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Die Angst, das letzte was einem geblieben ist zu verlieren.

10. Dezember 2013 um 20:26

Ich muss mich unbedingt mal ausschreiben und hoffe, dass mir hier jemand helfen kann.
Ich bin erst 14 Jahre alt, sehe meinem Alter entsprechend aus und habe durchschnittliche Noten. Der Welt erscheine ich normal, etwas emotionslos, aber normal. Aber hier mal, was mich zur Zeit plagt (Achtung! Kann etwas lang sein!):
Ich fange mal mit der Familie an. Meine Familie hat es mir nie sehr leicht gemacht. Es fing schon in sehr jungen Jahren an. Ich wurde früher immer geschlagen, sowohl von meinen Eltern, als auch von meiner großen Schwester. Ich durfte keinen Fehler machen. Mit Geschlagen meine ich nicht ein paar watschen, ich meine richtige Schläge. Ich durfte nichts falsch machen, nicht zu laut lachen, keine bösen Wörter in den Mund nehmen, immer ordentlich aussehen, einfach perfekt sein. Aber ich war es wohl nicht. Mein Vater war zu der Zeit noch etwas aggressiver, er hat immer zugeschlagen, wenn ich ihn irgendwie wütend gemacht hab, sei es eine Note unter 2 oder eine kleine Bemerkung im Hausaufgabenheft der Grundschullehrerin, dass ich im Unterricht geredet hab. Wenn er jedoch gut gelaunt war, hat er mir oft Süßigkeiten gegeben, war nett zu mir. Meine Mutter war ähnlich, nur weniger positiv. Sie entschuldigt sich nie und hat meinen zwei Jahre jüngeren, kleinen Bruder immer sehr bevorzugt, weil er ja durch sein Übergewicht "benachteiligt" war, dabei war er selber Schuld. Er hat nichts an sich, was ihn 'dick' macht, er isst einfach nur zu viel und bewegt sich kaum. Ich hab ihn sehr gern, obwohl er in letzter Zeit etwas zickig ist. Mein Vater konnte aus irgendeinem Grund meine große Schwester, welche schon im Alter von zehn Jahren geraucht und viel angestellt hat, und meinen kleinen Bruder nie leiden. Jedenfalls wurde er ihnen gegenüber schneller sauer, als mir und meinem jüngsten, fünf Jahre jüngeren Bruder gegenüber. Meine Brüder mag ich sehr, sie sind mir wichtig, wenn auch nervig. Meine große Schwester dagegen hat mich gehasst. Es war kein 'Geschwister-Hass', es war wirklicher Hass. Einmal, als wir alleine zuhause waren, hat sie, als ich gerade mal 5 Jahre alt war, die Tür fest gegen mich geschlagen, als ich hinter ihr stand, mich am Kopf gepackt und diesen oft gegen die Wand geschlagen. Dabei hat sie mich noch gekickt, gewatscht und anders verletzt, beleidigt und mir gesagt, dass ich ihr Leben kaputt machte. Was soll ich machen, ich war doch nur eine kleine, nervige Schwester, die gerne ferngesehen und ihren Gameboy vergöttert hat. Jedenfalls kam