Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Brauche dringend Rat: Bruder kifft, Mama hilflos!

Letzte Nachricht: 28. Februar 2014 um 11:12
B
beylke_12477181
19.11.12 um 0:33

Hallo liebe User!
Ich lese hier im Forum schon eine ganze Weile mit, aber nach diesem Wochenende brauche ich auch selbst Hilfe! Ich warne euch vor: Der Text wird lang, aber ich wäre euch echt dankbar, wenn ihr ihn euch durchlest und mir helfen könnt!

Ich schildere euch mal unsere Ausgangssituation:
Wir sind eine kleine Patchworkfamilie. Meine Mama (45) ist nach ihrer Scheidung nun schon seit fast acht Jahren mit unserem Stiefvater (46) zusammen, seit drei Jahren auch verheiratet. Er war für mich (22) und meinen Bruder (20) immer da, war uns eigentlich immer mehr Vater, als unser eigentlicher Erzeuger (war beruflich viel unterwegs, nie zu Hause, hat meine Mutter am laufenden Band kontrolliert, belogen und betrogen, ihm war Geld immer wichtiger als wir, etc. etc...). Bei ihrer Scheidung versuchte er sogar uns beider gegen unsere Mutter aufzuhetzen, was ihm Gott sei Dank nicht gelang.
Ich bin jetzt in der 38. Woche mit meinem ersten Kind schwanger, und vor wenigen Wochen zu meinem Freund gezogen. Mein Bruder freut sich total auf seine kleine Nichte, fragt immer, wie groß0 und schwer sie schon ist, und schwärmt regelrecht davon, was er mal alles mit ihr unternehmen will, wenn sie endlcih auf der Welt ist, und er den Onkel rauslassen kann.
Das Verhältnis zwischen ihm und mir war eigentlich immer ein normales Geschwisterliches mit allen Aufs und Abs.

Nun etwas mehr Infos zu ihm. Er war immer schon ein sehr aufgewecktes Kind, total lebhaft, frech, und in seiner Pubertät oft sehr sehr schwierig (was ich auf die Scheidung und ein nahezu völliges Fehlen einer richtigen Vaterfigur zurückführe), er hat aber ein wikrlich gutes Herz, und könnte keiner Fliege etwas zu Leide tun. Es gab sehr oft Streit zwischen ihm und meiner Mutter (zwecks fortgehen, Alkohol blabla...Typisches Pubertätsverhalten ebven), was sich aber immer wieder schnell legte.

Vor zwei Jahren bat mich eine gemeinssmer Freundin dann, mal mit ihm zu reden, weil sie ihn beim Kiffen erwischt hatte. Ich hab das dann auch getan, hab ihn über Cannabis und das Ganze aufgeklärt, und ihm nochmal ins Gedächtnis gesprochen, dass spätestens bei der Musterung eventueller Drogenkonsum aufkommt, und das massig Probleme mit sich bringt. Natürlich habe ich meiner Mutter nichts davon gesagt, und anscheinend hat sich das alles dann auch erledigt, weil bei der Musterung und beim Heeresdienst selbst alle Drogentests negativ waren.
Nun komm ich aber endlich zu der Episode, die sich letzte Woche bei uns zu Hause abgespielt hat, und die mir meine Ma dieses Wochenende verzweifelt erzählt hat:

Montags stand plötzlich die Polizei vor der Tür. Einen der Polizisten kannte meine Mutter nicht, mit dem zweiten aber war sie aufgewachsen. Sie waren mit dem Zivilauto gekommen, um bei unseren Nachbarn kein Aufsehen zu erregen, und baten meine Mutter, das Zimmer meines Bruders filzen zu dürfen, da Verdacht auf Drogenbesitz bestand. Sie war alleine zu Hause (mein Bruder war in der Arbeit), und stimmte dem Ganzen zu. Es kam, wie es kommen musste, sie fanden etliche Mengen an Gras (Gott sei Dank keinen anderen Scheiß), die Pfeiffen, Putzzeug, und was man sonst noch dazu braucht. Es wurde alles wieder gründlich zurückgelegt, und das Zimmer verlassen. So, die Polizisten bedankten sich für die Kooperation, und sagten meiner Mutter, dass sie gerade dabei sind, in unserer Gemeinde eine ganze Menge Dealer, Konsumenten und Anbauer aufzugreifen. Sie versprachen ihr auch, ihn erst nach der Arbeit, auf dem Weg nach Hause aufzugreifen, damit er mit seiner Firma keine Probleme bekommt und seinen Job nicht auch noch verliert. Gesagt, getan. Auf seinem Heimweg hielten sie meinen Bruder auf (er war in einer Fahrgemeinschaft mit einem Bekannten (mein Bruder hat bis heute keinen Füherschein), der über die Verhaftung vorher informiert wurde), fuhren mit ihm nach Hause, er rückte alles raus, was er hatte, und die Beamten auch vorher schon gefunden hatten.

