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Glücklich verheiratet - aber alte Liebe...?

25. August 2016 um 21:09 Letzte Antwort: 26. August 2016 um 15:32

Hallo alle zusammen,

ich habe mich hier angemeldet, da ich eure Meinung zu einer privaten Sache von mir hören wollen würde.

Kurz zu mir: ich bin noch Mitte 20, ich bin generell ein sehr gefühlvoller Mensch. Loyalität ist sehr wichtig für mich. Leider bin ich aber auch genau die Art von Mensch, die hin und wieder schnell ins Zweifeln kommen kann. Ich bin auch sehr kleinlich und idealistisch. Ich bin nun seit 3 Jahren verheiratet. Mein Mann und ich haben uns nicht lange kennengelernt, wir haben sehr schnell geheiratet, da wir beide sicher voneinander waren und unseren Gefühlen. . Das hat sich eigentlich auch nicht wirklich geändert, wir führen eine schöne Ehe. Kinder haben wir noch nicht, allerdings ist das auch schon in Planung.

Kurz zu meinem Mann: er ist ein sehr respektvoller Mensch, sehr loyal und treu. Manchmal kann er aufbrausend sein aber so tragisch ist das nicht. Ich muss auch sagen, ich finde ihn sehr attraktiv und fühle mich ihm auch äußerlich hingezogen. Er behandelt mich sehr gut und ist immer für mich da, wenn ich es am meisten brauche. Man kann Spaß mit ihm haben und über die verschiedensten Dinge mit ihm reden.

Zu meinem Anliegen: Wir verstehen uns sehr gut, führen grundsätzlich eine gesunde Ehe,... sowie in jeder Ehe gibt es aber auch in unserer Ehe Dinge, die mich beschäftigen. Auch wenn mein Mann sowohl Liebespartner als auch Freund ist, habe ich manchmal das Gefühl, dass er mich nicht wahrnimmt. Er hat eine bestimmte Art, die unabsichtlich ist, auch gar nicht böse gemeint, wenn wir zum Beispiel reden, schaut er immer woanders hin und er geht auf mein Gesagtes nicht ein, wenn ich dann frage, wieso er nichts sagt, sagt er, dass ihm nichts dazu einfällt. Das war eigentlich schon immer so, auch als wir uns kennengelernt haben, damals habe ich das aber nicht so richtig ernst genommen. Das passiert jetzt auch nicht häufig, aber oft genug, dass es mich schon etwas stört. Ich habe ihm oft gesagt, wie ich mich mehr verstanden fühlen würde, wenn er auf mein Gesagtes eingeht, er akzeptiert es und entschuldigt sich dafür, aber versucht mir halt auch zu erklären, dass das seine Art ist und nicht beabsichtigt und ich mir sicher sein kann, dass er mir zuhört. Etwas hat sich das auch gebessert. Allerdings ist es eben nicht das einzige. Er macht mir beispielsweise kaum Geschenke, oder plant nie einen schönen romantischen Abend,...mittlerweile kauft er mir wieder hin und wieder Blumen,...Ich habe ihm oft gesagt, dass eine Frau sowas auch mal braucht, er akzeptiert das auch, aber er vergisst es wieder, weil er immer in Stress ist wegen seiner Arbeit. - Eine Sache, die mich auch besonders stört möchte ich auch erwähnen: Ich bin ein sehr kontaktfreudiger Mensch, von klein auf wurde mir beigebracht, wie ich mich in der Gesellschaft zu verhalten habe, was man sagt und was nicht. Mein Mann ist wirklich sehr respektvoll, aber manchmal sagt er Dinge in der Gesellschaft mit anderen, da gucken einige auch so komisch. Es sind keine respektlosen Dinge, eher komische Sätze, ein extremes Beispiel, um das mal zu verdeutlichen: wenn wir mal auf einer Feier sind, würde er über die Tischdecken sprechen und sagen, was für ein schöner Stoff das ist. In solchen Situationen bin ich auch total verunsichert. Da habe ich oft das Gefühl, ich müsste eingreifen und sein Verhalten erklären, vermutlich ist mir die Meinung anderer so verdammt wichtig. Ich möchte das nicht so extrem darstellen, aber oft habe ich das Gefühl, ich müsste ihm noch 'beibringen' und er müsste noch reif werden (er ist auch Mitte 20, also noch Recht jung sind wir).

