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Et propter vitam vivendi perdere causas

31. Oktober 2007 um 15:36

>>Und wegen des Lebens die Gründe zu leben verlieren<<

Über diesen Satz bin ich zufällig bei Wikipedia gestolpert. Ich finde ihn so ausgesprochen zutreffend...auf mich.
Ich zerbrösel mein Hirn auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, warum es mir so geht, wie es mir geht.
In diesem Satz habe ich sie gefunden.
Ich hatte mir für heute eigentlich vorgenommen, zum Arzt zu gehen. Einfach reinmarschieren, warten bis ich drankomme und ihn dann zu bitten, mir irgendwelche Aufputschmittel zu verschreiben. Und wenn er fragt warum, dann sage ich ihm halt, das ich nur noch rumsitze und mich im knüpfen des Henkersknoten übe.
An diesem Punkt war ich in den vergangenen Jahren schon öfter aber ich fürchte, diesesmal habe ich einen neuen "Höhepunkt" erreicht.
Ich habe "Probegehangen".
Ich weiß nicht ob ich das hier überhaupt schreiben darf und werde da jetzt auch nicht näher drauf eingehen aber ich halte es für wichtig, um zu verdeutlichen wie es mir geht.
Wie gesagt, ich wollte zum Arzt - aber ich war (mal wieder) nicht dort.
Jetzt ist geschlossen (ist ja Mittwoch) und ich könnte mich verfluchen, das ich nicht dort war.
Ich wollte doch nur kurz an den PC um meine Mails zu checken...das dauert jetzt schon 4 Stunden.
Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll.
Manchmal denke ich, wenn die Kinder nicht wären, dann würde ich einfach zur nächsten Klinik fahren und mich mit meiner ganzen kaputten Psyche dort abliefern.
Aber das ist Quatsch...denn auch, wenn die Kinder nicht da wären, würde ich es nicht tun.
Was hält mich davon ab? Warum kann ich diesen Schritt nicht endlich machen?
Ist es wirklich nur die Überwindung, die fehlt?
Ist die Anstrengung sich dazu aufzuraffen einfach zu groß?
Jeden Tag spiele ich mit dem Gedanken, den Kleinen gar nicht zum Kiga zu bringen, nur damit ich mich (am besten) nicht mal richtig anzuziehen bräuchte und einfach wieder ins Bett zu gehen,wenn der Große aus dem Haus ist.
Aber die Vorstellung, dann nicht einmal die paar Stunden vollkommene Ruhe zu haben hat mich dazu gebracht ihn doch hinzubringen.
Es fällt mir von Tag zu Tag schwerer Menschen begegnen zu müssen.
Es hat mich heute Morgen so unendlich viel Kraft gekostet ein Lächeln aufzusetzen und "guten Morgen" zu sagen.
Ich war froh als ich mich von meinem Sohn verabschiedet hatte und endlich da raus war.
Zurück nach Hause...einigeln...verbarrikadieren...allein sein...RUHE genießen.
Ich gehe nicht mal mehr ans Telefon, wenn ich allein bin.
Ich will nicht mehr reden...mit niemandem.
Das ist alles so anstrengend.
Scheinbar kann man "reden" sogar verlernen. Also man weiß schon noch wie "sprechen" funktioniert aber man kriegt es nicht mehr hin.
Es kommt häufig vor, das Leute mich nicht verstehen können (akustisch), weil ich wohl zu leise spreche. Ich meine allerdings in normaler Lautstärke zu sprechen.
Oft habe ich im Kopf was ich sagen möchte, weiß dann aber nicht, wie ich mich ausdrücken soll und laß es dann ganz. Zu anstrengend.
Dieser ganze verrückte Zustand in meinem Kopf ist natürlich nicht erst seit gestern da...er begleitet mich schon seit Jahren.
Aber ich fürchte, es wird schlimmer.
Mit 17/18 habe ich das erste Mal über Suizid nachgedacht. In den Jahren darauf habe ich mich selber "hochgeholt" indem ich daran dachte und meinen Blick auf das richtete, was ich versäumt hätte, wenn ich es damals wahr gemacht hätte...heute sehe ich im Rückblick nur noch, was mir alles erspart geblieben wäre.
Heute bin ich kaum noch ein Schatten des Menschen, der ich mal war.
Alles was menschlich macht scheint verschwunden.
Kein Mitgefühl mehr... keine Liebe mehr...
nur noch Hass auf mich selbst.
Weil ich nichts geregelt bekomme. Weil ich immer wieder falsche Entscheidungen treffe.
Weil ich immer alles falsch mache...immer wieder versage.
Ich habe die Freude an allem verloren.
Für meine Zukunft sehe ich schwarz. Ich bin zu alt, zu hässlich, zu blöd, usw.
Es heißt, die Hoffnung stirbt zuletzt...
Ich habe die sterblichen Überreste meiner Hoffnung, meiner Träume und Sehnsüchte gestern Abend symbolisch im Balkonkasten begraben.
Nichts davon wird wahr werden.
Ich bin nicht die toughe Alleinerziehende, die alles hinkriegt.
Im Gegenteil...ich habe uns ins "Aus" manövriert. Wir sind jetzt ganz unten - bei Hartz4 - angekommen.
Ich werde nie einen guten Job haben, weil ich das Falsche gelernt habe...weil ich völlig talentfrei bin...
Ich werde nie einen vernünftigen Mann kennenlernen, weil irgendwo auf meiner Stirn wohl stehen muß: verar*** mich, nutz' mich aus, trampel auf meinen Gefühlen herum.
Im Rückblick möchte ich meinen, das ich mein ganzes Leben lang auf der Suche nach Liebe war...nach jemandem, dem ich einfach vertrauen kann....bei dem ich 100% ich sein darf.
Ich sehnte mich so sehr nach dem Gefühl geliebt zu werden. Vielleicht, weil ich es selber nicht empfinden kann und jemanden brauche, den ich kopieren kann.
Wie gesagt...ich habe u.a. auch diese Sehnsucht gestern "begraben" und hoffe, das sie bald endgültig in mir stirbt.
Ich würde so gerne aufhören können zu denken und zu fühlen.
Warum bin ich kein "dummer" Mensch?
Ich glaube, das Leben wäre viel einfacher, weil man gar nicht soviel über alles mögliche nachdenken würde.
Manchmal möchte ich nur noch weg...egal wie oder wohin...nur raus aus meinem Leben.
Die Zeit zurückdrehen und nochmal ganz von vorn anfangen. Geht nicht. Die Kinder kann ich nicht "rückgängig" machen.
Es klingt in meinen Ohren wie ein Hohn, wenn die Leute sagen: "denk' doch an die Kinder" oder "sei doch froh, du hast doch 2 gesunde Kinder"...usw.
Ich frage mich ob ich nicht gerade WEGEN der Kinder an diesem Punkt angelangt bin.
Klar...ich mag immer schon so einen kleinen "Hau" gehabt haben aber seit ich vor 11 Jahren durch meinen Eintritt ins Hausfrauen- und Mutterdasein der Entwertung meiner Person quasi zugestimmt habe, geht es rasant bergab.
Ich kann mich nicht an einen einzigen Tag erinnern, an dem ich mal wirklich ausgelassen, zufrieden, glücklich war.
Nur noch Sorgen...um die Kinder, um's Geld...
Zuviel Verantwortung, die ich von Anfang an allein zu tragen hatte, weil mein Mann ja immer arbeiten mußte (haha).
Ich habe nicht geahnt, das ich mit der Geburt meines Sohnes auch jegliches Recht auf ein EIGENES Leben verlieren würde.
Aber so ist es....DU zählst und interessierst nicht mehr...nur noch in deiner Funktion als Mama.
Ich will so nicht mehr leben...ich will meinen Kindern nicht mehr so ein versagen vorleben...
Ich will doch LEBEN...ich will doch FREUDE empfinden...will nur wieder Mensch sein...
Warum nur geht das nicht?

