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Depressionen - was tun?

1. August 2015 um 22:35

Halli Hallo liebe Community,
ich weiß langsam nicht mehr, was ich machen soll, daher wende ich mich an euch, in der Hoffnung, dass mich jemand versteht. Ich bin weiblich, 18 Jahre und derzeit leider tätigkeitslos.

Seit einem guten Jahr habe ich Depressionen. Wie sie genau gekommen sind, weiß ich nicht mehr genau, vermutlich hängt es damit zusammen, dass ich eine Zeit lange alleine gelebt habe, sehr viel Stress und Ärger in meiner Ausbildung hatte, für einige Wochen krank geworden bin und daraufhin gekündigt wurde (die Klassenleitung riet mir den Vertrag aufzulösen, da nur eine bestimmte Anzahl an Krankheitstagen erlaubt war). Im selbigen Jahr habe ich versucht noch eine Ausbildung zu finden, allerdings konnte ich keine freie Stelle mehr in dem Bereich ergattern, den ich einschlagen möchte. Seitdem suche ich nach einer Stelle, jedoch sind viele der Meinung, ich wäre psychisch sowie physisch nicht dazu in der Lage diesen Beruf auszuüben. Ursprünglich wollte ich Krankenschwester werden, jetzt orientiere ich mich jedoch mehr im Bereich der Arzthelferin, was mir auch eher liegt. Es ist jedoch nicht so, dass ich die gesamte Zeit nur Zuhause war, ich habe mich beworben, Praktika gemacht und mich naiv wie ich war auf ein Versprechen verlassen, ich würde eine Stelle kriegen, doch kurz vor Bewerbungsschluss habe ich dann eine Absage bekommen, ergo: dieses Jahr wieder keine Ausbildung.

Um auf den Punkt zu kommen: Vor ungefähr drei Wochen ist mir langsam klar geworden, dass ich nicht mehr wirklich die bin, die einmal war. Ich fühle mich ausgelaugt, leer, kann kaum lachen und wenn dann mache ich mir ehrlich gesagt nur selbst etwas vor. Am liebsten würde ich durchgehend weinen, habe Schlafstörungen, beinahe ständig Kopfschmerzen, hin und wieder aufkommende Panikattacken und Herzrasen und das Selbstwertgefühl ist auch ganz weit unten. Durchs Googeln (klar, kein Therapeut, aber solche Symptome deuten doch sehr deutlich drauf hin), habe ich herausgefunden, ich hätte Depressionen, was hinterher auch Sinn gemacht hat.
Ich habe mich meinen Eltern anvertraut, hoffte, dass sie mir vielleicht irgendwie helfen könnten, aber am selbigen Tag haben sie sich nur Vorwürfe gemacht und seitdem scheint es so, als hätte ich ihnen nie etwas gesagt. Jeden Tag fragt mich meine Mutter zwar wie es mir ginge und wenn ich wieder einmal ein Tief habe, welches ich nicht verstecken kann, fragen sie mich was los ist, aber darauf antworte ich eigentlich immer nur mit derselben Antwort: "Weiß ich nicht, mir gehts eben nicht gut." Und dann ist das für die beiden gegessen. Nicht, dass ich irgendwelche besonderen Reaktionen erwarten würde, aber dass sie mir das Gefühl geben, es wäre ihnen ganz egal, ist auch nicht gerade bestärkend. Auf den Vorschlag hin, einen Psychologen aufzusuchen, hieß es nur: "Der kann dir auch nicht helfen." Ja, toll. Mir ist klar, dass man nur mit diesem redet, es ist ein Spezialist, allerdings hat mir einiges schon soweit Angst gemacht, dass ich befürchte, dass man mich in eine Klinik steckt, wenn ich einen aufsuchen würde.

