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Burn out - 5 vor 12

9. März 2010 um 20:09

Hallo,

vielleicht kennt sich jemand aus und kann mir mit dem ein oder anderen Rat weiter helfen. Ich bin w, 42.

Mein Arzt sagt, ich stehe kurz vor einem Burn out. Ich war bei ihm, weil ich merkte, irgendwas stimmt nicht. Wacklig auf den Beinen, sehr abgenommen, ständige Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Magenschmerzen ständige Unruhe und Gehetztsein. Naja, passt schon.

Ich soll unbedingt kürzer treten. Nur weiß ich überhaupt nicht, wie ich das umsetzen soll.

Bei mir kommt im Moment nun mal alles zusammen.
Vor 2 Jahren Trennung von meinem Ex-Mann (Alkohol, Fremdgehen von seiner Seite). Extremer Stress, er wollte sich umbringen, war lange arbeitsunfähig und wollte mich mit den Schulden auf das Haus, was er weiter bewohnt, erpressen. Dann eine neue Liebe, die sich als große Enttäuschung herausstellte. Schließlich wurde meine Tochter (jetzt 19) schwanger in der Ausbildung. Ständiges Kämpfen am finanziellen Limit. Nebenarbeit. Schließlich kündigte im November meine Kollegin, mit der ich seit 12 Jahren zusammen arbeite und der größte Teil der Arbeit blieb an mir hängen. Überstunden an groh. Vor 5 Wochen zog meine Tochter mit ihrem 7 Monate alten Baby bei ihrem Freund aus - und bis sie eine neue Bleibe hat - bei mir ein.

Seitdem komme ich nicht mehr zum Luftholen.
Den ganzen Tag klingelt auf Arbeit ununterbrochen das Telefon (seitdem hasse ich Telefonflats, die Leute haben Zeit Zeit Zeit und nehmen sich auch meine, indem sie alles zigtausend mal erfragen und sich anschließend noch zigtausend mal vergewissern), und dann, wenn andere Feierabend habe, fange ich an, die Berge von Aufträgen abzuarbeiten, die ich den ganzen Tag lang angenommen habe.
Dann komme ich heim und die Wohnung ein Chaos, das Baby schreit und meine Tochter stellt sich dickfellig. Keine Nacht mehr durchschlafen. Keine Minute mehr für mich, keine Minute mehr zum Runterkommen. Überall nur unerledigte Dinge, Dinge die nicht laufen, Dinge, die besprochen werden müssen, Streit und bockiges Verhalten.

Das Wohnzimmer müssen wir uns teilen, ich hab nur eine kleine Wohnung. Dazu kommt, dass meine Tochter plötzlich extreme Unzuverlässigkeit an den Tag legt. Sie trifft sich für 2 Stunden mit einer Freundin und kommt erst am frühen Morgen wieder - sprich Nachtschicht für mich!

Ich tobe und schimpfe, das nächste mal ist es das gleiche wieder. Geld hat sie keins, hat sich mit Autokredit und Handyrechnungen fett verschuldet, ich muss beide mit durchbringen. In jeder meiner freien Minuten überlässt sie mir das Kind und geht ihrer Wege. Auch vor der Arbeit und erst recht abends. Prellt mich sogar um Geld.

Es ist keine Frage, dass ich sie bei ihrer Ausbildung und mit dem Baby unterstütze, so weit es mir eben möglich ist, aber ich fühle mich extrem überfordert und ausgenutzt. Reden hilft nichts. Einzige Hoffnung: sie ist auf Wohnungssuche. Aber das kann sich noch hinziehen, weil zur Zeit nicht genügend bezahlbare kleine Wohnungen zu haben sind.