meine Mutter irgendwann nachhause und hat sie zusammengeschlagen und uns beide angeschrien. Ich hasste es, mit anhören/-sehen zu müssen, wie meine Geschwister geschlagen wurden. Es machte mich immer furchtbar traurig. Später wurde ich immer weniger geschlagen, meine Schwester war neun Jahre älter als ich, dementsprechend wurden meine Eltern alt. Mein Vater ist 53 Jahre alt! Vor ca. einem Jahr hat meine Schwester versucht, mich zu erwürgen. Als meine Mutter abgelenkt und mein Vater mit meinen Brüdern draußen war, hat sie mich auf den Boden geschleudert, mir heftig auf den Kopf geschlagen und es dann getan. Das Gesicht hat sie mir auch zerkratzt. Hätte meine Mutter nicht eingegriffen, wäre ich wohl gestorben. Man sah die Spuren ihrer Tat noch Tage später an meinem Hals, zum Glück waren zu der Zeit Ferien. Zu ungefähr derselben Zeit starb meine Oma und meine Mutter erkrankte an Brustkrebs. Sie liebte es schon immer, im Rampenlicht zu stehen und ließ sich diese Chance nicht entgehen. So ziemlich jeder, der sie kannte, erfuhr davon. Sie bettelte quasi um Mitleid. Immer wieder kam sie zu mir und schrie mich an, wieso ich meiner "ach so kranken" Mutter nicht helfe, sie nicht pflege und ihr seelisch beistehe, weil ihre Mutter ja gestorben sei. Der Krebs war heilbar, sie ist vor kurzem mit der Chemo-Therapie fertig geworden. Trotzdem machte sie mich, besonders in letzter Zeit, immer mehr fertig. Sie schrie bei jeder Möglichkeit rum, beleidigte mich, meinte 'ich sollte mich doch endlich umbringen gehen', 'sollte doch endlich weggehen', ich sei eine 'Schlampe', eine 'Hündin', undankbar und habe es gar nicht verdient zu leben. Ich sei ein 'schlechter Mensch'. Als ich mich einmal, als sie mich im September mal wieder Schlug, aus Reflex wehrte, drehte sie durch. Man sollte seine Mutter nicht schlagen, besonders nicht, wenn sie alt und krank sei. Sie meldete mich bei einem Psychiater an, jetzt muss ich auch bald zur Psychotherapie. Meine Eltern haben mich nie sonderlich beachtet. Meine Talente, wie das Zeichnen und das Klavierspielen, welches ihr mir selbst beigebracht habe, interessierten sie nie. Ich konnte so talentiert sein wie ich wollte, ich musste nur gute Noten schreiben, aber ich tat es kaum. Ich bekam zu wenig Aufmerksamkeit von ihnen. So wenig, dass ich irgendwann der Ansicht war, dass ich sowieso keine Aufmerksamkeit brauchte. Sie kamen nur zu mir, wenn es was zu meckern gab. Ich wurde nie gelobt. Ich habe noch nie ein 'Gut gemacht' von ihnen gehört. Sie konnten nicht verstehen, wieso ich den ganzen Tag vor dem Laptop, vor Büchern, in meinem Zimmer verbrachte. Was sollte ich den sonst tun?

