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Grundloses (?) Misstrauen gegen Therapeutin - Was kann ich tun?

10. April 2014 um 14:30

Ich mache seit kurzem eine Therapie, u.a. wegen geringem/fast keinem Selbstwertgefühl, einer Angststörung, starker Wut. Ich kann außerdem niemandem mehr wirklich vertrauen, somit auch nicht meiner Therapeutin. Ich fühle mich eigentlich ganz gut bei ihr aufgehoben bisher und sie ist mir schon sympatisch und ich fühle mich verstanden. Trotzdem habe ich eine riesen Angst, ich könnte wieder enttäuscht werden und vor allem, sie könnte das Wissen dass sie über mich hat/bekommt, gegen mich verwenden, wie es mir leider schon oft passiert ist. Ein weiteres mal würde ich das nicht verkraften, schließlich bin ich dort, damit mir endlich geholfen wird. Ich muss dazu sagen, dass ich in der Hinsicht sehr misstrauisch und lieber viel zu vorsichtig bin. Manchmal höre ich vielleicht das Gras wachsen. Oft sagt mir mein Gefühl aber das richtige, über jemanden.

Es gab da schon etwas, das mir seltsam vorkam. Zur Vorgeschichte: Ich habe mich vor einiger Zeit in eine ältere Frau verliebt, die für mich alles war, was ich an meiner Mutter immer vermisst habe. (Ich leide auch sehr darunter, dass es mit meiner Mutter keine Nähe gab und sie immer sehr kalt war) Diese Frau hat aufs übelste mit mir gespielt und ich war in einer Abhängigkeit von ihr. U.a. hat sie mich erotisch berührt, was ich in den Momenten als Belästigung empfunden habe. Ich habe mich mit ihr irgendwann zerstritten, und, auch von großer Wut auf sie getrieben, eine Anzeige wegen sexueller Belästigung gegen sie gemacht. Zum Glück, wie ich im nachhinein sagen würde, wurde das Verfahren eingestellt und es kam nicht zu einer Verhandlung oder ähnliches. Seit dieser ganzen Geschichte hat sich meine psychische Situation stark verschlechtert. Von der Geschichte habe ich meiner Therapeutin schon erzählt.

In der letzten Sitzung dann ging es wieder um meine große Wut. Die Therapeutin fragte mich auf einmal, wenn ich im Lauf der Behandlung mal wütend auf sie werden sollte, ob ich sie dann auch anzeigen wollen würde, so wie bei der Frau. Es könnte ja sein, dass ich auch wütend auf sie werde, denn wir seien ja "alle nur Menschen". Dann so ungefähr, vielleicht habe die Frau nicht gemerkt was sie gemacht hat. Manchmal merkt man "es" ja nicht, weil man eigene Probleme hat. Mit solchen Aktionen wie der Anzeige würde ich mir ja am Ende nur selbst schaden. Ich habe daraufhin gesagt wie froh ich bin, dass es da nicht zu einer Verhandlung kam, weil das natürlich auch peinlich für mich geworden wäre. Genau das wollte sie anscheinend hören. Dann meinte sie noch, dass ich in solchen Situationen wohl "immer eine Mutter brauche, die mir sagt, was ich tun soll".
Ich fand das zwar gleich etwas merkwürdig, denn warum befürchtet sie, ich könnte so wütend auf sie werden, dass ich sie anzeigen will, wenn sie sich nichts zu schulden kommen lässt? Aber erst später habe ich gemerkt, dass sie damit subtil vielleicht was ganz anderes sagen wollte:

Ich könnte auch wütend auf sie werden = Sie könnte sich dasselbe leisten wie die Frau, mich anfassen, oder sogar mit mir schlafen wollen

"Wir sind ja alle nur Menschen" = Sowas kann ja mal passieren

Man merkt es manchmal nicht, weil man eigene Probleme hat = Ihre eigenen Probleme entschuldigen das

Mit sowas wie der Anzeige schade ich mir auch selbst = Wenn ich sie dann deshalb anzeige, schade ich mir selbst und soll das lassen

In solchen Situationen brauche ich eine Mutter die mir sagt was ich tun soll = Sie übernimmt dann die Mutterfigur für mich und sagt mir vlt. dass ich nicht drüber reden soll etc.


