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Guter Freund hat Depressionen

12. Oktober 2016 um 19:44

Hallo ihr Lieben
Mein Anliegen steht ja schon im Titel. Es ist etwas schwierig, seine Situation zu beschreiben, ohne zu viele seiner privaten Informationen preiszugeben, deshalb klingt das hier in euren Ohren vlielleicht nicht alles schlüssig.
Ein sehr lieber Freund von mir steckt wie schon gesagt in tiefen Depressionen. Lachen sehe ich ihn wirklich nie. Er sagt, dass er vor einigen Monaten schon mal an diesem Punkt war und es ihm zwischenzeitlich wieder besser ging. Sein Stimmungstief wurde auch durch einige private Ereignisse ausgelöst, schwieriges Beziehungsende, dauernd Stress mit der Familie, in der Schule, im Job und er hat keinen Schlafrhytmus (liegt regelmäßig die ganze Nacht wach).
Was mir wirklich am meisten Sorgen macht, ist dass er sich keine professionelle Hilfe sucht und dass er Medikamente hortet (sagt aber, dass er nicht suizidgefährdet ist und das glaube ich ihm auch). Er sagt, dass psychologische "Hilfe" seine Probleme nur noch verschlimmert hat. Deshalb fühle ich mich verantwortlich dafür, ihm zu helfen. Ich versuche, mit ihm über seine Probleme zu reden, wenn der Moment denn mal passt, biete ihm an, bei mir zu übernachten und versuche, ihn zum Lachen zu bringen, was nie klappt. Manchmal tanze ich einfach quer durch den Schulflur und mache mich komplett zum Spaten, aber ihn heitert sowas auch nicht auf.
Hat jemand von euch vielleicht einen Rat für mich?

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13. Oktober 2016 um 8:47

Du kannst nicht seine Probleme lösen. Egal, was auch immer Du tust.
Es ist nicht möglich!
Der Einzige, der ihm helfen kann ist er selbst. Auch Ärzte und Psychologen und Medikamente können dabei bestenfalls unterstützen.
Wenn Du Dir das "auf Deinen Tisch ziehst", ist das einzig mögliche Ergebnis: (mindestens) ein Opfer der Krankheit mehr.

Das mit der Hilfe von Psychologen und Ärzten... schwer zu sagen. Ich rate jedem, das zu versuchen, auch mehr als einmal, wenn es nicht klappt, aber er wäre nicht der einzige, wo es Verschlimmerung statt Verbesserung gab. Hat mir auch einige wirklich häßliche Erfahrungen in meinem Leben gebracht, auf die ich gern verzichtet hätte.
Aber wenn es die Ärzte nicht tun, muss er es selbst machen. Du jedenfalls nicht.

Noch ein tückischer Stolperstein bei allen psychischen Krankheiten:
zu viel Rücksicht ist für Betroffene und nahestehende Menschen gefährlicher als zu wenig (zumindest meiner Meinung nach, ich bin aber nur Laie mit eigenen Erfahrungen, kein Arzt, kein Psychologe, kein Therapeut!)

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13. Oktober 2016 um 20:04

ersteinmal vielen danke für die antwort. und er nimmt seine medikamente denke ich schon (ich kontrolliere ihn natürlich nicht), hat aber immer auch auffällig viele dabei. deshalb der begriff horten

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13. Oktober 2016 um 20:07
In Antwort auf avarrassterne1

Du kannst nicht seine Probleme lösen. Egal, was auch immer Du tust.
Es ist nicht möglich!
Der Einzige, der ihm helfen kann ist er selbst. Auch Ärzte und Psychologen und Medikamente können dabei bestenfalls unterstützen.
Wenn Du Dir das "auf Deinen Tisch ziehst", ist das einzig mögliche Ergebnis: (mindestens) ein Opfer der Krankheit mehr.

Das mit der Hilfe von Psychologen und Ärzten... schwer zu sagen. Ich rate jedem, das zu versuchen, auch mehr als einmal, wenn es nicht klappt, aber er wäre nicht der einzige, wo es Verschlimmerung statt Verbesserung gab. Hat mir auch einige wirklich häßliche Erfahrungen in meinem Leben gebracht, auf die ich gern verzichtet hätte.
Aber wenn es die Ärzte nicht tun, muss er es selbst machen. Du jedenfalls nicht.

Noch ein tückischer Stolperstein bei allen psychischen Krankheiten:
zu viel Rücksicht ist für Betroffene und nahestehende Menschen gefährlicher als zu wenig (zumindest meiner Meinung nach, ich bin aber nur Laie mit eigenen Erfahrungen, kein Arzt, kein Psychologe, kein Therapeut!)

danke für deine antwort. meinst du mit dem letzten absatz, dass er sich von mir abhängig macht oder so etwas?

