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Geben und Nehmen

26. August 2005 um 16:52

Hallo, ich habe da eine Gewissensfrage, die mich schon länger beschäftigt, vielleicht wär es ganz gut, das mal zu diskutieren.
Also, ich mache meine Frage mal an einem Beispiel fest: Nehmen wir an, mir läuft auf der Straße ein Hund zu, sein Besitzer ist nirgends zu sehen, also würde ich den Hund mit nach Hause nehmen, ihn pflegen und den Besitzer ausfindig machen. Angenommen, der Besitzer bietet mir dafür, dass ich den Hund zurückgebracht habe, eine Belohnung von 100 Euro an. Was sollte man jetzt tun? Auf der einen Seite würde ich das Geld ablehnen, da ich nur eine gute Tat vollbracht habe und keine Gegenleistung dafür erwarte, aber auf der anderen Seite könnte man die 100 Euro ja auch spenden. Was also würde ich in solch einer Situation machen?

Ihr braucht nun nicht denken, dass ich mich mit der Frage als irgendein Samarita aufspielen will, aber ich hätte damit ehrlich ein Problem.
Man könnte es ja auch noch verschärfen und sagen, jemand bietet mir 1 Mio. Euro dafür, dass ich mich fürs Fernsehen ausziehe (blödes Beispiel, aber mir fällt jetzt nichts besseres ein). Behalte ich mein Selbstwertgefühl, oder nehme ich das Geld, denn immerhin könnte man damit eine Menge Menschen versorgen, Regenwald retten, etc.?

Wir gehen jetzt davon aus, dass solche Situation auf jeden Fall altruistisch behandelt werden, aber für welchen Weg würdet ihr euch entscheiden?

Oder nehmen wir Schluss noch mal einen Fall, den eine Freundin mal mit mir besprochen hat. Man findet auf der Straße ein Portemonnaie, darin sind 1000 Euro, was dann? Meine Freundin meinte, sie würde das Geld sofort spenden, aber ich wäre in einem solche Falle doch eher dafür, dass man es zurückgibt. Naja, von wegen der Moral halt, würde mich aber mal interessieren, wie ihr über so was denkt.

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26. August 2005 um 17:37

Hm
ich behaupte jetzt mal, dass man nur Geld spenden kann/soll, das einem selbst gehört.

Das würde dann bedeuten, dass man sich das Geld aus einer gefundenen Börse erst mal selbst aneignet.
Das wiederum wäre Diebstahl, wenn auch für einen guten Zweck, aber es wäre unmoralisch (und vielleicht auch illegal?!). Jedenfalls dann, wenn der Besitzer ausfindig gemacht werden könnte (also bei extrem hohen Beträgen oder wenn Papiere dabei sind).
Ich möchte jedenfalls nicht, dass jemand, der meine Geldbörse findet, das darin enthaltene Geld spendet. Ich würde es wiederhaben wollen - und da interessiert es mich nicht, ob sich jemand anderes dafür etwas kaufen möchte oder es bei Unicef & WWF besser aufgehoben wäre.
Deswegen würde ich selber eine solche Fundsache zurückgeben.

Was du mit Geld machst, dass du "geschenkt" bekommst (als Finderlohn, fürs Ausziehen usw.) oder offensichtlich "herrenlos" findest, bleibt dir überlassen, denn das gehört ja dann dir.

In punkto Finderlohn würde ich so handeln: wenn mir jemand, der selber sehr wenig Geld hat, unbedingt Finderlohn geben möchte und ich ihn nicht davon abhalten könnte, würde ich das Geld spenden.

Im Übrigen finde ich, dass man nicht nur Geld, das so "außer der Reihe" irgendwo her kommt spenden sollte, sondern dass man generell spenden sollte, wenn man es möchte.
Damit meine ich, dass du ja auch von deinem Gehalt oder Taschengeld etwas spenden kannst, wenn du spenden möchtest.
Dann müsstest du auch nicht aus schlechtem Gewissen einen Finderlohn bzw. gefundenes Geld weggeben, dich unfreiwillig ausziehen oder jemand anderem das Geld "stehlen".

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27. August 2005 um 10:57
In Antwort auf fussballbarbie

Hm
ich behaupte jetzt mal, dass man nur Geld spenden kann/soll, das einem selbst gehört.

