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Depression: Sich aus Angstsituationen fernhalten richtig?

30. Dezember 2020 um 13:19 Letzte Antwort: 15. Januar um 18:39

Hallo zusammen, ich hoffe ihr habt alle ein entspanntes Jahresende!
Meine Frage dreht sich um meine Freundin. Wir haben uns vor einem halben Jahr kennengelernt. Bis vor recht genau einem Jahr war sie noch in einer Psychiatrie wegen einer akuten Depression, welche bis heute medikamentiert wird.
Im Alltag wirkt sie eigentlich ganz normal. Hätte Sie mir von ihrer Erkrankung nicht erzählt, wären mir ihre periodisch auftretenden depressiven Phasen vermutlich garnicht als besonders krankhaft aufgefallen.
Sie ist u.A. aus einer vergangenen toxischen Beziehung traumatisiert, in der man sie regelmäßig als dumm bezeichnet hat und geringschätzig behandelt hat, es zu einem psychischen Abhängigkeitsverhältnis kam, gefolgt von Vergewaltigungen in der Beziehung.

Meine Familie ist recht international und ich würde mich natürlich freuen meine Freundin auch den nicht deutschsprachigen Familienmitgliedern vorzustellen. Speziell wäre das derzeit mein Bruder mit seiner russischen Lebensgefährtin die nur Englisch und Russisch spricht, deutsch aber einigermaßen versteht.
Meine Freundin schämt sich aber für ihr Englisch (das sich beim singen englischer Liedtexte eigentlich ganz passabel anhörte) und ihr Russisch sei ja auch nicht so toll. Deshalb möchte sie sich auf keinen Fall mit meinem Bruder, seiner Freundin und mir treffen. Sie sagt, das würde ihrem Rückfall zur Depression gerade nicht so gut tun, da es bestimmt stressig sei mit den Beiden einen Abend zu verbringen und, dass sie sich dann schlecht zu fühlen würde. Sie hat Angst wir, würden Sie dann für dumm halten, da wir ja alle studiert seien und mehrere Sprachen sprechen, sie aber nicht. Meine Beschwichtigungen, dass sogar mein auschließlich Plattdeutsch sprechender Vater einer erheiternden Kommmunikation mit der Freundin meines Bruder mächtig ist, kamen nicht so recht an. Sie will einfach nicht glauben, dass niemand ihr irgendwelche Vorwürfe machen würde, wenn sie den Versuch wagt und scheitert (was nicht passieren würde).

Ich frage mich deshalb: Ist es richtig, dass sie sich wegen ihrer Depression in so eine Schonhaltung begibt, bzw. diese Angstsituation meidet? Sollte ich ihre Meinung da also einfach akzeptieren? Oder sollte ich mich dran halten, sie zu motivieren, sich ihren Ängsten doch zu stellen. Meine Intuition sagt mir eigentlich letzteres sei längerfristig der richtige Weg.
Sie sagt aber sie habe so viele Fronten an denen sie gerade kämpft, (ihr Pferd erziehen & ihren Hund erziehen), dass sie sich keine weitere (Englisch sprechen) zumuten möchte. Meiner Erfahrung nach wird es aber mit jeden mal, in dem sich seiner Angst unterwirft schwieriger, später aus sich herauszukommen. Wie würdet ihr mit ihr umgehen? Ich will verständnisvoll sein, aber gerade wo ich weiß, dass sie nicht einfach nur maleben so keine Lust hat, sondern da so eine tiefer sitzende Angst mitspielt, weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist, um ihr langfristig zu helfen.

Um die Frage vorzubeugen: Ihre "Sprachenangst" ist kein vorgeschobener Grund. Dessen habe ich mich vergewissern können. Sonst hatte sie bisher auch nicht mehr als die normale Aufregung, die man eben hat, wenn man der Familie eines neuen Partners vorgestellt wird.

