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Hat Sie es alleine geschafft?

18. Juni 2007 um 23:42 Letzte Antwort: 19. Juni 2007 um 23:16

Hallo zusammen!

Ich starte mal ohne große Vorworte mit der Einleitung: Ich bin seit 1 1/2 Jahren mit meiner Partnerin zusammen. Aus einem religiösbedingten Ko-Kriterium der Eltern, oder welchem Grund auch immer, war es bis heute nicht möglich mich ihren Eltern oder der Familie (ein Bruder ausgenommen) vorzustellen. Dementsprechend werde ich seit Beginn der Beziehung vor der Familie geheehalten. Telefoniert Sie mit jemandem aus der Familie ist es besser ruhig zu bleiben damit auch gar kein Verdacht besteht. Als Sie noch bei Ihren Eltern wohnte und ich Sie nach Hause gebracht habe, musste immer blickdichter Sicherheitsabstand zum Haus gehalten werden damit man mich nicht entdeckt. Ich bin emotional eher seicht gebaut, aber so etwas bringt auch mich zum Grübeln vor allem in Bezug auf die mittel- und langfristige Zukunft. Sollte nicht irgendwann mal der Tag x kommen, oder sollte es so sein, dass ich in zehn Jahren immer noch mucksmäuschenstill bei Telefonaten daneben sitze?

Zu Beginn des Jahres entschloss Sie sich auszuziehen. Und dann kam alles auf einmal. Monate zuvor schon schien ihre Arbeit bzgl. Mobbing der Albtraum gewesen zu sein, dementsprechend war es ein Thema bis die Ohren bluten aber, da steht man hinter. Der Arbeitgeber entschloss sich ihr zu kündigen und die letzten Gehälter ließen auf sich warten. Die laufenden Kosten liefen weiter, die Wohnung brachte zusätzliche Belastungen aber, da steht man hinter. Ich sah es nie als Problem an eine finanzielle Stütze zu sein. Parallel habe ich meiner Familie finanziell unter die Arme gegriffen, die neue Wohnung meiner Mutter finanziert, meinen beiden Brüdern merklich unter die Arme gegriffen und schon selbst ordentlich rechnen müssen. Mittlerweile haben sich insgesamt mehrere tausend Euro an Hilfeleistungen angesammelt, für die auch ich ordentlich stricken muss. Aber alles in allem kein Grund für Bedenken. Bei der Sanierung und Einrichtung der Wohnung haben meine Brüder & Co. geholfen und ordentlich Tempo gemacht, kein Problem.

Damit sie sicher an ihr Geld kommt habe ich ihr zu einem Anwalt geraten und diesen vorfinanziert. Der Prozess wurde, nach einiger Zeit die mittlerweile verstrichen war, gewonnen, aber das Geld ist immer noch fern. Weiterhin sah ich kein Problem zu helfen, Rechnungen die mehr als überfällig waren wurden bezahlt, die Miete wurde bezahlt, alles im grünen Bereich gehalten. Selbstverständlich bestand die Abmachung, dass alles zurückgezahlt werden wird, davon bin ich auch weiterhin überzeugt, keine Frage. Es versteht sich jedoch, dass die Familie von dem ganzen Chaos nichts wusste und von Eitelsonnenschein ausging.

Wir saßen vor ein paar Wochen bei Freunden. Einer der Freunde, der unter anderem unter der schwindenden Zeit und meiner etwas getrübten Laune und mittlerweile breiten Lustlosigkeit leiden durfte, fragte beiläufig, ob denn ihr Vater ihr helfen würde, und sie antwortete in meinem Beisein mit Ja. Kein Wort davon, dass ich ein wenig den Rücken gestärkt, oder für sie gesorgt habe. Plonk!

Irgendwann saßen wir im Auto und sie erzählte mir, dass sie froh ist, dass sie alles alleine hinbekommt, dass sie nicht zu ihrem Vater rennen muss und dass sich doch immer eine Lösung findet und sie es irgendwie schafft. Anstelle der Familie findet sich ja immer jemand. Plonk!

Nachdem sie seit kurzem einen neuen Job hat und nun das erste Gehalt kam, wurden aktuelle Rechnungen bezahlt und die Laune bessert sich. Heute bekam ich zu hören, dass sie so froh ist, dass sie alles alleine geschafft hat. Sie sagte mir dass es schon lieb von mir gewesen wäre sie zu unterstützen und so, und es ein guten Gefühl sein zu wissen, dass man alles alleine gemeistert hat. Mein Einwand ohne eigene Familie geschafft zog keine Änderung der Aussage nach sich. Plonk!