Das würde dann bedeuten, dass man sich das Geld aus einer gefundenen Börse erst mal selbst aneignet.
Das wiederum wäre Diebstahl, wenn auch für einen guten Zweck, aber es wäre unmoralisch (und vielleicht auch illegal?!). Jedenfalls dann, wenn der Besitzer ausfindig gemacht werden könnte (also bei extrem hohen Beträgen oder wenn Papiere dabei sind).
Ich möchte jedenfalls nicht, dass jemand, der meine Geldbörse findet, das darin enthaltene Geld spendet. Ich würde es wiederhaben wollen - und da interessiert es mich nicht, ob sich jemand anderes dafür etwas kaufen möchte oder es bei Unicef & WWF besser aufgehoben wäre.
Deswegen würde ich selber eine solche Fundsache zurückgeben.

Was du mit Geld machst, dass du "geschenkt" bekommst (als Finderlohn, fürs Ausziehen usw.) oder offensichtlich "herrenlos" findest, bleibt dir überlassen, denn das gehört ja dann dir.

In punkto Finderlohn würde ich so handeln: wenn mir jemand, der selber sehr wenig Geld hat, unbedingt Finderlohn geben möchte und ich ihn nicht davon abhalten könnte, würde ich das Geld spenden.

Im Übrigen finde ich, dass man nicht nur Geld, das so "außer der Reihe" irgendwo her kommt spenden sollte, sondern dass man generell spenden sollte, wenn man es möchte.
Damit meine ich, dass du ja auch von deinem Gehalt oder Taschengeld etwas spenden kannst, wenn du spenden möchtest.
Dann müsstest du auch nicht aus schlechtem Gewissen einen Finderlohn bzw. gefundenes Geld weggeben, dich unfreiwillig ausziehen oder jemand anderem das Geld "stehlen".

...
Also, du brauchst keine Angst haben, dass ich nur Spende, wenn ich etwas finde oder geschenkt bekomme, mein Punkt ist nur, dass man durch solch zusätzliches Geld auch mehr spenden kann.
Allein man sollte in Betracht ziehen, dass schon 45 Euro ausreichen, einen neuen Wildhüter beim WWF auszubilden, der wiederum mehreren Tieren das Leben retten könnte.
Wäre es da nicht allgemein egoistisch, überhaupt Geld für sich zu behalten? Ich meine, kaufe ich mir lieber etwas neues zum Anziehen, anstatt damit vielleicht ein Leben zu retten?
Sicher ist mir klar, dass jede Wohltätigkeit auch Grenzen haben muss, man sollte sich für eine Sache nicht vollkommen aufopfern.

Mmm, ich bin mit unserem Grundgesetz gar nicht so sehr vertraut, dass ich sagen könnte, ob gefundenes Geld zu behalten, illegal oder ein unmoralisch ist. Aber bedenke: du hast meinetwegen 500 Euro verloren und jemand findet und spendet es. Kannst du dann wirklich wollen, dass stattdessen ein paar Kinder an Hunger sterben sollten, damit du dir einen neuen Fernseher kaufen kannst? (getreu Immanuel Kants kategorischem Imperativ)

Und ich persönlich würde mich sicherlich nie für das Fernsehen, den Playboy, etc. ausziehen, ein Mann, oder eine etwas schamlosere Frau kann das sicher nicht verstehen (ist nicht böse gemeint), aber da wäre mein Ruf mir wichtiger, wobei wir wieder bei Kant wären: Kann ich wollen, dass mein Ruf erhalten bleibt, und stattdessen einige km Regenwald abgeholzt werden?

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27. August 2005 um 11:06

+
Noch ein, zwei Sachen zu deinem Beitrag Brooke.

Ja, der Spruch aus der Bibel ist sicherlich richtig, und ich prale auch nicht damit, wenn ich etwas Gutes tue, aber wo wären wir denn ohne Moral? Ich denke, die Ethik gibt uns ein paar gute Richtlinien vor.

Ich persönlich zahle noch keine Steuern, weswegen ich das vielleicht nicht richtig verstehe, aber sofern man Spenden von der Steuer absetzen kann, ist das doch gut, könnte man da nicht praktischen die gesamten Steuern stattdessen spenden als sie der Regierung in den Rachen zu werfen?

Wenn wir schon bei einem antithetischen Goethe sind, willst du damit also sagen, dass solch ein Mensch der Geist ist, der stets bejaht?

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27. August 2005 um 13:18

Spenden?
Hi,

Ich muss sagen, ich bin sehr schockiert über diese Denkweise; Ich habe alle antworten bis jetzt durchgelesen.

Wenn man einen Geldbeutel mit 1000 Euro findet, welches Recht hat man dann bitte, dieses Geld zu spenden??? Ich finde das ist auch keine moralische Frage.

Dem Finder steht doch überhaupt nichts zu ausser dem Finderlohn was soll das Gerede mit dem Spenden? Und was hat spenden wiederum mit Finderlohn zu tun??

