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Burnout - ja oder nein?

16. Juli 2008 um 14:30

Hallo ihr lieben.

Ich schreibe dies hier weil ich total verunsichert bin.
Ich war heute morgen bei meiner Hausärztin weil ich endlich mal mit jemandem über mein Problem sprechen wollte. So richtig hat es mich aber leider nicht weitergebracht.

Aber von Anfang an. Ich arbeite an einer Hotline seit gut 3 Jahren, habe nach meiner Ausbildung diese Stelle erhalten und es gefiel mir bisher sehr gut. Ich will und kann aber mehr, deshalb habe ich im letzten März noch ein Studium begonnen. Ich gehe also noch 2-3 mal die Woche Abends für jeweils 3 Stunden zur Uni,war bisher auch immer noch sehr motiviert und guter Dinge. Sicherlich war es stressig doch ich hatte ja ein Ziel vor Augen.

Letztes Jahr vor Weihnachten fing es dann an sehr stressig zu werden, die Vorlesungen waren Anstrengend, der Stoff schwer und ich lebte nur noch für die Arbeit und das Studium. Mit Freunden traf ich mich kaum noch, keine Zeit. Mein Freund unterstützte mich wo er konnte, trotzdem ging es mir richtig mies. Ich schrieb meine letzte Klausur am 21.Dezember und hoffte über Weihnachten abschalten zu können..so richtig gelang es mir aber nicht.. Im neuen Jahr wurde es dann etwas ruhiger .. trotzdem hatte ich kaum noch Kontakt zu meinen Freunden, wir haben uns auch wegen blödsinn gestritten und bis heute nie mehr richtig versöhnt.

Ich hangelte mich so durch bis jetzt, versuchte einen Gang runter zu schalten und es ging bis jetzt auch irgendwie, mein Terminkalender war immer voll und ich war stolz darauf das alles doch so toll zu managen. Ich bekomme oft zu hören "toll wie du das schaffst".. doch im moment schaffe ich es so gar nicht mehr..

Denn seit einigen Wochen wurde es auf meiner Arbeit sehr stressig, es wurden immer mehr Leute krank, die arbeit häufte sich.. ich habe versucht immer alles zu geben aber irgendwann schlug meine Stimmung um. Ich reagiere aggresiv, gereizt, rege mich innerlich über alles und jeden auf. Habe inzwischen eine "Scheißegal" Einstellung.. so kenn ich mich nicht. Ich war immer ein rücksichtsvoller, fröhlicher, positiv eingestellter Mensch.. und jetzt bin ich das alles nicht mehr.

Komme ich Abends nach Hause ärgere ich mich über mich selbst. Grübele.. manchmal wein ich sogar und weiß nicht mal so richtig warum.

Diesen Montag hab ich die letzte Klausur in der Uni geschrieben, jetzt habe ich frei bis Ende August von der Uni.. die Arbeit bleibt. Und trotzdem kann ich nichts positives sehen, ich will mich jeden morgen am liebsten gleich wieder rumdrehen...

Darum meldete ich mich heute krank und ging zu meiner Hausärztin. Ich erklärte ihr so gut ich konnte was los ist. Sie sagte mir dann:"Dies ist eine Notfallsprechstunde, ich habe noch 2 schwierige EKGs zu machen. Was soll ich ihnen sagen? Sie wissen woher es kommt.. was würde ihnen helfen? Eine Gesprächstherapie? Eine Auszeit?"
Hm. Ich habe mich für den Rest der Woche krank schreiben lassen, sie hat Magen Darm auf dem Krankenschein angegeben, meinem Teamleiter habe ich was von Magenschleimhautentzündung erzählt.
Meine Ärztin wollte mich schon die ganze nächste Woche krank schreiben aber in dieser Woche habe ich eine besondere Schicht die dann von meinen Arbeitskollegen ausgeglichen werden müsste, ich möchte nicht dass sie durch mich das ausgleichen müssen. Sie haben mich bei der Uni durch Schichttausch und anderes bis jetzt sehr unterstüzt...

