Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Erwartungen vom Leben

Letzte Nachricht: 1. Juli um 23:59
29.06.21 um 18:19

Liebe Community, es ist ein längerer Text und ich bedanke mich schon mal im Vorhinein fürs Lesen! Eigentlich habe ich auch nicht wirklich eine Frage, ich muss mir einfach mal den Frust von der Seele schreiben und vielleicht hat ja der eine oder andere einen guten Rat für mich! 

Ich (w/28) weiß einfach nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll bzw. was ich von meinem Leben erwarte (grob ausgedrückt). 

------

Punkt 1 - beruflich: 
Derzeit bin ich arbeitslos. Ich bin ausgebildet in 3 Berufen, möchte aber keinen davon ausüben. Nach langer Recherche zu Umschulungen und Weiterbildungen kam ich zu dem Schluss, dass mir kein Beruf wirklich gefällt.
Ich wollte mich immer schon selbstständig machen, mein eigener Chef sein, aber dazu fehlt mir leider die passende Idee und auch das Startkapital. Oft habe ich mir überlegt, im Tierschutz aktiv zu werden, allerdings vertritt kein Verein in meiner Umgebung auch nur annähernd das, was ich mir unter Tierschutz vorstelle und für ein eigenes Tierschutzprojekt fehlt wieder das Geld.
Ich möchte keinen "9to5-Job" mehr machen, ich habe dann einfach keine Freizeit mehr, was mich stört, obwohl ich in meiner Freizeit nicht mal großartig irgendwas mache. Außerdem bin ich kein sozialer Mensch, ich vermeide Kontakte wo es geht und mag es auch in der Firma nicht, ständig Kollegen oder Kunden um mich zu haben. 
Dauernd frage ich mich, wie es denn weitergehen soll, ich bin jetzt doch schon 28 Jahre alt, langsam sollte ich doch mal wissen, in welche Richtung es für mich beruflich gehen soll oder?!
Der Witz an der Sache ist, dass mein Lebensgefährte nach einem Jobwechsel vor zwei Monaten sehr gut verdient und ich mich eigentlich nicht darum kümmern müsste, Geld zu vierdienen. Er sagt sogar selbst, ich könne einfach zu Hause bleiben, den Haushalt schmeißen und die Zeit genießen, weil ich ja eh früher immer brav gearbeitet habe und in den ersten 3 Jahren unserer Beziehung für uns gesorgt habe (er hatte sich eine Auszeit vom Arbeiten genommen und war ein fleißiger Hausmann). Leider habe ich ständig Angst, dass er seinen Job verliert und wir dann ohne Geld dastehen...

Punkt 2 - privat/Freizeit: 
Seit 6 Jahren führe ich eine glückliche Beziehung und wir haben zwei Katzen, Kinder wollen wir keine. Wir verbringen viel Zeit mit Quatschen über alles mögliche (Arbeit, Zeitgeschehen, etc), schauen uns Videos oder Dokus über unsere Lieblingsthemen an und diskutieren dann drüber, schauen uns Filme und Serien an, kochen oder grillen zusammen, etc. Aufgrund unserer schlechten finanziellen Situation unternehmen wir seit ca. 3 Jahren keine großen Ausflüge mehr, aber das vermisse ich ehrlich gesagt auch nicht sehr. Ich genieße einfach die Zeit zu zweit, egal was wir machen. Wenn wir die Zeit gemeinsam verbringen, denke ich nicht viel über mein Leben nach, aber sobald ich alleine bin (wenn er arbeitet), habe ich das Gefühl, mein Leben nicht richtig zu leben.
Ich gehe nicht gern unter Menschen, weshalb ich dann meistens zu Hause vor dem Laptop sitze. Meistens verbringe ich dann meine Zeit damit Möglichkeiten zu suchen, wie man online Geld verdienen kann, damit ich mir um Punkt 1 keine Sorgen mehr machen muss. Ich habe schon viele Monate mit Versuchen verschwendet wie zB in Kryptowährungen investieren, Schneeballsysteme mitzumachen, Sportwetten-Systeme auszuarbeiten, einen eigenen Blog zu schreiben, auf Instagram bekannt zu werden, Produkttester zu werden, etc., aber alles erfolglos. Nur mit Online-Umfragen verdiene ich ein paar Amazon-Gutscheine im Monat. Manchmal spiele ich auch Handyspiele und schaue ein paar Serien. Das mache ich zwar gerne, bekomme dann aber ein schlechtes Gewissen, weil ich meine Zeit damit verschwende, denn ich hab ja nichts davon.

