Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Vergewaltigung und sexueller Missbrauch

Freund (nicht FreundIN) vergewaltigt. Völlig ratlos...

29. August 2008 um 18:53 Letzte Antwort: 3. April 2014 um 23:44

Es ist wohl ungewöhnlich, dass ich hier über ein Problem poste, bei dem überhaupt keine Frau involviert ist, aber irgendwie finde ich in der "Männerwelt" dafür keinen Platz. Aber ich denke, dass Erfahrungen von Frauen in ähnlichen Fällenwie dem vorliegenden nicht allzusehr abweichend sein müssen.

Ich habe auf einer Reise vor 2 Monaten einen etwas jüngeren (22 Jahre alt), sehr schüchternen Mann kennengelernt, mich bestens verstanden, hatte 2 Dates mit ihm und habe mich total und ungewöhnlich rasch verliebt (ok, das ist mein Problem, also irrelevant für den Fall...).
Vor kurzem hat er mich erstmals für ein paar Tage besucht (er ist aus England) und da wurde mir sofort klar, dass es sich nicht um "normale" Schüchternheit handelt, und nach seiner Abreise hat er mir erklärt, was ich ohnehin schon geahnt hatte.

Er wurde mit 19 Jahren vergewaltigt, hat diese Efahrung 2 Jahre verdrängt, doch vor einem Jahr hat es ihn eingeholt und er ist völlig zusammengebrochen. Längerer Spitalsaufenthalt, medikamentöse Behandlung und danach 10 Monate Therapie, die aber nicht gefruchtet hat.

Die Symptome sind leider wirklich extrem: er hat panische Angst vor anderen Menschen, vor Blicken, Berührungen, Zärtlichkeiten, kann nicht einmal ertragen, wenn andere Menschen Zuneigung, Aufmerksamkeit zeigen oder einfach nur nett sind und sehnt sich danach, misshandelt zu werden, ohne das natürlich rational begründen zu können. Er kann keinerlei Gefühle für andere Menschen aufbrigen und emotionale Bindungen eingehen, und alle seine wirklichen Freunde sind Kindheit- und Jugendfreunde, also jene, die er bereits vor seiner Vergewaltigung hatte. Von Beziehungen natürlich ganz zu schweigen.

Wir hatten - bevor mir noch die Schwere der Probleme bewusst waren - sogar einmal Sex, und seltsamer weise fällt ihm das nicht allzu schwer, weil er wohl die Emotionen dabei völlig ausblenden kann.

Mir all dies zu sagen war eine große Belastung für ihn (er hasst, darüber zu reden), und er braucht nun sicher Distanz von mir, aber ich bin ratlos, ob ich überhaupt irgendwann etwas für ihn tun kann, außer mich fern zu halten. Wie kann man jemandem helfen, der Zuneigung und Aufmerksamkeit nicht ertragen kann?

Er hat mir oft geschrieben bwz. gesagt, wie gerne er mich küssen, kuscheln etc. möchte - also hat er wohl irgendwie eine Sehnsucht nach Emotionen und Gefühlen (Schließlich hat er auch eine weite Reise auf sich genommen, um mich zu besuchen, obwohl wir uns erst kurz kennen), aber in der Praxis ist es offensichtlich unmöglich.

Ich bin wriklich extrem geduldig und lasse mich normal von KEINEM Problem abschrecken, aber in diesem Fall habe ich keine Ahnung, was zu tun ist und wüsste gerne, ob jemand hier ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Kann es sein, dass die verstrichene Zeit - also 3 Jahre seit Vergewaltigung und 1 Jahr nach dem Zusammenbruch - einfach noch zu kurz ist?

Wie - wenn überhaupt - kann man jemandem in dieser Situtation helfen, wieder Emotionen zu entwickeln, bzw zu empfangen? Mit Aufdringen kanns ja nicht funktionieren, aber was ist die Alternative?

D.L.

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30. August 2008 um 11:12


Hi,

Vielen Dank für die Antwort.
Hm, ich will dir ja nicht schreiben, um dich zu überzeugen, dass du unrecht hast, aber ich bin mir bei ein paar Sachen da doch unsicher.
Es stimmt zwar wohl, dass ihm Verdrängen nicht hilft, aber wahrscheinlich bin ich nicht die richtige Person, mit ihm oft darüber zureden, da er es erstens wirklich hasst, und ich ja kein vertrauter, langjähriger Freund bin. Ich kann also nur hoffen, dass er welche hat, die das tun, da ich seine genaue Situation, also sein Freunde nicht kenne.