Wenn man die kausalen Ereignisse in Folge der Ausgangssituation betrachtet, hätte es mit Verlust der Wohnung, daraufhin Mietschulden, fehlendem Prozess, wenig Aussicht auf baldige Gehaltsnachzahlung und Abfindung, zahlreichen offene Rechnungen, dem Auffliegen der ganzen Situation vor der Familie, bis zum fehlenden Geld für Bewerbungsmappen etc. enden müssen.

Ich muss nun wirklich keinen Orden erhalten, ich brauche keine Urkunde die mir bescheinigt dass ich jemanden geholfen habe, sie hat sich auch bedankt, aber irgendwie klingen solche Aussagen für mich wie die Auszeichnung als relativ nützliches aber eigentlich doch nicht zwingend notwendiges Werkzeug.

Ich frage mich nur wirklich, ob ich meine Hilfe zu stark überbewerte, oder ob das Gefühl einen mit dem Verbalhammer geknüppelt bekommen zu haben berechtigt ist?

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19. Juni 2007 um 17:27

Für mich
klingt dies auch so:

"irgendwie klingen solche Aussagen für mich wie die Auszeichnung als relativ nützliches aber eigentlich doch nicht zwingend notwendiges Werkzeug."

Da hat sie ja echt Glück gehabt mit Dir. Klingt seltsam die Geschichte. Ich würde mich nicht unbedingt verheimlichen lassen. Warum denn?

Vielleicht hast Du zu viel erwartet als Gegenleistung? Es liest sich für mich aber eigentlich so, dass Du es gerne gemacht hast.
Suche Dir lieber eine Frau die wirklich zu Dir steht. So eine Frau wird auch nicht ewig zögern Dich zu heiraten und Dich ihren Eltern vorstellen.

Ich weiß ja nicht welche religiösen Probleme Ihr habt?

Würde ich auf jeden Fall ernst nehmen, ist einfach auch besser für die Beziehung.

Im Islam wäre es übrigens die Pflicht des Mannes für die Frau zu sorgen, einschließlich Miete. Allerdings in einer Ehe, nicht in einer Freundschaft, dies ist bei uns nicht erlaubt.

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19. Juni 2007 um 19:04
In Antwort auf jacqui_12479416

Für mich
klingt dies auch so:

"irgendwie klingen solche Aussagen für mich wie die Auszeichnung als relativ nützliches aber eigentlich doch nicht zwingend notwendiges Werkzeug."

Da hat sie ja echt Glück gehabt mit Dir. Klingt seltsam die Geschichte. Ich würde mich nicht unbedingt verheimlichen lassen. Warum denn?

Vielleicht hast Du zu viel erwartet als Gegenleistung? Es liest sich für mich aber eigentlich so, dass Du es gerne gemacht hast.
Suche Dir lieber eine Frau die wirklich zu Dir steht. So eine Frau wird auch nicht ewig zögern Dich zu heiraten und Dich ihren Eltern vorstellen.

Ich weiß ja nicht welche religiösen Probleme Ihr habt?

Würde ich auf jeden Fall ernst nehmen, ist einfach auch besser für die Beziehung.

Im Islam wäre es übrigens die Pflicht des Mannes für die Frau zu sorgen, einschließlich Miete. Allerdings in einer Ehe, nicht in einer Freundschaft, dies ist bei uns nicht erlaubt.

...
Vielen Dank für Deine Antwort!

Ich denke Sie wird zuviel Angst davor haben, dass die Eltern mich nicht akzeptieren und erheblichen Stress machen. Ich bin frei von jeder Religion und würde mich allein aus Prinzip und fehlender Überzeugung nie in irgendeine Religion pressen lassen. Ich habe schon damals die Andeutung erhalten, dass es wohl einfacher wäre wenn ich dem Islam beitrete. Aber mir kann keiner erzählen dass eine Religion es begrüsst, dass man sich ihr unter Zugzwang anschließt. Ich würde kein Moslem, sondern nur ein Heuchler werden, mehr nicht. Dieser Schritt wäre für mich dann nicht mehr als die Niederlage bei einem modernen, emotional geführten Kreuzzug. Demnach ist dieses für mich keine Option. Ihre Statements bzgl. immer offen und ehrlich zu sein, dass sie es nicht ausstehen kann wenn andere lügen klingen in diesem Kontext schon sehr bedenklich.

Die einzige Erwartung die ich habe ist die, dass die Hilfe nicht auf ein bedeutungsfreies Level heruntergespielt werden und sie wenigstens mal eingesteht, dass sie das Leben nicht ganz alleine und losgelöst von allen bestreitet hat und weiter bestreitet. Sie beharrt sehr auf ihren Stolz, dass sie alles ohne die Hilfe anderer schaffen will. Sogar vernünftiges Vitamin B bei der Jobsuche wollte sie aus Prinzip nicht annehmen. Ich meine Stolz schön und gut, aber man kann es auch übertreiben - vor allem wenn die großen Schritte im Leben, wie bei den meisten Menschen und in ihrem Fall, nun eben ohne besagte Hilfe nicht machbar gewesen wären. Mich stört einfach die Ansicht und Einstellung die ich dort entdeckt habe.