Ein Beispiel aus dem täglichen Leben:
Gestern während mein Lebensgefährte gearbeitet hat, bin ich ausnahmsweise mit meiner Mama zum See gefahren. Normalerweise mache ich das nicht, weil ich sowieso nicht ins Wasser gehe (habe Angst vor Fischen, lächerlich aber wahr), aber ich wollte meine Mama treffen, weil wir 40 Minuten entfernt wohnen und ich sie nur ca. alle 2 Wochen sehe. Es war sehr schön und ich habe es genossen, aber ich hatte dauernd das Gefühl, ich sollte eigentlich zu Hause sein und mich um die Zukunft kümmern, mir einen Job suchen, Umfragen machen oder sowas.
Andersherum wenn ich zu Hause vor dem Laptop sitze und meine Sachen mache, habe ich das Gefühl, ich sollte unterwegs sein, ich verpasse da draußen was! Das echte Leben! Es ist so schönes Wetter draußen und ich sitze hier drin vor dem Laptop und verschwende meine Zeit mit Projekten, die keinen Erfolg haben werden, Gewinnspielen oder Umfragen, bei denen ich in 3 Stunden gerade mal 10€ verdiene. Ich habe sogar eine Wohnung mit Terrasse, gehe aber nur alle paar Stunden mal raus, schaue mir kurz den Garten an oder spiele ein bisschen mit meinen Katzen und gehe wieder nach drinnen, weil ich nichts mit mir anzufangen weiß oder mir langweilig ist - und setze mich wieder vor den Laptop.
Wenn ich ehrlich bin, wüsste ich auch gar nicht, was ich machen sollte. Freunde habe ich keine und möchte mir auch keine suchen, mir ist es einfach zu viel, dauernd mit jemandem zu schreiben, telefonieren oder mich treffen zu müssen, auch wenn ich es früher gern gemacht habe, aber nach unzähligen enttäuschenden Freundschaften habe ich die Nase voll davon. Und was soll ich denn nun groß alleine anfangen?! Ich wüsste es nicht! Und auch wenn ich mal Lust dazu habe, ein Shooting für Instagram zu machen, habe ich dann wieder Schuldgefühle, weil ich hätte in der Zeit ja auch wieder ein paar Euro mit Umfragen verdienen können. Selbst während ich hier schreibe, würde ich eigentlich lieber weiter an meinem Sportwetten-System feilen (auch wenn ich weiß, dass ich damit vermutlich kein Geld verdienen werde), aber ich kann mich einfach nicht mehr konzentrieren. 

Punkt 3 - Sexualität:
Hier bestehen zwei Probleme:

1. Ich habe so große Angst etwas falsch zu machen, dass ich meistens lieber gar nichts mache. In 90% der Fälle macht er die ganze Arbeit. Abschalten und mich darauf einzulassen ist für mich kein Problem, ich bin immer offen für Neues (haben auch schon viel ausprobiert), aber nur solange ich nicht selbst etwas machen muss. Als Beispiel: Wenn ich mal oben bin oder oral bei ihm mache, kann ich nicht abschalten, dauernd habe ich Gedanken wie "gefällt ihm das jetzt? muss ich was anderes machen? mache ich das richtig? was, wenn es ihm nicht gefällt? usw." Diese Gedanken lenken mich dermaßen ab, dass ich absolut keinen Spaß mehr an der Sache habe, das merkt er natürlich und ihm vergeht die Lust dann auch.
Wir haben schon oft über das Thema geredet, er versucht auch immer wieder, mir zu zeigen und zu sagen, was ihm gefällt, aber ich kann es einfach nicht umsetzen, weil mir immer wieder zu viele Gedanken im Kopf herum schwirren (auch schon bevor wir überhaupt "loslegen". Wenn wir gerade dabei sind und ich merke, es gefällt ihm nicht, schaltet mein Hirn total aus, ich weiß, ich sollte was anderes machen, aber ich weiß nicht was. Ich mache mir zu viele Gedanken darüber, zu welcher Stellung oder was auch immer ich jetzt übergehen soll, dann überlege ich zu lange und der Moment ist komplett ruiniert.
Ich weiß nicht, was ich in solchen Situationen tun soll und das belastet mich sehr.