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30. Dezember 2020 um 15:06

Also wie ich es gelernt habe,muss man eigentlich alle skonfrontieren

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30. Dezember 2020 um 17:30

Das wird hier wohl einer genau sagen können, aus der Ferne schon zweimal nicht.

"Scih seiner Angst stellen" sind aber ganz unterschiedliche paar Stiefel, wenn man gesund oder krank ist. Es handelt sich schießlich auch nicht um eine gesunde Angst.
Wenn da smit Panikattacken einhergeht, dann ist einfach mal konfrontieren das, was es schlimmer macht. Und sie hat ja manche Baustelle. Normal wertet der hoffentlich gute Therapeut, ob sie sich genau dieser Angst stellen sollte, oder ob das in ihrer momentanen Situation keine gute Idee ist.

Das kann auch einfach ein Trigger sein und dann ist sie wieder Wochen raus und muss von vorne anfangen.

Du kannst sie also mal ansprechen, was ihr Therapeut dazu meint. Dass sie dieses für dich wichtige Thema bei ihm anspricht finde ich schon zumutbar.

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30. Dezember 2020 um 18:50
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Das wird hier wohl einer genau sagen können, aus der Ferne schon zweimal nicht.

"Scih seiner Angst stellen" sind aber ganz unterschiedliche paar Stiefel, wenn man gesund oder krank ist. Es handelt sich schießlich auch nicht um eine gesunde Angst.
Wenn da smit Panikattacken einhergeht, dann ist einfach mal konfrontieren das, was es schlimmer macht. Und sie hat ja manche Baustelle. Normal wertet der hoffentlich gute Therapeut, ob sie sich genau dieser Angst stellen sollte, oder ob das in ihrer momentanen Situation keine gute Idee ist.

Das kann auch einfach ein Trigger sein und dann ist sie wieder Wochen raus und muss von vorne anfangen.

Du kannst sie also mal ansprechen, was ihr Therapeut dazu meint. Dass sie dieses für dich wichtige Thema bei ihm anspricht finde ich schon zumutbar.

Ja, das mit dem Therapeuten ist so ein wenig Teil des Problems. Sie war unzufrieden mit ihrem alten Therapeuten und war dann jetzt ein paar Monate ohne Therapie, weil es ihr recht gut ging. Jetzt wo gegen Winter immer mal wieder depressive Phasen zuückkehren, war schnell klar, dass sie wieder in Therapie sollte. Wartezeit, beim neuen Therapeuten ihrer Wahl, ist aber im Moment noch bis April.
Aber das hilft trotzdem schon. Mir war z.B. nicht bewusst, das man sich mit dem richtigen Trigger wieder alles zunichte machen kann.
Dann lasse ich sie jetzt erstmal in Ruhe mit dem Thema. Und später versuche ich dann mal sachte  sie mit solchen Situationen zu konfrontieren, ohne es zu überreizen. Ich weiß, sie unterschätzt sich einfach.

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30. Dezember 2020 um 19:37
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Hallo zusammen, ich hoffe ihr habt alle ein entspanntes Jahresende!
Meine Frage dreht sich um meine Freundin. Wir haben uns vor einem halben Jahr kennengelernt. Bis vor recht genau einem Jahr war sie noch in einer Psychiatrie wegen einer akuten Depression, welche bis heute medikamentiert wird.
Im Alltag wirkt sie eigentlich ganz normal. Hätte Sie mir von ihrer Erkrankung nicht erzählt, wären mir ihre periodisch auftretenden depressiven Phasen vermutlich garnicht als besonders krankhaft aufgefallen.
Sie ist u.A. aus einer vergangenen toxischen Beziehung traumatisiert, in der man sie regelmäßig als dumm bezeichnet hat und geringschätzig behandelt hat, es zu einem psychischen Abhängigkeitsverhältnis kam, gefolgt von Vergewaltigungen in der Beziehung.

