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Freund rastet aus und will nicht helfen bei meiner Depression

10. Juni 2011 um 17:47

Hallo!

Vor kurzem wurde bei mir eine Depression diagnostiziert. Ich war in einer akuten Belastungssituation ein paar Tage in einer Psychiatrie, wusste aber nicht, was eigentlich mit mir los ist, bis der Doc dieses Thema ansprach.

Wieder zuhause habe ich gleich versucht einen Termin für eine Therapie zu bekommen, aber die Wartezeiten sind lang und es sind noch fast 3 Monate bis dahin.

Nun muss ich also irgendwie ohne professionelle Hilfe klarkommen und brauche dabei besonders Menschne, die mir wichtig sind. Ich lebe seit 3 Jahren mit meinem Freund zusammen, wir haben eine gemeinsame Wohnung. Er hat mich nie richtig für voll genommen, wenn ich mal meine Probleme angeschnitten habe, erst jetzt, nach dem Krankenhausaufenthalt wurde ihm zumindest ein wenig bewusst, dass ich nich nur mal n Durchhänger habe...doch leider, wie es schon so oft bei ihm vorkam, kam es zu folgender Situation:
In den ersten Tagen nach meinem Besuch in der Psychiatrie war er lieb, nett, rücksichtsvoll und versuchte, mir zu helfen. Wenn ich mich entschuldigte, dass ich ihm im Moment so viele Sorgen mache, meinte er nur, dass das ok ist und wir das gemeinsam schaffen. Das hat mich wirklich gestützt. Er hat versucht, kleine Aufgabenpläne mit mir zu erarbeiten, die mir helfen sollten, nach und nach wieder mit dem Alltag leben zu können. Das war auch lieb von ihm, aber als ich nach einer Woche immer noch kaum etwas davon geschafft hatte und es nicht besser wurde und ich wieder einen totalen Verzweiflungsrückfall hatte, schwang sein Verhalten total um. (So nach dem Motto: "Gehts dir IMMER noch schlecht?? Langsam ist doch mal gut").
Er schrie mich an, dass ich asozial bin, weil ich den ganzen Tag nur daliege, dass er selbst genug Stress hat und sich nicht auch noch um mich kümmern kann und mir nicht mehr hilft, weil ich mir ja nicht helfen lasse. Als ich unter Tränen versuchte zu erklären, dass ich das nicht mit Absicht mache und es doch auch lieber anders hätte, sagte er nur, dass das Leben eben hart ist und ich mich langsam mal zusammenreißen soll...

Ich bin am Boden zerstört, weil ich meine wichtigste Stütze verloren habe. Ich kann verstehen, dass ich ihn belaste und das nicht leicht für ihn ist, aber es fällt mir schwer, mich im Moment von allein zu ändern. Irgendwie reagiert er immer so, wenn ich ein Problem hatte: erst nett und vertständnisvoll, aber schon nach kurzer Zeit ist er völlig überfordert, wird bösartig und wendet sich von mir ab, wenn es nicht nach ein paar Tagen wieder alles gegessen ist.
Ich versuche bei einer guten Freundin Halt zu finden, aber es ist eben nicht das Gleiche, wie wenn der Partner einen unterstützt.
Alle kleinen Erfolge, die ich in den letzten Tagen hatte, sind wieder zunichte. Ich liege wieder nur den ganzen Tag herum, kann an nichts Freude finden und sehe mein Leben schwarz und sinnlos. Außerdem habe ich jetzt Angst, ihm zu zeigen, dass es mir schlecht geht, weil er dafür sowieso nur Zurückweisung und Kälte übrig hat, was mich verletzt.

Gibt es einen Weg, wie man es den Angehörigen als Betroffener dieser Krankheit leichter machen kann, damit umzugehen, auch wenn man das eigene Verhalten kaum beeinflussen kann? Und gibt es Hoffnung, dass er, auch wenn es natürlich auch für ihn eine schwere Situation ist, wieder für mich da sein wird so wie in der ersten Woche?

Danke fürs Lesen,
lg Sushimaus

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11. Juni 2011 um 10:02

Hallo Maus,
leider ist es in unserer Gesellschaft nach wie vor so, dass psychische Krankheiten von vielen nicht verstanden werden. Die Aufklärungsarbeit mit Angehörigen zeigt aber, dass ein Krankheitsbild wie die Depression und auch der persönliche Umgang mit Depressiven erlernbar ist. Dazu reichen aber Gespräche deines Freundes mit dir nicht aus. Er sollte sich schon anhand eines Ratgebers mit der Thematik befassen. In vielen Städten gibt es auch eigene Selbsthilfegruppen für Angehörige von Depressiven.

LG Nus

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14. Juni 2011 um 5:29

Paartherapie bzw. Kooperationsgespräch
Sprich nochmal mit Deinen Therapeuten aus der Psychiatrie! Sag, dass es Dir wieder schlechter geht und Du dringend Therapiebedarf hast, weil neue Probleme hinzugekommen sind. Sprich an, dass Deine Beziehung auf dem Spiel steht. Deinem Partner fehlt es an Verständnis für / Wissen um Deine Krankheit. Innerhalb einer Therapie ist es möglich, wenn der Patient das wünscht, Angehörige oder Freunde in Kooperationsgesprächen miteinzubeziehen. Die Situation ist für Deinen Partner auch nicht einfach, aber wenn er Dich liebt, wird er sich nach seinen besten Möglichkeiten in die Thematik einarbeiten, damit Ihr beide aus dieser Krise gemeinsam gestärkt hervorgehen könnt. Fachliteratur, Selbsthilfegruppen und auch von einigen Psychiatrien angebotene Beratungsprogramme für Angehörige von psychisch Kranken wären eine gute Möglichkeit, ihn darin zu unterstützen. Gegebenenfalls ist auch eine gezielte Paartherapie möglich, um Euer Problem zu lösen. Dass der Partner erstmal überfordert ist, ist bei einer schweren Depression normal. Umso wichtiger ist es, sich Hilfe zu suchen!

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