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Ein paar aufmunternde Worte

22. Dezember 2017 um 22:05

für diejenigen, die durch das Forum geistern und diese zurzeit gebrauchen können

Ich habe hier auch schon die ein oder andere Sache gefragt oder berichtet. Jede kurze Anteilnahme hat mir in schwierigen Zeiten ein wenig Kraft gegeben und mir vor Augen geführt, dass man mit keiner Sorge völlig alleine ist. Ich habe das Gefühl, hier werden Ängste, Ärger und Überlegungen geteilt, wie man sie in früheren Zeiten oft nur in Tagebücher schrieb.

All das zeigt mir, wie Menschen wirklich sind, was viele beschäftigt und vor allem, was selbst in vielen Freundschaften verschwiegen wird - weil wir alle irgendwo verletzlich sind und denken, bestimmte unserer Fazetten niemandem zumuten zu können. Unzumutbar in einer Zeit, in der Lösungen für scheinbar alles greifbar sind. Diese vorher nie da gewesenen Möglichkeiten sind einerseits ermutigend, andererseits suggerieren sie die Pflicht, immer mehr Bereiche des Lebens kontrollieren zu MÜSSEN. Wenn aus Möglichkeiten (selbst-)auferlegte Pflichten werden, wächst der Druck, nicht die Kontrolle darüber zu verlieren. Während dieser Anstrengungen erscheinen uns andere mühelos auf der Welle zu schwimmen und man fragt sich, ob etwas mit einem nicht stimmt, und dann googlet man vielleicht und findet mögliche Antworten: Depression, ADHS, Histaminintoleranz... So viele Probleme und noch mehr Lösungen und Pflichten, wenn man wieder mithalten will...

Ist es nicht der WAHNSINN, auf wie viele Weisen Menschen heute schon pathologisiert werden, in Typen eingeteilt, oder angeblich "anders" sind? Es wird viel darüber geschrieben, die Grenzen der dafür erklärten Normalität verschieben sich ständig. Die Unsicherheit darüber, wer man ist und was man wie tun soll, kommt mir heute weit verbreitet vor. Diese Fragen mögen banal klingen, aber wenn sie einen auf Schritt und Tritt begleiten, kann das zu einer Belastung werden.

Ich möchte jede(n) Leser(in), der in ihrem/seinem Leben gerade an sich zweifelt, sich überfordert oder nicht normal fühlt, daran erinnern, dass es keinen Grund gibt, sich für seine Verletzlichkeit, seine unausgesprochenen Gedanken, Zweifel, Gefühle, Bedürfnisse - sein Menschsein - zu schämen. Es dringt nicht alles davon an die Oberfläche, sodass man leicht glauben könnte, die anderen hätten diese Sorgen nicht. Es tut gut, daran zu denken, und es hilft dabei, authentisch zu sein. Vielleicht schwindet auf diesem Wege ein Stück Misstrauen, Neid und Isolation, wenn sich mehr Menschen dessen bewusst werden.

Was hat man zu verlieren außer Menschen, die uns ablehnen für das, was wir sind? 

Herzliche Grüße
karmarell 

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