2. Obwohl ich noch nie mit einer Frau Sex hatte weiß ich, dass ich bisexuell bin (das wusste ich auch bereits vor dem ersten sexuellen Kontakt mit einem Mann). Leider habe ich bis jetzt noch nie eine Frau kennengelernt, die ebenfalls eine dementsprechende Veranlagung hat, mit der ich mir es hätte vorstellen können.
Mein Partner weiß es, wir haben aber noch nie wirklich darüber gesprochen, ob es eine Option wäre, diese Seite von mir auch auszuleben. Ich habe nur hier und da mal erwähnt, dass ich gerne mal mit einer Frau ins Bett möchte, habe aber nie wirklich eine Antwort darauf bekommen, eher so "du bist ja noch jung, wird schon noch kommen". Da ich auch gar nicht wüsste mit wem, gebe ich mich damit zufrieden und denke mir, ich spreche es erst wieder an, wenn es konkret darum gehen würde, dass eine Frau wirklich Interesse daran hätte. 
Als wir vor 2 Jahren eine kurze Beziehungspause hatten, habe ich mir gedacht "schei* drauf, ich meld mich jetzt bei Tinder an und such mir eine Frau für eine Nacht". Ich habe sogar mit einem netten Mädel geschrieben - hübsch, gleich alt wie ich, sucht auch nur was für eine Nacht, hat schon Erfahrung - aber dann kamen wieder die altbekannten Gedanken "was ist, wenn ich ihr doch nicht gefalle? was muss ich überhaupt machen? was ist, wenn das was ich mache ihr nicht gefällt? was ist, wenn mein Hirn aussetzt und ich einfach da sitze und nichts mache? ich habe keine Ahnung, was sie sich erwartet!". Kurz bevor es zu einem Treffen kam, habe ich den Kontakt aus Angst abgebrochen. Ich wusste, es würde nur für eine Nacht sein, falls ich mich blamiere, ist es doch egal und trotzdem konnte ich mich nicht dazu überwinden, mich mit ihr zu treffen.
Ich denke oft darüber nach, wie es wäre und dass ich es mir wünschen würde, aber ich würde mich auch nicht trauen, einfach raus zu gehen und irgendwo eine anzusprechen. Ich kann es mir auch nicht vorstellen, alleine in eine dementsprechende Bar zu gehen und mir eine anzulachen, weil es mir sehr schwer fällt, mit Leuten überhaupt in Kontakt zu kommen oder ein Gespräch aufrecht zu erhalten. Aber das Thema beschäftigt mich einfach sehr oft.

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Nachdem ihr das jetzt alles gelesen habt, denkt ihr vermutlich, dass ich ein Fall für den Psychologen bin, aber das habe ich bereits drei Mal versucht (bei 3 verschiedenen Psycho-Docs), nur hat das leider nichts gebracht. Die erste hat mir nur Medikamente verschrieben, mit denen es mir so schlecht ging, dass ich tagelang nur geheult habe, 5 verschiedene Mittel haben wir ausprobiert, alles hat es schlimmer gemacht! Bei den anderen zwei hatte ich jeweils eine Sitzung, fühlte mich aber bei beiden so unwohl, dass ich keine weitere Sitzung mehr ausgemacht habe.

Habt ihr irgendwelche Tipps für mich? War jemand von euch schon mal in einer von den Situationen, die ich beschrieben habe und was habt ihr getan?