Ich dachte anfangs - nach unseren 2 Treffen im Juli - auch, dass er sich verliebt hatte, und ich glaube schon, dass er das zunächst irgendwie wollte. Als er dann schließlich nach Wien gekommen ist, hat zuerst durchaus auch ER signalisiert, Zärtlichkeiten (und auch Sex) bekommen zu wollen, sonst wäre es zu beidem nicht gekommen (ich war von Anfang sehr behutsam mit ihm, da er mir sofort sehr verletzlich und zerbrechlich erschien und ich ihn zu nichts drängen wollte), und er wollte auch im selben Bett wie ich schlafen. Aber ich denke, dass ihm das schon nach einem Tag alles zu viel wurde (dass ich EXTREM zuvorkommend und aufmerksam war und ihn wie einen Prinzen behandelt habe, war wohl auch eher kontraproduktiv, bei jemandem, der es nicht ertragen kann, wenn man zu ihm nett ist. Naja man macht halt Fehler..), und so wurde mir eben schnell das Ausmaß seiner Probleme bewusst.

Er hat dann noch versuchen wollen, welche Arten von Kuscheln (Umarmen ja, Streicheln nein...) für ihn möglich sind, aber irgendwie hat es für ihn denke ich nicht geklappt, und wir haben einander die letzten Tage gar nicht mehr berührt, obwohl wir im selben Bett geschlafen haben, und ich ihm natürlich angeboten habe, dass er nicht weit zu suchen hat, wenn er eine Umarmung oder sonst etwas braucht.

Mein Plan ist jetzt eigentlich, ihn mal etwas in Ruhe zu lassen (so schwer mir das fällt). Ich habe aber soeben vorsorglich mal eine Reise in knapp 3 Wochen für ein paar Tage nach London gebucht und werde ihn dann fragen, ob er vielleicht Lust hat, mich wieder mal zu treffen. Ist das nicht schon aufdringlich genug? Kann ich ihn auffordern, mit mir über etwas zu reden, wovon er mir klar sagt, dass er es nicht will? Genaue Details weiß ich auch nicht, aber ich nehme mal stark an, dass es ein Mann (oder mehrere??) waren

Ein anderer Gedanke: wenn eine Therapie/ein Therapeut (10 Monate lang) nicht hilft, vielleicht fruchtet ja eine andere? Muss man da nicht auch mitunter Verschiedenes ausprobieren, bis man das Richtige gefunden hat?

D.L.

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31. August 2008 um 18:50

Deutschland, Jahr 2008: Willkommen in der Realität!
Achte mal auf deine Sätze:

"Freund (nicht FreundIN) vergewaltigt...."

"Es ist wohl ungewöhnlich, dass ich hier über ein Problem poste, bei dem überhaupt keine Frau involviert ist, aber..."

Na, fällt dir etwas auf? Man muss es heutzutage schon extra betonen, wenn ausnahmsweise einmal über einen Fall berichtet werden darf, bei dem ein Mann Opfer wurde. Da sieht man wieder, wie sehr solche Sachen in der Oeffentlichkeit verdrängt werden.


Ich finde es jedenfalls gut, dass so einer endlich auch einmal eine Freundin gefunden hat. Normalerweise hat ein Junge, der schüchtern ist, so gut wie keine Chance bei den Mädchen, nicht einmal als Kumpel werden solche Menschen akzeptiert. Schüchterne Männer bilden sozusagen den Auswurf der Gesellschaft, was auch dazu führt, dass sie nicht ernstgenommen werden und sie sich niemandem anvertrauen können, vor Allem wenn solche Probleme im Spiel sind. Deshalb ist es ein wichtiger Schritt in die Besserung, wenn er endlich mal eine Freundin hat, der er das ganze anvertrauen und wieder Mut und Lebenswillen fassen kann.