Am nächsten Tag sprach meine Mutter mit meinem Bruder über die Sache. Sie war einfach total verzweifelt, nur am heulen, wusste werder ein noch aus. Sie hat ihn gefragt, warum er das macht, ob es jemals etwas gab, dass sie bei ihm falsch gemacht hat, ob er den keine Ahnung hat, wie er sich seine Zukunft damit verbaut, immerhin hat er jetzt eine Vorstrafe an der Backe! Sie fragte ihn auch, wie er sich das denn mit seiner kleinen Nichte dann vorstellt. Ob er daran gedacht hat, welche Wirkung diese Geschichte auf mich und das Baby hat, ob er es toll fände, wenn die Kleine mal sagt "Mein Onkel ist ein Suchti" oder so ähnlich. Da wurder er dann ganz ruhig. Man merkte ihm schon an, dass es ihm leidtat, weil er unsere Mutter so verletzte, aber von Einsicht keine Spur! Er ist der Meinung, das Zeug ist gesünder als Zigaretten, es macht nicht süchtig, ist doch alles nicht so schlimm, etc, etc... Typische Kifferausreden eben. Die restliche Woche dürfte er recht "schmähstad" gewesen sein, aber wir haben keine Ahnung, ob er jetzt vorhat sich zu bessern, oder alles so zu lassen, keine Ahnung einfach...
Gestern wusste ich gar nicht, ob oder wie ich mit ihm reden sollte... Ich will ihm nicht, dass ich gegen eine wand rede, oder ihm so aufdringlich bin, dass er dann ganz auf Durchzug schaltet...
Ich habe mich dann dafür entschieden ihm zu sagen, dass wir ihm nichts böses oder so wollen, sondern wir uns nur unglaubliche Sorgen um ihn machen. Wir wollen nicht, dass er so endet, wie drei unserer Cousins (alle mit dem ach so ungefährlichen Hanf angefangen, und bei allen dreien "warten" wir jetzt nur noch auf die Meldung "Der Schuss war zu viel"). Auch haben wir ihn darauf hingewiesen, dass er der einzige Onkel ist, der so tolle Sachen mit der Kleinen Nichte unternehmen könnte, und wir ihm und ihr auf gar keinen Fall den Umgang verhindern wollen. Zum Schluss hab ich ihm dann noch gesagt, dass er sich jederzeit bei uns melden kann, wenn er Hilfe braucht oder jemanden zum Reden. Aber er reagierte so, wie ich es schon befürchtet hatte: Obwohl ich mich bemühte, keine Standpauke zu halten, und es so kurz wie möglich zu halten (es waren nur drei, vier Sätze oder so), sah er aus, als würde er nicht zuhören und sagte nur:"Ich hab eh jemanden zum reden, wenn ich wen brauche".

Nun wissen wir nicht, was wir weiter machen sollen, Meine Mutter ist nur noch am Weinen, was ich so gut wie gar nicht von ihr kenne (sie ist eine unglaublich starke Frau, und mein Leben lang habe ich sie vl drei-viermal weinen sehen), und mir geht es nicht anders. Wir haben solche Angst, dass er aus dem Ganzen nicht mehr rauskommt! Oder schlimmer sogar, noch tiefer in das alles reinrutscht! Ich weiß, dass er von selbst draufkommen muss, dass er Hilfe braucht, aber was können wir noch tun? Ich will nicht einfach dastehen und zusehen, wie mein Bruder sein Leben verhaut, ohne etwas zu tun! Was kann ich meiner Mutter raten? Was kann ich effektiv tun?

Bitte helft mir! Seit gestern bin ich nur noch fertig, kann kaum schlafen, und sich auf etwas anderes konzentrieren ist ebenfalls echt schwierig, darum verzeiht, wenn mein Text etwas wirr und falsch geschrieben ist!

