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Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Eltern "machen" Probleme

Letzte Nachricht: 5. Oktober 2013 um 14:30
A
an0N_1264140699z
03.10.13 um 12:33

Hallo Leute,

Ich habe ein kleines Problem mit meinen Eltern, ich habe seit längerem das Gefühl gar nicht mehr mit ihnen reden zu können, ohne dass sie sich zu viele, teils abwegige Gedanken machen.
Sie wollen dass ich ein gutes Studium mache und in meinem Leben glücklich bin.So weit so gut Früher habe ich ihnen alles anvertraut was mich irgendwie beschäftigt hat, aber mit der Zeit hat sich diese Einstellung zu "Alles was du sagst kann gegen dich verwendet werden" geändert. Ich sage ihnen gar nicht mehr, wenn ich mit jemandem gestritten habe, egal ob es mein Freund oder eine Freundin von mir ist. Auf Fragen vonwegen "wie geht es dem und dem" antworte ich meistens mit "gut". Ich hasse es mit meinen Eltern über persönliche, emotionale Angelegenheiten zu reden. Sie steigern sich dabei nämlich immer masslos rein und machen aus einer Mücke einen Elefanten. Es geht dabei nicht nur um mich, einige meiner Freundinnen kennen sie seit dem kindergarten. "Ach, hat die sowieso schon wieder einen neuen Freund? die ist ja auch ein bischen Notg***, verhütet sie wenigstens?" und "Meinst du nicht dass die sowieso ein Alkoholproblem hat? die sollte auf sich aufpassen" "Tralala wird ja immer dicker, sie ist bestimmt unzufrieden mit ihrem Leben" oder "Warum muss der und der immer so angeben, das ist ein Zeichen von Komplexen" und solche Kommentare generell über andere Personen regen mich auf. Auch wenn sie es nicht böse meinen, finde ich dass es ihnen nicht zusteht so zu urteilen. Aber wenn ich sage "Papa, das stimmt nicht. Sie hat nur ein Bier getrunken, steiger dich doch nicht immer so rein" werden sie gleich eingeschnappt. Ich bin ja sowieso schon Handysüchtig, ein hoffnungsloser Fall von Verklemmtheit, Snobismus, Intoleranz, Naivität, bin konservativ bis zum Anschlag und lebe im Disneyland auf und einer Gefühlsachterbahn die ich erfolglos verbergen will. Also, ich finde mich einigermaßen normal... Meine Eltern sind in einer "zeit der Verklemmtheit" aufgewachsen und wollen deswegen offen mit mir sein. Aber was, wenn ich diese Offenheit aufgewungen bekomme, die ich eigentlich nicht möchte? wenn es nicht heist "Du kannst über alles reden" sondern "Sprich,du musst!", wenn meine Mutter in mein Zimmer reinplatzt wo ich gerade nur in Unterhose vorm Kleiderschrank steht und statt rauszugehen mir gechillt von ihren Wochenendplänen erzählt. "Was ist denn an dir, was ich noch nie gesehen habe?" Gute Frage... aber gerade vor meiner Mutter ist es mir peinlich nackt gesehen zu werden, ich will sie auch nicht nackt sehen. Im Sportstudio mit fremden Frauen ist mir das egal, aber diese Mutter-Tochter nackt Geschichte finde ich irgendwie eklig. Ich liebe meine Eltern, ich will ruhig bleiben, nicht ausrasten wie ein gefühlsüberladener Pubertätsheini, aber manchmal pieksen sie soweit rum, dass ich aus der Haut fahre und genauso rumschreie, wie ich es gar nicht möchte und dann fühlen sie sich bestätigt:Ein in den Raum geschmissenes "Bist du unzufrieden?" und "Denk mal drüber nach" diese Sätze lösen bei mir eine Riesenwut aus und aus nichts wird ein furchtbares Drama. By the way, ich bin 20 nicht 14, auch wenn es sich vielleicht so anhört..

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J
jera_12294467
05.10.13 um 14:30

Wie bin ich hier eigentlich hingekommen ?
Beim rumklicken bin ich auf deinen Post hier gestoßen, sonst schreib ich eher im Forum für Mütter von kleinen Kindern. Vermutlich wollte ich einfach mal wissen was ältere Kinder bzw Jugendliche so beschäftigt. Als ich deinen Text gelesen hab hab ich mich stark an meine eigene Jugend erinnert gefühlt. Mit meinen Eltern war es nämlich ganz ähnlich. Kann ich dir gern von erzählen.

Meine Eltern haben sich auch immer einmischen wollen, wollten immer alles erfahren was mit meinen Freunden zu tun hatte: "Raucht xy? Das hätt ich aber nicht gedacht, sie ist doch sonst so ein braves Mädchen" / "Der xy ist bisexuell? Ach was der will doch nur Aufmerksamkeit, der würd dir alles erzählen" / "Wie du gehst zu xy? Ihr hattet doch Streit, ...." etc.. Aus winzigen Informationshäppchen haben sie sich immer ihre eigene Story gesponnen und ungefragt verurteilt. Auch gerade meine Mutter hat meine angebliche Verklemmtheit immer zum Anlass für Spott genommen, weil ich vor ihr nicht nackt sein wollte. Vor meinem Mann und vor Fremden oder Freunden bin ich gar nicht verklemmt. Ich bin im Gegenteil sogar sehr offen.

Naja. Ich denke inzwischen, sie hatten Angst dass ich Ihnen durch die Finger gleite. Sie hatten ab der Pubertät weniger Einblick in mein Leben und wollten aus Sorge ihren Einfluss aufrecht erhalten. Daher wollten sie eine Freundschaft quasi forcieren und mir ihre Ratschläge aufzwingen. Sie haben nicht gemerkt wie ich groß geworden bin, haben nicht gemerkt das sie mich jetzt als Erwachsene respektieren müssen. Ich habe mich dagegen gewehrt und es hat unsere Beziehung distanzierter werden lassen, manchmal fast kühl. Sie verstehen bis heute nicht warum ich so dringend eigenständig/erwachsen sein wollte und werfen es mir vor. Das ist traurig aber im Prinzip ist es ihr Problem. Ich habe mich ganz natürlicherweise verändert, sie konnten es nicht. Was ich gewonnen habe, ist Emanzipation aus meiner Kinderrolle, ein Selbstbewusstsein, nicht von der Meinung meiner Eltern abhängig zu sein.

Du bist 20, du bist eine erwachsene Frau. Wehr dich ruhig bestimmt (und möglichst sachlich und freundlich) und mit Nachdruck gegen Bevormundungen und Beleidigungen (als "verklemmt"). Mach ihnen klar dass sie sich auch als Eltern an bestimmte Anstandsregeln halten müssen. Dazu gehört auch dass man sein negatives Urteil über Freunde zurückhält und dass man Privatsphäre beim Umziehen respektiert.

Alles Gute dabei!

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