Bestimmt ist es auch gut, dass du in Deutschland und er in England wohnt. So hat er die Gelegenheit, mit dir darüber zu reden, wenn er dich besuchen kommt, ohne dass er Angst haben muss, dass sich das ganze in seiner Heimat herumquatschen wird. Weg von der Heimat, fern vom Bekanntenkreis, wo er sich in einer Art Annonymität aufhält, wird es ihm sicher leichter fallen, das Zeug zu schildern und es richtig und vollständig auszudrücken.

Ein weiterer Schritt wird sein, das Ereignis schwarz auf weiss auf Papier zu bringen, um sich damit an die Oeffentlichkeit zu wenden. Natürlich lieber nicht in seiner Heimat, wo er Angst hat, dass ihn zu viele Leute kennen. In Deutschland ist es wohl kaum möglich, da in dieser feministischer Diktatur solche Berichte fein säuberlich unter den Tisch gekehrt werden, da es sich dabei ja nicht um das Musterbeispiel (Frau/Mädchen= Opfer, Mann= Täter) handelt. Aber es gibt ja noch andere Länder, in die man dafür gehen könnte. Länder, die nicht dermassen feministisch geprägt sind, wie z.B. Frankreich, Italien, Spanien oder Portugal.... Dort könnte man so etwas vielleicht veröffentlichen und via Medien die Gesellschaft, bzw. die Regierung um Hilfe bitten. So könnte besser darüber diskutiert werden, das Thema wird gesellschaftstauglicher und Leute mit ähnlichen Problemen werden eher wahrgenommen. Mit internationalem Druck könnte man danach den Staat BRD um eine Menschenrechtsklage wegen Verharmlosung, Verherrlichung und Verleugnung sexueller Gewalt an Männern bereichern.

So wird auch er checken, dass es doch etwas nützt, seine Probleme auszusprechen und dass er ernstgenommen wird. Auch wenn dadurch die Menschenrechte in Deutschland nicht besser eingehalten werden, solange dieses Verbrecher-Regime an der Macht ist, wird sehr wohl einen Teilerfolg daraus resultieren: Wenn der deutsche Bürger international so richtig gehasst und verspottet wird für das, dass er zulässt, dass Menschen aufgrund des (männlichen) Geschlechts ihre Menschenrechte nicht bekommen, wird er endlich mal über die Realität nachdenken und ein anderes Verhältnis zum Volksfeind "Regierung" aufbauen. Aber dass der deutsche Staat nichts von Menschenrechten hält, wissen wir ja spätestens seit dem, dass Männern immer noch das Menschenrecht auf Bildung verwehrt wird: Obwohl in den letzten Jahren auf Abituritätsniveau mehr Mädchen als Jungs besser abschlossen, betreibt das Bildungssystem immer noch gezielte Mädchenförderung, anstatt nun endlich Jungs intensiver zu fördern. Aber eines Tages sehen wir dann schon, wer alles aus solchen Gründen am Strick hängen wird und dann werden wir auch sehen, ob sich im Umgang mit männlichen Opfern sexueller Gewalt etwas ändern lässt.

Das mit deinem Freund kommt schon wieder gut, er muss nur zuerst mal sein Leben in Ordung bringen, sich Ziele setzen und für etwas leben, damit er wieder Selbstbewusstsein fassen kann. Er muss das Geschehen gut ausdrücken können, um mit diesem Thema abschliessen zu können.

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1. September 2008 um 2:13
In Antwort auf femi_12480671

Deutschland, Jahr 2008: Willkommen in der Realität!
Achte mal auf deine Sätze:

"Freund (nicht FreundIN) vergewaltigt...."

"Es ist wohl ungewöhnlich, dass ich hier über ein Problem poste, bei dem überhaupt keine Frau involviert ist, aber..."

Na, fällt dir etwas auf? Man muss es heutzutage schon extra betonen, wenn ausnahmsweise einmal über einen Fall berichtet werden darf, bei dem ein Mann Opfer wurde. Da sieht man wieder, wie sehr solche Sachen in der Oeffentlichkeit verdrängt werden.