Wer spenden will soll das bitte von dem Geld machen das er VERDIENT und einen Finderlohn würde ich grundsätzlich ablehnen ausser bei sehr reichen Leuten. Muss man sich dafür bezahlen lassen kein assi, a.sch, Betrüger, Dieb zu sein??

Das mit dem Spenden betrifft sowiso nur diejenigen die gut ihr Leben verdienen, beim Rest gehe ich mal davon aus dass man einen FInderlohn auch für sich selbst gebrauchen kann.

Wass soll das die Leute zum Spenden auffordern denen eh nichts übrig bleibt von ihrem Geld und im Weiteren kann man sich auch in seinem Umfeld anders engagieren in dem man bewusster mit dem Geld umgeht.

Geld für den Regenwald und so ist schon sehr gut, aber da sollte man noch ein besseres Prinzip finden denn ich finde einfach Geld zu schicken ist nicht sehr lohnenswert für den Spender, irgendwie muss man da auch persönlich was zurückbekommen...

Auf jeden Fall, bravo für den Titel telynia, ich finde deine Frage wirklich super gut, danke!

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27. August 2005 um 13:42

...hätte geld zurückgegeben
...und von dem hundebesitzer hätte ich auch nichts angenommen.
stell dir vor du verlierst dein geld und es wäre das letzte geld für lange zeit. die vorstellunga alleine ist doch schlimm oder?
ich hatte mal einen vorfall. war an einem geldautomat an tankstelle. kein mensch weit und breit. da waren 400dm im schlitz.habe überlegt was ich tue. wußte es nicht.habe es dann genommen. aber nicht ohne schlechtes gewissen. wenn mir das heute passieren würde, würde ich zu der betreffenden bank gehen, und sagen, wenn jemand sich meldet, das ich das geld habe. er könnte sich ja dann bei mir melden.
denke mal an den vorfall vor kurzem, wo jemand paar tausend euro gefunden hat. hat das geld zur polizei gebracht.der eigentümer hat es wieder bekommen, und wollte dem finder über 2000euro finderlohn geben.(summe war über 60.000euro)der finder war so eine gute seele, hat den finderlohn nicht genommen.
vor solch einem menschen sollte man den hut ziehen.leider gibt es zu wenige davon.

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27. August 2005 um 17:43
In Antwort auf sofia2

Spenden?
Hi,

Ich muss sagen, ich bin sehr schockiert über diese Denkweise; Ich habe alle antworten bis jetzt durchgelesen.

Wenn man einen Geldbeutel mit 1000 Euro findet, welches Recht hat man dann bitte, dieses Geld zu spenden??? Ich finde das ist auch keine moralische Frage.

Dem Finder steht doch überhaupt nichts zu ausser dem Finderlohn was soll das Gerede mit dem Spenden? Und was hat spenden wiederum mit Finderlohn zu tun??

Wer spenden will soll das bitte von dem Geld machen das er VERDIENT und einen Finderlohn würde ich grundsätzlich ablehnen ausser bei sehr reichen Leuten. Muss man sich dafür bezahlen lassen kein assi, a.sch, Betrüger, Dieb zu sein??

Das mit dem Spenden betrifft sowiso nur diejenigen die gut ihr Leben verdienen, beim Rest gehe ich mal davon aus dass man einen FInderlohn auch für sich selbst gebrauchen kann.

Wass soll das die Leute zum Spenden auffordern denen eh nichts übrig bleibt von ihrem Geld und im Weiteren kann man sich auch in seinem Umfeld anders engagieren in dem man bewusster mit dem Geld umgeht.

Geld für den Regenwald und so ist schon sehr gut, aber da sollte man noch ein besseres Prinzip finden denn ich finde einfach Geld zu schicken ist nicht sehr lohnenswert für den Spender, irgendwie muss man da auch persönlich was zurückbekommen...

Auf jeden Fall, bravo für den Titel telynia, ich finde deine Frage wirklich super gut, danke!

Jaja, die Moral ...
... hat oft ein Janusgesicht, nicht wahr? ^^

Aber ich dränge weiter auf eine klare Stellungnahme:
Gut, es könnte das letzte Geld sein, dass man verliert, dass man vielleicht wirklich zum Leben braucht, aber gleichzeitig kann das Leben von jemand anderen von dieser Spende abhängen. Welches Leben ist also nun mehr wert?

"Ich finde einfach Geld zu schicken ist nicht sehr lohnenswert für den Spender, irgendwie muss man da auch persönlich was zurückbekommen...", sagst du Sofia, aber das ist halt nicht der Sinn dabei. Man kann viel tun, um etwas Gutes zu bewirken, wobei man gleichzeitig ein gutes Gefühl bekommt, ich finde, da ist es irrelevant, ob man meinetwegen Demonstration veranstaltet, oder Geld gibt.

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