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Extrem belastende Schüchternheit

22. September 2011 um 6:09 Letzte Antwort: 21. Oktober 2011 um 11:27

Es ist so, dass ich ziemlich schüchtern bin, was ja auf den ersten Blick nichts besonderes scheint. Aber die Schüchternheit belastet mich einfach total und ich habe auch das Gefühl, dass ich mir dadurch Chancen verbaue und ich unglücklicher bin, als ich eigentlich sein müsste.
Ich bin jetzt 23 und habe gerade meine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester angefangen, davor hab ich nach dem Abi ganz lange als Aupair in England gearbeitet, weil ich mich nicht entscheiden konnte, was ich machen möchte und zwar, weil ich davon überzeugt bin, dass ich nichts richtig gut kann. Ich habe vor allem Angst, was andere Menschen betrifft, ich kann mir aber auch nicht vorstellen, etwas zu machen, wo ich mit Menschen nichts zu tun habe.
Mein Abischnitt hätte bestimmt eine ganze Note besser sein können, wenn ich mich im Unterricht mündlich in irgendeiner Form beteiligt hätte.
Und jetzt wurde mir in der Ausbildung zum wiederholten Male gesagt, dass ich mich einfach mehr einbringen muss, weil ich sonst untergehe und dass ich mir nochmal überlegen soll, ob das wirklich der richtige Beruf für mich ist. Ich denke schon, dass ich allein von meinen Fähigkeiten her, eine gute Kinderkrankenschwester sein kann, aber es stimmt, dass ich ein riesiges Problem mit Kommunikation habe, meine Anlernschwester sagte mir, dass ich dadurch lustlos und desinteressiert wirke, was ich definitiv nicht bin. Ich werde für blöd gehalten, weil ich meinen Mund einfach nicht aufbekomme, sei es in der lockeren Runde mit Bekannten oder eben bei der Arbeit.
Ich habe vor meiner Ausbildung auch ein Jahr studiert, relativ weit weg von zu Hause, in einer Stadt, wo ich halt niemanden kannte. Dort hatte ich sozial überhaupt keinen Anschluss und bin vollkommen vereinsamt, was mich echt belastet hat, es gab Tage, an denen ich einfach nur zu Hause saß und geweint habe. Ich verstehe nicht, warum ich solche riesigen Probleme damit habe, Freunde zu finden, für alle Anderen scheint das doch das einfachste von der Welt zu sein... für mich ist es das Schwerste. Jetzt bin ich wieder näher an meiner Heimat, sodass ich am Wochenende und selbst mal nur für einen Tag problemlos nach Haus fahren kann und Zeit mit meinen alten Freunden und meiner Familie verbringen kann, aber ansonsten habe ich genau das gleiche Problem wieder. Obwohl es diesmal (nicht wie im Studium) in der Ausbildung eine feste Klasse gibt, mit einer echt guten Atmosphäre, habe ich keine Freunde. Alle anderen haben sich hier schon eingelebt und wollen gar nicht mehr zurück, ich habe niemanden, den ich einfach mal anrufen könnte, um einen Kaffee zu trinken oder ein Bisschen zu quatschen.
Obwohl ich das eigentlich gerne mache. Ich bin in der Familie und auch unter meinen engen Freunden, die ich schon 10 Jahre kenne eigentlich jemand, der andauernd Scherze macht und Blödsinn redet. Ich bin auch intelligent und besitze gesunden Menschenverstand. Ich weiß nicht, warum ich das einfach nicht zeigen kann, wenn ich mit anderen Menschen zusammen bin.
Ich weiß, dass ich mir dadurch nicht nur, aber vor allem berufliche Chancen verbaue. Ich habe mehr drauf, aber wenn ich so weiter mache ende ich als Putzfrau oder so... Ich weiß auch, dass viele Tips beinhalten werden "mach doch einfach", aber es geht eben nicht so einfach. Ich finde, ich bin zu alt um noch darauf zu hoffen, dass sich das verwächst und ich habe das Gefühl, dass ich das nicht selber in den Griff bekomme. Ich möchte nicht mehr, dass diese Schüchternheit mein Leben bestimmt, aber ich habe Angst, zum Psychotherapeuten zu gehen, weil ich fürchte, dass der mich nicht ernst nehmen wird, weil ja jeder zweite Schüchtern ist, so nach dem Motto.
Ich weiß wirklich nicht mehr weiter und habe auch keine Lust, das Problem weiter zu ignorieren.
Irgendwelche Tips?
Vielen Dank, Evken

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22. September 2011 um 7:41

Genau das solltest du tun,
wie dir ja schon gesagt wurde, kann man so etwas auch in deinem Beruf einfach nicht tolerieren, denn du mußt auch auf Kinder zugehen und auch auf Kollegen und es wird dir falsch ausgelegt. Das was du hast ist eine Sozialphobie und brauchst ganz dringend eine Therapie und zwar so schnell wie möglich. Und dass jeder zweite schüchtern ist, das stimmt so Gott sei Dank nicht. Und es ist auch typisch, dass du glaubst nicht ernst genommen zu werden, denn du nimmst dich selbst und deine Einschränkungen einfach nicht ernst. Es gibt auch gute Bücher, aber das wird dir in deinem Fall wenig helfen, also such dir schnellsten einen kompetenten Therapeuten.
Ich wünsche dir alles Gute
Gruß Melike

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3. Oktober 2011 um 14:24

Du bist was du denkst...
Hallo! Ich kenne das Problem. Ich war auch mal sehr schüchtern. Du brauchst aber keine Angst zu haben. Du bist vollkommen gesund und normal. Du bist nicht mit dem Etikett Schüchterner Mensch geboren. Du hast dich nur lange in diesem Verhalten geübt. Du kannst es auch wieder rückgängig machen. Es erfordert nur ein bisschen Übung. Du bist noch sehr jung. Du kannst alles verändern, wenn du willst. Ich habe es auch geschafft und ich bin bereits 31 Jahre. Ich bin seit ca 4 Jahren nicht mehr schüchtern bzw. ich weiß, was ich in gewissen Situationen machen muss.