Meine Familie ist recht international und ich würde mich natürlich freuen meine Freundin auch den nicht deutschsprachigen Familienmitgliedern vorzustellen. Speziell wäre das derzeit mein Bruder mit seiner russischen Lebensgefährtin die nur Englisch und Russisch spricht, deutsch aber einigermaßen versteht.
Meine Freundin schämt sich aber für ihr Englisch (das sich beim singen englischer Liedtexte eigentlich ganz passabel anhörte) und ihr Russisch sei ja auch nicht so toll. Deshalb möchte sie sich auf keinen Fall mit meinem Bruder, seiner Freundin und mir treffen. Sie sagt, das würde ihrem Rückfall zur Depression gerade nicht so gut tun, da es bestimmt stressig sei mit den Beiden einen Abend zu verbringen und, dass sie sich dann schlecht zu fühlen würde. Sie hat Angst wir, würden Sie dann für dumm halten, da wir ja alle studiert seien und mehrere Sprachen sprechen, sie aber nicht. Meine Beschwichtigungen, dass sogar mein auschließlich Plattdeutsch sprechender Vater einer erheiternden Kommmunikation mit der Freundin meines Bruder mächtig ist, kamen nicht so recht an. Sie will einfach nicht glauben, dass niemand ihr irgendwelche Vorwürfe machen würde, wenn sie den Versuch wagt und scheitert (was nicht passieren würde).

Ich frage mich deshalb: Ist es richtig, dass sie sich wegen ihrer Depression in so eine Schonhaltung begibt, bzw. diese Angstsituation meidet? Sollte ich ihre Meinung da also einfach akzeptieren? Oder sollte ich mich dran halten, sie zu motivieren, sich ihren Ängsten doch zu stellen. Meine Intuition sagt mir eigentlich letzteres sei längerfristig der richtige Weg.
Sie sagt aber sie habe so viele Fronten an denen sie gerade kämpft, (ihr Pferd erziehen & ihren Hund erziehen), dass sie sich keine weitere (Englisch sprechen) zumuten möchte. Meiner Erfahrung nach wird es aber mit jeden mal, in dem sich seiner Angst unterwirft schwieriger, später aus sich herauszukommen. Wie würdet ihr mit ihr umgehen? Ich will verständnisvoll sein, aber gerade wo ich weiß, dass sie nicht einfach nur maleben so keine Lust hat, sondern da so eine tiefer sitzende Angst mitspielt, weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist, um ihr langfristig zu helfen.

Um die Frage vorzubeugen: Ihre "Sprachenangst" ist kein vorgeschobener Grund. Dessen habe ich mich vergewissern können. Sonst hatte sie bisher auch nicht mehr als die normale Aufregung, die man eben hat, wenn man der Familie eines neuen Partners vorgestellt wird.

Hallo,

auf keinen Fall solltest du eigenmächtige Versuche starten und sie mit ihren Ängsten konfrontieren! Niemals! 

Zwar ist es richtig, dass man bei Angsterkrankungen "in der Therapie" mit Konfrontation arbeitet aber nur gemeinsam mit dem Therapeuten. Deine Freundin leidet jedoch an einer wiederkehrenden Depression.  Die Angst ist zwar ein zusätzliches Symptom und nimmt entscheidenden Einfluss auf die Erkrankung, sie wird aber nicht vordergründig behandelt, sondern erst im Laufe der Behandlung.  Da sie sich erst kürzlich in klinischer Behandlung befunden hat spricht dies für eine sehr schwere Episode. Hier ist erst einmal alles zu vermeiden, was zu einem schweren Rückfall führen könnte und die psychische Stabilität enorm schädigt. Auch an mögliche Konsequenzen solltest du denken, wenn sich durch Druck und Zwang Situationen ergeben, die du nicht einschätzen kannst oder entgleisen.  