Ein riesengroßes Danke an jeden, der es sich angetan hat, den ganzen Text zu lesen!  Und schon mal im Vorhinein dankeschön für alle Antworten, die ihr mir schreibt! 

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29.06.21 um 21:39

Du bist der Gestalter deines Lebens. Wähle, was du in deinem Leben haben oder tun möchtest und dann zieh es auch mutig durch. Du bist sehr ruhelos, es hilft dir vielleicht einfach Mal nicht zu denken und dir keine Sorgen zu machen. Entwickel Vertrauen in das Leben. Dir fällt es schwer Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen, deswegen soviele Berufe und immer etwas finden, was nicht passt. Du hast Angst zu versagen, deswegen ziehst du dich zurück. Aber dadurch lässt du das Leben an dir vorbeiziehen. Du spürst, dass du etwas verändern solltest. Menschen sind nicht perfekt. Trau dich aus deinem Schneckenhaus und öffne dich anderen Menschen. Machst du Sport, hast du schon Mal Entspannungssportarten gemacht? Versuch nicht alles zu durchdenken, vertraue einfach auf das, was du tust.

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30.06.21 um 9:49

Ich kenn das Problem.

Ich hab mir einfach zum Beruf soviel Hobbies zugelegt das ich ausgelastet bin. 

Wenn die Herausforderung fehlt, 
Wenn du weißt das dir immer alles gelingt was du dir vornimmst.

Was eine echte Herausforderung für jemanden darstellt. 

Ich hätte studieren können mir war klar wenn ich mir das Wissen selbst aneignen ist es verwertbarer... 
Ich brauch keine Interpretationen von Dr. Dr. PROF. Ich hab zuviel Zeit mir Gedanken zu machen. 

Tatsächlich habe ich die Herausforderung in der Magie gefunden.. Sie verbindet all diese Dinge und verzeiht keine Fehler. 

Und brauch ein übergreifendes wissen/Verständnis von allem. 

Lass ihn ruhig arbeiten 

Fang an echte Magie zu wirken. 
Das Studium der Magie ist die letzte große Herausforderung, die Königsklasse

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Kannst du deine Antwort nicht finden?

30.06.21 um 16:37

Hallo,

es sind mir leider auch sofort einige Punkte aufgefallen, unter anderem deine diversen Ängste, Selbstzweifel und 
deinen Hand zum Grübeln, die mich dazu veranlassen dir zu raten, den Gang zum Psychologen noch einmal 
in Erwägung zu ziehen. Ich bin ein absoluter Gegner von Medikamenten aber manchmal sind sie angebracht. 
Leider braucht es oftmals Zeit, das richtiges Präparat und sehr viel Geduld des Betroffenen, denn eine spürbare
Erleichterung kommt manchmal erst nach etlichen Wochen zum Tragen. 

Es gibt Erkrankungen, wo eine gewisse Entscheidungsunfähigkeit bzw. Entscheidungsunwilligkeit teil der Symptomatik 
sind. Hier kann man leider nicht nur einen Punkt angehen, sondern das Gesamtpaket. 

Ein Engagement im Tierschutz ist sicherlich eine gute Sache. Ein gegebener Rahmen lässt sich möglicherweise positiv 
beeinflussen, es braucht Menschen mit Innovationen und neuen Ideen. Dazu gehört aber vielleicht die 
Erkenntnis, dass es immer und überall, bei jeder Firma bzw. Organisation, Partnerschaft, Punkte geben wird, 
die nicht mit deiner Weltanschauung überein stimmen oder passend sind. Sozialer Rückzug bietet dir keinen Raum
herauszufinden, was für dich das Richtige ist. 

LG Sis

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01.07.21 um 23:59
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Liebe Community, es ist ein längerer Text und ich bedanke mich schon mal im Vorhinein fürs Lesen! Eigentlich habe ich auch nicht wirklich eine Frage, ich muss mir einfach mal den Frust von der Seele schreiben und vielleicht hat ja der eine oder andere einen guten Rat für mich! 

Ich (w/28) weiß einfach nicht, was ich mit meinem Leben anfangen soll bzw. was ich von meinem Leben erwarte (grob ausgedrückt). 

