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Bore-Out - Auskotzen und Tipps gesucht

17. Juni 2014 um 14:22

Ich bin grade echt gefrustet und es muss einfach jetzt mal alles raus aus mir. Daher hab ich jetzt mal dieses Forum gewählt.
Ich hatte nach meinem Studium (Medien) jetzt irgendwie einfach immer Pech in meinen Jobs.
Direkt nach dem Abschluss habe ich gleich was gefunden und mich wirklich gefreut, als Assistenz der Geschäftsführung in einem Start-up anzufangen, das im Bereich Marketing tätig ist. Die Bezahlung war super, die Kollegen nett, aber leider auch gleichzeitig als Chefs unbrauchbar (kleines 4-Mann unternehmen. 2 Chefs, 2 Assistentinnen). Meine Aufgaben waren durch die Größe des Betriebs entsprechend umfangreich. Aber schon bald habe auch ich gemerkt, dass die Firma früher oder später den Bach runter geht. Keine Aufträge, teilweise unmögliches Verhalten bei Kundengesprächen usw. Das Ende vom Spiel war, dass ich nach 1 Jahr dort meinen Job verloren habe, weil das Unternehmen Insolvenz anmelden musste.
Dann war ich arbeitslos trotz frühzeitiger Suche und einem guten Lebenslauf (Kaufmännische Ausbildung, dann Abi nachgeholt und Studiert, Praktika, Weiterbildungen und Auslandssemester alles mit super Zeugnissen). Ich habe dann wirklich lange gesucht und mich am Ende wirklich auf alles beworben, was irgendwie zu meinem Lebenslauf gepasst hat. Ich war dann schon wirklich am Verzweifeln und mir ging es gar nicht gut, hatte auch glaube ich schon eine latente Depression oder zumindest fast. Man fühlt sich ungebraucht und fragt sich, wofür man denn dieses Studium überhaupt gemacht hat, wenn man danach keine Stelle findet. Dann nach 7 Monaten Arbeitslosigkeit (2 Monate davon SAP-Schulung) habe ich endlich eine neue Stelle gefunden als Projektassistentin in einer Software-Firma.
Die Firma war und ist auch immer noch recht chaotisch, was die Projektplanung angeht und die sollte ich dann auf Vordermann bringen, ohne die nötigen Druckmittel und Entscheidungsbefugnisse zu haben. Nach 5 Monaten wurde mein Gehalt dann wie im Vorstellungsgespräch besprochen etwas erhöht, um langsam meinem Wunschgehalt (das ich bei Firma 1 erhalten habe) wieder näher zu kommen. Einen Monat später wurde mir dann ohne dass man vorher mal geäußert hätte, dass man sich mehr von mir wünschen würde o. ä. gekündigt. Der Haupthintergrund bei der Kündigung war meiner Meinung nach, dass eine Kollegin aus dem Mutterschutz zurück gekommen ist. Übrigens hieß es bei der Einstellung, dass ich mir dazu überhaupt keine Sorgen machen muss. Hat man ja dann gesehen. Ich war natürlich entsprechend sauer und enttäuscht und vor allem gefrustet, dass ich jetzt schon wieder in die Arbeitslosigkeit rutsche. Ich hab mich dann wegen der schlechten Erfahrungen beim letzten Mal auch direkt im erweiterten Umkreis beworben und höhere Fahrtkosten und längere Fahrtwege in Kauf genommen, auch wenn es mir widerstrebt hat.
Immerhin habe ich dieses Mal dann etwas schneller etwas gefunden und war nur 3,5 Monate auf der Suche. Jetzt arbeite ich wieder als Assistentin der Geschäftsführung und habe gar nichts mehr mit Medien zu tun. Das macht mir aber nur bedingt was aus. Was mir mehr ausmacht, ist die Gesamtkonstellation in meinem Job. Ich habe schlicht und ergreifend viel viel viel zu wenig zu tun. Ich werde hier total geschätzt und mein Chef sagt allen, wie toll er mich als seine Assistentin findet. Und ich langweile mich zu Tode. Ich bin jetzt seit knapp 5 Monaten da und es ist nicht besser geworden. Ich habe meinem Chef schon recht bald das erste mal gesagt, dass ich keine Aufgaben mehr habe und dringend was zu tun brauche. Dann meinte er, dass ich ja auch wahnsinnig schnell arbeite und dass sich das in den nächsten Monaten ändert. Zitat: Du wirst dich umschauen, was in 2-3 Monaten alles auf deinem Schreibtisch ist. Davon merke ich nichts. Im Gegenteil. In den letzten Wochen ist es noch schlimmer geworden. Ich sitze mehrfach ganze Tage hier und habe nichts zu tun, oder nur kleine Aufgaben, die mich mal 1-2 Stunden beschäftigen. Ich frage auch immer wieder meine Kollegin und schreibe meinem Chef regelmäßig, dass ich keine Aufgaben habe.
Mittlerweile bin ich es leid und so hocke ich jetzt seit 2 Tagen hier im Büro und warte, dass ich Aufgaben bekomme. Was soll ich denn noch machen, als den Chef fragen und die Kollegen fragen?
Noch dazu kommt, dass dieses Jahr ein recht schlechtes Jahr für meine Branche/mein Unternehmen ist, sodass jetzt sogar das versprochene Urlaubsgeld gestrichen wurde. Damit werden übrigens nicht mal mehr meine Mindestanforderungen vom Gehalt erfüllt
Ich habe jetzt fast schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich mein Unternehmen Geld koste und gar nichts bzw. viel zu wenig dafür tue. Meiner Meinung nach würde es reichen, die Stelle mit einer (günstigeren) normalen Sekretärin zu besetzen und nicht mit einer höher Qualifizierten Assistentin (soll jetzt nicht überheblich klingen).
Ich fühle mich total unterfordert und bin unglücklich und in der letzten Zeit kommen jetzt wieder diese leicht Depressiven Symptome raus. Ich habe ein schweres Herz/Druck auf der Brust, ich fühle mich oft als müsste ich gleich weinen oder habe Herzrasen und Unlust. Die wenigen Aufgaben, die ich bekomme mache ich entweder sofort oder schiebe sie ewig rum, dass ich wenigstens das Gefühl habe, dass ich noch etwas vor mir habe und nicht umsonst hier sitze. Ich denke, dass ich kurz vor dem Bore-Out stehe, oder schon mitten drin bin.
Zu einem Psychologen zu gehen habe ich mir auch schon überlegt, aber ich weiß ja, woran es liegt.

