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Habe alles verloren

22. Juni 2006 um 23:27

hallo!
Mein Name ist Tina.

Ich habe Ende April mein Elternhaus, in dem ich aufgewachsen bin durch eine Insolvenz des Betriebes meines Vaters verloren. Im November 2005 war schon mal ein Räumungstermin, da erlitt ich einen Nervenzusammenbruch und der Notarzt mußte kommen, so konnte diese Räumung verschoben werden.

Innerhalb von 4 Jahren bin ich und meine Eltern von einer in der Stadt und Umgebung angsehenden Familie zum Sozialfall geworden. Uns ging es damals immer gut. Konnten in Urlaub fahren, Wochenendtrips machen und brauchten nicht jeden Zent zweimal umdrehen. Wie ich es jetzt muß, vielleicht fliege ich aus dieser Wohnung auch schon wieder raus, weil ich noch nicht weiß, ob mir das Amt die Miete bezahlt.

Weil wir die Stadt damals verklagt haben, weil wir in eine Obdachlosenwohnung ziehen sollten. Ich habe Gott sei Dank 2 Tage vor Räumungstermin eine Zusage für eine Wohnung bekommen, meine Eltern mußten in eine andere Wohnung am anderen ende der Stadt.

Ich habe zwar seit 2 1/2 Jahren einen Freund, der das alles auch mit erleben mußte, aber mein Freund kann seine Hilfe nicht so zeigen, er liebt mich das weiß ich, aber helfen kann er mir nicht.

Nun sitze ich schon wieder am Computer und ich habe das Bedürfnis mit jemanden zu reden, doch mein Freund hat Frühschicht, und ist schon schlafen.

Er hat Gott sei Dank noch einen Job, ich habe bis vor einem Monat noch in der Firma meines Freundes gearbeitet. Als wir am 2 Mai aus unserem Urlaub zurück kehrten, wurde mir vom Vorarbeiter gesagt, dass ich zum 2. Juni gekündigt bin, ich war noch in der Probezeit, mir sagte man ich sei nicht motiviert genug gewesen, obwohl ich mir für die Firma den Arsch aufgerissen habe.

So kam der zweite Schock innerhalb von einer Woche. Das habe ich einfach nicht verkraftet, seitdem bin ich zwar in ärztlicher Behandlung, doch der hat mir auch nur Tabletten verschrieben, mehr kann er nicht tun und auf eine Therapie muß ich ein halbes Jahr warten. Und was mache ich in dieser Zeit? Jeden Abend am Fenster sitzen und in die Dunkelheit hinaus starren und mir die Augen ausweinen.

Ich kann an meinem alten Elternhaus nicht vorbei fahren, geschweige den darüber reden, da brech ich sofort in Tränen aus. Alles erinnert mich an zu Hause, wenn ich die Töpfe aus dem Küchenschrank hole oder Staub wische.

Wenn ich Lkws sehe, da meine eltern eine spedition hatten, unser insolvenzverwalter war hart und ungerecht und ein gemeines ... er hat uns das Haus nicht verkauft, weil wir ihm nicht gepaßt haben.

er hat mich und meinen vater krank gemacht, mein dad hat in dieser zeit 2 herzinfakte gehabt und ich bin seit dem November 2005 nicht mehr die selbe, er hat uns alles genommen, er hat mir mein elternhaus genommen und jede menge schulden von gerichtskosten, ich weiß nicht mehr weiter, ich weiß nicht was morgen ist und wie es weiter laufen soll. ich denke nicht an selbstmord, ich will nur das mich jemand versteht und mir hilft.

Freunde habe ich keine, ich hatte mal eine beste freundin, die zwar noch meine "Freundin" ist, aber nicht über mein Problem mit mir reden will, deswegen habe ich sie als freundin auch schon abgeharkt, den soetwas ist keine freundin. ansonsten habe ich niemanden, mit dem ich reden kann.

Und das ich Hilfe brauche, das weiß ich, aber da ich auf der Warteliste beim therapeuten stehe und alle weiteren bis auf einen, aber das ist ein mann, da will ich nicht hin, nicht von der krankenkasse bezahlt werden und ich eine therapie nicht bezahlen kann, muß ich wohl warten.

Und mit meinen Heulkrämpfen, Angstzuständen, Panikartacken und Schlaflosigkeit wohl noch ein halbes Jahr leben.

