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Einsamkeit/Verlust

26. Juli 2005 um 19:49 Letzte Antwort: 26. Juli 2005 um 22:34

Ich bin 25 Jahre alt und nach aussen hin scheint mein Leben in Ordnung. Wie es tief in mir aussieht, weiß aber kaum jemand.
Ich habe in meiner Kindheit viel verloren. Als ich neun war, hat sich mein Vater von unserer Familie getrennt. Als ich elf war erkrankte meiner Mutter unheilbar an Krebs. Mit zwölf mußten mein älterer Bruder und ich den schmerzvollen Tod unserer Mutter verkraften. Trauer war tabu. Es hieß "es wäre das beste für sie", sie wäre von ihren qualvollen Leiden erlöst worden. Wie wir mit der für uns Kinder tragischen Situation klarkamen, interessierte niemanden bzw. niemand konnte uns in unserer Trauer verstehen bzw. ließ diese Trauer zu. Wir mußten nach vorn in die Zukunft sehen, alles andere nützt keinem!!!

Jetzt mit 25 habe ich den schmerzlichen Verlust noch nicht verarbeitet. Ich hatte eine sehr innige Beziehung zu meiner Mutter. Ich fühle mich oft sehr einsam und verlassen.
Auch mit meiner Trauer!!! Denn mein Bruder und mein engerer Familienkreis sehen meine Trauer als Ballast, den ich mit mir rumtrage, der mich aber in meinem weiteren Lebensweg nicht voranbringt. Ich soll nicht in der Vergangenheit leben! Denn über Dinge, die ich sowieso nicht mehr ändern kann, sollte ich mich auch nicht mehr belasten und mir den Verlust meiner Mutti (inkl. Familie) mir nicht jeden Tag vor Augen führen.

Das tue ich auch nicht. Ich mußte immer stark sein und habe auch alles was ich in meinem bisherigen Leben erreicht habe, allein über die Bühne bringen müssen. Sicherlich ist dies ein Grund zufrieden und dankbar zu sein.

Aber wieviel Liebe und Wärme habe ich entbehren müssen...Davon spricht niemand!

Aber im alltäglichen Leben kommt es nunmal oft zu Situationen, die es mit sich bringen, daß ich an sie denke...

Ist das verkehrt? Meine Trauer wird mir als Fehler/Schwäche angelastet. Von meiner Familie erhalte ich kein Verständnis.

Bin seit einem halben Jahr in psychologischer Behandlung. Die Gespräche mit einer Therapeutin sind für mich ein Anfang, zumindest um die Vergangenheit zu verarbeiten, vergessen werde ich sie nie...

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26. Juli 2005 um 22:34

"Ich mußte immer stark sein"
Leni, hast Du das Gefühl, Du mußt immernoch stark sein? Wenn ja, warum?
Es hört sich an, als hättest Du viel verdängt (verdrängen müssen).
Ich erahne, was Du meinst, ich bin auch immer dazu erzogen worden "reiß Dich zusammen", Du bist doch so vernünftig bla bla bla... das kleine Kind in mir weint immernoch.

Laß es raus, meinst Du, das ist möglich? Tränen, die nie geweint wurden?

Ich gratuliere Dir zu dem Schritt mit der Therapie, ist sicher erst hart, aber es wird die Krusten lösen ...

Du mußt lernen, auf Dich zu hören und um Hilfe zu bitten. Wenn Du bei Deiner Familie kein Verständnis findest, dann suche Dir Freunde...
Natürlich kann "Jammern" nicht das Leben sein, aber ab und zu ist das in Ordnung.

Ich drück Dich.

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