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Bevorstehender Tod Mama

17. April 2018 um 13:38 Letzte Antwort: 22. April 2018 um 10:20

Moin an alle,

ich bin neu hier und ich hoffe das ich vielleicht Menschen hier treffe die mir etwas Mut geben können.

Mir geht es nicht gut bzw weiß ich nicht mehr weiter. Meine Mum (58) hat letzten Oktober die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs bekommen, Endstadium.

Kurz zu meiner Person: ich bin 29 Jahre und wohne in Hamburg, 600 km Entfernt von meiner Family.

Für mich war die Nachricht natürlich ein Schock. Da ich eine sehr tiefe Verbindung zu ihr habe. Seitdem pendel ich so oft wie es geht um sie zu sehen und zu unterstützen.

Seit März läuft alles schief. Die Chemo hat nicht mehr angeschlagen und sie wurde immer schwächer das die Chemo abgebrochen wurde.
Als ich dann zu Besuch war wollten die Ärzte mit den Angehörigen sprechen.
Der Tumor sei wieder gewachsen und behindert quasi den Darm bei der Verdauung.
Heißt künstliche Ernährung und sie ist total geschwächt von dem Morphium.

Meine Mum hat sich vor 2 wochen dazu entschlossen keine Chemo mehr zu machen, was ich auch verstehe, da sie die letzten Wochen noch ohne genießen will.

Meine Mum ist so tapfer und so stark und wir mussten natürlich auch schon die Beerdigung besprechen. Das war natürlich im ersten Moment ein schock für uns alle. Aber ich weiß natürlich das sie das für uns gut meint und sie uns nicht ins kalte Wasser werfen will.

Danach ging es mir eigentlich wieder gut weil ich aktzeptiert habe das es so kommen wird und meine Mum in ein paar Wochen sterben wird.
Hätte ich meine Musik und meine Band nicht als ausgleich.. keine Ahnung wie ich das schaffen würde.

Aber dann gibt es so Tage wie jetzt, da kann ich Nachts nicht ohne Licht schlafen, ich sehne mich nach jemand der mich in den Arm nimmt und ich fühle mich total verloren.
Dann denke ich darüber nach das Meine Mum nie ihre Enkel kennenlernen wird, uns so viel gemeinsame Zeit genommen wird und wir noch so viel miteinander unternehmen wollten.. das tut so weh.
Aber ich will natürlich nicht das sie weiter so viel Schmerz mit sich tragen muss und sie bald erlöst wird...

Ich war letzte Woche für ein paar Tage in Barcelona um mal den Kopf frei zu bekommen.
Aber ich hab das Gefühl das ich mich total in irgendwas verrenne egal ob es Menschen sind oder das ich auf einmal sage das ich in ein anderes land umziehen will.

Ich weiß einfach nicht mehr weiter... ich hab das Gefühl das ich meine Menschenkenntnis verloren habe seit der Diagnose. 


 

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22. April 2018 um 10:20

Hallo spanishgirl,
ich kann dich sehr gut verstehen, denn ich habe genau das Gleiche miterleben müssen mit meiner Mutter. Ich bin 28 und meine Mutter ist vor eineinhalb Jahren mit 56 Jahren an Leberkrebs gestorben. Es war schon bei der Diagnose klar, dass es nicht heilbar ist und ich es hat mir den Boden unter den Füssen weggerissen, denn auch ich hatte, genau wie du, eine sehr enge Bindung zu ihr. Wir haben die restliche Zeit genutzt, um noch viele schöne Dinge zu tun und zu erleben und auch, um einfach nur miteinander zu sein. Sie ist nach der Diagnose zu mir gezogen und 11 Monate später bei mir verstorben, ganz friedlich.
Während ihrer Krankheit fühlte icn mich ein ums andere Mal wie betäubt und manchmal bekam ich Panik, bei dem Gedanken sie zu verlieren. Ich habe mir immer vorgestellt, wie sie irgendwann als Oma mit ihren Enkeln spielt und ich weiß, dass sie eine tolle Oma gewesen wäre. Ich kenne den Schmerz, der kommt, wenn man weiß, dass es nie so sein wird und dass sie nie erleben wird, wenn ich irgendwann heiraten sollte. Aber es ist wichtig, den Schmerz zuzulassen, sonst zerfrisst er dich. Hast du guten Kontakt zu anderen Familienmitgliedern? Es ist viel wert, wenn man Rückhalt hat, sowohl während der Zeit der Krankheit, als auch hinterher. Und wenn du es alleine gar nicht mehr bewältigen kannst, scheue nie davor professionelle Hilfe zu suchen.
Ich bin nun, nach eineinhalb Jahren in eine psychosomatische Klinik gegangen, um mir Hilfe zu holen und es tut mir gut. Es ist schlimm die Mutter zu verlieren, noch schlimmer, wenn sie viel zu früh gehen muss. Das darf man ruhig sagen. Trotzdem geht das Leben irgendwie weiter, ob man will oder nicht.
Du hast noch Zeit mit deiner Mutter, habt euch lieb, schweigt miteinander, weint zusammen, lacht zusammen... tut, was gut für euch ist. Und auch alleine sein muss man vielleicht mal, wenn es zu viel wird. 
Ich drücke dich und wünsche dir ganz viel Kraft und Unterstützung.

Ganz herzliche Grüße
 

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