Wenn ich die Aussage richtig verstanden habe, könnte es sogar zu Problem führen wenn die Eltern erfahren, dass ich ihr als "nur Freund" unter die Arme gegriffen habe?

Ganz ehrlich, in meiner Voraussicht sehe ich die so oder so die Situation kommen, dass sie sich zwischen Beziehung und Familie entscheiden muss - spätestens dann würde ich das Nachsehen haben. Was dort los ist wenn die Familie erfährt, dass diese Beziehung bereits über ein Jahr vor ihnen verschwiegen wurde möchte ich mir nicht vorstellen.

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19. Juni 2007 um 23:16
In Antwort auf dinesh_12165317

...
Vielen Dank für Deine Antwort!

Ich denke Sie wird zuviel Angst davor haben, dass die Eltern mich nicht akzeptieren und erheblichen Stress machen. Ich bin frei von jeder Religion und würde mich allein aus Prinzip und fehlender Überzeugung nie in irgendeine Religion pressen lassen. Ich habe schon damals die Andeutung erhalten, dass es wohl einfacher wäre wenn ich dem Islam beitrete. Aber mir kann keiner erzählen dass eine Religion es begrüsst, dass man sich ihr unter Zugzwang anschließt. Ich würde kein Moslem, sondern nur ein Heuchler werden, mehr nicht. Dieser Schritt wäre für mich dann nicht mehr als die Niederlage bei einem modernen, emotional geführten Kreuzzug. Demnach ist dieses für mich keine Option. Ihre Statements bzgl. immer offen und ehrlich zu sein, dass sie es nicht ausstehen kann wenn andere lügen klingen in diesem Kontext schon sehr bedenklich.

Die einzige Erwartung die ich habe ist die, dass die Hilfe nicht auf ein bedeutungsfreies Level heruntergespielt werden und sie wenigstens mal eingesteht, dass sie das Leben nicht ganz alleine und losgelöst von allen bestreitet hat und weiter bestreitet. Sie beharrt sehr auf ihren Stolz, dass sie alles ohne die Hilfe anderer schaffen will. Sogar vernünftiges Vitamin B bei der Jobsuche wollte sie aus Prinzip nicht annehmen. Ich meine Stolz schön und gut, aber man kann es auch übertreiben - vor allem wenn die großen Schritte im Leben, wie bei den meisten Menschen und in ihrem Fall, nun eben ohne besagte Hilfe nicht machbar gewesen wären. Mich stört einfach die Ansicht und Einstellung die ich dort entdeckt habe.

Wenn ich die Aussage richtig verstanden habe, könnte es sogar zu Problem führen wenn die Eltern erfahren, dass ich ihr als "nur Freund" unter die Arme gegriffen habe?

Ganz ehrlich, in meiner Voraussicht sehe ich die so oder so die Situation kommen, dass sie sich zwischen Beziehung und Familie entscheiden muss - spätestens dann würde ich das Nachsehen haben. Was dort los ist wenn die Familie erfährt, dass diese Beziehung bereits über ein Jahr vor ihnen verschwiegen wurde möchte ich mir nicht vorstellen.

Auf jeden Fall
würdest Du ein guter Muslim sein, ist ein gutes Zeichen wenn Du Angst hättest ein Heuchler zu sein.
Aber es wäre schon besser dies mit Wissen zu tun und nicht einfach so damit man denn als Muslim mit seiner Frau zusammensein kann.
Sie hat aber Recht wenn sie sagt so wäre es einfacher.
Jetzt nimmt sie wie Du es beschreibst ihre Religion nicht so ernst.
Früher oder später kann aber das Erwachen kommen und dann könnte sie bereuen, dass sie mit Dir in einer Beziehung ohne Ehe lebt.

Jeder Mensch braucht Hilfe. Diese nimmt sie ja auch gern an wie es scheint, nur dass sie darüber nicht so viel große Worte verliert.

Wie es mit den Eltern wird weiß man nicht. Eure Beziehung ist islamisch gesehen nicht erlaubt. Manche leben danach, andere nicht.

Und sogar wenn beide Muslime sind und zudem noch praktizieren, da kann es sogar vorkommen, dass die Eltern lieber jemanden aus dem gleichen Kulturkreis möchten.
Das hat aber eigentlich nichts mit Islam zu tun.

Überlege es Dir sehr genau ob Du in dieser Beziehung eine Zukunft siehst auf Dauer, sonst wäre es für beide Seiten schade und nur vergeudete Zeit.

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