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Die Welt ist schlecht.

14. Dezember 2012 um 22:58

Liebe GofeministInnen,

es ist so: Ich habe eigentlich keine tiefergreifenden psychischen Probleme (bisher), höchstens PMS, aber wenn dann richtig.

ABER, manchmal, da habe ich dieses Gefühl, das mich wahnsinnig macht. Es fühlt sich eklig an und ich bekomme sofort Durchfall, wenn ich es eine Sekunde zu unbeaufsichtigt und in meinen Kopf kommen lasse.

Ich bekomme es, wenn mein Freund zur Arbeit geht und ich sehe dass er meine SMS nach 2 Std. noch nicht gelesen hat. Ich denke dann, ihm ist etwas ganz schlimmes passiert und dann würde ich nie wieder froh.

Ich bekomme es auch, wenn ich mal eine Woche nicht mit meiner Oma telefoniert habe, Ich liebe sie so sehr und sie muss jedes viertel Jahr ins Krankenhaus. Wenn ich daran denke, dass sie irgendwann mal nicht mehr sein wird, was bei einer Senioren ja nun so abwegig nicht ist, bekomm ich de angst, dass ich nie wieder froh werde. ihre anwesenheit nicht genügend ausgekostet.

Ich bekomme es, wenn ich darüber nachdenke, dass mein Dad jede Woche mehrere tausend KM mit dem Auto fährt. Ich hab Angst er wird durch die Routine zu nachässig oder passt mal nicht auf wenn er wie sooft mit mir oder Mama bei WhatsApp schreibt. Ich würde dann wie wieder froh sein können.

Ich bekomme es wenn Freunde von mir verlangen mit der Mitfahrgelegenheit zu fahren. Ich finde das total idiotisch das eigene Leben in die Hände völlig fremder Menschen zu legen. 200 Sachen auf der Autobahn? Einmal kurz abgelenkt und schwupps ist man tot.

Ich bekomme es, wenn in den Nachrichten wie heute von einer Schießerei in einer US-amerikanischen grundschule berichtet wird. Mir wird schlecht, wenn ich dabei an meine ungeborenen Kinder denke und sage: Ohgott. Am besten ich kette sie später zu hause an und sie bekommen bei mir privatunterricht.


.....Anfang diesen Jahres hat sich meine Ex-Freund umgebracht. Ich hatte auch da oft dieses Gefühl...in einer schlechten version von final destination zu leben...

wie kann man in einer Welt in der nur ein ziegelstein vom dach im falschen moment fallen muss um mehrere Leben zu zerstören, glücklich sein?

Ich hasse es.
Es geht mir nciht immer so, ich führe ein normales leben. aber ich hab das gefühl dass es nicht weniger wird. je mehr ich über mich und die welt lerne und meine liebsten zu schätzen lerne, desto mehr frisst mich dieses gefühl auf.

Ich geh dann oft den worst case durch und sehe mich dann irgendwo in sibirien insekten sammeln weil ich durchgedreht bin.

Ich würde es gern abstellen, denn Sorgen machen einem nur das Leben schwer. Ich weiß selbst dass man sich und den anderen viel mehr schadet als dass es nützt. Mein Freund nennt mich Kloppi wenn ich dann seinen Kollegen anschreibe um herauszufinden ob er angekommen ist auf arbeit. ich komme mir dann vor wie ein ätzender kontrollfreak. und ich kann meine oma nicht jünger machen. und ich kann meinen dad nicht dazu zwingen den job zu wechseln.
aber wie kann ich damit leben?

geht es echt nur mir so?

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18. Dezember 2012 um 14:09

Nein...
du bist nicht allein..
Mir geht es ganz genauso..