Es kann natürlich sein, dass sie sich sozial zurück zieht und isoliert, indem sie Menschen und jeglichen Kontakt soweit es geht meidet. Dies kannst du im Auge behalten und für dich überprüfen. Könnte ein Indiz sein, dass sie weiterhin Hilfe benötigt. Da sie sich in einem Abhängigkeitsverhältnis befunden hat war ihre Aussage dir gegenüber, was sie möchte und nicht möchte schon sehr mutig und absolut richtig, demnach setzt sie sich sehr wohl mit ihren Themen auseinander. Das Beste, was du tun kannst ist sie zu bestätigen und bestärken dir gegenüber auch weiterhin offen zu sagen, was sie möchte ....und, dass du sie verstehst und akzeptierst. 

LG Sis

 

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30. Dezember 2020 um 19:49
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Ja, das mit dem Therapeuten ist so ein wenig Teil des Problems. Sie war unzufrieden mit ihrem alten Therapeuten und war dann jetzt ein paar Monate ohne Therapie, weil es ihr recht gut ging. Jetzt wo gegen Winter immer mal wieder depressive Phasen zuückkehren, war schnell klar, dass sie wieder in Therapie sollte. Wartezeit, beim neuen Therapeuten ihrer Wahl, ist aber im Moment noch bis April.
Aber das hilft trotzdem schon. Mir war z.B. nicht bewusst, das man sich mit dem richtigen Trigger wieder alles zunichte machen kann.
Dann lasse ich sie jetzt erstmal in Ruhe mit dem Thema. Und später versuche ich dann mal sachte  sie mit solchen Situationen zu konfrontieren, ohne es zu überreizen. Ich weiß, sie unterschätzt sich einfach.

Hallo,

es ist möglich, dass sie sich unterschätzt und im Moment wenig zutraut. Selbstzweifel sind Teil der Depression. Sie verschwinden nicht, nur weil du glaubst bzw. weißt, was sie alles kann. 

Übe keinen Druck aus, du wirst sie in unglaublich Nöte stoßen. 

LG Sis

 

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30. Dezember 2020 um 19:57
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Hallo zusammen, ich hoffe ihr habt alle ein entspanntes Jahresende!
Meine Frage dreht sich um meine Freundin. Wir haben uns vor einem halben Jahr kennengelernt. Bis vor recht genau einem Jahr war sie noch in einer Psychiatrie wegen einer akuten Depression, welche bis heute medikamentiert wird.
Im Alltag wirkt sie eigentlich ganz normal. Hätte Sie mir von ihrer Erkrankung nicht erzählt, wären mir ihre periodisch auftretenden depressiven Phasen vermutlich garnicht als besonders krankhaft aufgefallen.
Sie ist u.A. aus einer vergangenen toxischen Beziehung traumatisiert, in der man sie regelmäßig als dumm bezeichnet hat und geringschätzig behandelt hat, es zu einem psychischen Abhängigkeitsverhältnis kam, gefolgt von Vergewaltigungen in der Beziehung.

Meine Familie ist recht international und ich würde mich natürlich freuen meine Freundin auch den nicht deutschsprachigen Familienmitgliedern vorzustellen. Speziell wäre das derzeit mein Bruder mit seiner russischen Lebensgefährtin die nur Englisch und Russisch spricht, deutsch aber einigermaßen versteht.
Meine Freundin schämt sich aber für ihr Englisch (das sich beim singen englischer Liedtexte eigentlich ganz passabel anhörte) und ihr Russisch sei ja auch nicht so toll. Deshalb möchte sie sich auf keinen Fall mit meinem Bruder, seiner Freundin und mir treffen. Sie sagt, das würde ihrem Rückfall zur Depression gerade nicht so gut tun, da es bestimmt stressig sei mit den Beiden einen Abend zu verbringen und, dass sie sich dann schlecht zu fühlen würde. Sie hat Angst wir, würden Sie dann für dumm halten, da wir ja alle studiert seien und mehrere Sprachen sprechen, sie aber nicht. Meine Beschwichtigungen, dass sogar mein auschließlich Plattdeutsch sprechender Vater einer erheiternden Kommmunikation mit der Freundin meines Bruder mächtig ist, kamen nicht so recht an. Sie will einfach nicht glauben, dass niemand ihr irgendwelche Vorwürfe machen würde, wenn sie den Versuch wagt und scheitert (was nicht passieren würde).