Der nächste Punkt ist - und ich glaube, dass das auch der Grund ist, warum sie sich nicht näher damit befassen - ab September soll ich für ca. ein halbes Jahr einen Bundesfreiwilligendienst im Krankenhaus ablegen. Vor zwei Jahren habe ich das bereits schon einmal gemacht und wirklich toll fand ich es nicht. Es geht nicht darum, dass ich nicht arbeiten möchte, aber die Arbeit selbst hat mich dort echt fertig gemacht. Anscheinend komme ich mit dem Schichtsystem nicht klar, dass die Leute über einen herziehen und man nur der Dumme ist (zumindest dort wo ich war). Dort, wo ich ab September anfangen soll, habe ich bereits ein zweiwöchiges Praktikum gemacht und dort war es keinesfalls besser. Ich bin mit Migräne krank geworden, konnte zwei Tage nicht hin. Da das Praktikum dafür gedacht war, zu sehen, ob ich eine Ausbildung dort machen könnte, sagte man mir, dass sie mich nicht ausbilden würden, da ich ja krank war... dafür aber sollte ich den Bundesfreiwilligendienst machen (quasi billige Arbeitskräfte? ... tschuldigung, ist nicht überall so, aber in dort habe ich das starke Gefühl).
Um offen zu sein, ich möchte dort eigentlich nicht. Ich fühle mich nicht dazu in der Lage das durchzustehen und selbst mein Vater meinte, dass ich mit meiner aktuellen Einstellung schon nach zwei Wochen zusammenbrechen würde. Er meinte das nicht böse, aber wirklich Sorgen gemacht, hat er sich auch nicht. Jedenfalls habe ich wahnsinnige Angst davor, dass genau das eintrifft und ich glaube auch, dass das passieren wird, da ich einfach nicht weiß, wie ich mit meinen Depressionen umgehen und dagegen tun soll. Gerne würde ich wieder Spaß am Leben haben, meinen Hobbys mit Freude nachkommen und all das, aber wie mache ich meinen anscheinend abblockenden Eltern klar, dass ich Hilfe brauche? Meint ihr, ich sollte mich dem ganzen Stress und Ärger ab September aussetzen? Und wenn nicht, wie sage ich das meinen Eltern, ohne dass sie jammern, das Geld wäre wichtig, ich sollte wieder rauskommen und die Depressionen gehen schon weg, wenn ich wieder arbeite (wobei genau DAS ein Grund für die Depressionen war und ich genau weiß, wie diese Zeit dort ablaufen wird - wirklich, das war nicht mehr schön).

Ich hätte ja eine Ausbildungsstelle für nächstes Jahr so gut wie dingfest, ich kenne die Leute auch und freue mich wirklich auf die Ausbildung, also denke ich, dass es nicht mit Arbeit im allgemeinen Sinne zusammenhängt. Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, denn arbeiten möchte ich auf jeden Fall.
Freunden habe ich mich kaum anvertraut, da einige nicht in der Nähe sind. Die einzigen wirklich engen Freunde, denen ich es gerne erzählen würde, hätten jedoch kein Ohr. Einer von ihnen denkt nur ans Feiern, die andere jammert nur, dass ihr Freund sie betrügen würde, weiß es auch, will aber erst Schluss machen, wenn sie es mit eigenen Augen gesehen hat. Bei Zweiterer habe ich schon einmal versucht das anzusprechen, aber wirklich drauf eingegangen ist sie auch nicht. Eine ehemalige Freundin hat mir unterstellt, ich würde simulieren und wäre faul - was mich natürlich noch tiefer ins Loch gestoßen hat, zwar sagen meine Eltern immer wieder es wäre nicht so, aber ich kann es trotzdem nicht einfach verdrängen, denn da mir keiner wirklich glauben will, denke ich langsam selber, ich würde simulieren, obwohl sie weiß, dass ich depressiv bin und nicht einfach zu faul für alles. Es ist einfach wie ein innerer Kampf, einerseits weiß ich, dass es nicht so ist, andererseits stellt sich mein Kopf die ganze Zeit diese Frage.

Ich hoffe, ich konnte mich halbwegs verständlich ausdrücken, irgendwie musste ich alles einmal loswerden. Ich würde mich sehr über Antworten freuen vielleicht auch ein paar Tipps, gerade wie ich meinen Eltern meine Lage verständlich und was ich wegen September machen soll, ist mir sehr wichtig. Vielen lieben Dank an jeden der sich den Text zumindest durchliest. (:

Liebe Grüße,
Phie

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