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Das andere "ich" - Depersonalisation

10. Mai 2018 um 15:09 Letzte Antwort: 12. Mai 2018 um 23:08

Guten Tag ihr lieben 

Ich möchte euch kurz erklären, was mir zugestoßen ist, ehe ich dazu komme, was ich tatsächlich möchte. 

Ich habe 2016 jemanden kennen & lieben gelernt, bzw. kannten wir uns davor schon etwas länger.
Anfangs war wirklich alles super. Unsere Beziehung fing schon steinig an, er wohnte zu dem Zeitpunkt noch bei seiner ehemaligen Liebe. 
Uns war klar, dass das keine gute Option ist, also zog er irgendwann kurzzeitig zu mir (nachdem wir schon einige Zeit zusammen gewesen sind!)
Lief auch wirklich super, bis ich irgendwann bemerkte, dass er eine starke Kontrollsucht besaß. 

Ich durfte nicht mehr alleine raus, mein Handy wurde ständig Kontrolliert, ich durfte nicht mehr mit dem anderen Geschlecht sprechen, wurde eingeschlossen, ec.

Ich war schon immer eine Frau mit einem eigenen starken Willen und vielem Temperament. 
Somit gab es oft streit und ich wollte, dass er geht!
An einem Abend, ende 2016, im November, passierte dann das große Unglück! 

Mir schrieb ein Bekannter auf mein Handy, er wollte sich erkundigen, wie es mir denn so geht.
Ich habe meinem damaligem Freund nicht jede Information über dessen Person abgeliefert (Wohnort, Alter ec) somit wurde ich ziemlich beleidigt und wie der letzte Dreck behandelt...
Jedenfalls, am Morgen danach, beschlossen wir, dass es das beste wäre, wenn er nun tatsächlich ginge! 
Er packte seine Sachen, ich wollte ihm helfen und er tat mir weh. 
Ich erlitt mehrere Prellungen an den Handgelenken, der Schulter ec. Irgendwann hatte er mich von hinten um den Hals mit seinem Arm gepackt.. Und ich knallte dann an die Heizung mit meinem Kopf! 
Ich war Ohnmächtig, hatte eine Blutung an der Schädeldecke, mir brach ein Stück der Bandscheibe raus und ich wurde sofort ins Krankenhaus vom Krankenwagen gebracht. 

An dem Abend im CPU Raum - zur Überwachung, da bekam ich plötzlich starke Herz Rythmusstörungen, an denen ich seither leide. 

Ich hab bitterlich geweint, nicht wegen mir oder um mein Leben, sondern wegen meiner Kinder. Ich dachte, ich sterbe, ich dachte, alles sei vorbei, ich hatte den dringenden Wunsch, mich zu verabschieden! Medikamente durfte ich nicht bekommen, zwecks der Blutung. 

Ich hatte im allgemeinen - Glück im Unglück.
Ich war danach leider halbseitig einige Monate gelähmt. Ich habe zwar mehrfach angesprochen, ich spüre meine Körperteile Teilweise nicht mehr, jedoch wurde dies nicht ernst genommen. 

Jedenfalls, fand ich irgendwann einen Spezialisten, der sah, dass der Nerv am Rückenmarkskanal ziemlich eingequetscht wurde, durch den  rausbruch. 

Es folgte eine Op, bei dieser wurde rausgeschnitten, was musste.
Endlich wieder zuhause, bekam ich "endlich" alle folgen des Unfalles mit.

Jeder Tag, den ich lebte, der war am darauffolgendem Tag einfach nicht mehr vorhanden.
Ich leide an Gedächtnisverlust, Zeitgefühl gleich 0, ich weiß nicht mehr wer ich bin! Ich schaue in den Spiegel, sehe mich, jedoch habe ich das Gefühl, ich schaue durch meine Augen auf einen Fremden Körper!!! ;-(

Tag und Nacht, weine ich oft, weil ich das Gefühl habe, ich würde nicht mehr existieren. Ich habe täglich angst, durch dieses Gefühl, ich wäre tot oder würde sterben.
Es gibt kleine Momente, in denen ich merke, ich bin doch noch da.. desto mehr ich diesen Moment quasi genieße, desto schneller schleicht sich die Angst wieder ein.

Zur Zeit bin ich in Behandlung bei einer Psychologin, so lang hat es gedauert, ehe mich jemand ernst genommen hat. 
Ich habe das Gefühl, ich wäre blöd, niemand nimmt mich ernst, allerdings kann ich verstehen, dass es ziemlich merkwürdig oder unverständlich klingt, wenn jemand sagt, er habe das Gefühl, er wäre nicht mehr existent, seine Umwelt komme ihm vor, wie in einem Film. 

Ich wünsche mir so sehr, dass es hier jemanden gibt, der sich meinen langen Text durchliest und dem es evtl auch so geht ODER dem es mal so ging und er das Problem besiegt hat!

