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Gegen die Wand gelaufen?

9. Juli 2009 um 11:34

In den letzten Wochen bin ich nur noch traurig und kann mich über nichts mehr freuen. Solche Phasen hatte ich immer mal, aber diesmal dauert sie so lange an und alleine werde ich da wohl nicht mehr herauskommen.

Zu meiner Vorgeschichte... ein wirklich glücklicher Mensch war ich nie... ich habe mich immer mit meiner Situation arrangiert, das beste draus gemacht... natürlich hätte einiges besser laufen können, Job und Beziehungen, in beidem war ich nie wirklich erfüllt und glücklich. Aber - sei es aus Bequemlichkeit, Kraftlosigkeit oder Angst - geändert, verbessert habe ich nie etwas. Nach zwei mehr oder weniger sinnlosen Beziehungen mit Männern, auf die ich mich nur eingelassen hatte in dem Glauben, sowieso nichts besseres zu finden bzw. hauptsächlich um jemanden zu haben, war ich drei Jahre lang alleine. Ich muss sagen, dass mir diese Zeit vermeintlich gut getan hat, lieber war ich allein als in einer Beziehung, in der ich froh war um jede freie Minute OHNE meinen Partner. Im Nachhinein betrachtet habe ich aber auch in dieser Zeit einen Fehler gemacht... mich in Traumwelten zu flüchten. Freunde hatte ich zwar ein paar, aber nie eine wirklich beste Freundin... nur einen guten Freund, aber auch das war keine richtige Vertrauensbeziehung, denn in dieser Freundschaft ging es immer nur um ihn und seine Probleme. Diese Freundschaft hatte dann, wie so viele andere auch, keinen Bestand.

Anfang 2007 habe ich meinen jetzigen Partner kennen gelernt, mit dem ich jetzt zusammen lebe. Diese Beziehung ist ganz anders als die vorherigen... diesen Mann liebe ich wirklich über alles und er trägt mich auf Händen. Ich weiß, dass ich IHN nie wieder los lassen will. Wir hatten ein Jahr lang eine Fernbeziehung (Berlin - Stuttgart), diese Zeit war für uns beide emotional sehr stressig... ein Jahr lang ein ständiges Gefühlschaos zwischen unbändiger (Vor-)Freude und schrecklichem Abschiedsschmerz. Vor anderthalb Jahren bin ich dann zu ihm gezogen, mittlerweile sind wir verlobt und nächsten Monat ziehen wir in unsere Traumwohnung in einem Fachwerkhaus. Auch mein Job hier macht mir viel Spaß, obwohl es sehr stressig zugeht... aber eigentlich habe ich alles, was ich mir je gewünscht habe. Die Liebe zu meinem Partner hat mich auch die anderthalb Jahre auf engstem Raum durchstehen lassen.
Auch wenn ich mich wieder viel zu sehr in Traumwelten geflüchtet habe... wir haben lange Zeit gemeinsam World of Warcraft gespielt und ich war wohl auch ziemlich süchtig. Gerade im Winter haben wir sehr viel Zeit vor den PCs verbracht und uns durch die Fantasiewelt von Azeroth gekämpft. Nach einem Streit in der Gilde vor zwei Wochen habe ich allerdings die Lust auf das Spiel verloren und bin mir sicher, dass sie so schnell nicht zurückkehren wird. In dieser Hinsicht habe ich also schon einen Fortschritt gemacht und bin erleichtert, dass WoW nicht mehr diese Macht über mich hat und keine "Entschuldigung" mehr für mein Nicht-Handeln ist.

Ich SOLLTE also glücklich sein. Ich habe meinen Mann, meinen kleinen Kater, nette Kollegen im Job, genug Geld, bald eine neue Wohnung. Aber ich bin nicht glücklich. Ich kann mich über nichts freuen. In mir drin herrscht nur eine dunkle Leere. Die einzigen Gefühle, die ich zu fühlen imstande bin, sind Traurigkeit und Schuldgefühle... warum kann ich mich nicht freuen? Dankbar sein für mein eigentlich schönes, sorgloses Lebes?

Es fällt mir so schwer, die einfachsten, alltäglichsten Dinge der Welt zu erledigen. Ich bewege mich in Teufelskreisen aus ich kann nicht und ich muss aber. Ich gehe so wenig wie möglich unter Menschen. Freunde habe ich hier in Stuttgart auch keine. Ich schaffe es nicht mal, alleine einkaufen oder mal zum Friseur zu gehen, all solche Dinge stellen für mich eine nicht zu überwindende Hürde dar.

