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Brauche eure Hilfe

4. Januar 2016 um 20:36 Letzte Antwort: 9. Januar 2016 um 1:32

Hallo an alle!
Ich hoffe, ich trete hier niemandem zu nahe, denn das liegt mir wirklich fern. Ich bräuchte eure Erfahrungen nach einer Vergewaltigung. Mir ist Gott sei Dank so was noch nie richtig passiert, ich bin einmal knapp entkommen.
Aber wegen meinem Anliegen:
ich schreibe momentan ein Buch, und die Hauptperson wurde vergewaltigt, ziemlich arg, und danach wollte der Täter sie töten.
Es kam zur Anzeige, und der Täter ist auch geständig.
Nur der ganze juristische Ablauf ist mir nicht klar.
Man bringt es zur Anzeige und macht dort Angaben über den Tathergang. Aber was passiert dann? Wie oft bespricht sich der Rechtsanwalt (oder Staatsanwalt) mit dem Opfer? Was bespricht ein psychologischer Verfahrenshelfer denn vorher mit dem Opfer?
Vor allem: Wie ist es euch während dem Prozess ergangen? Wann ward ihr wieder in der Lage, euch zu verlieben?

Ich beschäftige mich aus Recherchegründen schon eine Weile mit dem Thema, und finde es grausam, was einem Menschen auf diese Weise angetan wird.
Allen, die das lesen, wünsche ich alles Gute und baldige Heilung, vor allem für die Seele.

lg
Lisa

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5. Januar 2016 um 21:31

Meine Erfahrungen
Also als allererstes: ich kann dir leider nicht mit Fragen zum Prozess weiterhelfen, da ich selbst nie eine Anzeige aufgegeben habe, was leider nicht unüblich ist.
Zu deiner letzten Frage: sich verlieben ist nicht unbedingt schwer, aber es ist eher eine abstraktes Gefühl wenn das für dich Sinn macht? Was ich damit meine ist, dass man sich zwar theoretisch nach einerBeziehung mitallem drum und dran sehnt und vielleicht auch eine konkrete Person kennt für die man Gefühle hat, es aber in der Realität nicht zulassen kann, dass diese Person oder sonst irgendjemand einem emotional und physisch näher kommt. Zumindest ist es bei mir nach acht Jahren noch so. Allerdings ist hier zu beachten,dass das alles sehr individuell und damit bei jedem anders ist.

Ich hoffe ich konnte dir etwas helfen und du hast Erfolg mit deinem Buch, nur bitte tu mir einen Gefallen und mach die Vergewaltigung nicht zu dramatisch, denn (wieder eine sehr persönliche Meinung) es fühlt sich immer an wie ein Schlag ins Gesicht wenn eine fiktive Vergewaltigung immer brutaler und brutaler dargestellt wird, da eine "normale" Vergewaltigung nicht mehr dramatisch genug erscheint.

LG,
Frau Montag

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9. Januar 2016 um 1:32

Zum Prozess
Ich weiß nicht ob das hilfreich ist aber ich habe die Tat angezeigt und der Täter wurde dadurch Verurteilt: Vielleicht sind meine Erfahrungen ja hilfreich. Ich war zuerst bei der Polizei und habe dort erzählt was mir passiert ist. Direkt nach dem Gespräch wurde ich von 2 Kriminalbeamten abgeholt um dort meine Anzeige zu machen. Nach ca. 2-3 woche wurde ich von einem anderen Kriminalbeamten Nachbefragt. Dabei musste ich wieder alles schildern und mir wurden viele Fragen gestellt. Das macht man um zu überprüfen ob die Person die Wahrheit sagt. Kurz darauf wurde der Täter benachrichtigt und ich suchte mir einen Anwalt. Beim ersten Gespräch erzählte ich was mir passiert ist und klärte mit ihm wie es weiter gehen würde. Beim zweiten Termin habe ich mit meinem Anwalt dann besprochen was in der Strafakte steht und konnte ein paar Fragen klären. Leider kam es bei mir erst nach über einem Jahr zum Prozess. Dieser fand bei mir vor dem Amtsgericht statt. Ich war nicht nur Zeugin sondern auch Nebenklägerin. Während der Befragung des Täters musste ich den Saal verlassen danach musste ich meine Aussage machen während er dabei zuhören durfte. Bei der Aussage wird wieder alles erzählt was passiert ist und man bekommt Fragen vom Richter, dem Staatsanwalt und natürlich auch vom Anwalt des Täters gestellt. Einen psychologischen Verfahrenshelfer gab es bei mir nicht. Ich war kurz nach der Anzeige bei eine Hilfestelle für Vergewaltigungsopfer. Die Frau dort hätte mich beim Prozess begleitet aber das wollte und brauchte ich nicht.

Die Zeit von der Anzeige bis zum Prozess und besonders der Prozess sind natürlich nicht einfach aber ich kann Rückblickend sagen das diese Anzeige das beste war was ich hätte tun können. Ich konnte nicht damit leben das man mir mein Leben komplett versaut und damit dann einfach so davon kommt. Der Prozess ist nicht einfach besonders wenn man seinen Täter sehen muss. Mein Täter war mein Ex freund was die ganze Sache nicht schöner macht und ich muss zugeben ich hatte riesige Angst vor dem Termin. Ich hab am ganzen Körper gezittert und hatte das Gefühl ich würde Umkippen als er den Raum betrat. Und obwohl das ständige erzählen des Vorfalls nicht schön ist und ich meine Tränen nicht zurück halten konnte war es besser als ich dachte. Durch meinen Anwalt hab ich mich nie alleine Gefühlt und habe es mit dem Gedanken das ich mich nicht unterkriegen lasse durchgestanden. Es hat sich gelohnt, er ist jetzt 4 Jahre in Haft.

Ich hab trotzdem immer noch sehr mit den Folgen des Vorfalls zu kämpfen,weil dieser auch erst etwas über ein Jahr her ist und der Prozess kurz vor Weihnachten war. Wann man sich wieder Verlieben kann ist schwer zu sagen ich bin neu Verliebt aber Vertrauen ist schwer und die Angst geht nie weg.

Ich hoffe ich erschlage jetzt niemanden mit dem Text aber vielleicht kann ich nicht nur dir bei deinem Buch helfen, sondern auch anderen mut zu machen solche Straftaten zur Anzeige zu bringen. Wenn noch fragen aufkommen kann man mich gerne anschreiben!

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