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Geschwisterkinder von "behinderten" Menschen

20. Juni 2017 um 2:31

Hallo zusammen

Also ich weiß ehrlich gesagt gerade noch nicht genau wie ich diesen Text schreiben soll... Da ich sowas noch nie wirklich getan habe..

Also ich bin jetzt 23 und versuche seit einiger Zeit mit meinen Problemen, familien-bedingt, klar zu kommen...

Meine große Schwester ist mehrfach schwerst Behindert, sie ist jetzt 29 und wie ein Kind von 2 Jahren. Sie kann nicht reden, nicht essen(wird künstlich alle paar Stunden ernährt), nicht laufen, im großen und ganzen kann sie gar nichts alleine und braucht rund um die Uhr pflege. Natürlich wird ihr Zustand auch von Jahr zu Jahr immer schlimmer, leider... Sie ist halt sehr anstrengend manchmal da sie seit ca. 10 Jahren ebenfalls noch sehr aggressiv geworden ist und "sehr gerne" auch mal jeden Tag 5-6 Stunden durchschreit, andere(sprich meine Mutter und mich) u.a.kratzt, beißt und kneift.. dieses schreien kam auch sehr oft mitten in der Nacht vor. Es gibt auch Momente wo man sie festhalten muss da sie sich selbst in ihrer wut verletzt. Diese Wutanfälle bekommt sie u.a. durch Musik oder ein Fernsehprogramm was sie nicht mag meine Mutter aber gucken/ hören möchte. Oder einfach weil ihr irgendein Geräusch wie zum Beispiel von einem Motorrad nicht gefällt. Es kam auch öfters vor dass sie so ein Anfall hatte weil meine Mutter mit mir am reden war oder was mit mir gespielt hat.

Meine Mutter ist alleinerziehend,da der Vater meiner Schwester nichts mit ihr zutun haben möchte und mein Vater ein Alkoholiker geworden ist. Da war ich 1 Jahr alt als sie sich scheiden lassen haben. Hab auch keinen Kontakt zu ihm. Es gab immer nur meine Oma, meine Mutter, meine Schwester und mich.
Dadurch dass meine Mutter alleinerziehend ist, hatte sie nie wirklich viel Zeit für mich. Alles was wir gemacht haben ging nur mit der Schwester, da meine Schwester damals auch noch sehr oft im Krankenhaus war,bin ich nie im Kindergarten gewesen.. Wir sind von einer Klinik zur nächsten gefahren.
In den Kliniken war ich meistens auf mich alleine gestellt und habe gepuzzelt und gemalt aber immer alleine.
Dann bin ich mit 7 eingeschult worden und habe gemerkt wie gut gerade Kinder mobben können.. Das Mobben hat sie bis zur 8 Klasse durchgezogen..(hatte zur Folge, das ich mich nichz mehr mit meiner Schwester in die Stadt getraut habe,bevor mich einer aus der Schule sieht und wieder anfängt) ich hätte ganz im anfang mal versucht mit meiner Mutter darüber zu sprechen,sie hatte aber zu viel zu tun und keine Zeit dafür, den zu dem Zeitpunkt hat meine Oma schlaganfälle bekommen und ist zum pflegefall geworden, natürlich hat meine Mutter sie bei uns aufgenommen.
Mit ca 8 Jahren hab ich mich angefangen selbst zu verletzten im anfang nur wegen meiner Mutter, da ich dachte dass ihr dann auffällt dass ich auch da bin, später hab ichs dann versteckt und es heimlich gemacht wenn es mir zu viel war.. habs mit Hilfe meines Mannes aber geschafft mit 20 aufzuhören.
Heutzutage ist meine Mutter leider auch krank pflegt aber weiterhin beide,möchte aber unter keinen Umständen Hilfe von irgendwelchen Leuten annehmen. Jetzt alleine da ich irgendwann ausgezogen bin,weil ich endlich mein eigenes Leben leben wollte. Manchmal denke ich, ich hätte sie im Stich gelassen damit. Aber ich habe selbst kein Zimmer mit meiner Schwester teilen müssen da in meinem Zimmer genug Platz war. Ich musste damals diesen Schritt machen und ausziehen.
Ich kam mir immer wie die nebensächliche Person vor der selbst an Elternsprechtag wurde mehr über meine Schwester gesprochen und was sie genau hat als über mich und meine Noten.

