Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Festhalten und Loslassen

Letzte Nachricht: 23. Juni um 10:25
20.06.21 um 19:06

Hi zusammen, 

ich war mir nich ganz sicher ob dieser beitrag nich doch eher in das Forum "liebe & beziehung" gehört, da ich aber denke dass überwiegend ich das "Problem" bin, empfand ichs hier als passender. Das is das 1. mal dass ich mir in einem Forum Hilfe, bzw. Rat suche und ich bin dankbar für jeden ernst gemeinten Rat. Es geht um folgendes: Seit knapp einem Monat treffe ich mich mit einem Mann auf den ich ziemlich stehe. Das is das erste mal dass ich jemanden tatsächlich nach und nach real und nicht übers telefon oder skype kennen lerne; hatte bisher nur Fernbeziehungen. Und leider bin ich glaube sehr besitzergreifend und sehr stark auf Bestätigung, bzw die Sicherheit aus, dass es tatsächlich eine beziehung werden wird. Gleichzeitig bin ich mir vollends darüber im Klaren dass es Zeit und Vertrauen braucht den anderen richtig kennen zu lernen und das dann für sich zu entscheiden. Ich hab das bisher immer erst entschieden nachdem ich die bestätigung hatte dass mein gegenüber definitiv eine Beziehung wollte....ich weiß, total hinterfotzig. Ich möchte diese veranlagung oder Eigenschaft, oder wie auch immer man das nennt, ändern..  jedenfalls ist er das komplette Gegenteil von mir in der Hinsicht... er ist freiheitsliebend, unabhängig, hat sehr viele Kontakte und Freunde. Er lebt für Spontanität und lebt mehr oder weniger das Prinzip "im Hier und Jetzt leben". Dementsprechend unregelmäßig meldet er sich bei mir.
Ich tu mir unheimlich schwer, ihn nicht dauernd zu kontaktieren, oder diese Gedanken und Zweifel bzgl. seiner Zuneigung zu mir, die sofort aufkommen wenn er sich länger nicht meldet, zu ignorieren. Die Zeit die wir miteinander verbringen ist unheimlich schön, genieße jede Minute davon... Gleichzeitig frage ich mich weshalb er nicht, wie ich, so gut wie jede freie minute mit mir verbringen möchte. Gerade jetzt in der Anfangsphase wenn alles so neu ist, möchte man doch alles kennen lernen am anderen... ich hab das gefühl dass er mir was selbstbewusstsein betrifft um Längen voraus ist. Und es tut halt einfach weh mit dieser Ungewissheit umzugehen, weil ich ihn auch nicht einschränken möchte halte ich mich da zurück. Einmal hatte ich ihn gefragt was er denkt dass das zwischen uns ist und meinte auch, dass ich nicht der Typ für eine F+ bin. Er meinte dass er findet dass eine Verbindung da ist und er möchte dass es weiter geht und er auch keine Freundschaft plus möchte. Also an sich ist alles klar und vieles wichtige angesprochen, NUR: Wie gehe ich mit dieser Ungewissheit und meinem eigenen Misstrauen und meiner Ungeduld, Unsicherheit um?! Ganz zu schweigen von der Angst davor, dass er sich ggf noch mit anderen trifft. Ich möchte mich vollends auf ihn einlassen, möchte ihn für mich; aber er lässt das irgendwie durch seine Spontanität und die Zeit die er scheinbar benötigt nicht zu.

Ich bin irgendwie zu sehr auf diesem "Ganz, oder gar nicht"-Trip, sprich, Beziehung, oder es sein lassen. Ich habe glaube ich zu große Angst vor Verlust, oder Enttäuschung.
Ich weiß auch, dass ihn zbsp. eine Trennung oder die Entscheidung es doch sein zu lassen, nicht so hart treffen würde wie mich. 
Was kann ich tun, oder was würdet/habt ihr getan, um damit umzugehen, oder euch zu ändern?

Vielen lieben Dank für eure Gedanken und eure Zeit.
Liebe Grüße,
Fleur

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23.06.21 um 7:19

Hallo Fleur,
das Problem kenne ich sehr gut. So war es auch in meiner letzten Beziehung. Nur mit dem Unterschied, dass ich (m) in deiner Situation war. Zwei Jahre habe ich mir alle Mühe gegeben, um meiner Partnerin alle Freiheiten zu lassen. Leider ohne Erfolg. Ende des Liedes: sie ist ausgewandert und hat sich von mir getrennt. Ich wünsche dir von Herzen, dass es bei euch klappt. Ich habe daraus für mich gelernt, dass ich sls "ganz oder gar nicht Typ" auch eine "ganz oder gar nicht Partnerin" brauche. Leider scheint dieser Typ Frau nur noch selten anzutreffen zu sein. Deshalb sehr ich dein Verhalten gar nicht als "psychisches Problem". Ganz im Gegenteil!

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23.06.21 um 10:25

Hallo,

dein Misstrauen, deine empfundene Ungewissheit und deine Ungeduld kommen nicht von ungefähr. Die tieferliegende Angst dahinter verlassen zu werden entsteht meistens aus einem Potpourrie aus Enttäuschungen, Kränkungen und erlittenen Verletzungen. Meist entwickeln Menschen so eine Art selbsterfüllendes Prophezeihungsdenken, es gibt genug Anhaltspunkte dafür die bestätigen, dass die Art wie du denkst auch dein Leben bestimmen wird. Häufig leidet der eigene Selbstwert durch viele Rückschläge und Gedanken manifestieren sich "hab ich doch gewusst" oder "alle Männer sind gleich". Diese Gedanken nimmst du unbewusst mit in jede neue Beziehung. 

Andere Menschen spüren, wenn ihnen unausgesprochenes Misstrauen entgegengebracht wird. Entweder wirkten sie unnahbar oder sie ziehen sich gänzlich von dir zurück. Das ist nämlich kein schönes Gefühl und hat mit diesem speziellen Menschen vielleicht rein gar nichts zu tun. Ohne Misstrauen zu sein bedeutet nicht blind gegenüber seiner Umwelt und den Menschen in ihr zu sein oder jegliche Vorsicht außer acht zu lassen. Ein gesundes Bauchgefühl und Vertrauen in sich selbst ist enorm wichtig. 

Vertrauen kannst du lernen, indem du deine innere Haltung, deine Einstellungen gegenüber Beziehungen überprüfst und den damit verknüpften Gedanken bzw. Glaubenssätzen. Dies aufzulösen braucht manchmal Zeit und manchmal braucht es dabei Unterstützung aber es ist möglich. 

Ganz oder gar nicht fühlt sich für mich an wie, friss oder stirb. 
Was passiert mit einem Schmetterling, der auf deiner geöffneten Hand landet, wenn du versuchst die Hand zu schließen? Der Anblick eines wunderschönen Schmetterlings ist ein kostbarer Moment. Statt ihn zu genießen und ihn in all seinen Facetten wahrzunehmen, wollen die meisten Menschen diesen einzigartigen Moment festhalten, damit er immer für sie "greifbar" bleibt.... vielleicht weil sie denken damit einen glücklichen Moment für immer zu behalten. So ist aber nicht das Leben, es besteht aus glücklichen Momenten, aus traurigen, aus ärgerlichen, aus wütenden, aus schmerzhaften, aus gleichgültigen, aus friedlichen, aus erregenden, aus langweiligen ...ich könnte die Aufzählung dieser Momente ewig weiterführen.... und alle haben ihre Berechtigung. Sie gehören zum Leben dazu, wie das atmen. 

Wenn du das verinnerlicht hast kannst du loslassen. 

LG Sis

 

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