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Punkt 1 - beruflich: 
Derzeit bin ich arbeitslos. Ich bin ausgebildet in 3 Berufen, möchte aber keinen davon ausüben. Nach langer Recherche zu Umschulungen und Weiterbildungen kam ich zu dem Schluss, dass mir kein Beruf wirklich gefällt.
Ich wollte mich immer schon selbstständig machen, mein eigener Chef sein, aber dazu fehlt mir leider die passende Idee und auch das Startkapital. Oft habe ich mir überlegt, im Tierschutz aktiv zu werden, allerdings vertritt kein Verein in meiner Umgebung auch nur annähernd das, was ich mir unter Tierschutz vorstelle und für ein eigenes Tierschutzprojekt fehlt wieder das Geld.
Ich möchte keinen "9to5-Job" mehr machen, ich habe dann einfach keine Freizeit mehr, was mich stört, obwohl ich in meiner Freizeit nicht mal großartig irgendwas mache. Außerdem bin ich kein sozialer Mensch, ich vermeide Kontakte wo es geht und mag es auch in der Firma nicht, ständig Kollegen oder Kunden um mich zu haben. 
Dauernd frage ich mich, wie es denn weitergehen soll, ich bin jetzt doch schon 28 Jahre alt, langsam sollte ich doch mal wissen, in welche Richtung es für mich beruflich gehen soll oder?!
Der Witz an der Sache ist, dass mein Lebensgefährte nach einem Jobwechsel vor zwei Monaten sehr gut verdient und ich mich eigentlich nicht darum kümmern müsste, Geld zu vierdienen. Er sagt sogar selbst, ich könne einfach zu Hause bleiben, den Haushalt schmeißen und die Zeit genießen, weil ich ja eh früher immer brav gearbeitet habe und in den ersten 3 Jahren unserer Beziehung für uns gesorgt habe (er hatte sich eine Auszeit vom Arbeiten genommen und war ein fleißiger Hausmann). Leider habe ich ständig Angst, dass er seinen Job verliert und wir dann ohne Geld dastehen...

Punkt 2 - privat/Freizeit: 
Seit 6 Jahren führe ich eine glückliche Beziehung und wir haben zwei Katzen, Kinder wollen wir keine. Wir verbringen viel Zeit mit Quatschen über alles mögliche (Arbeit, Zeitgeschehen, etc), schauen uns Videos oder Dokus über unsere Lieblingsthemen an und diskutieren dann drüber, schauen uns Filme und Serien an, kochen oder grillen zusammen, etc. Aufgrund unserer schlechten finanziellen Situation unternehmen wir seit ca. 3 Jahren keine großen Ausflüge mehr, aber das vermisse ich ehrlich gesagt auch nicht sehr. Ich genieße einfach die Zeit zu zweit, egal was wir machen. Wenn wir die Zeit gemeinsam verbringen, denke ich nicht viel über mein Leben nach, aber sobald ich alleine bin (wenn er arbeitet), habe ich das Gefühl, mein Leben nicht richtig zu leben.
Ich gehe nicht gern unter Menschen, weshalb ich dann meistens zu Hause vor dem Laptop sitze. Meistens verbringe ich dann meine Zeit damit Möglichkeiten zu suchen, wie man online Geld verdienen kann, damit ich mir um Punkt 1 keine Sorgen mehr machen muss. Ich habe schon viele Monate mit Versuchen verschwendet wie zB in Kryptowährungen investieren, Schneeballsysteme mitzumachen, Sportwetten-Systeme auszuarbeiten, einen eigenen Blog zu schreiben, auf Instagram bekannt zu werden, Produkttester zu werden, etc., aber alles erfolglos. Nur mit Online-Umfragen verdiene ich ein paar Amazon-Gutscheine im Monat. Manchmal spiele ich auch Handyspiele und schaue ein paar Serien. Das mache ich zwar gerne, bekomme dann aber ein schlechtes Gewissen, weil ich meine Zeit damit verschwende, denn ich hab ja nichts davon.

