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Freundin ist suizidgefährdet

29. Dezember 2016 um 23:51 Letzte Antwort: 31. Dezember 2016 um 1:26

Guten Abend liebe Leute,

vor einigen Monaten habe ich eine neue Freundin dazugewonnen. Die super Frau mit der unglaublichen Ausstrahlung lachte sehr oft und machte viele Witze. Doch wie sich herausstellte, ist das alles eine Fassade. Je tiefgründiger unsere Freundschaft wurde, desto mehr schockierte sie mich.. Sie wurde von ihrem Ex-Freund erpresst und verbal beleidigt. Ihre Familie macht ihr ständig das Leben schwer. 

Ihre Probleme begleiten sie ständig. Trotz, dass sie Mitte 20 ist spricht sie in schwierigen Zeiten von "einfach das Leben nehmen", "nicht mehr Leben wollen", "sterben ist einfacher als leben". Ich sah das bisher nicht sonderlich als Gefahr bis sie mir erzählte, dass sie sich einmal versucht hat das Leben zu nehmen.. 

Ich mache mir viele Sorgen um sie, helfe ihr wo ich nur kann. Nur habe ich Angst, dass ich irgendwann nicht vor Ort und Stelle sein kann und es zu spät ist. Was kann ich tun?

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30. Dezember 2016 um 2:01

vielen Dank für deine Antwort. Wie soll ich ihr das am besten sagen? Ich möchte nicht, dass sie das Vertrauen auch in mir verliert, wenn ich sage "du brauchst Hilfe". Da ergreift mich die Angst, dass sie es falsch verstehen könnte.. Und wie und wo kann man sich Hilfe besorgen?

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30. Dezember 2016 um 10:58

Du kannst ihr so an sich leider nicht helfen. Was du tun kannst ist ihr eben zuhören, für sie da sein. Und wenn es sich im Gespräch ergibt, auf Hilfsangebote hinweisen.

Hier gibt es z.B. das Sorgentelefon, welches man kostenfrei anrufen kann. Die Mitarbeiter dort sind psychologisch sehr gut geschult. Eine Hilfe, die übrigens auch Du in Anspruch nehmen kannst, wenn Du im Umgang mit ihr ratlos sein solltest.

Zeig ihr auch immer, dass Du es überhaupt nicht schlimm findest, wenn jemand psychologische Hilfe in Anspruch nimmt.

Hast Du ihr auch schon mal gesagt, dass DIR das Angst und Sorgen macht, wenn sie solche Dinge sagt?

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30. Dezember 2016 um 11:05
In Antwort auf brande_11988320

vielen Dank für deine Antwort. Wie soll ich ihr das am besten sagen? Ich möchte nicht, dass sie das Vertrauen auch in mir verliert, wenn ich sage "du brauchst Hilfe". Da ergreift mich die Angst, dass sie es falsch verstehen könnte.. Und wie und wo kann man sich Hilfe besorgen?

Wie soll ich ihr das am besten sagen? Ich möchte nicht, dass sie das Vertrauen auch in mir verliert, wenn ich sage "du brauchst Hilfe". Da ergreift mich die Angst, dass sie es falsch verstehen könnte..

In der Regel ist das Reden über den eigenen Selbstmord eher als ein Hilfeschrei zu betrachten, denn Reden einerseits und Handeln andererseits sind zwei unterschiedliche Welten. Derjenige, der laut über den eigenen Selbstmord nachdenkt, möchte bei seinem Gesprächspartner ja schließlich etwas bewirken. Und auch Erzählungen über konkrete Selbstmordversuche sollte man als Hilfeschrei betrachten, denn es gibt so viele unterschiedliche Möglichkeiten, sich erfolgreich das Leben zu nehmen, dass man hinterfragen muss, woran das Vorhaben denn gescheitert ist. In der Regel scheitert es nicht an Dummheit, sondern am vorhandenen Rest an Lebenswillen. Jemand, der dieses Vorhaben wirklich ernsthaft in die Tat umsetzen will, wird niemandem davon erzählen, sondern er wird es einfach tun.

