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Empathie und eine Frage...

18. Juni 2014 um 15:27

Hallo,

Ich bin Thalia, übermorgen vierzehn Jahre alt und habe eine Frage an euch:

Seit ich ganz klein bin, merke ich, dass ich alles ein bisschen anders wahrnehme als andere, vorallem in meinem Alter.
Ich bemerke viel mehr, kann kein Leid sehen, fiebere immer mit allen mit und tue mir nur allzu leicht im Verstellen.
Oft habe ich mich gefragt, weshalb alle Menschen so kalt, und ja, manchmal auch dumm sind, wenn sie nicht gesehen haben, dass es mir oder anderen schlecht geht. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass sie es einfach nicht können.

Und dann ist mir etwas entscheidendes aufgefallen: Ich weiß, was die Menschen fühlen.
Als ich klein war, habe ich das nur erkannt, wenn sie mit mir geredet haben, an der Stimme und dem Gesichtsausdruck. Später musste ich sie gar nicht kennen, lediglich die Körperhaltung hat Bücher geschrieben.
Diese Fährigkeit hat sich immer weiter ausgeprägt, bis ich heute die meisten Gedanken eines anderen Menschen durch das was er fühlt herausfinden kann, einem Text oder auch nur einer SMS Stimmung und Charakter entnehme und sogar manchmal die Tiere verstehe. Bei letzterem am besten Katzen, einfach weil ich zwei zuhause habe und mir ihre Art vertraut geworden ist.
Ich lese oft, was sie denken.

Aber eigentlich leite ich alles nur aus ihren Gefühlen her. Sie sind überall um mich und wenn ich mich konzentriere, dann kann ich sehr viel mit ihnen herausfinden.

Manche fragen sich jetzt sicher: Hä? Wie kann sie denn die Gefühle anderer kennen?
Und ehrlich gesagt weiß ich es auch nicht so genau.
Wenn ich eine Stimmer sprechen höre, dann kann ich jede Tonlage mit mir selbst vergleichen und erinnere mich dann an meine Emotionen in dem Moment.
Das ist jedenfalls meine Theorie, aber wie gesagt bin ich mir nicht ganz sicher.
Am leichtesten ist es natürlich, wenn jemand vor mir steht. Dann schwappten seine Stimmungen nur so zu mir hinüber.

Das ist manchmal ganz schön lustig. Ich habe einen Lehrer, dem es vermutlich so ähnlich geht, denn manchmal sehe ich ihn nur an und er meint: Thalia! Denk nicht so laut!
Dann muss ich immer lachen und er redet stumm weiter, indem sein Blick einfach an mir hängt und ich weiß, was er sagen will.
Aber oft ist es auch sehr schwierig. Wenn andere Prüfungen haben, beginne ich oft fast zu weinen, weil sich ihre Aufregung auf mich überträgt. Ich halte das gar nicht aus.
Wenn ein Mensch in meiner Umgebung traurig oder deprimiert ist, fühle ich denselben Schmerz.
Deshalb ist es für mich auch schrecklich, wenn Erwachsenen oder Ansprechpersonen hilflos sind. Wenn Eltern selbst Angst haben oder nicht weiter wissen. Ich merke das und es löst Panik in mir aus.

Und was mich auch sehr stört: Ich kann mir nicht aussuchen, mit wem ich fühle. Es sind einfach alle, ob ich sie mag oder nicht, ob 'gut' oder 'böse'. So kann es dann sein, dass mir die schrecklichsten Menschen leid tun, einfach weil sie auch Lebewesen sind.


Jetzt wollte ich fragen, was das ist. Wieso spüre ich das? Eindildung ist es sicher nicht, dazu hatte ich schon viel zu oft Recht mit dem, was ich herausgefunden habe. Das meinen auch andere.
Aber kann man das als wirkliche 'Fährigkeit' bezeichnen oder einfach als ausgeprägtes Mitgefühl?
Und überhaupt: kann ich es irgendwie trainieren? Ich bin schon weit gekommen, aber hier, wo ich mich gerade befinde, weiß ich nicht weiter.
Ich würde gerne lernen, diese Analyse der anderen an und aus schalten zu können. Oft vermischen sich meine Gefühle mit denen der anderen und ich brauche eine lange Zeit um diese Knoten dann wieder zu entwirren.

Es tut mir wirklich Leid, wenn der Text zu lange geworden ist und ich glaube, dass ich ihn in die falsche Kathekorie gestellt habe, doch ich würde mich wirklich über jede Antwort sehr freuen!

Liebe Grüße,
Thalia

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10. Juli 2014 um 11:51

Hallo!
Ja, man kann es trainieren, in dem man seine Wahrnehmung immer weiter schärft. Die Gefühlsvermischung ist schwierig, man schafft das nur durch emotionale Abgrenzung, auch das ist mit Übung dann gut möglich.

Und warum das bei Dir so ist? Keine Ahnun. Ich seh es mitlerweile als großes Geschenk, wenn ich mich auf etwas zu 100 % verlassen kann, dann auf mein Bauchgefühl! Ich habe das in der Vergangenheit ein paar mal ignoriert und hab die Dinge "logisch" berachtet - war blöd. Hätte besser aufs Gefühl gehört.

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15. August 2014 um 12:49

Bauchgefühl
hallo Thalia,

ich möchte mich dem ersten Kommentar anschließen, es ist das Bauchgefühl, bzw. das Bauchgehirn, was besser versteht, als der logische Verstand im Hirn. (Man hat herausgefunden, dass im Bauch, die gleichen Nervenzellen zu finden sind, wie im Gehirn) Bei mir ist das auch sehr gut ausgeprägt und manchmal höre ich die Leute mit ihrer Körperhaltung schreien, obwohl sie eigentlich nichts sagen, oder etwas ganz anderes. Ich empfand das jahrelang, als ich jünger war auch als große Belastung. Ich hätte gerne und besser ohne dieses Wissen gelebt und habe mit mir gehadert. Aber wie in dem anderen Kommentar beschrieben, man muss sich abgrenzen, unterscheiden, welche Menschen sind wichtig, welche nicht. Ich habe immer den Fehler gemacht, auf alle Menschen zu reagieren, aber das muss man nicht. Behalte dein Wissen bei manchen Menschen einfach für dich, sei froh, dass du mehr weißt, als die denken, was du weißt. Es ist ein Schatz und wenn es drauf ankommt, hast du etwas in der Hinterhand. Ansonsten lass die Menschen in Ruhe. Die mögen das sowieso nicht, wenn man Sie mit ihrem Unterbewusstsein konfrontiert und reagieren böse. Man kann auch manipulativ wirken, in dem man sein Wissen nutzt und weiß, wie die Leute reagieren. Möglicherweise hilft dir das mal später im Leben um Karriere zu machen...das musst du aber für dich selbst entscheiden. Es ist auf jeden Fall eine wertvolle Fähigkeit. Also zweifle nicht, sondern sei stolz drauf, aber binde es nicht jedem auf die Nase!
LG Steffi

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