Ein Beispiel aus dem täglichen Leben:
Gestern während mein Lebensgefährte gearbeitet hat, bin ich ausnahmsweise mit meiner Mama zum See gefahren. Normalerweise mache ich das nicht, weil ich sowieso nicht ins Wasser gehe (habe Angst vor Fischen, lächerlich aber wahr), aber ich wollte meine Mama treffen, weil wir 40 Minuten entfernt wohnen und ich sie nur ca. alle 2 Wochen sehe. Es war sehr schön und ich habe es genossen, aber ich hatte dauernd das Gefühl, ich sollte eigentlich zu Hause sein und mich um die Zukunft kümmern, mir einen Job suchen, Umfragen machen oder sowas.
Andersherum wenn ich zu Hause vor dem Laptop sitze und meine Sachen mache, habe ich das Gefühl, ich sollte unterwegs sein, ich verpasse da draußen was! Das echte Leben! Es ist so schönes Wetter draußen und ich sitze hier drin vor dem Laptop und verschwende meine Zeit mit Projekten, die keinen Erfolg haben werden, Gewinnspielen oder Umfragen, bei denen ich in 3 Stunden gerade mal 10€ verdiene. Ich habe sogar eine Wohnung mit Terrasse, gehe aber nur alle paar Stunden mal raus, schaue mir kurz den Garten an oder spiele ein bisschen mit meinen Katzen und gehe wieder nach drinnen, weil ich nichts mit mir anzufangen weiß oder mir langweilig ist - und setze mich wieder vor den Laptop.
Wenn ich ehrlich bin, wüsste ich auch gar nicht, was ich machen sollte. Freunde habe ich keine und möchte mir auch keine suchen, mir ist es einfach zu viel, dauernd mit jemandem zu schreiben, telefonieren oder mich treffen zu müssen, auch wenn ich es früher gern gemacht habe, aber nach unzähligen enttäuschenden Freundschaften habe ich die Nase voll davon. Und was soll ich denn nun groß alleine anfangen?! Ich wüsste es nicht! Und auch wenn ich mal Lust dazu habe, ein Shooting für Instagram zu machen, habe ich dann wieder Schuldgefühle, weil ich hätte in der Zeit ja auch wieder ein paar Euro mit Umfragen verdienen können. Selbst während ich hier schreibe, würde ich eigentlich lieber weiter an meinem Sportwetten-System feilen (auch wenn ich weiß, dass ich damit vermutlich kein Geld verdienen werde), aber ich kann mich einfach nicht mehr konzentrieren. 

Punkt 3 - Sexualität:
Hier bestehen zwei Probleme:

1. Ich habe so große Angst etwas falsch zu machen, dass ich meistens lieber gar nichts mache. In 90% der Fälle macht er die ganze Arbeit. Abschalten und mich darauf einzulassen ist für mich kein Problem, ich bin immer offen für Neues (haben auch schon viel ausprobiert), aber nur solange ich nicht selbst etwas machen muss. Als Beispiel: Wenn ich mal oben bin oder oral bei ihm mache, kann ich nicht abschalten, dauernd habe ich Gedanken wie "gefällt ihm das jetzt? muss ich was anderes machen? mache ich das richtig? was, wenn es ihm nicht gefällt? usw." Diese Gedanken lenken mich dermaßen ab, dass ich absolut keinen Spaß mehr an der Sache habe, das merkt er natürlich und ihm vergeht die Lust dann auch.
Wir haben schon oft über das Thema geredet, er versucht auch immer wieder, mir zu zeigen und zu sagen, was ihm gefällt, aber ich kann es einfach nicht umsetzen, weil mir immer wieder zu viele Gedanken im Kopf herum schwirren (auch schon bevor wir überhaupt "loslegen". Wenn wir gerade dabei sind und ich merke, es gefällt ihm nicht, schaltet mein Hirn total aus, ich weiß, ich sollte was anderes machen, aber ich weiß nicht was. Ich mache mir zu viele Gedanken darüber, zu welcher Stellung oder was auch immer ich jetzt übergehen soll, dann überlege ich zu lange und der Moment ist komplett ruiniert.
Ich weiß nicht, was ich in solchen Situationen tun soll und das belastet mich sehr.

