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Es ist ein Jahr her aber erst jetzt aktuell. Ich hasse mich und Männer

16. Juni 2016 um 20:36

Hi, sorry es ist ein langer Text.

Ich kann bis jetzt nur davon schreiben aber noch nicht sprechen. Ich war erst vor zwei Wochen bei der Polizei deshalb. Es ist aber schon ein Jahr jetzt her. Ich bin 26 Jahre alt. Ich bin in eine psychiatrische Tagesklinik gegangen vor neun Wochen und hab da erst angefangen, darüber zu "sprechen". Ich will es auch gar nicht. Und es geht nur, darüber zu schreiben. Jetzt bin ich aus der Klinik schon seit vier Wochen raus und bei einer Psychologin in Gesprächstherapie einmal die Woche. Und meine Familie und meine Freunde haben es erst vor drei Wochen über ein gemaltes Bild von mir aus der Tagesklinik erfahren, welches ich ihnen, nicht ahnend was ich damit auslöste, zeigte.
Also vor einem Jahr musste ich von Heide alleine mit dem Zug nach Hamburg fahren, um mich dort am Bein operieren zu lassen. Der Zug hatte aber Verspätung. Da kam ein ca. unter dreißig jähriger, schwarzer, bartloser Typ zu mir und fragte mich wie man nach Hamburg kommt. Der Typ konnte schlecht englisch und schlechter deutsch. Da ich von früheren schlechten Erfahrungen mit Männern eine selbstunsichere Persönlichkeitsstörung aufgebaut habe (deshalb war ich vor zwei Jahren schon einmal in der Tagesklinik am WKK Heide), habe ich es dem Typen gesagt und gelächelt. Ich lächle immer wenn ich unsicher bin. Das ist mein Problem. Denn wie die anderen Männer vor dem Typen, fasste der Typ das gleich als Flirten auf. Der Typ stellt mir zu meiner Person viele Fragen, wie ich heiße, wie alt ich bin und so weiter. Ich fragte nur woher der Typ ursprünglich kam. Der Typ sagte zwischen anderen Worten, die ich aber akustisch nicht verstand, aus Eritrea. Weiter fragte ich nichts weil mich das nicht interessierte. Jedenfalls setzte der Typ sich auch im Zug direkt neben mich obwohl ich da extra meinen Rucksack hingelegt habe und fing irgendwann an, mir Komplimente zu machen, mich an zu grapschen und zu küssen. Ich hab es über mich ergehen lassen weil ich wohl Angst oder so hatte, habe aber nichts gesagt. Ich wollte es nicht aber ich hab nur dagesessen und nichts gemacht. Der Typ hat weitergemacht und ich wollte weg. Der Typ roch so ekelhaft nach irgendeinem Deo oder so. Dann zeigte der Typ mir Videos von Eritrea in denen die Menschen sangen und beteten und Fotos von seiner Familie. Dazwischen waren viele bunte, kitschige Bilder von Jesus und Maria. Es waren afrikanische Kirchenlieder unter der Musik. (Seitdem kann ich keine solche Musik mehr ertragen). Der Typ fragte mich ob ich an Gott glaube und ich sagte ja. Ich wollte dann auf die Toilette. Der Typ kam mit. Auf der Hälfte des Weges ca. (war ja kein langer Weg) nahm er meinen linken Arm und drückte ihn ganz fest. Der Typ schloss die Tür, sein Blick wurde anders irgendwie hart und kalt und auf einmal nahm er seine linke Hand und würgte meinen Hals so stark zu, dass ich zu Boden fiel oder rutschte. Der Typ war so hammer stark, dass ich vor Schreck ganz starr und taub wurde und mein ganzer Körper kribbelte. Dort hielt der Typ mich dann mit der linken Hand so fest, ich bekam keine Luft und hatte Todesangst, und der Typ begann mit der anderen Hand meine und des Typens Hose aufzumachen und etwas runter zu ziehen. Dabei bekam ich wieder etwas Luft weil der Typ abgelenkt schien (mit einer Hand was das ja schwer). Das war alles ziemlich lautlos (nur meine Ohren rauschten dabei). Als der Typ mit seinem Gestöhne und seinem Sex fertig war (ich wurde entjungfert), zog der Typ sich und mich wieder an. Es tat unglaublich weh, brannte und blutete vorne und hinten. Ich glaube da war dann auch Blut auf dem Boden aber zu dem Zeitpunkt war ich nicht direkt anwesend, sondern eher wie ein Stück Holz. Der Typ wartete bis ich stehen konnte und ging mit mir wieder zurück zum Platz. Sein Blick war wieder normal. Ich hab gedacht, ich muss ja furchtbar aussehen am Hals und im Gesicht und jeder würde es sofort merken. Aber keinem fiel was auf. Dann zeigte der Typ mir Videos und Musik auf seinem Handy aus Afrika. Der Typ kam ja aus Eritrea. Und der Typ küsste mich weiter und legte meine Hand auf dessen Hose und dessen Glied und ich spürte wie das Teil sich bewegte. Und ich wollte weg und hasste den Typen und mich weil ich das alles zuließ. Die Leute im Abteil haben nichts gemerkt. Und dann dachte ich, da der Typ nach Hamburg möchte, steige ich vorher aus und der Typ bleibt vielleicht sitzen. Ich sagte dem Typen, ich müsse jetzt aussteigen. Dann stieg ich vor Hamburg in Elmshorn aus aber der Typ kam leider mit. Ich musste mit dem Typen auf den nächsten Zug am Bahnhof warten. Und die Leute gingen weg und als ich und der Typ da standen, hat der Typ meine Arme um sich gelegt und mich begrabscht und geküsst. Der Typ hat mit seiner Zunge Bewegungen in meinem Mund und in meinem Gesicht gemacht und ich musste dabei würgen. Ich hatte Angst dass der Typ es merken würde. Und der Typ sagte ich liebe dich und der Typ wolle Kinder mit mir, mich mit nach Eritrea nehmen und heiraten. Es war so ekelhaft alles, das ich hier immer noch im Moment mit Schwitzen, Gänsehaut, dem Geruch und der Übelkeit am Computer sitze. (Das alles zu schreiben fällt mir echt nicht leicht. Ich hatte hierbei wieder eine Synkope eben - daran erkennt man doch dass sie psychischer Natur sind.) Und der Typ nahm sein Handy und machte Fotos von uns während des Küssens und wie ich eng an im klebte. Dann rief seinen Bruder an und redete auf afrikanisch mit ihm. Man sah dass der Typ sich sehr über mich freute und ich sollte in den Hörer Hallo sagen. Dann legte der Typ auf und ging mit mir an der Hand (ich war wie eine Marionette aus Stein also gar nicht anwesend) zum Ende des Bahnsteiges hinter den Kasten. (Das waren Treppen) Der Typ zwang mich wieder zu Boden, hatte wieder diesen Blick und Tat das gleiche wie im Zug. Ich bin dabei bewusstlos geworden und der Typ hat mich sehr grob auf die Bahnschienen gerollt. Das hab ich gemerkt weil ich die Schienen fühlen konnte und es etwas vibrierte. Dann holte der Typ mich wieder zurück von den Schienen und klatschte mir eine und spukte mir ins Gesicht. Ich wurde wach und übergab mich. Dann zog der Typ uns wieder an und machte mich mit einem Taschentuch sauber. Ich konnte nicht stehen. Also saß ich etwas und dann half der Typ mir zurück auf den Bahnsteig wo wir auf den Zug warteten. Ich konnte einfach nicht fassen was da mit mir passiert. Immer noch nicht. In der S-Bahn drückte der Typ mich an sich und küsste mich und redete leise auf mich ein. Ich weiß aber nicht was der Typ sagte. Ich spürte nun aber Blicke von Leuten, die uns beobachteten. Ich sah bestimmt blass und unglücklich aus und neben mir saß der glücklich strahlende Typ und küsste mich. Ich bin den Typen erst mitten in Hamburg in Dammtor in der S-Bahn losgeworden. Ich sagte einfach der Typ muss hier sitzen bleiben