Zunächst solltest du dir nicht ständig einreden, dass du schüchtern bist. Du musst diese Gedanken ersetzen. Sage dir stattdessen etwas positives wie z.B. Ich bin lustig, positiv, freundlich, intelligent. Schreibe deine positiven Eigenschaften auf. Kein Wesen ist statisch. Du hast ganz flexible Verhaltensweisen, wie jeder Mensch.

Wenn du deine Gedanken über dich kontrollieren kannst, ändert sich auch dein Verhalten. Wenn du denkst, dass du schüchtern, ängstlich oder nichts wert bist, strahlst du es aus und dein Verhalten zeigt, was du von dir selber denkst. Kontrolliere deine Gedanken. Immer, wenn du negativ denkst, überlege dir stattdessen, etwas positives.

Achte mal auf deine Körperhaltung. Wenn du negativ von dir denkst, wird sich deine Körperhaltung anpassen. Schultern hängen, keine Muskelanspannung im Körper, trauriger Gesichtsausdruck, auf den Boden guckend, flache Atmung, du wirst dir all die schlimmen Dinge vorstellen, wie z. B. als Putzfrau enden usw. Deine Gedanken und deine Körperphysiologie beeinflussen sich gegenseitig.

Ändere mal deine Körperhaltung. Sie ist der Schlüssel zu einem positiven Zustand. Atme mal ganz tief, Schultern gerade, Brust raus, Kopf hoch und ein Lächeln. Spanne deine Muskeln im Körper an. Jetzt wird es dir schwer fallen an irgendwelche Putztätigkeiten zu denken oder? Jetzt sage dir etwas cooles wie z.B. Ich kann das! Ich werde meine Ausbildung hervorragend meistern! Ich bin ein lustiges und geselliges Wesen.

Wenn du mit Leuten zusammenkommst, ändere zuerst deine Körperhaltung. Habe ein Lächeln im Gesicht. Lächelnde Menschen sind immer sympatisch. Die Leute werden gerne zu dir kommen, weil positive Menschen immer anziehend sind. Auch wenn du anfangs nicht so kommunikativ bist, wirst du durch eine positive Aura wie ein Magnet sein. Man muss nicht immer viel reden. Wenn du redest, sage immer etwas positives. Menschen fühlen sich immer zu Menschen hingezogen, die zufrieden und glücklich wirken. Sie wollen sich ansteckend lassen.

Also: Gedanken über dich und deine Körperhaltung sind die Basis für eine Veränderung.

Wenn du noch Tipps haben möchtest, lass es mich wissen.

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21. Oktober 2011 um 11:27

Danke für die Antworten!
Das mit den Denkmustern ändern, sich stolz hinstellen und lächeln, das habe ich schon oft gelesen. hilft bestimmt, aber es ist glaube ich unheimlich schwer, so wirklich ganz alleine dieses Denk- und Verhaltensmuster zu durchbrechen, oder? ich mache das natürlich auch, ich lächle fremde Menschen an und bin aufmerksam, wenn sie mir was erzählen und so weiter. aber das hilft nicht gegen diese extreme Hemmung, die ich habe. Ich kann einfach andere Menschen nicht an mich heran lassen. Dabei geht es jetzt nicht nur um tiefe Freundschaften oder Beziehungen, sondern ich kann noch nichtmal eine lockere Beziehung zu Kollegen aufbauen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass es eine riesige Mauer um mich herum gibt, die keiner überwinden kann. Und dann kommt wieder die Einsamkeit ins Spiel...
Ich bin ja schon stolz darauf, wenn ich es hinkriege, einen bedeutungslosen 5-minütigen Smalltalk mit jemandem, den ich noch nicht so lange kenne, zu halten. Ich verstehe einfach nicht, dass das so schwer für mich ist. Ich halte dadurch Menschen, die mir eigentlich echt wichtig sind oder die ich sehr gerne mag total auf Abstand, obwohl ich eigentlich gerne eine engere Beziehung zu denen haben würde. Darunter leide ich dann natürlich und die andere Person denkt wahrscheinlich, dass ich sie nicht mag, obwohl das ja wie gesagt überhaupt nicht so ist.
Vielleicht kann mir dabei ja eine Gesprächstherapie helfen, ich weiß es nicht.
Das andere Problem ist, dass ich unheimliche Angst davor habe, aufzufallen. Daher die mangelnde mündliche Beteiligung in der Schule, deswegen traue ich mich nicht, mich für Dinge, die mir wichtig sind einzusetzen, deswegen bringe ich mich in der Ausbildung nicht ein. Ich bin immer nur das kleine Mäuschen, von dem alle denken, dass es nicht viel auf dem Kasten haben kann... dabei stimmt das gar nicht!
und ich denke bei dem Problem kann mir so ein positives Denken und vielleicht auch Schauspielunterricht oder Ähnliches gut helfen.
Klar ist jedenfalls, dass mich beides belastet, dass ich mein restliches Leben nicht mehr einsam in meinem Versteck verbringen möchte, weil ich damit nicht glücklich werden kann. Ich möchte Dinge bewegen und verändern, mich einsetzen und ich MÖCHTE auffallen! ich weiß nur nicht, wie ich das hinkriegen kann...

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