Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Hilft mir eine stationäre Therapie? Wo und welche Form?

Hilft mir eine stationäre Therapie? Wo und welche Form?

29. November 2006 um 1:32

Hallo,

mittlerweile bin ich (m39) an dem Punkt angekommen, an dem ich mir die Frage stelle, ob mir eine stationäre Therapie weiterhilft.

An meinem 12. Lebenstag sind meine Eltern mit mir und meiner acht jahre älteren Schwester in meiner Eltern Haus, in einem kleinen katholischen Dorf in Nordbaden, eingezogen.
Mein Vater arbeitete jeden Tag in einer Ziegelfabrik und verdiente Abends noch Geld dazu. Meine Mutter arbeitete auch immer, sei es Heimarbeit, inder zigarrenfabrik oder am Wochende zum Bedienen.

Meine Mutter hat mich wohl behütet und vor dem meisten beschützt. Im Kindergarten bin ich nicht gewesen, warum ist mir bis heute nich klar. Nätürlich wollte ich nicht in die Schule und in der Anfangsphase setzte es schon die ein oder andere Tracht Prügel, bis ich es kapiert hatte. daß ich da hin muß.
Für mich entwickelte sich meine Jugend so, daß ich der "Übriggebliebene" wurde. Wegen meines Übergewichts wurde ich gehänselt, dazu trug ich noch eine dicke Hornbrille. Auf meiner Nachbarschaft gab es einen rothaarigen Jungen, der ab und an zum spielen kam. Ansonsten traf ich mich noch mit Wolfgang oder Dieter. Einen Gruppenanschluß gelang mir nie, weils ja einen geben muß über den man sich amüsiert.
In die Kirche musste ich auch gehen -> das gehört sich ja so. Irgendwann nach 18 und langem Kampf mit den Eltern, habe ich das dann nicht mehr getan, heute gehe ich nur noch zu Hochzeiten oder zum Begräbnis.
In einen Verein musste ich auch über 17 Jahre gehen, die halbe Verwandschaft war ja auch dabei.
Erzogen wurde ich hauptsächlich von meiner Mutter.
Sie brachte mir sehr effektiv bei, daß:
Polizisten, Lehrer, Ärzte, Professoren, Politiker, Verkäufer, etc. alle etwas besseres als ich (Wir?) sind.
Mittlerweile habe ich kapiert, daß es selbst Obdachlosen besser als mir geht.

Ob mir meine Eltern Liebe gaben, weiß ich nicht. Jedenfalls war es so, daß mich meine Schwester zum großen Teil erzogen hat. Meine Eltern waren, mit einigen Ausnahmen, dauernd am Arbeiten. Materiell haben Sie mir vieles (Alles?) erfüllt.
Mit 15 das Mofa mit Führerschein, mit 16 das Moped mit Führerschein, mit 18 das Auto mit Führerschein, zu den Geburtstagen gab es mal ne Stereoanlage, ne Spielekonsole...
Heute habe ich den Eindruck, daß ich dann mit 15 ein fertiger Mensch für das Berufsleben sein sollte. Aber in dieser Phase lebte ich "so halt".
Alles war eben wie es ist. Mir fehlte der Sinn im Leben.
Nach der Hauptschule schmiss ich nach einem Jahr die Wirtschaftsschule und begann im Nachbarort eine Maurerlehre, weil mein Onkel auch Maurer war. Auch in der Außbildung war ich der, den man neppte, über den man lachte etc.
Diese Ausbildung beendete ich mit dem Gesellenbrief. Meine Lehrfirma übernahm mich nicht. Es folgten in sehr kurzer Zeit drei Maurerfirmen.
Nun...
Morgens ging ich aus dem Haus und einfach nicht zur Arbeit. Klar, irgendwann rief dann mein Chef zu Hause an, was mit mir los sei...
Da ich Knie und Rückenprobleme hatte, habe ich dann eine Umschulung beantragt.
Diese wurde dann genemigt.
Meinem Rehaberater konnte ich keinen konkreten Berufswunsch mitteilen. Dieser meinte, ich solle erst mal meine Wehrdienst ableisten, vielleicht wüsste ich danach was ich wolle.

