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Glaubt kein Mensch (sorry, sehr lange)

20. April 2018 um 19:08 Letzte Antwort: 23. April 2018 um 18:28

Ich möchte nun auch meine Geschichte erzählen und hoffe, hier ein wenig Rat und Unterstützung zu finden.


2016 lernte ich einen Mann kennen, optisch war er nicht so mein Typ, ein wenig zu pummelig und viel zu klein. Noch während der ersten gemeinsamen Nacht (ich dachte, es würde ein ONS) sagte er Dinge wie „ich hab mich mit noch keiner Frau so gut unterhalten wie mit dir, du küsst wahnsinnig toll“ etc. Er wollte auch nicht direkt vögeln, sondern erst ins Vapiano essen und gemütlich was trinken. Nach dieser Nacht hatten wir noch ein paar Tage Kontakt per WhatsApp, den er jedoch abbrach. Einige Wochen später, an Silvester wünschte ich ihm ein schönes neues Jahr und er antwortet sofort, schrieb, wie toll die Nacht für ihn war usw. und wir begannen, uns ab Januar regelmäßig zu treffen. 


Er erzählte, er lebe in Berlin, sei seit 4 Jahren Single (weil er so viel arbeite und so viel in seiner Freizeit unternehme), sei von Frauen oft verletzt worden, weil er so laut schnarche, sein Schwanz so klein sei und er so schnell beim Sex komme. Er tat mir wahnsinnig leid und ich dachte „wie gemein Frauen doch sein können. Mir vertraut er all das an, das mit uns ist was ganz Besonderes.“ Da ich im Rhein Main Gebiet lebe und er als Vetriebsleiter bundesweit unterwegs ist, sahen wir uns 2-3 Mal die Woche (verbrachten 1-2 Nächte pro Woche miteinander). Im Februar machte er Schluss mit der Begründung „du setzt mich zu sehr unter Druck“, dieser Satz wurde zum ständigen Begleiter unserer Beziehung. Einige Tage später stellte ich fest, dass ich meine Periode nicht bekam. Das schrieb ich ihm, er meldete sich. Wir redeten und schrieben viel, sahen uns die Woche drauf wieder und landeten wieder im Bett, er sagte, er habe nachgedacht und will eine Beziehung mit mir beginnen, aber ohne Kind. Wenn ich das Kind abtreiben lasse, bleibe es, wenn nicht, stünde ich alleine da. Ich war geschockt. 


Im April wollten wir übers Wochenende an den Bodensee fahren, er rief von unterwegs an und sagte, er fahre los und brach das Gespräch ab, weil er seinen Vater anrufen müsse. Rief kurz danach wieder an und sagte mit weinerlicher Stimme „mein Vater hat eben erzählt, dass meine Oma gestorben ist“. Er wolle dennoch zu mir kommen und wir führen zum Bodensee. Er kam auch und sagte jedoch, er müsse zurück zu seiner Familie. Ich war am Ende, heulte tagelang und machte mir Vorwürfe, dass er mich in dieser Situation nicht um sich haben wollte. Drei Tage später hatte ich eine Fehlgeburt und musste zur Ausschabung, er reagierte kaum darauf. Schrieb nur, er habe Fieber. Ich war maßlos enttäuscht und wütend. Wir sahen uns Mitte April wieder und es lief bis Anfang Mai, er machte wieder Schluss wegen des „Drucks“, bis heute hat er nie konkret gesagt, was er als Druck empfindet. Ich sagte ihm „okay, das war’s dann“ und legte auf. Er rief zurück, ich drückte ihn weg, ging irgendwann dran und er weinte, es täte ihm leid, er habe Ärger auf der Arbeit, evtl. kündige man ihm und er habe das an mir ausgelassen, am besten wäre, er würde sich vor einen Zug werfen und umbringen. Wir redeten stundenlang und er versprach, sich nichts anzutun, wir würden uns am nächsten Tag sehen. Das taten wir, er sagte, er würde ab sofort über alles mit mir reden, damit kein Druck mehr entstehe für ihn. Im Juni war er für eine Woche mit Freunden aus Abizeiten auf Mallorca sagte er, wir telefonierten täglich und schrieben stundenlang auch nachts. 