Am liebsten würde ich die Stelle wechseln, aber durch meine Erfahrungen in der Vergangenheit weiß ich, dass es nicht so einfach geht. Hätte ich die Möglichkeit zu wechseln, würde ich es sofort tun. Ich habe mich schon in den Stellenanzeigen informiert, aber bisher gibt es nichts, was mich interessieren würde oder wo ich Chancen hätte genommen zu werden. Einen Beruf zu machen, der mich nicht wirklich interessiert kommt auch nicht richtig in Frage, da bleibe ich lieber hier und langweile mich.
Ich muss noch dazu sagen, dass ich seit über einem Jahr ein kleines Haus gekauft habe und es zusammen mit meinem Freund gerade renoviere. Das ist natürlich auch eine große psychische Belastung zur Zeit. Aber ansonsten bin ich im Privaten eigentlich zufrieden. Ich bin glücklich in meiner Beziehung und unternehme einiges an meinen freien Tagen. Die private Seite ist also zum Glück noch nicht belastet, aber ich merke, dass es nicht mehr lange hält. Immer wenn mich jemand Fragt, wie meine Arbeit ist, kann ich nicht lügen und sage immer, dass ich zu wenig zu tun habe

Ein Freund von mir meinte, ich solle doch die Zeit nutzen und in den freien Zeiten lernen. Aber was soll ich denn lernen? Ich habe mich heute ein bisschen über kostenlose Online-Weiterbildungen informiert, aber ich bin so desinteressiert und lustlos, dass ich mich für keine Richtung entscheiden kann.

Habt ihr irgendwelche Tipps, wie ich mich wieder motivieren kann? Was ich sonst noch SINNVOLLES tun kann in der freien Zeit?
Und bitte keine Kommentare dazu, dass es doch schön ist, in der Arbeit keinen Stress zu haben. Wer so etwas sagt, hat noch nie versucht 8 Stunden im Büro zu hocken ohne was zu tun.