Deine Freundin hat also offensichtlich erreicht, was sie beabsichtigt hat, nämlich, dass Du Dir darüber Gedanken machst. Normale Menschen, die nicht besonders psychologisch geschult sind, sind mit solchen Situationen üblicherweise überfordert. Genau das ist auch der Anlass für Dich gewesen, den Sachverhalt hier im Forum zu schildern.

Wenn das Gespräch demnächst wieder auf dieses Thema kommt, solltest Du ihr raten, eine Psychotherapie zu absolvieren. Dass Du als Freundin nicht das leisten kannst, was ein Psychotherapeut bei der Behandlung von depressiven Episoden, bei der Aufarbeitung traumatischer Erlebnisse (Wegen verbaler Beleidigungen macht man jedoch keine Psychotherapie!) oder bei der Verarbeitung schwieriger Familienverhältnisse leisten kann, sollte sich von selbst verstehen. An dieser Stelle solltest Du auch an Dich denken: Manche Menschen haben ein allzu großes Helfersyndrom und bürden sich damit eine Last auf, die sie irgendwann emotional, nervlich, zeitlich oder finanziell selbst nicht mehr schultern können.

Und wie und wo kann man sich Hilfe besorgen?

Zunächst zum Hausarzt. Dort sollten die Probleme geschildert werden. Möglicherweise regt der Hausarzt von sich aus eine Psychotherapie an. Wenn nicht, sollte man es selbst zur Sprache bringen. Dann erfolgt die Auswahl eines geeigneten Psychotherapeuten. Er wird nach den ersten Sitzungen einen Antrag gegenüber der Krankenversicherung auf Kostenübernahme stellen. Wird der Antrag durch die Krankenversicherung bewilligt, dauert eine normale Psychotherapie etwa 40 Sitzungen. Selbstverständlich kann sie auch kürzer dauern, wenn alles besprochen wurde. Aber auch eine Verlängerung ist möglich, wenn es noch Gesprächsbedarf geben sollte.

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30. Dezember 2016 um 14:33

Gut, dass deine Freundin in dir jemanden gefunden hat, der ihr zuhört.
Da sie aber nicht nur einen Zuhörer benötigt, sondern Suizidgedanken äußert, reichen Gespräche nicht aus. Das muss dich überfordern. In einem ruhigen Gespräch darfst und musst du ihr sagen, dass dich das überfordert und in grosse Sorge versetzt,  gerade weil sie dir wichtig ist. Vielleicht sucht sie mit dir gemeinsam professionelle Hilfe auf. Lass sie wissen,  dass sie nicht allein ist , dass du sie nicht verlieren willst, mache ihr Mut. Es gibt Beratungsstellen, an die man sich auch anonym wenden kann. Das könnte ein erster Schritt sein. Du musst sie jetzt auch nicht mit Samthandschuhen behandeln. Sie ist dir wichtig geworden, also bist du es für sie auch.......dann hat man auch Verantwortung für einander,  also muss sie sich behandeln lassen damit sie dich nach einer Behandlung, nicht mehr in Sorge versetzt und du bietest an, den Weg mit ihr zu gehen.
Wie ernst ihr der Suizid ist, kann ich nicht beurteilen, aber in Not ist sie sicher.
Alles Gute für euch beide

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30. Dezember 2016 um 18:06

dem stimme ich zu. Nicht zu Letzt trauen sich viele nicht mal mehr, mit irgend wem darüber zu sprechen, wie es hinter der "Fassade" wirklich um sie steht, weil sie in jedem *** Forum diesen "wer wirklich will, der spricht nicht darüber, wer darüber spricht, will etwas anderes erreichen" ***************** - lesen. Wer will schon in dieser Schublade landen...

@TE: Du kannst fast nichts tun. Der einzige Mensch, der das wirklich ändern kann, ist sie selbst. Alle anderen können bestenfalls unterstützen und das ist etwas für Profis.
Therapie wurde hier schon angesprochen.