Das ging bis Ende Juli, er machte wieder Schluss, Begründung der Druck.
Diesmal für zwei Tage, wir sahen uns, hatten wieder Sex. Und eine Woche später sagte er zum ersten Mal „ich liebe dich“, ich war so glücklich, diese Worte endlich von ihm zu hören. Streit war immer wieder die Tatsache, dass ich ihn fast nie spontan erreichen konnte. Er sagte, er habe sein Handy lautlos und zwar immer. Wir telefonierten täglich 1-2 Stunden und schrieben über WhatsApp. Als ich in Berlin beruflich war, schlief er bei mir im Hotel, weil er in dieser Zeit seine Wohnung vermietet hatte, von dem Geld wollten wir in Urlaub, sagte er. Ende August war es endlich soweit, wir fuhren an den Bodensee und es war wunderschön, er war so liebevoll und zärtlich, wollte die ganze Zeit rumknutschen und kuscheln, ich fühlte mich wie ein frisch verliebter Teenie. Wir hatte beide etliche Cuba Libre getrunken, als er im Burger King an der Kasse sagte „das ist meine Frau, meine beste Freundin und meine Liebhaberin“, ich schmolz dahin. Anfang September ging es mir urplötzlich schlecht, im Krankenhaus wurde die Diagnose MS gestellt, er kam aus Berlin geflogen und sofort ins Krankenhaus. Er kümmerte sich rührend um mich, buchte sein Hotel für die nächsten Tage um, um bei mir sein zu können. Ich war mir sicher, er meint es ernst, er ist in dieser schweren Zeit da, ich kann ihm vertrauen. Am 20.09. stand ich auf und er sagte, er habe noch einen Schwangerschaftstest, den solle ich machen. Tat ich, ging unter die Dusche. Als ich raus kam, hielt er ihn mir hin und sagte „positiv“, wir waren geschockt.


Das war mittwochs, wie sahen uns montags wieder und er blieb bis Donnerstag. Er war auch in dieser Zeit der perfekte Gentleman, am 28.09. weckte er mich ganz früh, weil er Lust auf Sex hatte, er holte Gleitgel, was wir sonst nie benutzen, weil er’s mal „ausprobieren will“, wie er sagte. Ich sagte zu ihm „da brauch man doch nicht so viel“, er sagte, doch, das sei schon in Ordnung so. Wir hatten Sex und ca. 1 Stunde danach hatte ich wahnsinnige Krämpfe, ging auf die Toilette und alles war voller Blut. Mein ganzer Unterkörper, ich sagte ihm, ich denke, ich habe ein Fehlgeburt und dass ich duschen muss. In der Duschwanne fand ich dann zwei teilweise aufgelöste Tabletten und mir war rational sofort klar „der hat dir Abtreibungstabletten gegeben“. Ich öffnete die Duschtür und hielt ihm die Tabletten hin und fragte, was er getan habe. Er sagte, er habe nichts getan und wisse nicht, was das sei. Ich kam aus der Dusche und sagte, ich brauche Tampons oder Binden. Er sagte, er gehe zur Tankstelle gegenüber, das tat er, kam zurück, zog sich aus, legte sich ins Bett und schnarchte. Ich war fertig. 


Er fuhr mich gegen 09:00 Uhr nach Hause und rief immer wieder an, ich drückte ihn weg. Letztlich ging ich dran und er gestand, was er getan hatte. Er hatte „Druck“ verspürt. Ich sagte ihm, es sei vorbei und dass ich ihn anzeigen werde. Daraufhin sagte er, sein Leben sei dann vorbei und er bringe sich um. Ich wusste nicht mehr weiter, war fertig, heulte tagelang und lag nur im Bett. Er war ab da total bemüht und nahezu perfekt, wir flogen gemeinsam nach Griechenland, hatten dort aber einen richtig großen Krach, als ich sagte, ich möchte sehen, mit wem er schreibt. Da schrie er mich an „das ist mein Leben, das geht niemanden was an.“ Spätestens da hätte ich wissen müssen, er lügt. 


Montags war er mit mir auf einer Weihnachtsfeier und zwei Tage später fing er am Telefon wieder vom Druck zu reden an. Ich hatte es satt, ich sagte ihm, sollte er sich bis zum nächsten Tag nicht einkriegen, war es das endgültig. Donnerstags dann eine Nachricht von ihm, sein Verhalten erlaube ihm keinen Platz in meinem Leben und ihm tue es leid. Ich war völlig unfähig, etwas zu tun. Letztlich zeigte ich ihn noch am selben Tag an und eine Woche später erfuhr ich von seinem besten Freund, dass er mit seiner Freundin für 4,5 Wochen im Urlaub in Neuseeland ist. 


Von seiner Schwester erfuhr ich, die Oma lebt und ist gesund. Wie verlogen dieser Mann ist, wurde mir da bewusst. 


Ich hatte meine Periode wieder nicht, der Test war positiv und er nicht da, nicht zu erreichen. Am 13.01. kam er zurück, inzwischen wusste ich, er lebt in Hamburg, ich fuhr nach Hamburg. Wir trafen uns. Er sagte, die Nachrichten, die ich über Facebook und WhatsApp an seine Freundin geschrieben hatte, hatte er abgefangen und gelesen. Sie wusste bis 13. nichts von mir, dann sagte er ihr angeblich alles und sie hatte Schluss gemacht. Ich solle eine Abtreibung machen lassen, dann würden wir einen Neuanfang machen. Ich stimmte zu, ich wollte ein Geständnis von ihm aufnehmen beim nächsten Treffen, denn die Polizei und meine Anwältin sagten mir, ohne Beweise hätte ich schlechte Karten. Wir sahen uns, ich sagte ihm, ich ginge zum Arzt, er wartete vor der Praxis und dachte, ich hätte eine Abtreibung machen lassen. Im Hotel angekommen nahm ich sein Geständnis auf. Ich sagte ihm danach, ich habe es aufgenommen, er sagte, ich solle es löschen, wir würden doch von vorne anfangen. Dann googlte er und sagte, man könne gelöschte Aufnahmen wiederherstellen, es sei also egal. 