Damit von der Unternehmerstochter zum Sozialfall geworden zu sein, die nicht weiß wie sie ihre rechnungen bezahlen soll, die nicht weiß ob sie nächsten monat überhaupt noch in der wohnung ist und die nicht weiß wo sie hin soll.

mein freund hat selber einen kredit abzubezahlen, da bleibt im monat nicht viel über zum überleben. bis jetzt reichte es immer für die miete und strom, doch nun habe ich auch kein einkommen mehr und weiß nicht ob das amt mich unterstützt. sie lassen mich bis kurz vor dem klingeln im ungewissen, was mich ebenso fertig macht.
weiß nicht wie ich das alles schaffen soll, wenn nicht bald ein wunder geschieht dann werde ich womöglich obdachlos werden.

meine eltern haben eine viel zu kleine wohnung und auch kein geld mehr. mein freund wartet seit monaten auf seine unfallrentenauszahlung, wenn das nicht klappt dann ist alles aus.

meine eltern ignorieren dazu auch noch meine "erkrankung", sie spielen weiter heile welt.

eine kur bekomme ich laut krankenkasse nicht genehmigt, da ich noch nicht alle möglichkeiten zu hause genutzt habe.

Ich bin so ja auch nicht arbeitsfähig. ich habe beruflich auch LKW gefahren, doch wenn ich jetzt schon einen LKW sehe muß ich weinen, wenn ich hinterm Steuer sitze bekomme ich heulkrämpfe. deswegen fahre ich seit 2 monaten auch schon kein auto mehr. Ich kann nicht mehr, nach außen hin spiele ich zwar die Kämpferin, doch innerlich zerfallle ich. ich bin froh das mein Freund da ist, der mir zwar nicht direkt helfen kann, doch wenn er mich in den arm nimmt, dann weiß ich das jemand da ist der mich liebt und braucht.

Danke fürs zu hören, ich mußte mir das einfach von der Seele reden, sonst wäre ich explodiert und hatte wohl einen erneuten Nervenzusammenbruch bekommen.


eure tina

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23. Juni 2006 um 13:40

Hey Tina
Was du da erzählst, tut mir wirklich leid für dich! Ich finde es aber schön und gut zu wissen, dass du wenigstens deinen Freund hast, der dich liebt und für dich da ist. Und deine Eltern lieben dich ja mit Sicherheit auch. Dass sie deine Probleme ignorieren ist natürlich nicht richtig, aber wahrscheinlich sind sie einfach viel zu viel mit sich selber beschäftigt, als dass sie dir im Moment weiterhelfen können. Wobei ich es trotzdem ein bisschen traurig finde, dass bei euch die Zusammengehörigkeit irgendwie fehlt. Zumindest hört es sich aus deiner Erzählung ein bisschen so an.

Na wie dem auch sei. Du solltest jetzt nicht die Hoffnung aufgeben. Wo Schatten ist, muss ja auch irgendwo Licht sein und das musst du halt suchen. Dass du nicht mehr LKW bzw. Auto fahren kannst, kann ich verstehen, aber es gibt doch noch sooo viele andere Möglichkeiten, etwas zu tun. Und wenn es nur ein kleiner Nebenjob auf 400,00 -Basis ist. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist zwar enorm, aber ich sag immer, wenn man wirklich will, findet man immer irgendetwas. Ich z. B. habe einen Hauptberuf und nebenbei noch zwei Nebenjobs als Kellnerin und Thekenkraft in einem Fitness-Studio, während andere mir erzählen, sie würden nichts finden... Ich denke, wenn du einen Job hättest, wäre vieles einfacher. Du würdest erstens ein bisschen was verdienen und hättest du eine Aufgabe und müsstest nicht den ganzen Tag über deine Siutation grübeln. Vielleicht hörst du dich mal intensiv um!

Dass du jetzt keine Therapie machen kannst, obwohl du dir so gern professionell helfen lassen würdest, ist natürlich bitter. Aber wenn du stark genug bist, wirst du auch dieses halbe Jahr noch überstehen! Solange du in dem Wissen bist, dass es noch Menschen gibt, die dich lieben, kann eigentlich gar nichts passieren! Ich wünsch dir jedenfalls die nötige Stärke und alles Glück der Welt auf deinem weiteren Weg!