und ich muss hier aussteigen. Ich ging so schnell ich konnte (jeder Schritt zog und scheuerte unangenehm) zu meinem Termin, fiel auf dem Weg dorthin vor Schwäche oder so dann mitten in einer Menschenmenge erneut in Ohnmacht und lehnte einen Krankenwagen ab. (die Leute fragen immer ob sie einen holen sollen aber das geht ja nicht fast jeden Tag und es bringt auch nichts. Mein Herz wurde gut untersucht und ist trotz ständiger Luftnot fit.) Ich schleppte, mich zitternd wie immer danach zu meiner Operation und ging vorher auf die Toilette wo ich mich noch säuberte, ich war ja voller Blut und Schmerzen. Und dann wurde ich für die Operation am Bein unten herum komplett sterilisiert, das brannte wie die Hölle! Aber es hat zum Glück niemand was gemerkt. Jetzt gebe ich mir die Schuld und ich hasse mich und hasse duschen, denn ich fühle mich ekelhaft, unsauber und widerlich und habe Angst vorm Bahn fahren alleine und habe Angst vor Männern (nun besonders schwarze) die alleine mit mir reden oder neben mir sitzen und ich guck mir jeden schwarzen Mann genau an und halte Abstand zu ihnen und ich bin nur noch ein Wrack und habe sehr häufig seit einigen Wochen Synkopen und ich Schlafwandel sogar oft und habe Alpträume in denen ich keine Luft bekomme. Das Schlafwandeln bemerke ich weil ich oft woanders aufwache und einmal hab ich mich wohl umgezogen und ein anderes Mal lag ich unten am Boden der Treppe und hatte überall Schmerzen und auch bin ich mal im Garten auf dem Rasen wo mein Kater mich nachts weckte aufgewacht. Und ich hab im Januar meine Probezeit als Erzieherin nicht geschafft. Und bin deshalb gerade arbeitslos aber so bin ich sowieso arbeitsunfähig. Und meine Krankenversicherung muss ich von meinem bisschen Erspartem selbst zahlen. Das reicht nun aber nicht mehr lange. Also es ist einfach furchtbar alles! Ich gebe mir komplett selbst die Schuld, weil ich nichts gemacht habe, niemandem was gesagt habe, dessen Namen nicht weis (der Typ weis meinen Namen und hat auch von mir meine Handynummer bekommen aber zum Glück keinen Kontakt zu mir bisher aufgenommen), und ich hab nur da gesessen und aus Scham gelächelt und genickt wie eine Marionette. Ich hab nicht Nein gesagt und nicht geschrien. Der Typ hat mich sogar mal gefragt ob das Begrabschen gut ist. Und ich hab nur genickt und gelächelt. Ich bin doch nicht zu fassen. Während der Prozedur in der Toilette und am Bahnsteig konnte ich mich ja nicht wehren wegen seiner Kraft an meiner Kehle (das war schon fast Mord weil ich kurz vorm Ersticken war und schon Sterne sah), aber danach hätte ich schreien können oder die Notbremse ziehen oder irgendwas! Jetzt hasse ich mich selber darum und auch weil mir oft sowas passiert. Also nicht sowas, sondern ähnliche Dinge mit Männern. Seit ich neun war ungefähr war das so. Da hat mich zum ersten Mal ein Mann, der Vater meiner früheren Freundin, auf die Unterlippe geküsst. Und unter Anderem hat sich jemand in einem Raum von einem Abschlussball auf meinem Bauch ejakuliert und mich geküsst und so. Alles natürlich gegen meinen Willen aber ich hab auch da nichts getan. Egal was alle zu mir sagen ich gebe mir die Schuld ich hab den Typen ja gelassen. und ich hasse mich dafür. Und jetzt bin ich nicht mal mehr in der Lage mir eine neue Arbeit als Erzieherin zu suchen, weil ich so selbstunsicher bin und mich nicht durchsetzen kann und kein Respekt vor mir habe. Wie soll ich das denn den Kindern beibringen? Es ist alles so kacke. Ich hab keine