Bis zur Bundeswehr, wozu ich mich freiwillig meldetete, war ich arbeitslos. Die Bundeswehrzeit (15 Mon.) war die Hölle auf Erden. Auch hier war ich wieder der Sündenbock.
Ständig begleiteten mich Suizidgedanken.
Im Zusammenhang mit der Umschulung wurde ich zu einem psychologischen Test eingeladen. Hierbei musste ich auch einen "Aufsatz" wie ich mir mein weiteres Leben so vorstelle schreiben. Ich wusste nicht was ich schreiben soll.
Im Abschlußgespräch fragte mich die Psychologin:
Wie konnten Sie mit Ihrer Intelligenz Maurer werden?

Zum Abschluß gab sie mir den Rat in dieser Stadt die psychologische Beratungstelle aufzusuchen.
Damit ging ich ein halbes Jahr schwanger.
Nach einem Gespräch mit meiner Cousine ging ich hin.
Hier bot man mir nach zwei, drei Gesprächen an an einer stationären Gruppentherapie Teil zu nehmen.
Inhalt:
8 Personen in einer 12 Wöchigen stationären Therapie mit Gestalt-, Gruppen-, Einzel- und konzentrativer Bewegungstherapie.
Danach im 14tägigen Rythmus 90 Minuten Gruppentherapie.
Es war komisch...
Irgendwie war mir klar, daß mir was fehlt. Im Gegensatz zu den anderen hatte ich aber "nichts" (Angst, Esstörung, etc.)

Es folgten diverse Arbeitsstellen, immer wieder Arbeitslosigkeit, eine abgebrochene Umschulung mit Option eine noch machen zu dürfen.
Mit 26 erfüllte sich erstmals, mit langer Überlegung meinerseits, mein größter Wunsch einer Partnerin. Mir viel es gar nicht auf, aber mein Vereinskollege und damaliger Freund musste mich darauf aufmerksam machen, daß ein Mädchen im Verein gerne mit mir was anfangen würde.
Dies war für mich das Größte, wobei ich mir aber sorgen um den großen Altersunterschied - Sie 17, ich 26 - machte. Noch dazu hatte Ihre Familie nicht den besten Ruf und ihre
Mutter war Alkoholikerin.
Wir kamen dann doch zusammen.
Schnell wurde mir klar, daß es in Ihrer Familie nur "gewinnen" oder "verlieren" gibt. Nach 2 3/4 Jahren und einigen Trennungen trennte sie sich dann von mir als sie einen anderen hatte. Mein Kämpfen war vergebens. Ein Jahr später an unserem "Kennenlern Tag" heiratete sie ihn.
In dieser Zeit wechselte ich den Arbeitgeber mit dem Willen, mir und den anderen zu zeigen, daß ich es auch mal längere Zeit aushalten kann.
Auch hier fühlte ich mich gemobbt. Mein direkter Arbeitskollege hat mich sogar tätlich angegriffen. darufhin im gespräch mit dem Betriebsrat meint dieser nur, ich wäre ein kleines Rädchen ich hätte mich gefälligst zu drehen.
Daraufhin erfolgte in einem etwas anderen Zusammenhang noch eine Abmahnung.

Mit 30ig sagte ich mir dann, jetzt bist Du noch nicht zu alt um noch eine Umschulung zu machen. Im Stillen, meiner Firma gegenüber, habe ich dann eine Berufsfindung gemacht. Hier habe ich dan die Elie kennengelernt. Es lag auch an ihr, daß ich mich für den Informatikkaufmann entschieden habe.
Somit kündigte (flüchtete) ich bei meiner Firma und begann im Sommer 98, 20 Km von mir entfernt, die Umschulung.

Hier erlebte ich erstmals eine Umgebung, in der ich mich ein Stück als Mensch fühlte.
Es gab einen einigermaßen guten Klassenzusammenhalt, wir bildeten Lerngruppen, es gab auch mal ne Party, es machte Spaß.
Meine gute Theroriabschlußnote 2,0 habe ich mir gründlich mit dem praktischen Teil 3,5 versaut, weil ich hier nichts wusste was ich machen soll.
Die Umschulung beendete ich erfolgreich im Sep. 2000 mit dem Prüfungszeugnis vor der IHK.