Ich frage mich deshalb: Ist es richtig, dass sie sich wegen ihrer Depression in so eine Schonhaltung begibt, bzw. diese Angstsituation meidet? Sollte ich ihre Meinung da also einfach akzeptieren? Oder sollte ich mich dran halten, sie zu motivieren, sich ihren Ängsten doch zu stellen. Meine Intuition sagt mir eigentlich letzteres sei längerfristig der richtige Weg.
Sie sagt aber sie habe so viele Fronten an denen sie gerade kämpft, (ihr Pferd erziehen & ihren Hund erziehen), dass sie sich keine weitere (Englisch sprechen) zumuten möchte. Meiner Erfahrung nach wird es aber mit jeden mal, in dem sich seiner Angst unterwirft schwieriger, später aus sich herauszukommen. Wie würdet ihr mit ihr umgehen? Ich will verständnisvoll sein, aber gerade wo ich weiß, dass sie nicht einfach nur maleben so keine Lust hat, sondern da so eine tiefer sitzende Angst mitspielt, weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist, um ihr langfristig zu helfen.

Um die Frage vorzubeugen: Ihre "Sprachenangst" ist kein vorgeschobener Grund. Dessen habe ich mich vergewissern können. Sonst hatte sie bisher auch nicht mehr als die normale Aufregung, die man eben hat, wenn man der Familie eines neuen Partners vorgestellt wird.

Teilweise richtig. Stell es Dir als körperliche Erkrankung vor, ist absolut vergleichbar und leichter zu verstehen. 

Sagen wir: sie hat einen Hüftschaden. Das sollte nicht so enden, dass sie nur auf der Couch sitzt und keinen Schritt mehr läuft. Klar. Es gibt aber genauso Dinge, die gehen eben gar nicht. Und Dinge, die gehen schon, haben aber tagelange üble Schmerzen zur Folge. Und es gibt Dinge, die gehen mal, an anderen Tagen, wo man schon früh mit Schmerzen aufgestanden ist, aber nicht. 

Bei ihr sind die Gefühle krank, nicht die Hüfte. Alles, was emotional stark "ausschlägt" ist also eine starke Belastung. Und natürlich gibt es da ein zuviel. Und wie bei jeder, absolut jeder Krankheit ist Zuviel Belastung oder Fehlbelastung etwas, was lange und hässliche Konsequenzen hat. Also ja: dass es einen Rückfall auslöst, ist durchaus möglich. Ob im konkreten Fall wahrscheinlich können wir nicht sagen, ohne sie zu kennen. 

"einen Abend verbringen" ist jetzt auch gleich ein Wandertag. Wenn Dir das so wichtig ist- fang doch kleiner an. Mit max 1h, in Absprache mit ihr. In einer Umgebung, die sie wählt. 

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30. Dezember 2020 um 20:16
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Hallo zusammen, ich hoffe ihr habt alle ein entspanntes Jahresende!
Meine Frage dreht sich um meine Freundin. Wir haben uns vor einem halben Jahr kennengelernt. Bis vor recht genau einem Jahr war sie noch in einer Psychiatrie wegen einer akuten Depression, welche bis heute medikamentiert wird.
Im Alltag wirkt sie eigentlich ganz normal. Hätte Sie mir von ihrer Erkrankung nicht erzählt, wären mir ihre periodisch auftretenden depressiven Phasen vermutlich garnicht als besonders krankhaft aufgefallen.
Sie ist u.A. aus einer vergangenen toxischen Beziehung traumatisiert, in der man sie regelmäßig als dumm bezeichnet hat und geringschätzig behandelt hat, es zu einem psychischen Abhängigkeitsverhältnis kam, gefolgt von Vergewaltigungen in der Beziehung.