Was Du auf gar keinen Fall tun solltest: in ein Helfer-Syndrom verfallen. Du kannst nicht ihr Leben leben, Du kannst nicht ihre Probleme lösen und "ihr alles abnehmen" mutiert unglaublich schnell zu einer Spirale, die die Probleme für Euch beide ruck zuck potenziert. Vorsicht, lass Dich da nicht hinein ziehen! Noch einmal: Du hilfst ihr damit nur scheinbar und Dir auch nicht. Sie muss ihr Leben neu ordnen, Probleme von Person A zu Person B zu schieben, wird gar nichts ändern, ausser dass Ihr beide damit noch unglücklicher werdet.
Dabei braucht sie sicherlich Hilfe, aber das kannst (und sollst!) Du nicht leisten. Such ihr Informationen über Therapien heraus, darüber wie man diesem "hat eh alles keinen Sinn" - Gefühl begegnen kann - und vergiss nie: nur SIE kann etwas ändern. Du nicht.

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31. Dezember 2016 um 0:49

Liebe Leute, ich möchte mich bei euch allen für diese Informationen bedanken. Ja, sie bedeutet mir sehr viel und ich weiss, dass ich es für sie ebenfalls tue. Ich weiss, dass es von ihr eine Art Hilfeschrei ist, wenn sie mir mit solchen Aussagen daher kommt. Meine Befürchtung wäre gewesen, dass ich eben damit vielleicht nicht richtig umgehen kann und habe daher um Rat gebeten. Vielen Dank für die wertvollen Tipps, jetzt weiss ich zumindest, was ich für sie tun kann.

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31. Dezember 2016 um 1:26
In Antwort auf brande_11988320

Guten Abend liebe Leute,

vor einigen Monaten habe ich eine neue Freundin dazugewonnen. Die super Frau mit der unglaublichen Ausstrahlung lachte sehr oft und machte viele Witze. Doch wie sich herausstellte, ist das alles eine Fassade. Je tiefgründiger unsere Freundschaft wurde, desto mehr schockierte sie mich.. Sie wurde von ihrem Ex-Freund erpresst und verbal beleidigt. Ihre Familie macht ihr ständig das Leben schwer. 

Ihre Probleme begleiten sie ständig. Trotz, dass sie Mitte 20 ist spricht sie in schwierigen Zeiten von "einfach das Leben nehmen", "nicht mehr Leben wollen", "sterben ist einfacher als leben". Ich sah das bisher nicht sonderlich als Gefahr bis sie mir erzählte, dass sie sich einmal versucht hat das Leben zu nehmen.. 

Ich mache mir viele Sorgen um sie, helfe ihr wo ich nur kann. Nur habe ich Angst, dass ich irgendwann nicht vor Ort und Stelle sein kann und es zu spät ist. Was kann ich tun?

Sprich mit ihr über deine Angst, biete ihr auch an, dass sie dich im Fall des Falles anrufen kann (und sei entsprechend auch erreichbar, auch nachts .. wenn ihr euch so nah nicht steht, verweise sie auf psychiatrische Nothilfe, die sind immer erreichbar). Ich würde auch dringend professionelle Hilfe empfehlen. Erst mal Beratung (weil Hemmschwelle niedriger), falls sie direkt bereit ist geht auch sofort ne Therapie, das wäre das beste! Falls sie das partout nicht will, vielleicht auch ne Selbsthilfegruppe. Ersetzt keine Therapie, ist aber besser als nichts.

Du kannst mit ihr reden, da sein, sie motivieren Hilfe zu suchen und ihr zur Seite stehen.
Wichtig ist trotz allem: Wenn sie sich was antut, ist es nicht deine Schuld!
Du kannst nur Hilfe anbieten und da sein, was sie tut entscheidet am Ende sie.
(Sollte es je soweit kommen, dass sie akut suizidal ist und du am verzweifeln bist: Notdienst rufen, dann erfolgt Zwangseinweisung in die Psychiatrie bis zum Ende der akuten Selbstgefährdung.)
 

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