In dieser Zeit lernte ich auch über eine Zeitungsanzeige meinerseits meine zweite und letzte Partnerin kennen.

Nach sehr vielen Bewerbungen, hat mich eine IT-Firma im Mai '01 eingestellt, wo ich schon während des Vorstellungsgesprächs feststellen musste, daß dies wohl sehr hart wird. Es folgte nach drei Wochen die Kündigung.

Nach etlichen Bewerbungen mit dauenden Absagen hat mich ein Bekannter auf die Idee einer IT-Fortbildung gebracht. Diesen Wunsch äußerte ich beim Arbeitsamt. Nach einigem Hin- und Her wurde mir wider erwarten ein besserer Kurs als mein Bekannter machte genemigt.
Diesen besuchte ich mit erfolgreichem Abschluß von 02/02 - 11/02. Auch hier gab es einen guten Zusammenhalt und ich organisierte Lerngruppen.

Hoch motiviert schrieb ich viele Bewerbungen, welche bisher alle nicht von Erfolg gekrönt waren -> nur Absagen. Mittlerwiele habe ich resigniert. In der Zwischenzeit habe ich so einen blöden halbjährigen Kurs besucht und 9 Monate einen Harz IV Job gemacht.

Am 31.12.06 trennte sich dann nach 6 3/4 Jahren meine Partnerin per Anrufbeantworter von mir.
Sie war sieben Jahre jünger als ich. Am Angfang war ich wohl dazu da, denn Mann zu vergessen, der sie ein halbes Jahr zuvor entjungferte und sie dann fallen ließ wie eine rohe Kartoffel. Nachdem die rosarote Zeit vorbei war, wurde mir klar, daß ich bei ihr nach ihrer Familie immer nur die Nummer zwei sein würde. Dadurch, daß sie nach der Arbeit immer den ersten Kontakt mit ihrer Mutter hatte, hatte sie ihre Probleme bearbeitet, ihre Mutter wusste alles über uns und mit mir hatte sie nichts mehr zum reden. Als ich dies mit meiner Partnerin besprechen wollte, kam nur was soll ich jetzt dazu sagen.
Als ihre Mutter merkte, daß ich keine Job bekam, hat sie immer mehr gegen mich gearbeitet.
Irgendwann hatte sie dann gegen mich gewonnen und am Trennungstag gab mir sogar ihre Mutter meine Habseligkeiten und nicht meine Ex.

Ich kämpfte, hatte aber keine Chance.

In all den Jahren machte ich mit Pausen einige Gesprächstherapien.

Aktuell bin ich bei einer Psychologin per Überweisung, hier will ich aber abbrechen (Pause seit Sommer '06) und besuche im Zweiwochenryhtmus eine Psychologin der Ehe-, Familien-, und Lebensberatung (nach der Trennung) des diakonischen Werkes. Diese hat mich während der Trennung gut unterstützt.

Hierbei hat sich immer wieder herausgestellt, daß ich etwas für mich tun sollte.

Und genau hier liegt das Problem.
Ich weiß nicht was!

Im Sommer habe ich dann Sport gemacht, bin ins Hallenbad oder mit dem Rennrad gefahren.
Obwohl ich Harz IV beziehe, habe ich durch einen "Gönner in Bezug zu meiner Ausbildung" keine Schulden und kann mir ein Auto leisten.
Jetzt habe ich mir für meinen Hauptcomputer einen 20 Zoll TFT Monitor bestellt -> jeder andere wäre stolz darauf und würde sich freuen, aber ich habe mir tausendmal überlegt, ob es wirklich nötig ist...
Aber wofür soll ich denn groß sparen...
Mein Vater wurde die Tage 69 also habe ich noch min. Scheixx 30 Jahre vor mir...
Die wenigen Frauen, die ich kenne sind meistens zu alt oder finden mich nur "nett" oder sind vergeben.

Irgendwie ist meine Aufgabe auf dieser Erde für die anderen da zu sein und wenn auch nur als Fußabtreter.