'Freunde' & Schule:
Schon im Kindergarten war ich immer eine der 'Schlausten'. Ich konnte mit 3 bis in den 1000er-Bereich rechnen und buchstabieren. In der Schule hab ich dann das Schreiben & Lesen gelernt. In der Grundschule war ich schon immer ein kleines Genie. Als ich dann aufs Gymnasium kam, wurde es immer schlimmer. Ich fing an, schlechte Noten zu schreiben. Ich bekam Verweise (insgesamt hab ich um die 14) und musste die sechste Klasse wiederholen. Ich war ziemlich asozial. Ich mobbte die ersten zwei Jahre einen Mitschüler, weil ich ihn einfach nicht mochte. Viele machten mit, weil mich der Großteil der Klasse mochte. Auch nach dem Wiederholen einer Klasse, war ich immer in irgendeinem Fach schlecht. Latein, Physik & Geschichte sind die schlimmsten Fächer. In Deutsch, Englisch, Kunst und Biologie glänze ich aber. Das liegt daran, dass ich sehr gerne zeichne. Gezeichnet hab ich schon, bevor ich überhaupt richtig reden konnte. Genäht hab ich auch schon mit drei. Biologie liebte ich, da ich schon früh angefangen habe, mir Dokumentationen über alles mögliche anzuschauen. Ich lese viel und gerne, liebe es zu schreiben und bin deswegen in Deutsch solange gut, bis es um Grammatik geht. Englisch mag ich, weil ich einfach viel englisches lese/schaue/höre. Sei es ein Anime mit englischen Untertiteln, ein englisches Buch, eine Kurzgeschichte, ein Film oder ein Lied. In der Schule sah ich mich selbst immer als eine Art Heldin, aber wenn ich jetzt zurückschaue, war ich ziemlich armselig. Ich war nie länger als 2 Jahre in einer Klasse und habe somit keine wirklich langen Freundschaften. Ich knüpfe einfach jedes Jahr 'leichte' Freundschaften, um nicht allein zu sein. Ich war immer das beliebte, fröhliche Mädchen, das alle kannten und viele mochten. Die, die sich auch gut mit Jungs verstand, ohne von ihnen nur als 'Mädchen' gesehen zu werden, sondern auch als 'Kumpel'. Die, die sich traute, das zu sagen, was sie dachte. Nun habe ich die Schule gewechselt. Ich habe mich in den Sommerferien sehr verändert. Ich habe meinen besten Freund für einige Monate verloren, wegen dem Fehler einer 'Freundin'. Meine Mutter war unerträglich, mein Vater nie da, meine Brüder nervig und meine Schwester sowieso ausgezogen. Ich habe mich einfach zurückgezogen, wurde leise, Leute finden mich jetzt unnahbar, emotionslos und etwas 'traurig'. Ich wartete nicht mehr auf Klassenkameraden, um in der Pause nicht mehr allein zu sein. Ich war einfach allein und es störte mich nicht. Ich wurde von der, die viele Leute um sich schart zur Einzelgängerin.
Freunde finden war für mich immer ganz leicht, jedoch hatte ich noch nie eine 'richtige' Freundschaft. Ich hatte noch nie jemanden, mit dem ich über alles reden konnte. Keiner weiß irgendwas über mich. Aber jetzt, besonders in den letzten zwei Jahren habe ich angefangen, Internet Kontakte zu knüpfen. Diese wenigen Freunde, die ich noch nie im echten Leben gesehen hatte, waren mir wichtiger als meine Eltern, die mein Leben lang gemein zu mir waren. Wenn sie nicht wären, wäre ich auch nicht mehr. Schon lange nicht mehr.
Ich fand letztes Jahr eine 'Freundin' in meiner Klasse, wir hatten die selben Interessen und freundeten uns schnell an. Ich hatte zu der Zeit eine Facebook-Seite mit relativ vielen Likes und lies sie auch Admin werden. Ein anderer Admin machte den Vorschlag, eine Skype-Konferenz mit einigen Fans und den Admins zu machen. In dieser Konferenz war ein Junge, mit dem wir zwei uns schnell anfreundeten. Sie verliebte sich in ihn, für mich wurde er ein guter Freund. Irgendwann wurde sie ihm zu aufdringlich, sodass er einfach weniger mit ihr geschrieben hat, dafür mehr mit mir. Sie hatte den Verdacht, dass er sich in mich verliebt hatte, was aber nicht so war. Irgendwann, Ende August, loggte sie sich bei mir ein und beleidigte ihn. Er blockte mich, sie und andere gemeinsame Freunde. Die drei Monate ohne ihn waren unendlich traurig für mich. Ich fand natürlich auch andere Freunde. Im Moment gibt es nur zwei Personen, die mir wirklich wichtig sind. Schnell fiel mir auf, dass ich mich mit älteren Menschen besser verstand, als mit gleichaltrigen. Alle zwei sind männlich und 16-17. Und sie sind mir so unendlich wichtig. Im Moment vermeide ich es, weitere Freundschaften zu knüpfen. Ich habe seit der Sache im Sommer einfach Angst davor, Menschen, die mir wichtig sind, zu verlieren. Den Freund von damals habe ich wieder, aber es ist jetzt einfach... anders. Es ist nur noch eine 'ab-und-zu' Freundschaft. Wenn ich diese zwei Freundschaften, die ich momentan habe, verlieren würde, würde ich keinen Grund mehr zum Leben haben. Ich will zwar nicht sterben, aber das Leben macht mich schon jetzt fertig.