Meine Familie ist recht international und ich würde mich natürlich freuen meine Freundin auch den nicht deutschsprachigen Familienmitgliedern vorzustellen. Speziell wäre das derzeit mein Bruder mit seiner russischen Lebensgefährtin die nur Englisch und Russisch spricht, deutsch aber einigermaßen versteht.
Meine Freundin schämt sich aber für ihr Englisch (das sich beim singen englischer Liedtexte eigentlich ganz passabel anhörte) und ihr Russisch sei ja auch nicht so toll. Deshalb möchte sie sich auf keinen Fall mit meinem Bruder, seiner Freundin und mir treffen. Sie sagt, das würde ihrem Rückfall zur Depression gerade nicht so gut tun, da es bestimmt stressig sei mit den Beiden einen Abend zu verbringen und, dass sie sich dann schlecht zu fühlen würde. Sie hat Angst wir, würden Sie dann für dumm halten, da wir ja alle studiert seien und mehrere Sprachen sprechen, sie aber nicht. Meine Beschwichtigungen, dass sogar mein auschließlich Plattdeutsch sprechender Vater einer erheiternden Kommmunikation mit der Freundin meines Bruder mächtig ist, kamen nicht so recht an. Sie will einfach nicht glauben, dass niemand ihr irgendwelche Vorwürfe machen würde, wenn sie den Versuch wagt und scheitert (was nicht passieren würde).

Ich frage mich deshalb: Ist es richtig, dass sie sich wegen ihrer Depression in so eine Schonhaltung begibt, bzw. diese Angstsituation meidet? Sollte ich ihre Meinung da also einfach akzeptieren? Oder sollte ich mich dran halten, sie zu motivieren, sich ihren Ängsten doch zu stellen. Meine Intuition sagt mir eigentlich letzteres sei längerfristig der richtige Weg.
Sie sagt aber sie habe so viele Fronten an denen sie gerade kämpft, (ihr Pferd erziehen & ihren Hund erziehen), dass sie sich keine weitere (Englisch sprechen) zumuten möchte. Meiner Erfahrung nach wird es aber mit jeden mal, in dem sich seiner Angst unterwirft schwieriger, später aus sich herauszukommen. Wie würdet ihr mit ihr umgehen? Ich will verständnisvoll sein, aber gerade wo ich weiß, dass sie nicht einfach nur maleben so keine Lust hat, sondern da so eine tiefer sitzende Angst mitspielt, weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist, um ihr langfristig zu helfen.

Um die Frage vorzubeugen: Ihre "Sprachenangst" ist kein vorgeschobener Grund. Dessen habe ich mich vergewissern können. Sonst hatte sie bisher auch nicht mehr als die normale Aufregung, die man eben hat, wenn man der Familie eines neuen Partners vorgestellt wird.

Sie muss sich ihrer Angst stellen. Mit der Übung wird alles leichter. Anstatt alle tiere zu erziehen, sollte sie sich erziehen. 

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30. Dezember 2020 um 20:16
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Hallo zusammen, ich hoffe ihr habt alle ein entspanntes Jahresende!
Meine Frage dreht sich um meine Freundin. Wir haben uns vor einem halben Jahr kennengelernt. Bis vor recht genau einem Jahr war sie noch in einer Psychiatrie wegen einer akuten Depression, welche bis heute medikamentiert wird.
Im Alltag wirkt sie eigentlich ganz normal. Hätte Sie mir von ihrer Erkrankung nicht erzählt, wären mir ihre periodisch auftretenden depressiven Phasen vermutlich garnicht als besonders krankhaft aufgefallen.
Sie ist u.A. aus einer vergangenen toxischen Beziehung traumatisiert, in der man sie regelmäßig als dumm bezeichnet hat und geringschätzig behandelt hat, es zu einem psychischen Abhängigkeitsverhältnis kam, gefolgt von Vergewaltigungen in der Beziehung.