Ich danke für eure Aufmerksamkeit und fühle mich jetzt schon ein klitze kleines bisschen besser, weil ich mich mal mitteilen konnte und weil ich immerhin ein Bisschen Zeit verplempert habe (ha ha)

Viele Grüße

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24. Juni 2014 um 12:35

Hallo
Hallo

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24. Juni 2014 um 12:44

Hallo
ich kann dir leider keinen Tipp geben, was du sinnvolles machen könntest, aber ich kann gut nachfühlen wie es dir geht.
Bin seit mehreren Jahren in der Situation nichts oder sehr wenig auf Arbeit zu tun zu haben
Es ist wirklich schwer immer wieder sich zu motivieren.
Ich komme oft so mies gelaunt nach hause...
Das Schlimme ist auch, wenn man die Stellenanzeigen (bei uns hier) liest, erscheint mir alles noch trostloser. Fast nichts was in Frage kommt. Von den Rahmenbedingungen ganz zu schweigen.
Das Einzige was mir gut hilft, ist Sport, also laufen, Rad fahren, schwimmen.
Ohne dem wäre ich schon richtig depressiv.

Ich wünsche uns viel Ausdauer u. Erfolg beim Wegbewerben,
anders geht's nicht!!!

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23. Juli 2014 um 18:47

Liebe 123name,
ich lese zwar immer nur die Beiträge und schreibe nichts dazu, aber heute möchte ich mich bei dir melden, weil es mir ähnlich wie dir geht.

Zu meiner Situation: Ich hatte auch nach dem Studium Probleme einen Job zu finden, obwohl ich mit besten Noten, mit Berufsausbildung, Praktika und Auslandserfahrung abschlossen habe. Umso mehr habe ich mich dann gefreut, als ich im November einen Job als Assistentin der GF bekam. Ein Job mit klassischen Assistenzaufgaben, aber auch mit einem eigenen Fachbereich - so wurde mir versprochen. Letztendlich hat sich schnell herausgestellt, dass es gar keine oder nur sehr wenig Arbeit gab und ich mich fragte, warum man mich überhaupt eingestellt hätte. Natürlich fragte ich auch Kollegen, ob ich ihnen helfen kann und auch meinen Chef - nichts kam. Also habe ich ihn direkt darauf angesprochen, dass ich nichts zu tun hätte, aber er ist richtig sauer geworden und hat mich die darauffolgenden Wochen noch mehr ignoriert als sonst. Mein Plan war, dass ich einfach noch ein paar Wochen, Monate "durchhalte" und mir in der Zwischenzeit einen neuen Job suche. Leider ging der Plan nicht auf und ich war jeden Tag so fertig vom "Nichtstun". Schließlich musste ich nach ein paar Monaten kündigen (ohne einen neuen Job zu haben), weil es einfach nicht mehr ging. Ich hatte nie gedacht, jemals arbeitslos zu sein, weil ich gute Qualifikationen vorweisen konnte. Es war wirklich frustrierend und ich bekam weiterhin viele Absagen auf viele Bewerbung. Vor ein paar Wochen bekam ich dann endlich eine Zusage. Wieder als Assistentin der GF. Den Job habe ich auch angenommen, obwohl die Branche des Unternehmens nichts mehr mit meinem abgeschlossenen Studium gemeinsam hat. Und jetzt nach den paar Wochen kann ich sagen, dass es genau so weitergeht wie es aufgehört hat - wenig Arbeit und grausame Langweile. Im Büro sitze ich noch mit anderen Assistentinnen zusammen, aber denen scheint es nichts auszumachen; die haben Familie oder schon die Rente im Kopf und sind darüber froh so wenig wie möglich zu arbeiten.

Nun wolltest du aber nicht Geschichten gemeinsamer Leidensgenossen hören, sondern Ratschläge. Es ist mir klar, das es wahnsinnig schwierig ist, dir zu etwas zu raten, weil es irgendwie eine Zwickmühle ist. Ich werde meinen Job auf jeden Fall und so schnell wie möglich wieder kündigen. Auch wenn das für mich "Arbeitslosigkeit" bedeutet. Mein Nervenkostüm ist schon ziemlich ruiniert. Ich mache mir schon Sorgen, dass in meinen Lebenslauf so viele verschiedene Stellen, in kurzen Zeitabschnitten drinstehen, aber meine Gesundheit ist mir einfach wichtiger und ich muss einfach weiter hoffen, jemals eine Stelle zu bekommen, die auch mit Arbeit verbunden ist und nicht mit "blöd rumsitzen und Däumchen drehen". Ich kann dir nur sagen, noch zu warten und zu hoffen das deine Arbeitssituation besser wird, wenn du einfach abwartest, ist zwecklos - die Menge und Art von Arbeit wird die gleiche bleiben, wenn du mit Mitarbeitern und Chef schon gesprochen hast.