Ich denke auch ständig über solche Dinge nach.
Mein Papa fährt auch immer weit zur Arbeit, in Früh- und Spätschicht und ich habe immer Angst das ihm etwas passiert, bei den ganzen Idioten die täglich unterwegs sind.. Meine Oma und mein Opa sind mir auch sehr wichtig und ich bekomme schon Panik wenn das Telefon zu ungewöhnlichen Zeiten klingelt, es könnte was passiert sein..Nachrichten über schlimme Unfälle oder andere schlimme Dinge ergreifen mich auch immer mehr, als sie es vielleicht sollten...

Bei mir kommt auch noch erschwerend hinzu, dass ich unter einer Angst- und Panikstörung leide und unter Depressionen, dass macht die ganze Sache nicht gerade leichter...

Was man dagegen machen kann, kann ich dir leider nicht sagen, ich für mich selbst habe entschieden, eine Therapie zu machen, warte aber derzeit noch auf einen freien Platz..

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23. Dezember 2012 um 15:35

...
Die Vergänglichkeit ist ein Grundmerkmal von Leben sowie auch von Tod. Der normal neurotische Mensch verdrängt einfach diese Tatsachen. Er/sie möchte dann einfach daran glauben dass das Universum für ihn persönlich eine Ausnahme machen wird.

Wird es nicht, weil Leben ohne Tod nicht möglich ist. Wer also das Leben will, bekommt den Tod kostenlos mitgeliefert. Da kann Mensch jammern und zetern wie er will.

Das "Ich" ist also eine Instanz welche ohne Ignoranz seiner eigenen Vergänglichkeit gegenüber gar nicht existieren könnte. Pläne machen, Ziele verfolgen, Besitz anhäufen, sich selber irgendwie zu verbessern. All diese Projekte sind Schall und Rauch im Licht der Vergänglichkeit.

Daher: Alles was ich glaube zu besitzen, werde ich verlieren. Zwangsläufig. Kontrollversuche werden daran auch nichts ändern. Das sind nur verzweifelte Versuche den Tod durch dicke Mauern irgendwie draussenzuhalten. Wobei ich dann auch noch gegen ein Grundmerkmal der Existenz kämpfe: Denn wäre es wirklich möglich den Tod/Verlust draussen zu halten dann wäre das das Ende der Welt. Damit hat Mensch auch das Leben getötet. Das kann Mensch sich doch mal bewußt machen. Das sollte auch akzeptiert werden, eben weil ein Kampf dagegen nicht zum Sieg führen wird sondern in die Verzweiflung. Akzeptanz dessen was ist und nicht trotziges "wuhäää, ich will es aber anders haben".

Denn: Der Tod ist schon längt genau dort wo das Leben sich befindet. Genauso wenn eine Frau ein Kind bekommt und es beschützen will ... Nur: Die Frau kann sich ja selber nicht vor dem Tod/Verlust beschützen. Wie sollte es denn da bei dem Kind möglich sein ? Der Tod läßt sich also nur verhindern, wenn niemand geboren wird.

Nun frage ich mich: Wie komme ich dazu einem empfindungfähigen Wesen ein Leben aufzudrängen mit dem ich selber nicht wirklich zurechtkomme ? Tue ich denn diesem Wesen keinen Schmerz/Leid an ? Ich weiss sowieso nicht mehr was für diesen Leben/Tod Zyklus spricht. (Bei solche einem Problem hilft eben nur Ignoranz und Verleugnung ... bis dir dann der Tod ungefragt was auch immer wegnimmt, ohne dass er vorher um Erlaubnis gefragt hat. Und zu guter Letzt nimmt der Tod dir auch noch das heiligste was du besitzt: Dein Ich, dein "Sein", dein Leben, deine Gefühle für die Welt und deinem Ich und dein Bewußtsein. Dann bist du dort wo du vor der Geburt warst.)

Was ist das Leben denn nun ? Ein Spiel von vergänglichen Elementen. Wo soll der bewußte Mensch denn seine Heimat finden ? Wer auf diese Welt baut, der hat jedenfalls auf Sand gebaut. Eine andere bessere, also nicht vergängliche Welt ist auch nur Traum/Illusion.

...




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