Meine Familie ist recht international und ich würde mich natürlich freuen meine Freundin auch den nicht deutschsprachigen Familienmitgliedern vorzustellen. Speziell wäre das derzeit mein Bruder mit seiner russischen Lebensgefährtin die nur Englisch und Russisch spricht, deutsch aber einigermaßen versteht.
Meine Freundin schämt sich aber für ihr Englisch (das sich beim singen englischer Liedtexte eigentlich ganz passabel anhörte) und ihr Russisch sei ja auch nicht so toll. Deshalb möchte sie sich auf keinen Fall mit meinem Bruder, seiner Freundin und mir treffen. Sie sagt, das würde ihrem Rückfall zur Depression gerade nicht so gut tun, da es bestimmt stressig sei mit den Beiden einen Abend zu verbringen und, dass sie sich dann schlecht zu fühlen würde. Sie hat Angst wir, würden Sie dann für dumm halten, da wir ja alle studiert seien und mehrere Sprachen sprechen, sie aber nicht. Meine Beschwichtigungen, dass sogar mein auschließlich Plattdeutsch sprechender Vater einer erheiternden Kommmunikation mit der Freundin meines Bruder mächtig ist, kamen nicht so recht an. Sie will einfach nicht glauben, dass niemand ihr irgendwelche Vorwürfe machen würde, wenn sie den Versuch wagt und scheitert (was nicht passieren würde).

Ich frage mich deshalb: Ist es richtig, dass sie sich wegen ihrer Depression in so eine Schonhaltung begibt, bzw. diese Angstsituation meidet? Sollte ich ihre Meinung da also einfach akzeptieren? Oder sollte ich mich dran halten, sie zu motivieren, sich ihren Ängsten doch zu stellen. Meine Intuition sagt mir eigentlich letzteres sei längerfristig der richtige Weg.
Sie sagt aber sie habe so viele Fronten an denen sie gerade kämpft, (ihr Pferd erziehen & ihren Hund erziehen), dass sie sich keine weitere (Englisch sprechen) zumuten möchte. Meiner Erfahrung nach wird es aber mit jeden mal, in dem sich seiner Angst unterwirft schwieriger, später aus sich herauszukommen. Wie würdet ihr mit ihr umgehen? Ich will verständnisvoll sein, aber gerade wo ich weiß, dass sie nicht einfach nur maleben so keine Lust hat, sondern da so eine tiefer sitzende Angst mitspielt, weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist, um ihr langfristig zu helfen.

Um die Frage vorzubeugen: Ihre "Sprachenangst" ist kein vorgeschobener Grund. Dessen habe ich mich vergewissern können. Sonst hatte sie bisher auch nicht mehr als die normale Aufregung, die man eben hat, wenn man der Familie eines neuen Partners vorgestellt wird.

Sie muss sich ihrer Angst stellen. Mit der Übung wird alles leichter. Anstatt alle tiere zu erziehen, sollte sie sich erziehen. 

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15. Januar um 18:39
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Hallo zusammen, ich hoffe ihr habt alle ein entspanntes Jahresende!
Meine Frage dreht sich um meine Freundin. Wir haben uns vor einem halben Jahr kennengelernt. Bis vor recht genau einem Jahr war sie noch in einer Psychiatrie wegen einer akuten Depression, welche bis heute medikamentiert wird.
Im Alltag wirkt sie eigentlich ganz normal. Hätte Sie mir von ihrer Erkrankung nicht erzählt, wären mir ihre periodisch auftretenden depressiven Phasen vermutlich garnicht als besonders krankhaft aufgefallen.
Sie ist u.A. aus einer vergangenen toxischen Beziehung traumatisiert, in der man sie regelmäßig als dumm bezeichnet hat und geringschätzig behandelt hat, es zu einem psychischen Abhängigkeitsverhältnis kam, gefolgt von Vergewaltigungen in der Beziehung.