Danke fürs Lesen dieses Riesentexts, und danke schonmal für alle Tipps!

Holly

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S
su_11982835
19.11.12 um 9:04

Vielleicht ist dein...
... dein Bruder in falsche Kreise abgerutscht... Er ist mit 22 definitiv zu alt, als dass deine Mutter mit Autorität groß eingreifen könnte. Deine Mutter steht bestimmt auch unter Schock, dass die Polizei wegen so einer Sache auf der Matte stehen musste. Was deine Mutter tun könnte: Sie könnte ihm verbieten, Cannabis in ihrer Wohnung zu konsumieren. Vielleicht ist dann Streit vorprogrammiert, aber dein Bruder sollte Rücksicht auf deine Mutter nehmen, sie ist ja die Dame des Hauses und musste die Polizei in Empfang nehmen, so zieht er sie in die Unannehmlichkeiten herein. Leider kiffen junge Leute, und ob dein Bruder ein verantwortungsvoller Konsument ist, der alles unter Kontrolle hat, oder ob er prädestiniert ist zu denen zu gehören, die mit dieser Einstiegsdroge noch weiter in Drogensucht abzurutschen, das könnt nur ihr einschätzen. Ich weiß nicht, wie sehr ihr im vertraut... Wie schädlich Cannabis tatsächlich ist ist umstritten, aber solange es keine härteren Drogen sind, versucht besser, euch mit dem Gedanken zu arrangieren, er ist alt genug um zu wissen was er tut. Und deine Mutter sollte sich keine Vorwürfe machen, junge Leute haben eben ihren eigenen Kopf...

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B
beylke_12477181
19.11.12 um 13:35

Vielen Dank für die schnelle Antwort!
Ja, dass wir ihm da nicht reinreden können/sollen, ist leider so!
Ich bin kein vehementer Gegner von Cannabis, da experimentiert jeder mal damit rum. Und wie du bereits erwähnt hast, es ist ja nicht bewiesen, dass es eine Einstiegsdroge ist, oder wirklich so ärgstens gefährlich.
Es hat mich nur so schockiert, dass auf einmal die Polizei dastand, und er wirklich schon so tief mit drinsteckt! Der Umgang spielte bei ihm sicher auch eine wahnsinnig große Rolle. Die letzte Zeit hing er eigentlich nur mit solchen "Gesellen" rum, und ich hoffe wirklich, dass er es schafft sich von eben diesen loszueisen. Ich glaube auch, dass ihm einfach eine sinnvolle Beschäftigung fehlt. Am Auto rumbasteln ist nicht, er hat ja noch keinen Führerschein und kein Auto. Er hats mal mit Sport versucht (auch in Fitnessclubs und so), aber das beim Heer auch wieder aufgegeben. Das ist eines seiner Probleme, erleidet er mal einen Rückschlag, gibt er gleich alles auf. Als Beispiele: Er lernt wie besessen für den Füherschein, versemmelt aber die Prüfung, und verfällt in totale Stagnation was das anbelangt. Oder er wollte mal Berfussoldat werden, ist bei der prüfung nur knapp nicht durchgekommen, und gab das dann auch total auf.
Im Moment bestehen seine Aktivitäten eigentlich rein aus arbeiten gehen, und mit anderen Leuten abhängen. Er war mal sehr engagiert bei unserer örtlichen Feuerwehr, vl kann man ihn dazu bringen, das wieder (zumindest ein wenig) aufzugreifen, damit er einfach eine sinnvolle Beschäftigung findet, und wieder unter neue Leute kommt?

Und wie kann ich meiner Ma am besten helfen mit der Situation umzugehen? Sie weiß, dass ich immer für sie da bin, wenns ihr schlecht geht, aber sie meint gerade, ich sollte mich voll und ganz auf unser Baby konzentrieren. Aber ich will mehr für sie tun!