Das Problem ist, ich brauche jemanden der mir sagt:"Ja, du hast da was. Du bist "krank", das ist okay! Du hast das recht dich auszuruhen" Diese Bestätigung brauche ich.. sonst fühle ich mich, so wie jetzt als Schmarotzerin, als "Blaumacherin" nur weil es mal streßig ist..

Und deswegen schreibe ich es wohl auch hierhin. Weil ich bestätigung Brauche... und weil ich jemanden Brauche zum Reden.

So weit zu meiner Geschichte... Hat jemand von euch schon Erfahrung gemacht damit? War jemand schonmal beim Psychotherapeuten deswegen? An meiner Situation kann ich zur Zeit nichts ändern, ich will das Studium durchziehen... aber ich habe Angst irgendwann zusammenzubrechen...

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23. Juli 2008 um 9:19

Burn Out
Hallo,
habe gerade deine Geschichte gelesen und ich rate dir ganz schnell weniger zu arbeiten. Ich habe leider die Erfahrunt gemacht das ich mich mal über Monate überarbeitet habe, und dann nur noch im Bett lag weil mein Kopf und Körper blockierte. Das Hauptproblem ist, dass wenn mal etwas überreizt ist, geht es nicht mehr weg, und ich weiß wo von ich rede. Alles bleibt! Und wenn du jetzt an den Punkt kommst, wo es im Kopf heißt - ich kann nicht mehr oder ich will nicht mehr, die inneren Alarmglocken leuchten, dann bekommst du sie im Leben immer früher gezeigt. Der Körper hat es sich wie ein Programm gemerkt und du wirst nie wieder so viel arbeiten können. Wenn ich mehr als 5 Stunden durcharbeite fange ich an zu zittern, Herzklopfen und mein Kopf blockiert - nicht toll. Bin jetzt 41 Jahre und mein Körper reagiert immer klarer. Hatte mein Burn Out im Kindergarten vor 10 Jahren und kein Therapeut konnte mir helfen, und Hypnose geht bei mir leider nicht, sons könnte man meine Kopfgedanken "umschreiben".
ALSO!
Arbeite ganz schnell weniger damit es dir nicht so geht wie mir. Wobei ich dir schon eine Gesprächstherapie rate, kann nie schaden
Alles Gute!
Caro

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24. Juli 2008 um 0:08

Kommt mir bekannt vor....
hallo sarahjanebo,

auch ich arbeite an einer hotline und studiere zudem noch.desweiteren sind da noch nebentätigkeiten, familie, mann, freunde, haushalt...eine ganze weile ging das alles auch gut und wie du schon schriebst; die menschen sind stets erstaunt, wie man das alles unter einen hut bekommt, aber mit jeder zusätzlichen aufgabe, nahm eine andere an qualität ab. das war ein schleichender prozess, so dass ich einen ziemlichen engpass an der uni durchlebt habe, den ich heute noch mühsam nachholen muß. fakt ist, dass man irgendwann überflutet wird und einfach nicht mehr kann. auch die tätigkeit die wir ausüben ist nicht ohne, auch wenn man taff ist und vieles nicht persönlich nimmt-unterschwellig stresst es einen schon, man muß sich eine dicke mauer bauen.es wird immer gefordert und gefordert,aber selbst bleibt man auf der strecke. das letzte was du denken darfst ist, du seist eine blaumacherin!!!!dein körper gibt dir signale, dass du einen gang herunter schaltest!!ignorierst du das, kann es schlimmere folgen haben. wie bei mir z.B. als zum arbeits-und unistress auch noch familienprobleme hinzukamen, haben sich bei mir angstzustände eingeschlichen, die ich nicht mal meinem ärgsten feind wünschen würde.
erkenne was dir wichtig ist, organisiere deine zeit, eins nach dem anderen..dann läuft es halt mal langsamer.gönne dir persönliche auszeiten, dass ist völlig ok.
ich selbst bin seit ca. 2monaten beim psychotherapeuten weil ich einfach gemerkt habe, dass ich fachlichen rat brauche, da ich mich selbst nicht mehr in die richtige bahn lenken konnte. es hilft und ich empfehle es auf jeden fall.UND; JA, DU hast das RECHT dich auszuruhen!!! LG, alles gute.

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