Lust mehr irgendwas zu machen und muss mich sogar zwingen aufs Klo zu gehen oder zu Terminen zu fahren. Und ich bin so erschöpft wegen der Synkopen und meiner Schlafprobleme. Das ist echt sau anstrengend. Mein Körper ist nicht mehr mein Körper irgendwie, sondern nur ein dummes Ding das an mir klebt. Und mein Geist ist kaputt gegangen. Und von den Stürzen hab ist ständig Kopfschmerzen und mein Gehirn ist schon ganz matschig. Schwindelig ist mir so häufig, dass es sich schon normal anfühlt. Ich hab keine Lust mehr zu malen oder zu singen. Ich muss mich richtig zwingen dazu, weil ich so gerne zum Chor gehe (dabei ist mir aufgefallen, dass ich auch im Chor versuche, es allen recht zu machen und die immer fröhliche zu spielen. Die älteren Leute freuen sich so, dass sie nun mich und meine Freundin dabei haben). Das Schlimme ist, das ich das meiste, was ich so denke, erst denke seit ich überhaupt darüber nachdenke. Also seit ich mich zwinge, die Gedanken zuzulassen. Und ich werde auch oft konfrontiert durch meine Psychologin und meine Familie, die alle darüber sprechen wollen. Hier sind meine Gedanken mal etwas aufgeschrieben (nicht alles). Ich hatte fast ein Jahr Ruhe, als ich es so verdrängen konnte, dass ich Tage hatte, an denen ich kein einziges Mal daran gedacht habe. Alpträume hatte ich da auch schon aber noch nicht so häufig. Die Synkopen fingen zwar schon vor Jahren an, aber seitdem Trauma sind sie häufiger und auch im Kindergarten aufgetreten vor den Kindern. Das war schlimm! Nun bin ich soweit, dass ich sie schon bis zu sechs Mal in einer Woche habe. Und leider hab ich für immer eine Erinnerung an den Tag. Bei der Operation wurde eine Veneninsuffizienz im rechten Bein mit einem Laser verödet. Und da ist jetzt für immer ein grüngelber Strich an der Innenseite zu sehen.
Ich hab schon oft gehört dass der Erzieherberuf nichts für mich ist. Aber nun hab ich das fünf Jahre gelernt und irgendwie wäre es ja doof was Neues zu lernen. Ich wüsste auch nicht was, weil ich sehr kindlich bin und immer leider eher die Freundin von Kindern statt die auch mal strenge Erzieherin. Ich bin sehr schlecht im Erziehen. Und Kampfsport zur Selbstverteidigung hab ich früher zehneinhalb Jahre lang gemacht. Bis zum grünen Gurt bin ich gekommen. Ich hab dann aufgehört weil es härter wurde und keinen Spaß mehr gemacht hat. Und weil ich immer weniger Kondition hatte. Da haben wir auch gelernt dass man weglaufen und schreien soll und sogar ein Fenster einschlagen darf mit einem Stein, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Operation war damals das Einzige an das ich mich halten konnte. Es war wie die Rettung weil ich wusste, dass ich da alleine hin muss. Das er da, egal was passiert, nicht mitkommen kann! Deshalb bin ich dahin gelaufen. Und dann konnte ich an etwas anderes denken. Naja an Schmerzen und Schmerzen aber es hat mich etwas abgelenkt. Es war gut dass alles danach dann etwas taub war und der Rückweg im Zug war kaum zu ertragen. Ich hab die ganze Zeit heimlich im Zug die Beine hoch gelegt und die Augen zu gemacht. Ich bin langsam aus der Hölle wieder aufgewacht und musste mich seelisch auf zu Hause vorbereiten, dass keiner was merkt. Warum weiß ich auch nicht. Man hätte den Typen vielleicht noch fassen können wenn ich schnell reagiert hätte. Aber so läuft er jetzt immer noch frei herum. Es tut mir so leid für andere Menschen, denen er ebenfalls etwas antun könnte.

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