Ich denke über so vieles nach, was mir helfen könnte. Eine Therapie, Yoga, Sport, was auch immer, und ich weiß dass ich ein großes Problem habe und was dagegen tun muss, aber ich schiebe es immer auf... Mein Partner hilft mir so gut er kann, er versteht was in mir vorgeht, letzte Nacht habe ich mich wieder bei ihm ausgeweint, und nun fühle ich mich noch schlechter, weil ich ihn so belaste...

Nach dieser durchheulten Nacht habe ich heute wenigstens mal meinen Hintern hochgekriegt und einen Termin bei einem Allgemeinarzt ausgemacht. Da ich auch körperliche Symptome habe, möchte ich gern abgeklärt haben, ob mein seelischer Zustand vielleicht andere, möglicherweise ganz profane Ursachen haben kann. Zumal ich immer mehr zunehme, obwohl ich kaum etwas esse und mich dadurch auch noch fürchterlich hässlich fühle Ich hoffe, dass dieser Schritt mich auf den richtigen Weg bringt und dass ich nicht wieder vorher aufgebe und mich verkrieche...

Was ich keinesfalls möchte, sind Antidepressiva. Diese hatte ich vor einigen Jahren schon mal genommen und es ging mir darunter noch schlechter. Das Zeug hieß Remergil und war die Hölle. Man empfindet NICHTS mehr... keine Traurigkeit, aber auch sonst nichts... statt dessen war ich ständig müde, mir war alles egal und ich hatte Heißhunger ohne Ende

So, das war jetzt viel Text und ich danke euch fürs Lesen... Habt ihr vielleicht Tipps für mich, wie ich aus meiner Lethargie und Freudlosigkeit heraus komme, bzw. wie ich mir selbst ergänzend zu einer möglicherweise in Frage kommenden Gesprächstherapie helfen kann oder ob das überhaupt das Richtige für mich wäre? Habt ihr Erfahrungen mit Antidepressiva, gibt es andere Mittel die ohne große Nebenwirkungen die Stimmung aufhellen?

Wann kann ich mich endlich wieder freuen?

Lieben Dank...

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9. Juli 2009 um 14:37

Hmm....
... guck mal diesen artikel:

Im Gegensatz zu Vorurteilen muss nicht jeder Patient mit einer Depression sofort zu einem Psychiater oder gar in eine Psychiatrie. Vielmehr werden die Mehrzahl der Betroffenen Menschen mit depressiven Symptomen zunächst bei ihrem Hausarzt bzw. einem Facharzt für Allgemeinmedizin eine Hilfestellung bei psychischen Problemen erhalten

Hausarzt / Allgemeinarzt / Internist mit hausärztlichem Schwerpunkt:

Viele Allgemeimediziner bzw. Hausärzte sind durch eine psychotherapeutische Weiterbildung (sog. Zusatzbezeichnung Psychotherapie) auch in der Behandlung seelischer Erkrankungen gut geschult. Sie kennen den Patienten und die Familie häufig schon länger und können sehr gut zunächst einmal mögliche (wenn auch seltene) körperliche Ursachen einer depressiven Verstimmung ausschliessen.


Alles gute!

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11. Juli 2009 um 23:15

...
Ich kann mich zum teil in deine gefühlswelt reinversetzen..
Denn ich kenne das auch.
Ich bin auch schon immer ein mensch, der sich nicht erlaubt glücklich zu sein.
Es hindert dich niemand am glücklich sein, eig müsstet du glücklich sein... aber irgendwas fehlt dir.
Ich kenne das.. es klingt, als wärst du depressiv.. aber das weisst du ja sicherlich selber.

Vll brauchst du noch etwas in deinem leben, das deine innere leere füllt.
Etwas, das DICH erfüllt.. worin du dich entfalten und weiter entwickeln kannst. sowas finde ich sehr wichtig.
Ein hobby, oder etwas künstlerisches..

Vll ist es ne längere Phase, die wieder aufhört, wie du selber schon geschrieben hast.
Und diese phase kommt immer wieder, weil du innerlich nicht erfüllt bist und dir etwas fehlt.

Ich kenne das sehr gut.. aber seitdem ich was gefunden hat, das mich ausmacht, kommen diese phasen immer weniger.

Du musst dir einen antrieb holen, eine motivation, irgendwas, das dich anspornt.


Ich wünsche dir viel kraft und glück!

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