Und was ist bis dahin? Meine Arbeit will ich nicht aufgeben, sie ist aber leider nicht zu schaffen. Mit meiner Cheffin habe ich schon geredet, aber sie sieht keine Lösung für das Problem. Die Neue ist noch lange nicht so weit, das Arbeitsgebiet ist einfach zu umfangreich und komplex. Fast jedes Telefonat, was sie entgegen nimmt, verbindet sie an mich weiter - und die Kunden sind verärgert, weil sie alles noch einmal erzählen müssen... wer badet es aus? Na wer schon? Mehrmals die Woche werde ich auch noch mit "Sonderaufträgen" beehrt, weil ich ja alles so gut hinkriege. Ein Nein gibts nicht. Wird halt noch ne Stunde dran gehangen...

Mit meiner Tochter hab ich jeden Tag kleine und große Auseinandersetzungen, leider ohne Erfolg. Sie tut keinen Handschlag in der Wohnung und erfüllt jegliche Pflichten nur, wenn ich sie regelrecht erpresse (z. B. sperre ich meinen Laptop - Katastrophe!) Zwei Tage später ist alles wieder beim Alten. Und Diskussionen über alles. Nichts kommt von allein, z. B. mal die Windeln in den Müll bringen etc.

Ich weiß wirklich nicht mehr weiter. Bin total am Ende. Mir fehlt auch der Rückhalt durch einen Partner. Doch davon kann ich im Moment nicht mal träumen, so unwahrscheinlich ist es. Jeder sagt mir, Du siehst aber schlecht aus, Mädchen! Toll, das auch noch. Und ich hab weder Zeit noch Geld, die ich im Moment in mich investieren könnte.

Weiß jemand einen Rat?

Liebe Grüße,

Mary







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16. März 2010 um 16:51

Ein Versuch...
Hallo,

der ganze Druck der sich von allen Seiten um dich aufgebaut hat ist mir nicht unbekannt.

Vor ca. vier Wochen war es bei mir soweit, dass ich mir selbst das eingestanden haben, was andere um mich herum schon länger zur Kenntnis genommen haben. Der ganze Stress und Druck von allen Seiten hat mich verändert und nervlich extrem an meine Grenzen gebracht.
Ich war soweit, dass sozusagen nichts mehr ging. Ich habe geschwankt zwischen Aggressivität und Verzweiflung wenn nur eine Kleinigkeit von mir verlangt wurde die früher kein Problem darstellte, habe mich Stück für Stück aus meinem Freundeskreis zurückgezogen weil alles zu anstrengend für mich wurde. Selbst geliebte Hobbys habe ich aufgegeben bis ich schließlich soweit war das ich nur noch meine Ruhe und Schlaf wollte.

Nun ja lange Rede kurzer Sinn egal wie jemand an diesen Punkt gerät, es ist gut es für sich zu erkennen und anfangen zu handeln. Mein nächster Schritt führte mich zu einem Verhaltenspsychologen. Mit ihm beginne ich nun langsam die Strukturen zu erkennen die mich soweit gebracht haben.
Ich habe noch nicht viele Sitzungen hinter mir aber ich bin mittlerweile überzeugt es war das richige für mich. Dies ist der Rat den ich dir geben kann.
Für mich war es erschreckend, die Erkenntnis, dass ich mir selbst in dieser Situation nicht mehr helfen kann und das ich - nun ja - mich einem Wildfremden anvertrauen soll. Aber so schlimm ist es wahrlich nicht
Naja ich hoffe ich konnte dir irgendwie weiterhelfen
lg

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18. März 2010 um 19:58

Ich war auch in der Situation (m, 42 Jahre)
Ich arbeite in der IT und da fallen auch mehr als genug Überstunden an. Habe mich auch verändert und andere mussten es ausbaden.

Habe dann die Notbremse gezogen , begrenzung der überstunden. Auch mal nein sagen und sich nicht immer aus nutzen lassen.
Und mit andren Menschen über seine Situation reden , hat mir sehr viel geholfen. Denn in so einer Situation erfährt man sehr schnell auf wen man sich verlassen kann. Es gab ein paar negative und viele positive Überraschungen. Und ich merkte ich bin nicht allein und das gab mir Kraft.
Und wieder mehr das tuen , was einen selber Spass macht

lg Mario

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