Ich finde es jedenfalls gut, dass so einer endlich auch einmal eine Freundin gefunden hat. Normalerweise hat ein Junge, der schüchtern ist, so gut wie keine Chance bei den Mädchen, nicht einmal als Kumpel werden solche Menschen akzeptiert. Schüchterne Männer bilden sozusagen den Auswurf der Gesellschaft, was auch dazu führt, dass sie nicht ernstgenommen werden und sie sich niemandem anvertrauen können, vor Allem wenn solche Probleme im Spiel sind. Deshalb ist es ein wichtiger Schritt in die Besserung, wenn er endlich mal eine Freundin hat, der er das ganze anvertrauen und wieder Mut und Lebenswillen fassen kann.

Bestimmt ist es auch gut, dass du in Deutschland und er in England wohnt. So hat er die Gelegenheit, mit dir darüber zu reden, wenn er dich besuchen kommt, ohne dass er Angst haben muss, dass sich das ganze in seiner Heimat herumquatschen wird. Weg von der Heimat, fern vom Bekanntenkreis, wo er sich in einer Art Annonymität aufhält, wird es ihm sicher leichter fallen, das Zeug zu schildern und es richtig und vollständig auszudrücken.

Ein weiterer Schritt wird sein, das Ereignis schwarz auf weiss auf Papier zu bringen, um sich damit an die Oeffentlichkeit zu wenden. Natürlich lieber nicht in seiner Heimat, wo er Angst hat, dass ihn zu viele Leute kennen. In Deutschland ist es wohl kaum möglich, da in dieser feministischer Diktatur solche Berichte fein säuberlich unter den Tisch gekehrt werden, da es sich dabei ja nicht um das Musterbeispiel (Frau/Mädchen= Opfer, Mann= Täter) handelt. Aber es gibt ja noch andere Länder, in die man dafür gehen könnte. Länder, die nicht dermassen feministisch geprägt sind, wie z.B. Frankreich, Italien, Spanien oder Portugal.... Dort könnte man so etwas vielleicht veröffentlichen und via Medien die Gesellschaft, bzw. die Regierung um Hilfe bitten. So könnte besser darüber diskutiert werden, das Thema wird gesellschaftstauglicher und Leute mit ähnlichen Problemen werden eher wahrgenommen. Mit internationalem Druck könnte man danach den Staat BRD um eine Menschenrechtsklage wegen Verharmlosung, Verherrlichung und Verleugnung sexueller Gewalt an Männern bereichern.

So wird auch er checken, dass es doch etwas nützt, seine Probleme auszusprechen und dass er ernstgenommen wird. Auch wenn dadurch die Menschenrechte in Deutschland nicht besser eingehalten werden, solange dieses Verbrecher-Regime an der Macht ist, wird sehr wohl einen Teilerfolg daraus resultieren: Wenn der deutsche Bürger international so richtig gehasst und verspottet wird für das, dass er zulässt, dass Menschen aufgrund des (männlichen) Geschlechts ihre Menschenrechte nicht bekommen, wird er endlich mal über die Realität nachdenken und ein anderes Verhältnis zum Volksfeind "Regierung" aufbauen. Aber dass der deutsche Staat nichts von Menschenrechten hält, wissen wir ja spätestens seit dem, dass Männern immer noch das Menschenrecht auf Bildung verwehrt wird: Obwohl in den letzten Jahren auf Abituritätsniveau mehr Mädchen als Jungs besser abschlossen, betreibt das Bildungssystem immer noch gezielte Mädchenförderung, anstatt nun endlich Jungs intensiver zu fördern. Aber eines Tages sehen wir dann schon, wer alles aus solchen Gründen am Strick hängen wird und dann werden wir auch sehen, ob sich im Umgang mit männlichen Opfern sexueller Gewalt etwas ändern lässt.

Das mit deinem Freund kommt schon wieder gut, er muss nur zuerst mal sein Leben in Ordung bringen, sich Ziele setzen und für etwas leben, damit er wieder Selbstbewusstsein fassen kann. Er muss das Geschehen gut ausdrücken können, um mit diesem Thema abschliessen zu können.

Etwas genauer lesen bitte..
danke auch für diese etwas ungewöhnliche Antwort. An so weitreichende politische Implikationen habe ich eigentlich nicht gedacht, sondern zunächst mal um die Lösung des konkreten, privaten Problems.