Ich habe heraus gefunden, dass sich das ganze Depersonalisation nennt!
Bekannt ist es also schon, jedoch nicht genug erforscht, um mehr darüber sagen zu können, wie behandlung ec. 

Ich habe oft angst, ich halte den Kampf zurück in mein Leben nicht mehr lang durch ;-( 
Würde mich wirklich über vernünftige Antworten freuen..

Tipps oder belehrungen, mögen evtl Nett gemeint sein, jedoch wäre ich danach nicht auf der Suche. 

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11. Mai 2018 um 9:52

Hallo, du Liebe! 

Zuerst einmal tut es mir furchtbar leid, was du mit deinem Expartner erlebt hast und durchmachen musstest. Da dir aber Mitleid wahrscheinlich nicht weiterhilft, kann ich nur sagen.. Schön, dass du noch lebst und diesen Partner hinter dir lassen konntest.

Meine Geschichte ist eine ganz andere, aber vielleicht kannst du trotzdem etwas damit anfangen, denn auch, wenn die Ausgangssituation bei mir sehr verschieden von der deinen ist, kann ich dein Erleben gut nachempfinden. 

Ich habe die Depersonalisation in meinem Fall selbst verschuldet. Ich bin durch viele harte Zeiten gegangen und habe den Fehler gemacht, auf der Basis einer wohl etwas labilen Psyche relativ viel Alkohol und zusätzlich THC zu konsumieren, regelmäßig, etwa drei Jahre lang. Das ging soweit auch immer gut, ich fühlte mich leichter, abgelenkter.

Bis es dann vor etwa zwei Jahren unter dem Einfluss von THC zu einer Panickattacke kam. Ich hatte Herzrasen, so schlimm, dass ich dachte, ich würde sterben. Habe mich in dem Gefühl verloren, völlig verrückt zu werden. 

Seit diesem Erlebnis ging es mir ziemlich genau wie dir. Ich konnte mich selbst nicht mehr spüren, hatte Blackouts. Neben allem, was mir in meinem Leben an schlimmen Dingen zugestoßen sein mag, war das das Allerschlimmste. Keinen Bezug zur Realität mehr zu haben, alles wie einen Traum oder Film zu erleben. Selbst den Menschen, die mir sehr, sehr nahe stehen, habe ich mich vollkommen fremd gefühlt. Als befände ich mich ganz allein in einer Art Parallelwelt, die durch einen Nebel von der wirklichen Welt abgetrennt wäre. 
Ich bin kein Mensch, der Suizid als eine Option für sich sieht und doch habe ich oft gedacht, dass dies der letzte Weg wäre, der mir bleibt, wenn ich mich nun für immer so fühlen würde. 

Nun, es ist vorüber gegangen. Manchmal sind noch leichte Ansätze vorhanden. Ich merke, dass ich beispielsweise keinen Alkohol konsumieren darf. THC sowieso nicht mehr, das habe ich nach dem Erlebnis vor zwei Jahren komplett eingestellt. 

Tipps kann ich dir nicht wirklich geben, nur sagen, dass dieses Gefühl wieder gehen kann. Es hat einige Monate gedauert, aber zumindest ich bin wieder in der "Wirklichkeit" angekommen, auch wenn ich immer noch etwas zu mir zurück finden muss. 
Was mir geholfen hat, war, mich anderen zu öffnen. Lange Zeit mochte ich erst mit niemandem sprechen, weil ich verbergen wollte, dass etwas mit mir nicht stimmt und weil ich Angst hatte, dass Dinge, die ich sage, vielleicht völlig verrückt klingen und ohne Bezug erscheinen. 
Als ich dieses Empfinden dann aber anderen Menschen anvertraut habe, wurde es langsam besser. 

Ich weiß im Ansatz, was du da durchmachst, und es ist schrecklich. Gib die Hoffnung nicht auf!
Ich wünsche dir alle Kraft der Welt. 


 

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12. Mai 2018 um 23:02
In Antwort auf dione_12357064

Hallo, du Liebe! 

Zuerst einmal tut es mir furchtbar leid, was du mit deinem Expartner erlebt hast und durchmachen musstest. Da dir aber Mitleid wahrscheinlich nicht weiterhilft, kann ich nur sagen.. Schön, dass du noch lebst und diesen Partner hinter dir lassen konntest.

Meine Geschichte ist eine ganz andere, aber vielleicht kannst du trotzdem etwas damit anfangen, denn auch, wenn die Ausgangssituation bei mir sehr verschieden von der deinen ist, kann ich dein Erleben gut nachempfinden. 

Ich habe die Depersonalisation in meinem Fall selbst verschuldet. Ich bin durch viele harte Zeiten gegangen und habe den Fehler gemacht, auf der Basis einer wohl etwas labilen Psyche relativ viel Alkohol und zusätzlich THC zu konsumieren, regelmäßig, etwa drei Jahre lang. Das ging soweit auch immer gut, ich fühlte mich leichter, abgelenkter.