Ich kann dir keinen Ratschlag geben, aber vielleicht hilft es dir einfach, das es Menschen gibt, die dich verstehen und denen es auch so geht. Aber denk daran: Es gibt nur eine Gesundheit und die lässt sich durch nichts ersetzen.

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24. Juli 2014 um 11:13

Danke
Danke an euch beide für die lieben Antworten.
Es ist doch irgendwie schön zu wissen, dass einen auch jemand liest, wenn man sich mal auskotzt. Auch wenn man natürlich ungern andere als seelischen Mülleimer missbrauchen möchte.

Ich kann euch immerhin mal von meiner Situation berichten, wie es grade ist.
Immerhin ist es aktuell um einiges besser, aber richtig toll ist es noch nicht.
Ich war jetzt 2 Wochen krank (nicht wegen Bore-out sondern "normal") und habe innerhalb von 1-2 Tagen alles wieder abgearbeitet. Mein Postfach ist bis auf 2 Mail auf Rückhalt leer gewesen. Zum Glück haben wir jetzt grade wieder eine Aktion am laufen, bei der ich etwas mehr eingespannt bin. Herausfordernd sind diese Aufgaben zwar nicht, aber ich kann damit leben auch mal "Depperles-Arbeit" zu machen.
Insgesamt hat sich alles ein bisschen verbessert für mich und ich habe auch mitbekommen, dass es bei anderen Kollegen gerade recht ruhig ist. Dieses Jahr laufen die Geschäfte für meine Firma leider einfach nicht so gut. Woher also die Arbeit nehmen, wenn nichts los ist. Das habe ich mittlerweile auch ganz gut angenommen und komme ganz gut klar. Aktuell ist wenigstens mein Tag ganz gut gefüllt. Was passiert, wenn ich jetzt wieder länger normal in der Arbeit bin bleibt abzuwarten.

Ich werde noch eine Weile hier bleiben, aber wenn es bei mir wieder so schlimm wird, ziehe ich rechtzeitig die Notbremse.
Habe jetzt mal einen Job-Newsletter bestellt, damit ich nicht verpasse, wenn mal ein tolles Angebot aus meiner Stadt kommt, bin aber nicht ernsthaft auf der Suche.
Aktuell habe ich ja zusätzlich einen "Zweitjob", nämlich meine Hausrenovierung. Wenn die Abgeschlossen ist, dann werde ich mich vermutlich nochmal genauer umschauen, falls sich bis dahin nichts getan hat. Zumal ich dann auch umziehe und einen (etwas) längeren Arbeitsweg habe. Dann überlege ich mir natürlich zweimal, ob ich gerne in eine Arbeit pendle, die mich kaum braucht.

Dir liebe @katiwen wünsche ich ganz viel Erfolg, dass es bei der nächsten Stelle klappt und dass du etwas findest, dass dich fordert. Es ist erstaunlich, dass es gerade auf dem selben Posten ist, dass du nichts zu tun hast. Assistenz der Geschäftsführung wird glaube ich einfach zu sehr mit Sekretärin verwechselt. Zum einen werden die Bewerberinnen unterschätzt, also als "einfache Sekretärin" hingestellt, oder aber die zu vergebende Stelle wird überschätzt. Man braucht nicht nur eine einfache Sekretärin (nichts gegen diesen Beruf, aber die Anforderungen sind einfach etwas niedriger als bei der Assistenz), möchte aber aus irgendwelchen Gründen eine Assistentin der GF anstellen. Wirkt besser, oder man kennt den Unterschied nicht, oder vielleicht gibt es ja doch gar keinen Unterschied??

Heute ganz fröhliche Grüße

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9. Mai 2016 um 14:39

Boreout
Hallo zusammen,

im Rahmen meiner Bachelorthesis an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW befasse ich mich mit der Frage, ob das Boreout-Syndrom häufiger im öffentlichen Dienst - speziell in der Kommunalverwaltung - als in der Privatwirtschaft auftritt. Zu diesem Zweck habe ich folgende Umfrage erstellt und möchte Sie bitten, sich daran aktiv zu beteiligen.

https://lamapoll.de/Boreout/

Vielen Dank im Voraus.

Liebe Grüße

Jennifer Claßen

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9. Mai 2016 um 10:57
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