Natürlich stimmt es: auch Männer sind oft Opfer (Täter jedoch fast nie Frauen) und es fällt diesen NOCH schwerer Hilfe, Unterstützung und ein offenes Ohr zu finden, da es für sie einfach keine oder weniger Anlaufstellen gibt (deshalb musste ich ja auch in einem FRAUENforum posten) und von ihnen oft erwartet wird, ohnehin das "starke Geschlecht" zu sein und daher nicht schutzbedürftig sind.

Mit "genauer lesen" meine ich, dass hier ja wirklich KEINE Frau involviert ist, also auch ich nicht (daher DAVID!). Mein Freund (oder Bekannter müsste ich eigentlich sagen, da er ja derzeit keinerlei Gefühle aufbringen kann) und ich sind schließlich beide schwul (und der Täter vermutlich auch...)

Übrigens hat mich diese traurige Geschichte bewogen auch mit einer eigenen privaten Erfahrung anders umzugehen. Vor 2 Jahren wurde auch ich Opfer einer Vergewaltigung, bzw. eines Versuchs. Ich konnte mich aber schließlich erfolgreich wehren also ging es nicht bis zum Letzten. Da ich damals aber schon älter als mein Freund war und ich eine sehr unkomplizierte Eistellung zu meiner Sexualität habe (ich arbeite gelegentlich auch als Callboy und hab' damit keine Probleme) war es nur eine unangenehme, aber nicht traumatische Erfahrung. Allerdings war der Täter ein enger Freund von guten Freunden von mir. Daher habe ich mich geschämt, darüber zu sprechen, den Täter zu konfrontieren und erst recht, meinen Freunden davon zu erzählen. Ich wollte ihnen den Schmerz ersparen und selber nicht als Petze oder Wichtigmacher dastehen!! Inzwischen bin ich aber davon überzeugt, dass solche Schweine bloßgestellt (wenn schon nicht angezeigt) werden MÜSSEN (ich habe so eine Wut, wenn ich daran denke, was meinem Freund angetan wurde), also werde ich das jetzt wohl endlich tun...

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10. September 2008 um 23:06
In Antwort auf abner_12134337


Hi,

Vielen Dank für die Antwort.
Hm, ich will dir ja nicht schreiben, um dich zu überzeugen, dass du unrecht hast, aber ich bin mir bei ein paar Sachen da doch unsicher.
Es stimmt zwar wohl, dass ihm Verdrängen nicht hilft, aber wahrscheinlich bin ich nicht die richtige Person, mit ihm oft darüber zureden, da er es erstens wirklich hasst, und ich ja kein vertrauter, langjähriger Freund bin. Ich kann also nur hoffen, dass er welche hat, die das tun, da ich seine genaue Situation, also sein Freunde nicht kenne.

Ich dachte anfangs - nach unseren 2 Treffen im Juli - auch, dass er sich verliebt hatte, und ich glaube schon, dass er das zunächst irgendwie wollte. Als er dann schließlich nach Wien gekommen ist, hat zuerst durchaus auch ER signalisiert, Zärtlichkeiten (und auch Sex) bekommen zu wollen, sonst wäre es zu beidem nicht gekommen (ich war von Anfang sehr behutsam mit ihm, da er mir sofort sehr verletzlich und zerbrechlich erschien und ich ihn zu nichts drängen wollte), und er wollte auch im selben Bett wie ich schlafen. Aber ich denke, dass ihm das schon nach einem Tag alles zu viel wurde (dass ich EXTREM zuvorkommend und aufmerksam war und ihn wie einen Prinzen behandelt habe, war wohl auch eher kontraproduktiv, bei jemandem, der es nicht ertragen kann, wenn man zu ihm nett ist. Naja man macht halt Fehler..), und so wurde mir eben schnell das Ausmaß seiner Probleme bewusst.

Er hat dann noch versuchen wollen, welche Arten von Kuscheln (Umarmen ja, Streicheln nein...) für ihn möglich sind, aber irgendwie hat es für ihn denke ich nicht geklappt, und wir haben einander die letzten Tage gar nicht mehr berührt, obwohl wir im selben Bett geschlafen haben, und ich ihm natürlich angeboten habe, dass er nicht weit zu suchen hat, wenn er eine Umarmung oder sonst etwas braucht.