Das Problem bei all dem ist,...er ist ein so gutherziger Mensch, dass ich mich schäme, mich über diese Dinge zu beklagen. Manchmal habe ich das Gefühl, ich verdiene ihn gar nicht. Denn eine Frau, die wirklich liebt, würde doch auf solche Kleinigkeiten nicht beharren?

Das alles würde eventuell nicht so ein extremes Problem sein, wenn da nicht noch eine Sache wäre. Bevor ich meinen Mann kennengelernt habe war ich mit einem anderen zusammen. Wir haben uns sehr geliebt, wir waren wie Seelenverwandte. Ich habe mich total verstanden gefühlt bei ihm, wir waren auch sehr lange zusammen muss man sagen. Allerdings haben wir uns getrennt, weil unsere Familien Probleme gemacht haben. Beide Seiten wollten nicht, dass wir zusammenbleiben, geschweige denn irgendwann heiraten. Auf die Gründe will ich nicht näher eingehen, es waren aber nicht berechtigte Gründe. Wir haben uns getrennt, weil uns beiden die Familie doch wichtiger war als die Beziehung. Wir sind friedlich auseinander gegangen. Ich muss ehrlich sagen, ich habe alles verdrängt, ich könnte euch nicht einmal einen Moment mit diesem Menschen erzählen, weil ich mich an nichts erinnern kann. Es war eine sehr schmerzvolle Erfahrung, an die ich mich nicht erinnern möchte. Zwei Jahre ging das so,...ich habe mich total verändert, habe mich gehen lassen, war auch mit einigen Männern zusammen, für die ich nichts empfunden habe, es war alles für eine kurze Dauer. Eigentlich habe ich mich selber für das, wie ich war, gehasst. Bis ich dann meinen Mann kennengelernt habe, durch ihn kam viel Ordnung in mein Leben, und ich konnte wieder die sein, die ich war. Ich musste mich (und muss es auch heute nicht) nie vor ihm verstellen. Er war so verliebt in mich, er hat um mich gekämpft, bis ich darauf eingegangen bin und wir dann zusammen kamen. Er weiß von der Sache mit dem einen Jungen, für ihn war das kein Problem, nur wichtig war es für ihn, ob ich den alten noch liebe.

Ich frage mich mittlerweile, ob es richtig war, wie alles gelaufen ist. Vielleicht hätte ich nach der Trennung zur Therapie gehen sollen, um einiges in mir zu verarbeiten. Wenn ich heute noch von dem Jungen rede, könnte ich Tränen in den Augen haben. Ich muss aber ehrlich sagen,...ich denke kaum an ihn, es sind nur einzelne Momente, in denen es hoch kommt. Vor allem in den Momenten, wo ich von meinem Mann unverstanden fühle. Aber wenn ihr mich fragen würdet: warst du mit deinem Ex-Freund glücklicher als mit deinem Mann? (ich weiß, vergleiche sind nicht gut,...) Obwohl mein Mann und ich unterschiedliche Persönlichkeiten haben, schafft mein Mann es viel besser mit mir umzugehen, als mein Ex-Freund. Ein Beispiel: Für mich ist das total wichtig, dass der Partner mich gut trösten kann, mein Mann ist so schlecht darin, mein Ex-Freund war wirklich sehr gut und hat immer die passenden Worte gefunden, die mich beruhigt haben. Mein Mann stattdessen sagt Dinge, wodurch ich dann nicht mehr weine, sondern wirklich einfach nur noch lachen muss und nach 2 Minuten ist das Problem vergessen. Er nimmt das Leben nicht sehr ernst, und findet, dass man ein Problem nicht dramatisieren muss. Ich finde seine Einstellung gut, vor allem ist das eine gute Kombination, da ich sehr schnell in ein Loch fallen kann mit meinen Gefühlen. Er holt mich dann einfach zurück zur Realität. Finde ich alles gut,...aber manchmal wünschte ich mir das andere auch wieder. Hört sich alles durcheinander an...Mein Ex-Freund war halt auch ein sehr guter Freund, ich bin mehr darüber traurig, dass ich einen guten Freund verloren habe, als über den Verlust meiner alten Liebe. Wenn ich die Wahl zwischen ihm und meinen Mann hätte, ich könnte nicht ein mal zurück zu meinem Ex-Freund, weil ich ihn nicht ein mal mehr äußerlich ansprechend finde.