Kopf hoch, sonst kannst du die Sterne nicht sehen


LG
Sabrinchen

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23. Juni 2006 um 18:18
In Antwort auf sierra_12732972

Hey Tina
Was du da erzählst, tut mir wirklich leid für dich! Ich finde es aber schön und gut zu wissen, dass du wenigstens deinen Freund hast, der dich liebt und für dich da ist. Und deine Eltern lieben dich ja mit Sicherheit auch. Dass sie deine Probleme ignorieren ist natürlich nicht richtig, aber wahrscheinlich sind sie einfach viel zu viel mit sich selber beschäftigt, als dass sie dir im Moment weiterhelfen können. Wobei ich es trotzdem ein bisschen traurig finde, dass bei euch die Zusammengehörigkeit irgendwie fehlt. Zumindest hört es sich aus deiner Erzählung ein bisschen so an.

Na wie dem auch sei. Du solltest jetzt nicht die Hoffnung aufgeben. Wo Schatten ist, muss ja auch irgendwo Licht sein und das musst du halt suchen. Dass du nicht mehr LKW bzw. Auto fahren kannst, kann ich verstehen, aber es gibt doch noch sooo viele andere Möglichkeiten, etwas zu tun. Und wenn es nur ein kleiner Nebenjob auf 400,00 -Basis ist. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist zwar enorm, aber ich sag immer, wenn man wirklich will, findet man immer irgendetwas. Ich z. B. habe einen Hauptberuf und nebenbei noch zwei Nebenjobs als Kellnerin und Thekenkraft in einem Fitness-Studio, während andere mir erzählen, sie würden nichts finden... Ich denke, wenn du einen Job hättest, wäre vieles einfacher. Du würdest erstens ein bisschen was verdienen und hättest du eine Aufgabe und müsstest nicht den ganzen Tag über deine Siutation grübeln. Vielleicht hörst du dich mal intensiv um!

Dass du jetzt keine Therapie machen kannst, obwohl du dir so gern professionell helfen lassen würdest, ist natürlich bitter. Aber wenn du stark genug bist, wirst du auch dieses halbe Jahr noch überstehen! Solange du in dem Wissen bist, dass es noch Menschen gibt, die dich lieben, kann eigentlich gar nichts passieren! Ich wünsch dir jedenfalls die nötige Stärke und alles Glück der Welt auf deinem weiteren Weg!

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LG
Sabrinchen

HEY
eine sehr sehr schöne Antwort!!! Kompliment!

LG Honeyt

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26. Juni 2006 um 12:46

Es geht weiter
....und dieser Satz hört sich so simple und doof an, aber es ist so.

Liebe Tina,

auch ich habe vor genau 8 Jahren in so einer ähnl. Situation gelebt. Meine Eltern hatten richtig Geld und waren selbständig. Von heut auf morgen war alles aus. Mein Vater hat Geld mit Aktien verloren, unsere Wohnungen gingen drauf und zu guter letzt hat er meine Mutter (ohne Rente) in einem neuen Haus ,welcher der Kredit noch nicht mal annähnernd getilgt war, sitzen gelassen....Es ist schwierig sich umzustellen und auch nach dieser langen Zeit tu selbst ich mich schwer. Es ist schlimm zu sehen wie die Eltern (meine Mutter) nicht realisieren dass nun ein anderes Leben auf sie zukommt. Zudem hast du selber genug mit Dir zu kämpfen. Stell Dich der Situation. Versuche an dem Haus vorbeizufahren. Geb Dir die ganze Kacke nochmal weil es geht nicht anderst. Du musst Dich dem stellen sonst wirst du noch in vielen Jahren damit zu kämpfen haben. Versuch aber dementsprechend ein ausgleich zu schaffen. Gehst du genügend an die frische Luft? Geh raus und freu Dich über die kleinen Dinge im Leben. Habe mir damals ein Hund zugelegt Kurzum du musst da leider durch und erwarte nicht allzuviel hilfer von außen. Nur du bist Deine wirkliche Hilfe!!! Du allein kannst das "Trauma" verarbeiten und musst alles nochmal durchkauen um irgendwann damit abschließen zu können. Ich würde Dir gern helfen, falls du möchtest schick mir eine privatmail. Kopf hoch, es öffnet sich jeden Tag eine Türe du musst nur die Augen aufmachen!!!!

Liebe Grüsse und gute Zeit

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