Meine Familie ist recht international und ich würde mich natürlich freuen meine Freundin auch den nicht deutschsprachigen Familienmitgliedern vorzustellen. Speziell wäre das derzeit mein Bruder mit seiner russischen Lebensgefährtin die nur Englisch und Russisch spricht, deutsch aber einigermaßen versteht.
Meine Freundin schämt sich aber für ihr Englisch (das sich beim singen englischer Liedtexte eigentlich ganz passabel anhörte) und ihr Russisch sei ja auch nicht so toll. Deshalb möchte sie sich auf keinen Fall mit meinem Bruder, seiner Freundin und mir treffen. Sie sagt, das würde ihrem Rückfall zur Depression gerade nicht so gut tun, da es bestimmt stressig sei mit den Beiden einen Abend zu verbringen und, dass sie sich dann schlecht zu fühlen würde. Sie hat Angst wir, würden Sie dann für dumm halten, da wir ja alle studiert seien und mehrere Sprachen sprechen, sie aber nicht. Meine Beschwichtigungen, dass sogar mein auschließlich Plattdeutsch sprechender Vater einer erheiternden Kommmunikation mit der Freundin meines Bruder mächtig ist, kamen nicht so recht an. Sie will einfach nicht glauben, dass niemand ihr irgendwelche Vorwürfe machen würde, wenn sie den Versuch wagt und scheitert (was nicht passieren würde).

Ich frage mich deshalb: Ist es richtig, dass sie sich wegen ihrer Depression in so eine Schonhaltung begibt, bzw. diese Angstsituation meidet? Sollte ich ihre Meinung da also einfach akzeptieren? Oder sollte ich mich dran halten, sie zu motivieren, sich ihren Ängsten doch zu stellen. Meine Intuition sagt mir eigentlich letzteres sei längerfristig der richtige Weg.
Sie sagt aber sie habe so viele Fronten an denen sie gerade kämpft, (ihr Pferd erziehen & ihren Hund erziehen), dass sie sich keine weitere (Englisch sprechen) zumuten möchte. Meiner Erfahrung nach wird es aber mit jeden mal, in dem sich seiner Angst unterwirft schwieriger, später aus sich herauszukommen. Wie würdet ihr mit ihr umgehen? Ich will verständnisvoll sein, aber gerade wo ich weiß, dass sie nicht einfach nur maleben so keine Lust hat, sondern da so eine tiefer sitzende Angst mitspielt, weiß ich nicht, ob das der richtige Weg ist, um ihr langfristig zu helfen.

Um die Frage vorzubeugen: Ihre "Sprachenangst" ist kein vorgeschobener Grund. Dessen habe ich mich vergewissern können. Sonst hatte sie bisher auch nicht mehr als die normale Aufregung, die man eben hat, wenn man der Familie eines neuen Partners vorgestellt wird.

wenn sie dieses seltsamen und nicht begründeten Hemmungen überwinden würde, wäre sie irgendwann geheilt.

Also Russen und Russinnen sind ja eigentlich sehr gesellig. Wie wäre es wenn die Lebensgefährtin deines Bruders euch und insbesondere deine Freundin einladen würde und dass die beiden Frauen eine schöne Zeit haben.

Wenn deine Freundin über diese Hürde nicht springen kann oder will, reisst deine Verwandschaft diese Hürde weg.

Es geht ja nicht darum irgendwas perfekt zu können. Mit Händen und Füßen (in der jeweiligen Fremdsprache) kommt man auch überall durch. Sie soll einfach merken, dass es gar nicht wichtig ist, irgendwas perfekt zu können.

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