse zu, dass du sehr, sehr vernunftsbetont bist. Du schreibst, dass du an nichts so richtig Spaß hast. Vernunft ist aber auch nicht bekannt dafür, Spaß zu machen. Gefühle machen Spaß. Gefühle sind aber häufig irrational. Der Wunsch, Spaß zu haben, ist auch nicht in erster Linie rational begründbar. Gleiches gilt für Freunde. Aber glaub mir: Es fühlt sich verdammt gut an, was unvernünftiges zu machen! Dein Leben wird schöner, wenn du einfach nur durch das Herbstlaub tobst - und sei es noch so unvernünftig. Na und? Mach Dummheiten, Sachen, die man nicht machen sollte, und erfreu dich am Adrenalin! Genieß die schönen Dinge im Leben. Hab Spaß. Und als netter Nebeneffekt wirst du dich leichter tun, mit anderen Menschen (Freunden?) Spaß zu haben. Denn ich vermute, du suchst keine Freunde, um mit ihnen wissenschaftliche Diskussionen zu führen...
Wenn du studierst, sollte es nicht unmöglich sein, Menschen mit ähnlichem Hintergrund zu finden. Schnupper mal bei den Medizinstudenten vorbei. .
Und sperr hin und wieder die Stimme in dir, die dich nach der Sinnhaftigkeit von etwas fragt, einfach weg. Wenn sie dich das nächste Mal fragt, was für einen Sinn das Ganze haben soll, erwidere ihr patzig: "Keinen. Und ich SCHEISS DRAUF!!!"

LG,
NoEffiB

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27. November 2011 um 21:49


Du wirst zu wenig gefordert.
Was ist für dich persönlich eine Herausforderung, die dich reizt?
Eine neue Sprache lernen? Eine neue Materie erarbeiten?
Ein Musikinstrument lernen?
Eine Programmiersprache lernen?
Hast du schon einmal etwas in der Art ausprobiert?
Sportarten scheinen es offensichtlich nicht zu sein.
Was dein zweites Problem betrifft: Zu wenig Austausch mit anderen, da empfehle ich dir folgende Adresse:
http://www.mensa.de/
Wenn du schon Hochbegabt bist, dann such doch einfach mal Kontakt zu den Hochbegabten selbst.
Vielleicht ist es genau das was dir gefehlt hat.

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6. Dezember 2011 um 16:44

AW
Hallo =)

Vielen Dank für die Antworten!
Das Buch habe ich mir zu Weihnachten gewünscht =)

Die anderen Tips werde ich auch alle mal ausprobieren, auf mensa.de habe ich mich schon umgeschaut, ich denke, dass das eine sehr gute Idee ist, da Mitglied zu werden. Hab nur etwas Bammel vor dem Test =( Aber naja, ihr habt mir ein wenig Mut zugesprochen...

Und zu der Sache mit der Vernunft... Jaaaa, ich glaube das hast du verdammt Recht. Es liegt mir nicht, gelöst durch die Gegend zu tollen. Aber ich sollte es wohl mal üben.

Und ich denke drüber nach, welchen Prof ich mal anhaue... Irgendwie ist das beim Bachelor alles nicht so einfach, weil man sich immer in soner Schnellschleuse befindet, 13 Wochen, dann ist wieder alles vorbei. Man hat keine richtige Gelegenheit, sich in einem Fach und dem Prof gegenüber zu orientieren.

@maus9000: das reizt mich alles! Ich blockiere mich halt auch immer selbst. Ich fange nichts an, weil ich mir viel zu viele Gedanken darüber mache, ob das das richtige für mich ist, und ob ich dafür Zeit habe und ob nicht was da wäre, was noch besser passt oder sinnvoller ist oder so. Irgendwie... doof... Hier greift auch wieder, was noeffib geschrieben hat... *seufz*

So viel neue Arbeit!

Danke und Grüße

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