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31. Oktober 2007 um 18:13

Hallo
ich bin neu hier, hab aber schon ab und zu mal mitgelesen. Eigentlich wollte ich nicht unbedingt mitschreiben und oft finde ich auch Beiträge sehr selbstmitleidig.

Dein Beitrag hat mich aber sehr berührt. Sehr. Ich bin zwar nicht in deiner Situation, aber ich kann es nachvollziehen, in gewisser Weise, deshalb will ich etwas dazu schreiben und ich hoffe, dass es dir vielleicht ein bisschen hilft.

Deine Art zu schreiben zeugt davon, dass du eine gebildete Person bist, d.h du kannst etwas, ausserdem wirst du schon einiges in deinem Leben durchgestanden haben.

Ich denke du bist depressiv, daher wird wohl die allgemeine Empfehlung lauten, einen Arzt aufzusuchen, der dir helfen kann. Aber das weisst du ja selbst. Ich weiss, Überwindung ist das schlimmste, aber du musst nur einen Moment erwischen, wo du es schaffst und dann geht es automatisch weiter.

Ich finde deinen Text einfach so berührend, dass ich dir sagen will, du willst doch leben und Freude haben und du kannst das auch haben. Mach dich nicht selber runter, du hast etwas geleistet und du kannst noch sehr viel mehr. Es ist nicht sinnlos oder unnütz, du bist nicht zu blöd oder talentfrei. Es gibt immer etwas, aber man muss es halt versuchen und suchen.

Du kannnst dir auch mit Kindern ein eigenes Leben behaupten oder dir schaffen, das geht alles, man muss nur selbst dran arbeiten. Ich weiss wie schwer das scheint. Ich rede auch nur klug daher, aber ich bin fest davon überzeugt, dass man erstmal an die bessere Zukunft glauben muss, sich dann selbst eine kleinen Arschtritt geben muss und plötzlich geht vieles von selbst.
Der Dreh- und Angelpunkt ist immer der eigene Antrieb. Ich bin selbst manchmal bei kleinsten Dinge träge, hab keine Lust, Motivation und wenn ich aber dann mal was mache, plötzlich geht es besser und einfacher und schneller als gedacht.
Das ist so, kannst du mir glauben. Wenn man nichts macht, wird es nur schlimmer. Das hast du ja schon irgendwie selbst bemerkt. Leider wird keiner kommen, um deine Probleme zu lösen, aber du selbst kannst es, nur ein bisschen Mut, ein bisschen positiv denken.