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14. Oktober 2016 um 9:55
In Antwort auf neverregret

danke für deine antwort. meinst du mit dem letzten absatz, dass er sich von mir abhängig macht oder so etwas?

nein, das meine ich nicht.

Ich meine damit zum einen:
"allzuviel ist ungesund" gilt auch hier. Stell es Dir als gebrochenes Bein vor. Jemand, der sich das Bein gebrochen hat, kann und sollte erst mal keine Bergwanderung machen und am Anfang sicher auch nicht einkaufen fahren. Aber wenn man ihm immer alles an die Couch bringt und auch Wochen später ihm die Einkäufe direkt in den Kühlschrank liefert, tut man ihm auch keinen Gefallen. Bei psychischen Krankheiten ist das noch schlimmer, weil der Wunsch danach, auch nach einem "gebrochenen Bein" mal wieder wenigstens ein bißchen herum zu laufen, nicht vorhanden ist. Im Gegenteil. Da ist es eher von Vorteil, wenn jemand auch von außen einen bissl "zieht und schubst", dass man auch mal wieder von der Couch runter kommt. (ohne eine Überbelastung zu verursachen, das ist klar).

zum zweiten:
am Ende dieses Weges stünde nur ein Opfer mehr. Weil Du Dich so lange und so tief involvierst, bis Du Deine eigenen Grenzen überschreitest und dann weiter, bis Du zusammen brichst und wenns blöd kommt, dann noch auf Knien weiter, bis auch das nicht mehr geht. Alles in bester Absicht und voller guter Absichten, keine Frage. Aber wie war das noch mal: "Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert" und noch eins: "gut gemeint ist manchmal das genaue Gegenteil von gut gemacht". - Es kann ihn nicht retten, es kann ihm nur bedingt helfen, vielleicht sogar schaden (s.o.) - aber es wird Dich mit zerbrechen, wenn Du nicht genau aufpasst. Dann hast Du in Deinem Leben eine sehr häßliche Erfahrung mehr und er noch zusätzlich das Wissen, Dich "kaputt gemacht" zu haben.

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14. Oktober 2016 um 14:16
In Antwort auf avarrassterne1

nein, das meine ich nicht.

Ich meine damit zum einen:
"allzuviel ist ungesund" gilt auch hier. Stell es Dir als gebrochenes Bein vor. Jemand, der sich das Bein gebrochen hat, kann und sollte erst mal keine Bergwanderung machen und am Anfang sicher auch nicht einkaufen fahren. Aber wenn man ihm immer alles an die Couch bringt und auch Wochen später ihm die Einkäufe direkt in den Kühlschrank liefert, tut man ihm auch keinen Gefallen. Bei psychischen Krankheiten ist das noch schlimmer, weil der Wunsch danach, auch nach einem "gebrochenen Bein" mal wieder wenigstens ein bißchen herum zu laufen, nicht vorhanden ist. Im Gegenteil. Da ist es eher von Vorteil, wenn jemand auch von außen einen bissl "zieht und schubst", dass man auch mal wieder von der Couch runter kommt. (ohne eine Überbelastung zu verursachen, das ist klar).

zum zweiten:
am Ende dieses Weges stünde nur ein Opfer mehr. Weil Du Dich so lange und so tief involvierst, bis Du Deine eigenen Grenzen überschreitest und dann weiter, bis Du zusammen brichst und wenns blöd kommt, dann noch auf Knien weiter, bis auch das nicht mehr geht. Alles in bester Absicht und voller guter Absichten, keine Frage. Aber wie war das noch mal: "Der Weg in die Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert" und noch eins: "gut gemeint ist manchmal das genaue Gegenteil von gut gemacht". - Es kann ihn nicht retten, es kann ihm nur bedingt helfen, vielleicht sogar schaden (s.o.) - aber es wird Dich mit zerbrechen, wenn Du nicht genau aufpasst. Dann hast Du in Deinem Leben eine sehr häßliche Erfahrung mehr und er noch zusätzlich das Wissen, Dich "kaputt gemacht" zu haben.

Vielen Dank, das sind sehr gute Argumente und Aspekte die du da nennst. Ich dachte zuerst, ich muss in "fallen lassen" um ihm zu helfen aber Ablenkung und rausgehen und etwas unternehmen scheint ja die beste Lösung zu sein. 

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15. Oktober 2016 um 21:57

Es gibt doch noch mehr Medikamente als Antidepressiva, zb Upper; Downer, Schmerzmittel...

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