Bis es dann vor etwa zwei Jahren unter dem Einfluss von THC zu einer Panickattacke kam. Ich hatte Herzrasen, so schlimm, dass ich dachte, ich würde sterben. Habe mich in dem Gefühl verloren, völlig verrückt zu werden. 

Seit diesem Erlebnis ging es mir ziemlich genau wie dir. Ich konnte mich selbst nicht mehr spüren, hatte Blackouts. Neben allem, was mir in meinem Leben an schlimmen Dingen zugestoßen sein mag, war das das Allerschlimmste. Keinen Bezug zur Realität mehr zu haben, alles wie einen Traum oder Film zu erleben. Selbst den Menschen, die mir sehr, sehr nahe stehen, habe ich mich vollkommen fremd gefühlt. Als befände ich mich ganz allein in einer Art Parallelwelt, die durch einen Nebel von der wirklichen Welt abgetrennt wäre. 
Ich bin kein Mensch, der Suizid als eine Option für sich sieht und doch habe ich oft gedacht, dass dies der letzte Weg wäre, der mir bleibt, wenn ich mich nun für immer so fühlen würde. 

Nun, es ist vorüber gegangen. Manchmal sind noch leichte Ansätze vorhanden. Ich merke, dass ich beispielsweise keinen Alkohol konsumieren darf. THC sowieso nicht mehr, das habe ich nach dem Erlebnis vor zwei Jahren komplett eingestellt. 

Tipps kann ich dir nicht wirklich geben, nur sagen, dass dieses Gefühl wieder gehen kann. Es hat einige Monate gedauert, aber zumindest ich bin wieder in der "Wirklichkeit" angekommen, auch wenn ich immer noch etwas zu mir zurück finden muss. 
Was mir geholfen hat, war, mich anderen zu öffnen. Lange Zeit mochte ich erst mit niemandem sprechen, weil ich verbergen wollte, dass etwas mit mir nicht stimmt und weil ich Angst hatte, dass Dinge, die ich sage, vielleicht völlig verrückt klingen und ohne Bezug erscheinen. 
Als ich dieses Empfinden dann aber anderen Menschen anvertraut habe, wurde es langsam besser. 

Ich weiß im Ansatz, was du da durchmachst, und es ist schrecklich. Gib die Hoffnung nicht auf!
Ich wünsche dir alle Kraft der Welt. 


 

Guten Abend,

Ich danke dir von Herzen, dass du deine Erfahrung mit mir teilst! Mir macht das Mut, zu wissen, es KANN einen Weg zurück geben! 
Zuerst einmal, möchte ich dich wissen lassen, dass ich froh bin, das es dir wieder besser geht! 
Das Gefühl, mit dem Herzrasen, muss ich ja leider jeden Tag durchleben, umso mehr freut es mich, dass du nicht mehr so leiden musst!!!
Es ist einfach echt widerlich.. 

Man sagte mir ja leider damals schon, dass vieles einfach wirklich Zeit brauch, manches wird sicher wieder gehen, anderes dauert ewig oder bleibt mit Pech. 

Ich schreibe bereits ein Tagebuch, ein normales sowieso.. aber auch eines, in dem ich meine ganzen Anfälle nieder schreibe, ich hoffe, mir hilft dieser Punkt. 
Mit jemandem zu reden, hilft mir auch, leider anders, als erhofft. Ich habe das blöde Gefühl, das genau dass mit einer der Gründe ist, weshalb ich mich in diesem Teufelkreis befinde. 

Ich leide einfach unter diesem Trauma und mich schießt es jedesmal wieder zurück dahin, daher die Hoffnung, mit dem Tagebuch.

Ich wünsche dir von Herzen noch alles alles gute und ich hoffe, der Rest verschwindet bei dir auch noch ganz! 

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12. Mai 2018 um 23:08

Guten Abend,


Heute habe ich bereits das Glück, mich an einiges Erinnern zu können. Ich erinnere mich an den Tag zuvor, nur kann ich immer noch nicht wieder geben, was ich die ganze Woche so getrieben habe.

Ich leide aber immer noch ganz schlimm. Bestes Beispiel ist hier eigentlich:
Wir waren im Urlaub, für genau 1 Woche, die letzten zwei Tage ging es mir ganz schlecht, ich wollte nur noch nach Hause und habe geweint. 
Dachte oft an zuhause, konnte mich aber absolut nicht mehr daran erinnern, wie es dort aussieht. 
Solche Sachen passieren mir in letzter Zeit total oft. Manchmal vergesse ich die kleinsten Dinge wie zu anfangs auch wieder, zbs, wusste ich nach dem Sturz nicht mehr, wie man Haare kämt, ich konne es einfach nicht mehr. 
Passiert mir zwischenzeitlich leider auch noch/wieder. 

Es ist von November 2016 bis jetzt aber schon besser geworden, das kann ich nicht abstreiten. 

Habe manchmal trotzdem echt Angst bzw das Gefühl, ich verliere mehr, als zuvor, weil es einfach anders ist, als zuvor. 

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