Gesundheit:
Ich war sehr kränklich, bevor ich Zehn wurde, erkrankte ich schnell an Fieber, Viren und Grippen. Ich hatte auch eine Blinddarm-, eine Mandel- und eine Hirnhautentzündung. Eine Nervenlähmung im Gesicht trat auch schon mal auf, wegen Stress, sagten die Ärzte.
Besonders in letzter Zeit ist es sehr schlimm. Ich huste ab und zu Blut, ich hab ständige Kopfschmerzen und auch mein Bauch tut oft weh.

Liebe:
Ich verliebe mich einfach nicht. Ich kann es einfach nicht, vielleicht bin ich ja asexuell, aber ich bin zu jung, um das jetzt schon zu wissen. Übrigens finde ich mich zu hässlich, um zu erwarten, dass sich jemand in mich verlieben würde. Ich denke, ich kann auch ein Leben ohne Liebe führen.


In letzter Zeit habe ich oft Selbstmordgedanken und Depressionen. Ich sehe einfach keinen Grund mehr, wieso ich weiterleben sollte. Ich frage mich immer, wer eigentlich traurig sein würde, wenn ich sterben würde. Ich traue es niemandem wirklich zu. Man kann bei keiner Freundschaft wissen, ob der andere genauso empfindet wie du, und auch das macht mich fertig. Zum anderen will ich aber auch nicht sterben, das einzige was ich momentan tue, ist warten. Warten auf einen Grund zum Leben. Und ich werde nicht aufhören, bis mir all die kleinen Gründe, die ich noch habe, genommen wurden.

Ich hoffe mir kann hier jemand helfen, vielen Dank schon mal,
mfG,
loathed.

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12. Dezember 2013 um 13:07

Ja..............
du hast dir vieles von der Seele geschrieben...dabei denke Ich sofort an den Begriff "Therapeutisches schreiben"

Alle Achtung von mir, dass du von selbst auf diese Möglichkeit gegokomen bist

Aus deinem Text lese ich viel heraus, Warum du die verweise hast und manch anderes erlebst......Bei dem Umgangston in deiner Familie erlaube Ich mir dich auf eine Frage zu bringen, welche mir früher geholfen hat.

Was konntest du in deiner Ursprungsfamilie alles N-I-C-H-T lernen ?

Welche Verhaltensweisen hast du gelernt (es wurden diese ja vorgelebt ?

Wenn ich deine Gesundheitssymptome durchlese denke Ich zuerst an eine beschädigte Halswirbelsäule. Die Folgen davon schicke Ich dir als Private Nachricht.

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Fazit du hast Recht...das Leben...die Welt sieht aus deiner Sicht richtig schei*** aus. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus wird sich auch nur langsam verändern.

Streß....nun ja das ist quasi mein Fachgebiet...(siehe Private Nachricht)

kurzer Ausflug: Es gibt grob gesagt 3 Formen von Streß guten (gesunden) negativen (krankmachenden- die Dosis macht das Gift) und Dauerstreß

Wenn Ich deine Lebensgeschichte so lese.......hmmm..... hast du sehr viel Dauerstreß und dein autonomes Nervensystem dürfte schon eine ganze Weile Richtung Symphatikus gekippt sein. (Da du dich für BIO interessierst für ich das jetzt nicht weiter aus.Das heist deine Hormonhaushalt, dein Denken, Fühlen und Handeln sind auf reines Ü-B-E-R-leben ausgerichtet.

Dein Immunsystem arbeitet vermutlich auf Sparflamme, da dein Körper immer wieder aufs neue auf Kampfbereitschaft umschaltet ( dies verbirgt sich hinter dem so harmlos klingenden Begriff Streß)

Kampfbereitschaft bedeutet Immunsystem, Verdauung, Denken usw. herunterfahren. Glucosegehalt im Blut hochfahren, damit die Muskeln Energie für die Flucht oder den Kampf haben.

ÜBRIGENS: Kampfbereitschaft bedeutet auch weniger denken, mehr handeln...was manchen Ärger den du hast ein wenig in ein anderes Licht versetzt (deinen persönlichen Anteil an Schuld reduziert).

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Sehr gute Eigenschaften von D-I-R die du aus MEINER SICHT aus dem ganzen Schei** bekommen hast (auch wenn du einiges anders sehen wirst):
-Mut Hilfe zu suchen (der größte Mut den es in uns Menschen gibt)
-Empathie
-unglaublich viel Erfahrung durch deine Erlebnisse
- Hoffnung

ICH AN DEINER STELLE:
Ich würde deinen Beitrag ausdrucken und mit zu dem Psychiater nehmen und vorlegen, das verkürzt die Zeit bis er -deinen Blick- auf die Welt ein wenig nachvollziehen kann.

Aus meiner Sicht ist der wichtigste Aspekt bei einer Therapie, dass der Berater mit folgender Einstellung an die Sache geht:
Wenn ich dein Leben gelebt hätte und deine Erfahrungen gemacht hätte, dann wäre Ich jetzt auch an deiner Stelle auf dem Stuhl.

BLEIB TAPFER......
aus eigener Erfahrung......ES LOHNT SICH.

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