Mein Plan ist jetzt eigentlich, ihn mal etwas in Ruhe zu lassen (so schwer mir das fällt). Ich habe aber soeben vorsorglich mal eine Reise in knapp 3 Wochen für ein paar Tage nach London gebucht und werde ihn dann fragen, ob er vielleicht Lust hat, mich wieder mal zu treffen. Ist das nicht schon aufdringlich genug? Kann ich ihn auffordern, mit mir über etwas zu reden, wovon er mir klar sagt, dass er es nicht will? Genaue Details weiß ich auch nicht, aber ich nehme mal stark an, dass es ein Mann (oder mehrere??) waren

Ein anderer Gedanke: wenn eine Therapie/ein Therapeut (10 Monate lang) nicht hilft, vielleicht fruchtet ja eine andere? Muss man da nicht auch mitunter Verschiedenes ausprobieren, bis man das Richtige gefunden hat?

D.L.

Positive Dinge hervorheben
Hallo davidlesk,

wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich versuchen bei den Gesprächen mit ihm, die für ihn positiven Dinge herauszufiltern. Das wird er dir sicher problemlos mitteilen können. Diese Dinge solltest du für dich (geistig) notieren und es sollte die genügend Anhaltspunkte geben, um herauszufinden wie weit du gehen sollst/kannst.

Wer es das Treffen als Ganzes für sich nicht als positives Erlebnis sieht, so würde ich vorerst Abstand davon nehmen. Man kann ihn natürlich schon mit Argumenten versuchen zu überzeugen, dass die anderen Annehmlichkeiten (z.B. Umarmungen, Kuscheln, usw) möglicherweise nicht ohne ein weiteres Treffen möglich sind.

Ausserdem gibst du ihm damit die Möglichkeit, dass er das Tempo vorgibt, du hast es jedoch in der Hand ihn ständig zu begleiten, aber auch zu "fordern" und fördern. Unter "fordern" verstehe ich nicht nur, neue Dinge zu versuchem, sondern auch erlebte positive Ereignisse zu wiederholen und zu vertiefen. Das sollte ihm die notwendige Sicherheit geben.

Liebe Grüße,
aurikus

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3. April 2014 um 23:44

Trauma
Dein Freund ist schwer traumatisiert und sollte dringend weitere Therapieschritte gehen. Du kannst ihm dahingehend helfen, dass du ihn so, wie er ist erträgst, nichts erwartest und einfach ein guter Freund bist.

Er lebt in einem Zustand des Selbstschutzes. Schmerzhafte Erinnerungen werden so gut es geht verdrängt. Das dient dem Schutz seiner Psyche (oder Seele, wenn du so willst). Verdrängung ist sehr sinnvoll, wenn es keine Ressourcen zur Verarbeitung gibt. Die mit dem Traumaerlebnis verbundenen Eindrücke und Gefühle werden so gut wie möglich ins Unbewusste verdrängt. Damit sind aber auch die "guten" Gefühle betroffen. Daher erleben sich Traumapatienten oft emotional als "leer" und abgespalten von sich selbst (das nennt man Dissoziation). Manchmal baut sich durch diese emotionale Leere ein hoher Druck auf, sodass Traumapatienten auch zu Verhaltensweisen neigen können, die nicht nachvollziehbar sind, um den inneren Druck abzubauen. Männer agieren dabei anders als Frauen, nämlich eher externalisierend. Sie agieren nach aussen, während Frauen eher gegen sich selbst gerichtet agieren.

All das dient dem seelischen Schutz.

Du kannst dich nur zur Verfügung stellen, ihn so normal wie möglich behandeln, ihn im Ausdruck seiner Gefühle bestärken, aber wohlgemerkt: nur im Rahmen seiner eigenen Grenzen! Grenzen erkennen und auszudrücken ist sehr wichtig. Sei also einfach du, aber respektiere seine Grenzen. Sei ehrlich, aber auch mitfühlend und verständnisvoll, ohne mit zu leiden. Er braucht Zuversicht, Mut und Sicherheit.

Auch du musst auf deine Grenzen und Bedürfnisse achten und diese kommunizieren. Sonst läufst du Gefahr dich für ihn aufzugeben und dich bald als Co-Abhängiger selbst in Therapie wiederzufinden. Alles Gute.

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