Wir telefonierten noch zwei Wochen miteinander aber durch sein Verhalten war mir klar, er ist nicht von seiner Freundin getrennt. Er hatte mal wieder gelogen. Seitdem herrscht Funkstille. Es ist mir unbegreiflich, wie seine Freundin bei ihm bleiben kann, wenn sie die Wahrheit kennt, daher denke ich, er hat sie weiterhin belogen. Was sein Kind angeht, so bin ich noch nicht sicher, wie ich mich verhalten werde, wenn es geboren ist. 


Ich habe psychologische Betreuung, immer wieder Alpträume von der Tat und hoffe, es gibt endlich einen Gerichtstermin, in dem er zur Verantwortung gezogen wird. 


Sorry, dass ich so viel geschrieben habe, aber das musste raus. Danke!


 

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20. April 2018 um 19:36

Besser wäre es in jedem Fall. 

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21. April 2018 um 13:47

Ich habe den Text auch so geschrieben, dass von Anfang an deutlich wird, er führt ein Doppelleben. 

Was seine Freundin angeht, so hast du recht. Da bin ich genauso wie sie. 

Was die Schwangerschaften angeht: ich habe hormonell verhütet, durch ein Hypophysenadenom war dies jedoch vermutlich unwirksam, beim anderen Mal Kondom abgerutscht (was daran liegt, dass ihm sämtliche Kondome zu groß sind, selbst die kleinsten, die man hier kaufen kann) und Pille danach nicht gewirkt. Dass keine Verhütung 100% sicher ist, weißt du hoffentlich schon? 

Du denkst nicht wirklich, dass man nach einem halben Jahr sicher wissen kann ob das Gegenüber keine Geschlechtskrankheiten hat, oder? Man kann sich jederzeit beim Sex hypothetisch mit etwas anstecken. 

Was deine Frage nach der Selbstachtung angeht, die stelle ich mir auch oft bzw. meiner Psychologin. Diese meinte „Sie konnten ihn damals nicht verlassen, er hat Ihnen irgendwas gegeben, was Sie in dem Moment gebraucht haben. Dazu kommt der Verlust des Kindes und die Diagnose MS, die nicht mal drei Wochen her war.“ 

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23. April 2018 um 13:51

du wirst es nicht glauben, ich lasse mich über die Arbeit alle 6 Monate auf HIV testen. Natürlich hast du recht, dass Kondome auch vor Krankheiten schützen, was viel zu oft nicht berücksichtigt wird. Wir haben zusätzlich Kondome benutzt, ich habe außerdem hormonell verhütet, wegen eines Hypophysenadenoms hat dies vermutlich nicht funktioniert. Was die Kondome angeht, die sind ihm immer wieder abgerutscht, weil sein Schwanz so klein ist, dass selbst die kleinsten nicht passen, die man kaufen kann. 

ich habe mir z.B. bei der Story mit dem Tod der Oma gedacht, er erfindet es nur und war dann erschrocken, dass ich sowas über ihn denke und dachte, wie mies ich bin. Hab ich inzwischen meinem Psychologen erzählt, Antwort dazu „Sie sollten daraus lernen, mehr auf Ihr Gefühl zu vertrauen, Ihr Gefühl hat meistens recht.“ Er hat alle Zweifel irgendwie immer wieder zerschlagen, hatte immer andere Termine, sei es beruflich, die Organisation seiner Oldtimertouren, die er mit zwei Freunden im Sommer macht usw. Dann immer wieder erzählt, er bewirbt sich in meiner Nähe, damit wir uns öfter sehen können und zusammenziehen können. Heute denke ich natürlich, so dumm kann man gar nicht sein, das nicht zu merken.

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23. April 2018 um 18:28

ja sehr bitter. Du solltest aber schnellstmöglich damit abschließen.

Polizei, Gerichtstermine, Anzeige, Ihn zur Rechenschaft ziehen....nichts davon wird das was war ändern. Es ist auch ganz egal warum seine Freundin bei ihm bleibt oder in China ein Sack Reis umkippt. sei froh dass du ihn los bist !
Hardere nicht mit der Vergangenheit und schau nach vorne.

Jeder bekommt irgendwann seine gerechte Strafe, verschwende nicht deine Energie an diesen Menschen, denn er ist es nicht wert. 

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