So wirklich viele Freunde hatte ich auch nie,da viele nicht wussten wie sie mit meiner Familiensituation umgehen sollten und ich viele auch nicht an mir rangelassen habe.

Irgendwann habe ich dann angefangen,mich abzuschotten niemanden mehr zu vertrauen und keine Gefühle zuzulassen,keine Berührungen und nichts,damit kam ich sehr lange seht gut klar. Alle haben mich zwar als kalt bezeichnet es war aber meine Art mit allem umzugehen. Ich hab immer versucht alles einfach zu verdrängen.

Dann habe ich meinen jetzigen Mann kennen gelernt und kam irgendwie nicht gegen die Gefühle an und seine Familie hat mich sofort aufgenommen, seine Familie ist ne kleine glückliche Familie wo sehr viel gemeinsam unternommen wird. Natürlich eine sehr große Umstellung.

Da mein Mann und ich jetzt unser erstes Kind erwarten,kommen natürlich sehr viele Gefühle hoch und auch sehr viele Gedanken über meine Probleme.
Ich würde manchmal sehr gerne über meine Probleme reden aber niemand kann das wirklich nachvollziehen in meinem Umkreis.

Ich weiß heutzutage selber dass meine Mutter da selber nichts für kann und mit allem einfach überfordert ist, Aber damals als Kind konnte ich das große ganze noch nicht sehen..

Einer meiner fragen ist halt, gibt es auch andere die was ähnliches erlebt haben? Und ist es normal dass ich nicht gut vertrauen kann und Schwierigkeiten habe zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen ? Was kann man nur gegen alles tun damit ich endlich mit allem klar kommen kann?..

Mhmm das war jetzt echt ein sehr langer Text...

Aber danke schonmal fürs lesen

liebe Grüße baffi

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20. Juni 2017 um 8:22

Hm, ganz ehrlich... ich bin aber überlegen, ob das nicht zu schwer und zu viel ist, um mir als Laie da einen Rat zu erlauben - hast Du mal über professionelle Hilfe nachgedacht, um das aufzuarbeiten?

Meiner Meinung nach ist das mit der fehlenden Fähigkeit, zu vertrauen, schon "normal" in Deiner Situation. Das lernt man nun einmal haupsächlich als Kind - oder eben nicht. Mit solchen Verhaltensmustern dann als Erwachsener klar zu kommen und sie ggf. zu korrigieren, ist häßlich und schwer. Wenn man das ganze Leben mit "wenn Du Dich auf etwas verlassen willst, kümmere Dich selbst darum" verbracht hat, kann man nicht mal eben einen Schalter umlegen, weil man ja jetzt rational weiß, dass man einem Menschen hat, dem man vertrauen könnte, den man auch um Unterstützung bitten und von dem man Unterstützung annehmen könnte - und sollte. Menschen, auf die man sich einlassen kann und sollte - Wie kommt Dein Mann damit klar?

Ich glaube, Du solltest vor allem nicht versuchen, völlig ein anderer Mensch zu werden. Wenn Du anderen gegenüber überwiegend distanziert bist, ist das an sich nicht schlimm.
Was das Bewußte (wieder-) Zulassen von Gefühlen angeht, gibt es psychologische Techniken, die Dir helfen können, aber da ist ein Forum wohl kaum die beste Option dafür.
 

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21. Juni 2017 um 1:22
In Antwort auf avarrassterne1

Hm, ganz ehrlich... ich bin aber überlegen, ob das nicht zu schwer und zu viel ist, um mir als Laie da einen Rat zu erlauben - hast Du mal über professionelle Hilfe nachgedacht, um das aufzuarbeiten?

Meiner Meinung nach ist das mit der fehlenden Fähigkeit, zu vertrauen, schon "normal" in Deiner Situation. Das lernt man nun einmal haupsächlich als Kind - oder eben nicht. Mit solchen Verhaltensmustern dann als Erwachsener klar zu kommen und sie ggf. zu korrigieren, ist häßlich und schwer. Wenn man das ganze Leben mit "wenn Du Dich auf etwas verlassen willst, kümmere Dich selbst darum" verbracht hat, kann man nicht mal eben einen Schalter umlegen, weil man ja jetzt rational weiß, dass man einem Menschen hat, dem man vertrauen könnte, den man auch um Unterstützung bitten und von dem man Unterstützung annehmen könnte - und sollte. Menschen, auf die man sich einlassen kann und sollte - Wie kommt Dein Mann damit klar?