Ich frage mich aber, wieso ich weiterhin an der alten Sache hänge und wie ich drüber stehen könnte. Und vielleicht habe ich das Gefühl, dass ich damit meinem Mann gegenüber unloyal bin, dass ich sowas noch mit trage. Vielleicht komme ich damit einfach nicht klar?

Ich würde mich über Meinungen sehr freuen und bedanke mich jetzt schon mal.

lg

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26. August 2016 um 15:32

Völlig normal...
... solche Dinge fallen meist erst dann ins Gewicht, wenn die Stimmung kippt.
Stell es Dir so vor: wenn Du "miese Laune hast" stören Dich immer auch Dinge, die Du an einem Tag, wo Du wirklich "super drauf bist" noch nicht einmal auffallen - geschweige denn Dich stören - oder?
So ist das an allen anderen Punkten auch. Unsere "Grundstimmung" beeinflusst die Wahrnehmung enorm.
Dazu kommt der Hang von uns Menschen Marke "früher war alles besser" - man neigt dazu vergangenes zu idealiseren - und man neigt leicht dazu, zu projizieren.

Dein Mann passt auch besser zu Dir, als ich zu Dir passen würde. Mal abgesehen davon, dass ich eine Frau bin und keine Beziehung mit einer Frau anfangen würde Nein, im Ernst, mit einem Partner, der sich schämt, weil ich auf einer Feier die Tischdecke toll finde und das auch noch sage, könnte (und wollte) ich nicht zurecht kommen. Ich bin auch ein Mensch, wo die Leute ab und an mal "komisch gucken". *Schulterzuck* finde ich ok so. Mein Partner trifft seine eigenen Entscheidungen, er ist ein erwachsener Mensch. Ich bin es auch. Er muss meine Entscheidungen und mein Verhalten nicht rechtfertigen, nicht erklären, sich nicht dafür schämen. Das wäre nur dann der Fall, wenn wir eine permanente SM-Beziehung hätten und ich für ihn entscheiden würde. Nein, nicht alles, was er sagt, finden alle toll und nicht alles, was ich sage, finden alle toll. Finde ich normal und völlig in Ordnung so, es ist mir so gar nicht wichtig, dass ihn und / oder mich alle mögen.

Ok, jetzt bin ich etwas vom Thema abgekommen... *hüstel*

Wie auch immer: der Schlüssel ist Deine eigene Grundeinstellung. An einer Beziehung arbeiten, damit sie auf längere Zeit Bestand hat, heisst immer auch an sich selbst arbeiten. Du hast nicht nur eine Beziehung, Ihr habt geheiratet. Das verpflichtet Dich nach meiner (!) Ansicht, auch darum zu kämpfen, dass die Ehe Bestand hat (in Massen natürlich, nicht selbstzerstörerisch) - und auch dann, wenn Du damit zuerst gegen Dich selbst kämpfen musst.
Du hast viel darüber geschrieben, was er so alles tut und ändert und worum er sich bemüht - was tust Du?

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