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Bin ich verbittert?

25. Juli 2016 um 22:58

Guten Tag,

vorab: Es tut mir unendlich leid für den langen Text .. :/

ich weiß das ist ein Forum für Frauen, aber ich finde, die Meinung des weiblichen Geschlechts ist in solchen Fällen aussagekräftiger. Redet man mit Kumpels (ich, männlich, Ende 30), dann hört man immer das selbe, man solle drüberstehen, das ist nun mal so..

Aber von vorn:

Ich hatte eine echt super Beziehung mit einer Frau. Sie war zu der Zeit Ausländerin, aber schon fast 10 Jahre arbeitend in Deutschland. Wir haben ihre Familie besucht, ich wurde megafreundlich aufgenommen, Sie war bei meiner Familie, wurde auch herzlich empfangen. Als wir zusammengekommen und es ernster wurde war eine meiner ersten Fragen, ob Sie vorhat wieder in die Heimat zu ziehen.
Sie meinte, daß Deutschland ihre Heimat sei (Arbeitsvisum etc. war über Jahre gesichert) und Sie hier Ihre Zukunft verbringen möchte.

Daraus entwickelte sich eine wunderschöne harmonische Beziehung incl. Zukunftsplänen etc. Bis zur Krimmkriese. Sie ist Russin und hat die Auswirkungen der Sanktionen gegen ihr Land direkt auf Arbeit spüren dürfen. Wie oft hat hab ich Sie heulend getröstet, als Sie von Arbeit kam. Das führte letztendlich zu einem Nervenzussamenbruch incl. psychologischer Behandlung. Ich hab Sie nur ein mal deswegen gefragt und Sie sagte nur "das soll privat bleiben". Das habe ich respektiert und nie wieder nachgefragt. Dazu kam (jedenfalls meiner Meinung nach), daß ich mit meinen Eltern echt gut auskomme und Sie vielleicht das Gefühl bekommen hat Ihre zu vernachlässigen. In Russland kann man die Altenpflege in den Skat drücken.

Nun denn: An einem Abend war Sie im Netz unterwegs und hat die Vertragsauflagen ihres Arbeitsvertrages geGoogled. (Ihr Visa hängt an einem Arbeitsvertrag, somit war mir klar, was das für Auswirkungen das haben wird, vor allem, da Sie jede Hilfe meinerseits in Richtung "neue Arbeit finden" bis dato strikt abgelenht hat).

Also habe ich gefragt "Du willst wohl kündigen?"
Antwort "Ja - ich will zurück"
Ich frage: "Und was wird aus unserer Beziehung?"
Anwort: "Die ist dann eben vorbei"

Ich muß zugeben, daß ich ein paar Tage gebraucht habe um das zu kapieren. Wir haben dann noch mehrmals drüber geredet. Sie hat mir ihre Gründe genannt (Eltern usw.) und ich hab Ihr alle möglichen Vorschäge gemacht, die prallten aber gnadenlos ab .. keine Diskussion - sie hätte ihren Entschluß getroffen. Punkt.

Oh mei .. da bin ich aber in ein Loch gefallen. Die ersten Wochen würde ich sagen, daß ich in eine echte Deprission gedriftet bin. Ich hab jeden früh im Bett gelegen und mir gedacht: "Warum aufstehen, warum auf Arbeit gehen - Wozu?"

Irgendwann hab ich mir gesagt, daß das nicht so weitergehen kann und ich mir ein Ziel suchen muß, was eine echte Herausforderung ist und jeden Aspekt meines derzeitigen Daseins in Frage stellt und ein gewisses Risiko beinhaltet. (das klingt jetzt geschwollen, aber es ist so).

Eines Morgens wache ich auf und sehe es. Ich möchte nicht schreiben, was ich genau plane, aber es bedarf etwa 3 Jahre Vorbereitung, ich brauche 1 Jahr Urlaub und es wird ein Einfamilienhaus kosten. Zu dem werde ich über Wochen ohne die Möglichkeit auf externe Hilfe auf mich gestellt sein. Ich habe es ein paar Freunden erzählt, die alle Begeistert sind und mich Etappenweise begleiten wollen. Meinen Eltern (besonders meiner Mutter) gefällt der Plan nicht so aber naja bin alt genug.

Natürlich bin ich nich so naiv, um sowas in 15 min vor dem Arbeitgehen zu entscheiden. Es folgten Kalkulationen, benötigte Ausrüstung, zeitlicher Rahmen und mittlerweile 7 Monate Kampf auf Arbeit, um 1 Jahr frei zu bekommen. Um mich nicht abzulenken, plane ich das Ganze Solo.

Das hat mich super von der Trennung abgelenkt, aber hin und wieder treten Zweifel/Frauen in mein Leben, bei denen ich mir sagen "hmm vielleicht?". Das Lustige ist - ich mache seit dem immer einen Rückzieher (und ich bin bestimmt nicht scheu), wenn es ernster wird. Ich vermute es liegt daran, daß ich da irgendwie das komplett Vertrauen in eine ernsthafte Beziehung verloren habe. Ich war in einer Beziehung, die meiner Meinung nach sicher war und man gemeinsam auch größere Probleme überwinden kann. Leider ist diese zerbrochen, ohne das ich was dagegen tun konnte.

Mittlerweile empfinde ich nur eher Mitleid, wenn ich höre, daß z.B. die Frauen von Freunden schwanger geworden ist, oder wenn jemand geheiratet hat. Warum? Ganz einfach die Mehrzahl der Beziehungen in meiner Familie/Bekannten- und Freundeskreis haben Probleme. Ebenso in den einschlägigen Singlebörsen, wenn man ein paar Jahre um meine Geburtsjahr sucht. Geschätzt 75% der Frauen sind alleinerzeihend - wie kommt das? Es kann doch nicht immer Mann dran schuld sein?

Ich habe eine Kollegin auf Arbeit, wo ich der Meinung bin, daß Sie mir schon recht eindeutig Signale sendet, aber ich habe da massive Hemmungen. Ich bin nicht schüchtern oder verklemmt und faxe oft mit ihr rum, aber ich habe diese starken Zweifel und die Furcht, daß es wieder nix wird oder durch eine Beziehung meine Pläne ins wanken geraten. Auf der anderen Seite hatte ich mich bis dato immer darauf eingerichtet, daß ich mit der richtigen Partnerin auch mal eine Familie gründen könnte. Nach dem letzten Schlag in die Eier hab ich mich aber dafür entschieden nun meine Träume zu verfolgen, auch wenn das bedeuted, daß ich evtl. nie eine Familie haben werde. Ich muß zugeben - daran hab ich immer noch zu knaubeln

Evtl. liegt es daran, daß ich ein Mensch bin, der eine Sache ein paar mal versucht und wenn ich daran versage, dann sag ich mir Nagut dann ist das halt nix für Dich. Das Problem ist: Es bleiben die Zeifel, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Vielleicht sollte ich auch mal zum Pyschologen gehen :P Wobei .. nee .. Ich hab mein Leben ja sonst im Griff .. vlt. Sind die Mädels hier in der Gegend einfach nur abgedreht (das was Ironie)

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