Ich glaube, Du solltest vor allem nicht versuchen, völlig ein anderer Mensch zu werden. Wenn Du anderen gegenüber überwiegend distanziert bist, ist das an sich nicht schlimm.
Was das Bewußte (wieder-) Zulassen von Gefühlen angeht, gibt es psychologische Techniken, die Dir helfen können, aber da ist ein Forum wohl kaum die beste Option dafür.
 

Ich habe es mal versucht mit professionelle Hilfe, aber hatte irgendwie ein echt schlechten Arzt erwischt. Der meinte nur:" ja da kann man wohl nichts machen,da sie es so gelernt haben...

Mein Mann brauchte eine Zeit damit umzugehen, aber er hat es wirklich gut "gelernt" und kommt jetzt relativ gut damit klar. Er versucht halt für mich da zu sein.  

Ich versuche nicht mich ganz zu ändern,aber das ständige distanzierte bringt auch richtige Schwierigkeiten mit sich manchmal... 
Aber danke für deine Antwort 
liebe Grüße

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21. Juni 2017 um 8:02
In Antwort auf baffi1720

Ich habe es mal versucht mit professionelle Hilfe, aber hatte irgendwie ein echt schlechten Arzt erwischt. Der meinte nur:" ja da kann man wohl nichts machen,da sie es so gelernt haben...

Mein Mann brauchte eine Zeit damit umzugehen, aber er hat es wirklich gut "gelernt" und kommt jetzt relativ gut damit klar. Er versucht halt für mich da zu sein.  

Ich versuche nicht mich ganz zu ändern,aber das ständige distanzierte bringt auch richtige Schwierigkeiten mit sich manchmal... 
Aber danke für deine Antwort 
liebe Grüße

ALLES auf dieser Welt bringt manchmal richtige Schwierigkeiten mit sich
Ich weiß schon, was Du meinst, ich bin selbst ein sehr distanzierter Mensch (was mich nicht stört) und zu oft zu kontrolliert, gerade emotional. Ist bedingt sozial kompatibel, ja.

Ja, das mit den Therapeuten hat da zuweilen was von Lotterie, könnte ich Bücher drüber schreiben Kann man nur einfach ein neues Los kaufen, wenn man eine Niete gezogen hat

Was wolltest Du denn am ehesten ändern? Wo hast Du die meisten Schwierigkeiten? (so Du die Frage beantworten möchtest!)

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21. Juni 2017 um 20:11

Hm, das klingt nach einigen Punkten in deinem Leben, die du verarbeitest. 
Was ich ganz wichtig finde, ist, dass du deine Schuldgefühle versuchst, abzulegen. Du hast eine Schwester mit einer Behinderung, was für euch alle eine Herausforderung und auch Belastung darstellt. Das kann man sagen, auch wenn du deine Schwester liebst. Du hast dein eigenes Leben begonnen. Freu dich darüber, das wird dir dann auch gut tun. Du bekommst ein eigenes Baby, das bald deine ganze Aufmerksamkeit braucht.
und wirf bitte nicht die Finte ins Korn wegen deines dusseligen Therapeuten. Versuch es noch einmal bei einem anderen. Vielleicht hilft dir dein Mann auch ein stückweit bei der Suche ubd gibt dir kraft, mit dir ins reine zu kommen.

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22. Juni 2017 um 3:53

Also ich kann dich gut verstehen, baffi.
In einer Familie mit einem behinderten Kind, dreht sich alles nur um dieses, die Eltern sind gestresst und dem andern Kind gehts ja gut (klar, im Vergleich zu den Schwierigkeiten eines Behinderten ist dein Zeug nur Kleckerkram).
Meine Schwester ist Autistin und war früher sehr aggressiv, heute nur noch ab und zu und nicht mehr in dem Ausmass, das Schreien kenne ich auch - emotional laugt einen jede "Krise" völlig aus.

Aus verschiedenen Gründen ist es bei mir anders gelaufen als bei dir. Ich habe kein Problem mit Vertrauen und Nähe sondern eher damit, Grenzen zu setzen.

Im Augenblick bin ich mit meinem Partner in Paartherapie, da wir beide unsere "Problemchen" haben.

Ich möchte dir nur sagen, wenn du das Gefühl hast, damit nicht allein zurechtzukommen, such dir Hilfe. Den "richtigen" Therapeuten zu finden braucht meist etwas Zeit, ein paar Versuche, Geduld.



 

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