Aber nochmals vielen Dank, für deine schnelle Antwort! Mir gehts nach einer weiteren durchwachten Nacht schon ein bisschen besser ^^

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S
su_11982835
19.11.12 um 14:49
In Antwort auf beylke_12477181

Vielen Dank für die schnelle Antwort!
Ja, dass wir ihm da nicht reinreden können/sollen, ist leider so!
Ich bin kein vehementer Gegner von Cannabis, da experimentiert jeder mal damit rum. Und wie du bereits erwähnt hast, es ist ja nicht bewiesen, dass es eine Einstiegsdroge ist, oder wirklich so ärgstens gefährlich.
Es hat mich nur so schockiert, dass auf einmal die Polizei dastand, und er wirklich schon so tief mit drinsteckt! Der Umgang spielte bei ihm sicher auch eine wahnsinnig große Rolle. Die letzte Zeit hing er eigentlich nur mit solchen "Gesellen" rum, und ich hoffe wirklich, dass er es schafft sich von eben diesen loszueisen. Ich glaube auch, dass ihm einfach eine sinnvolle Beschäftigung fehlt. Am Auto rumbasteln ist nicht, er hat ja noch keinen Führerschein und kein Auto. Er hats mal mit Sport versucht (auch in Fitnessclubs und so), aber das beim Heer auch wieder aufgegeben. Das ist eines seiner Probleme, erleidet er mal einen Rückschlag, gibt er gleich alles auf. Als Beispiele: Er lernt wie besessen für den Füherschein, versemmelt aber die Prüfung, und verfällt in totale Stagnation was das anbelangt. Oder er wollte mal Berfussoldat werden, ist bei der prüfung nur knapp nicht durchgekommen, und gab das dann auch total auf.
Im Moment bestehen seine Aktivitäten eigentlich rein aus arbeiten gehen, und mit anderen Leuten abhängen. Er war mal sehr engagiert bei unserer örtlichen Feuerwehr, vl kann man ihn dazu bringen, das wieder (zumindest ein wenig) aufzugreifen, damit er einfach eine sinnvolle Beschäftigung findet, und wieder unter neue Leute kommt?

Und wie kann ich meiner Ma am besten helfen mit der Situation umzugehen? Sie weiß, dass ich immer für sie da bin, wenns ihr schlecht geht, aber sie meint gerade, ich sollte mich voll und ganz auf unser Baby konzentrieren. Aber ich will mehr für sie tun!

Aber nochmals vielen Dank, für deine schnelle Antwort! Mir gehts nach einer weiteren durchwachten Nacht schon ein bisschen besser ^^

Keine Ursache...
Für mich hörte es sich auch an, als sei dein Bruder einsichtig. Polizeilich aufzufallen ist ein Ding das gar nicht geht und es sollte auch nicht nochmal passieren.Ich weiß nicht ob der Konsum strafbar ist, aber von den "Geschäften" soll er sich fernhalten! Appeliere dafür, dass so ein Mist mit der Polizei nicht mal vorkommt, und versuche deine Mutter zu beschwichtigen. Die wenigsten Leute, die Gras konsumieren, greifen später zu härteren Drogen, weil darum geht es ja: Sie rauchen Cannabis, weil es die einzige Substanz ist, die nicht wirklich gefährlich ist! Deine Mutter entspannt sich auch wieder. Aber wenn ich höre, wieviele Sachen ihm nicht glücken wollten, dann kann ich mir vorstellen, dass sein Selbstbewusstsein etwas im Keller ist. Auch wenn dies nicht der Konsum-Grund ist, ist es wichtig ihn aufzubauen und zu loben und weiterhin nach seinen Stärken zu suchen. Vielleicht hat er einen Durchhänger, aber man kann ihn aufbauen, er ist schließlich ein superjunger Mensch, der noch gar nicht was er alles bewerstelligen kann, und braucht deshalb viel positives Feedback...

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B
beylke_12477181
28.02.14 um 11:12

Stand der jetzigen Dinge
Weil ich es hasse, wenn ich nicht eiß, wie manche Probleme bei anderen Usern ausgehen, will ich dieses Thema hier gerne mit der derzeitigen Situation "abschliessen" ^^

Also mein Bruder hat eine unglaubliche Wendung vollzogen! Diese ganze Sache mit Polizei etc. hat ihn wohl doch nicht so kalt gelassen, wie wir dachten! Er hat sich zusammengerissen, und als er etwa ein paar Monate später seine Freundin kennenlernte, ist er wie ausgewechselt! Er kifft nicht mehr, er trinkt so gut wie keinen Alkohol (ausser sie gehen Wochenends mal weg, und dann auch nur in Maßen), er arbeitet und bekommt sein Leben voll auf die Reihe

Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten!

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