So wie ich deinen Beitrag lese, willst du das ja auch. Und du kannst es. Ich möchte dir auf meine bescheidene Art wirklich helfen, wenn du willst kannst du mir auch eine PN schicken. ich bin einfach ein unverbesserlicher Optimist und hoffe anderen eventuell etwas davon abgeben zu können, die die Hoffnung (in welchem Sinne auch immer) verloren haben.

Liebe Grüsse

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31. Oktober 2007 um 21:43

Vieleicht sind die Gedanken frei, aber deine nicht
Ich denke das du selber weisst,was du brauchst.Das was du dort geschrieben hast lässt alle Alarmglocken klingeln. Mensch raff dich auf und hol dir fachliche Hilfe. Sei nicht dumm. Schau dir deine Kinder an sie sind ein Teil von dir und wenn du dich durchraffst dir Hilfe zu holen, können die Kinder sagen meine Mutter hat die Courage gehabt sich Hilfe zu holen. Du willst ja LEBEN und FREUDE haben, also tu was dafür. Geh und versuch aus diesen Teufelskreis rauszukommen, hol dir die richtige Hilfe die du brauchst, sie steht dir zu. Drücke dich vom ganzen Herzen

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31. Oktober 2007 um 21:55

Äääh
mal eine Frage

warum gehst du nicht zum Arzt, psychologen und lässt dir helfen. warum schreibst du hier ellenlange Texte , es gibt massig Ärzte die dir helfen. Warum gehst du nicht einfach hin, Zeit hast du doch genug? sorry aber für so etwas habe ich dann kein Verständnis wenn man nicht mal einige male beim Arzt war. unmöglich sag ich nur wofür gibt es Ärzte

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31. Oktober 2007 um 22:48

..
"Ich glaube, das Leben wäre viel einfacher, weil man gar nicht soviel über alles mögliche nachdenken würde."

-Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin zwar warscheinlich um einiges jünger als du, doch trotzdem empfinde ich vieles ähnlich. Dieses Problem, mich von anderen abschotten zu wollen/müssen, habe ich auch. einerseits fühlt man sich dann manchmal einsam, andererseits will man meistens einfach jedem die TÜr versperren und einfach alleine sein. auf Dauer aber denke ich, dass das einfach schiefgehen muss. Ich habe mir viel Mühe gegeben, das zu ändern, denn ich hatte das Glück, einige Momente zu erleben, in denen man wirklich glücklich ist, dass jemand da ist, einem zuhört, vielleicht sogar versteht. Vielleicht sagst du "ich kenne niemanden der so wäre" - das dachte ich auch. Es kann eine Person aus dem Net sein, es kann eine Verwandte Person sein, es kann die Nachbarin sein, irgendwer! Versuch mal ein wenig neues auszuprobieren, vielleicht öfters spazierengehen? oder schwimmen? einfach mal Abwechslung haben, egal ob alleine oder mit jemandem zusammen. und spazierengehen & co kostet auch nix und wird trotzdem erfrischen . Klar muss man vieles für seine Kinder opfern, aber nicht sich selbst.

Ich habe mich oft gefragt, wieso andere "alles" haben und ich "nichts", wieso einige Leute traurig sind weil ihre Sauna zuhause kaputt ist, und ich traurig bin weil ich meine Freude immer in den mickrigsten Kleinigkeiten suchen muss. Aber mit der Zeit hats echt geholfen..ich hab Sachen gesucht, die mich glücklich machten.. ich habe meine Lieblings Cartoons aus meiner Kindheit besorgt, ich habe mir Noten von meinem Lieblingskomponisten gekauft, und (auch ich habe kaum Geld) ab und zu kaufte ich mir was ganz kleines, vielleicht nur eine Creme für ein paar Euro, aber auch das reichte.
Versuch es mal, grab die Dinge wieder aus, die dich glücklich gemacht haben. Hast nix zu verlieren! Wünsche dir viel Kraft und Glück!
Doefchen

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1. November 2007 um 14:14

Hallo,
...alles was Du schreibst deutet auf eine ausgewachsene Depression hin. Glaub mir, dagegen kann man eine Menge tun. du mußt nur Deinen popo hoch kriegen und Deinem Arzt davon berichten. Habe einige zeit in der Psychiatrie gearbeitet und kann Dir nur dazu sagen, den meisten konnte geholfen werden und Dir wird man auch helfen können. Eines mußt Du jedenfalls wissen, wenn sich einer darüber Gedanken macht ob er sich für das Leben oder lieber den Tod entscheidet, dann hat er sich ja schon für das Leben entschieden. Klingt etwas dumm, ist es aber nicht. Bitte geh zum Arzt, Du bekommst eine überweisung zum Psychiater, erhälst dann eine Medikation, die Du unbedingt befolgen mußt, parallel wird Dir eine Gesprächstherapie angeboten werden..bitte nimm das in Anspruch..alles Gute..Ziege

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