2. Obwohl ich noch nie mit einer Frau Sex hatte weiß ich, dass ich bisexuell bin (das wusste ich auch bereits vor dem ersten sexuellen Kontakt mit einem Mann). Leider habe ich bis jetzt noch nie eine Frau kennengelernt, die ebenfalls eine dementsprechende Veranlagung hat, mit der ich mir es hätte vorstellen können.
Mein Partner weiß es, wir haben aber noch nie wirklich darüber gesprochen, ob es eine Option wäre, diese Seite von mir auch auszuleben. Ich habe nur hier und da mal erwähnt, dass ich gerne mal mit einer Frau ins Bett möchte, habe aber nie wirklich eine Antwort darauf bekommen, eher so "du bist ja noch jung, wird schon noch kommen". Da ich auch gar nicht wüsste mit wem, gebe ich mich damit zufrieden und denke mir, ich spreche es erst wieder an, wenn es konkret darum gehen würde, dass eine Frau wirklich Interesse daran hätte. 
Als wir vor 2 Jahren eine kurze Beziehungspause hatten, habe ich mir gedacht "schei* drauf, ich meld mich jetzt bei Tinder an und such mir eine Frau für eine Nacht". Ich habe sogar mit einem netten Mädel geschrieben - hübsch, gleich alt wie ich, sucht auch nur was für eine Nacht, hat schon Erfahrung - aber dann kamen wieder die altbekannten Gedanken "was ist, wenn ich ihr doch nicht gefalle? was muss ich überhaupt machen? was ist, wenn das was ich mache ihr nicht gefällt? was ist, wenn mein Hirn aussetzt und ich einfach da sitze und nichts mache? ich habe keine Ahnung, was sie sich erwartet!". Kurz bevor es zu einem Treffen kam, habe ich den Kontakt aus Angst abgebrochen. Ich wusste, es würde nur für eine Nacht sein, falls ich mich blamiere, ist es doch egal und trotzdem konnte ich mich nicht dazu überwinden, mich mit ihr zu treffen.
Ich denke oft darüber nach, wie es wäre und dass ich es mir wünschen würde, aber ich würde mich auch nicht trauen, einfach raus zu gehen und irgendwo eine anzusprechen. Ich kann es mir auch nicht vorstellen, alleine in eine dementsprechende Bar zu gehen und mir eine anzulachen, weil es mir sehr schwer fällt, mit Leuten überhaupt in Kontakt zu kommen oder ein Gespräch aufrecht zu erhalten. Aber das Thema beschäftigt mich einfach sehr oft.

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Nachdem ihr das jetzt alles gelesen habt, denkt ihr vermutlich, dass ich ein Fall für den Psychologen bin, aber das habe ich bereits drei Mal versucht (bei 3 verschiedenen Psycho-Docs), nur hat das leider nichts gebracht. Die erste hat mir nur Medikamente verschrieben, mit denen es mir so schlecht ging, dass ich tagelang nur geheult habe, 5 verschiedene Mittel haben wir ausprobiert, alles hat es schlimmer gemacht! Bei den anderen zwei hatte ich jeweils eine Sitzung, fühlte mich aber bei beiden so unwohl, dass ich keine weitere Sitzung mehr ausgemacht habe.

Habt ihr irgendwelche Tipps für mich? War jemand von euch schon mal in einer von den Situationen, die ich beschrieben habe und was habt ihr getan?

Ein riesengroßes Danke an jeden, der es sich angetan hat, den ganzen Text zu lesen!  Und schon mal im Vorhinein dankeschön für alle Antworten, die ihr mir schreibt! 

Ich vermute, dass du eine soziale Störung hast oder psychisch krank bist. Du kapselst dich ab. Willst nicht wirklich arbeiten, keine Menschen um dich etc. So läuft das nicht. Du schadest dir total. Du solltest das wirklich mal abchecken. Mit online spielen, Sportwetten kann man sich nicht über Wasser halten. Arbeite an dir 

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