Auch haben wir erarbeitet, daß ich im Prinzip wüsste, was ich zu tun habe.
Ja, ich weiß, daß ich aktiv werden muß!
Aber für was?

Oft denke ich, daß ich stehen geblieben bin. Meine wenigen Freunde aus der "Clique" welche sich nach 18 bildetet sind alle verheiratet, haben Kinder und sind erfolgreich im Beruf.

Deren Interessen haben sich verlagert.

Vielleicht hat auch mein Lebenslauf damit zu tun, daß ich mit 39 noch immer bei der Mama wohne (Oberer Stock). -> Klasse !!!


Wenn ich dann abends im Bett liege, kommt dann mein größter Wunsch in mir hoch:
Einfach morgens nicht mehr auf zu wachen.


Im Spätsommer sprach ich schon mit meiner Hausärztin üner eine stationöäre Therapie. Diese würde zustimmen.
Die Psychologin der E-F-L auch.

Hier wollt ich mal nachfragen was ihr davon haltet und ob ihr mir Tipps für Therapieformen/orte geben könnt.
Was für Hürden gibt es zu überwinden und
gibt es Wartezeiten etc.?

Danke für das Lesen bis hierher !!!

Gruß Hajooo

Mehr lesen

15. Januar 2007 um 15:24

Stationäre Therapie
Die Lösung für Deine Probleme liegt in Dir. Ein prima Trainingscamp auf dem Weg dorthin findest Du unter: www.hochgrat-klinik.de alles weitere auf der Homepage.

LG Logenbruder

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

25. Januar 2007 um 13:33

Therapieform
Hi Hajooo,

ich habe Deinen Text sehr interessiert gelesen und ich bin sehr gerührt. Ich selbst habe ein schweres Leben hinter mir und bin in therapeutischer Behandlung (therapeutische WG und Einzeltherapie = Tiefenpsychologie) und nun bin ich auf der Suche nach einem Therapeuten, der Analysetherapie macht. Mir persönlich hat Therapie sehr viel geholfen. Nun, um bei Dir zu bleiben: Ich denke, dass eine Therapie auf jeden Fall das Richtige, wenn nicht so gar das einzig Richtige wär. Dafür muss man nicht irgendeine Krankheitsbeschreibung haben. Wenn ich an Deiner Stelle wäre, würde ich die Gründe für ein Therpiegesuch so schildern: schlechte bis gar keine soziale Integration, Minderwertigkeitsgefühle, Depression (suizidgefährdet?) und und und...

In der Therapie geht es erst einmal darum herauszufinden, weshalb man bestimmte Probleme oder Komplikationen im Leben hat. Zum Beispiel: Warum fällt mir das so schwer? In Deinem Fall als "Fußabtreter" (war ich übrigens auch noch bis vor ca. 2 Jahren) würde ich vermuten, dass dies daher kommt, weil Du keinerlei Möglichkeiten hattest ein gesundes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Deine Eltern waren kaum da, als Schwester ist man solchen Dingen wie Erziehung oft nicht genug gewachsen, in der Schule wurdest Du gehänselt... Wo nichts ist, kann auch nichts werden! Wenn man kein Vertrauen zu sich hat (und auch nicht zu anderen, weil das Vertrauen in andere Menschen auch zerstört worden ist?!?), dann kann man doch nicht einfach so auf Menschen zugehen und Kontakte suchen. Man ist der Mülleimer und das in Hoffnung, dass mich die anderen dadurch lieb haben. Schwachsinn, dadurch bist DU der Depp und und das macht Dich noch fertiger.

Das war es erst einmal von meiner Seite. Ich könnte noch so viel schreiben, weil ich Dich total nachvollziehen kann, aber das geht nicht, weil ich nur in der Arbeit Computer habe und grad nur Mittagspause. Wenn Du Lust hast, dann schreib gerne. Ich werde mich bemühen zurückzuschreiben.

Bis dahin noch alles Gute und ich hoffe ich konnte Dir ein bisschen helfen?

Liebe Grüße
Nicole

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Diskussionen dieses Nutzers
Wir machen deinen Tag bunter!
instagram

Das könnte dir auch gefallen