Vielleicht ist das weit hergeholt, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall habe ich ein komisches Gefühl, was das angeht. Es kam einfach seltsam rüber. Sollte ich das Gefühl ernst nehmen? Ich würde es einfach nicht verkraften, nochmal so etwas zu erleben und dass mein Vertrauen derartig missbraucht wird.

Außerdem hat sie früher nicht als Psychologin sondern als andere Ärztin gearbeitet. Dazu habe ich gesehen, dass sie auf so einer Seite wo man Ärzte bewerten kann, durchgehend sehr schlechte Bewertungen bekommen hat., z.B. dass die Sprechstundenhilfen monatlich wechselten, sie keine gute Ärztin wäre und ähnliches. Da fragt man sich ja, warum. Das hat mich irgendwie auch misstrauisch gemacht, auch wenn es erstmal nichts darüber aussagt, wie sie jetzt als Therapeutin ist.

Dann ging es darum dass erstmal einen Monat keine Therapie stattfindet wegen ihrem Urlaub. Sie sagte, ich müsse jetzt erstmal bis dahin zurecht kommen, wenn ich niemanden zum reden habe. Das kam total so rüber, wie sie es sagte, dass ich ohne die Therapie und sie nicht zurecht komme.

Was sagt ihr dazu? Habe ich nach eurem Eindruck Grund, misstrauisch zu sein oder haltet ihr das alles für normal? Sollte ich einfach in der nächsten Stunde mit ihr über diese Gedanken ehrlich sprechen? Aber das kann ich doch irgendwie auch nicht bringen. Damit würde ich ihr ja unterstellen, dass sie was von mir will und auf Frauen steht. Das geht doch irgendwie auch nicht? Bin gerade echt ratlos, denn ich verspreche mir eigentlich sehr viel von dieser Therapie und wenn ich ihr vertrauen kann, dass sie mir auch helfen wird alles in den Griff zu bekommen...



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12. April 2014 um 9:18

Es ist grundloses
Misstrauen in meinen Augen. Die Therapeutin will wissen wie du tockst und stellt daher auch solche Fragen. Erzähle ihr von diesen seltsamen Gedankengängen, die bei dir aufgekommen sind, denn nur so kann sie dir helfen.

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12. April 2014 um 12:34
In Antwort auf sisel_12340314

Es ist grundloses
Misstrauen in meinen Augen. Die Therapeutin will wissen wie du tockst und stellt daher auch solche Fragen. Erzähle ihr von diesen seltsamen Gedankengängen, die bei dir aufgekommen sind, denn nur so kann sie dir helfen.

Was ist daran
erstmal soo seltsam? Ich habe einfach Angst, dass mein Vertrauen, was man zu seinem Therapeuten ja haben sollte/muss, wieder enttäuscht und benutzt wird. Dass mein komisches Gefühl bei dieser Frage nicht richtig sein muss, habe ich ja schon gesagt. Und habe mich eben gefragt, warum eine Therapeutin befürchtet, man könnte sie irgendwann anzeigen wollen. Vielleicht hätte man dabei sein müssen in der Situation, aber für mich kam das einfach komisch rüber und war seltsam formuliert. So, als passte es nicht dazu, wie sie sonst die Stunden macht und was sie mir sonst so sagt. Ich weiß nicht, wie ich das anders ausdrücken soll, ich kann es hier nur versuchen, wieder zu geben. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass es Therapeuten gibt, die die "Macht" über ihre Patienten auf so eine Art ausnutzen. Ohne dass ich ihr oder irgendjemand anderem was unterstellen will. Nur, wer bei sowas dann am längeren Hebel sitzt, ist ja eigentlich klar.
Wenn man es sich mal genau überlegt, gibt man einem Psychologen ja fast eine "uneingeschränkte" Macht über sich. Man erzählt ihm/ihr einfach alles über sich, sogar total intime Sachen, und er/sie erzählt gar nichts über sich. Genau das ist in meiner jetzigen Situation für mich nicht leicht, aber ich weiß dass ich die Therapie brauche und das wäre bei einem/r anderen ja genauso.

Ihr habt aber recht, ich sollte meinen Mut zusammen nehmen und mit ihr einfach versuchen, darüber zu reden. Natürlich würde sie es nie zugeben wenn ich recht hätte, aber es würde mir trotzdem sicher helfen und sie mich vlt. besser verstehen.

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