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Beste Freundin nach psychischer Krankheit (Essstörung) plötzlich anders

18. September um 11:38 Letzte Antwort: 18. September um 18:17

Hallo ihr Lieben,

Ich melde mich zum allerersten Mal in diesem Forum, da ich mittlerweile echt überfragt bin.

Meine beste Freundin ist letztes Jahr an Anroxia nervosa ("Magersucht" erkrankt, sie hat es eine Zeit lang verdrängt und als Kompliment aufgefasst, wenn jemand meinte, dass man sie kaum noch wiedererkennt.

Es kam alles ganz plötzlich, auf einmal war sie von leicht übergewichtig auf stark untergewichtig herunter und wir haben uns alle Sorgen gemacht. 

Ich musste dann dooferweise (stand schon lange fest) für mein Studium wegziehen. Als ich weggezogen war, hat sie mich 2 Monate ignoriert.

Mittlerweile hat sich zwischen uns wieder alles geklärt und wir sind wieder sehr eng und verstehen uns eigentlich sehr gut.

Aber sie hat sich sehr stark verändert und teilweise verstehe ich sie deshalb nicht mehr. Es ist als hätte sich ihre Esstörung "verlagert". Sie war zwar früher auch ein recht reiselustiger, kreativer Mensch, aber auch immer recht ernst, realistisch und organisiert. 

Sie ist nicht mehr untergewichtig, aber sie macht jeden Tag Sport, auch trotz Schmerzen (ich habe ihr schon gesagt, dass sie mal eine Sport-Pause machen soll, vorallem wenn sie mittlerweile Schmerzen hat).
Jetzt ist es so, dass sie die ganze Zeit am lachen und am kichern ist, selbst bei ganz normalen Sätzen lacht und kichert sie übertrieben viel. Sie schlägt mich ständig "aus Spaß", das passiert jedes Mal, wenn wir über ihren Schwarm reden. Sie fängt zwar jedes Mal damit an, aber egal, was ich sage, sie schlägt mich und lacht dabei, sie lacht immer. 

Sie ignoriert Corona komplett, im Gegenteil sogar. Normalerweise verreist sie höchstens 2 mal im Jahr, während Corona war sie 5 oder 6 mal verreist, sie verabredet sich jeden Tag mit anderen Leuten und will alles machen, am liebsten in die Clubs und feiern gehen, obwohl sie das früher nie gemacht hat. Wenn sie mal ein paar Stunden nichts zu tun hat schreibt sie mir, dass ihr "laaaaaaangweilig" ist. Sie sagt selbst, dass sie seit Corona mehr unternimmt als jemals zuvor. 

Mich überfordert einfach ein wenig, dass sie jetzt so ganz anders ist, als vorher. Hat jemand mal ähnliche Erfahrungen gemacht bzw kommt das jemandem bekannt vor? Könnte das in Zusammenhang mit ihrer Erkrankung stehen? 

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18. September um 11:41

Der Smiley soll da natürlich nicht stehen, das sollte eine ganz normale Klammer werden 😅, aber ich habe noch nicht herausgefunden, wie man hier Beitrage bearbeitet. Gibt es eine Bearbeitungsfunktion?

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18. September um 13:03

ja, es kommt mir bekannt vor.

Ich formuliere es mal bewußt vorsichtig: es ist keine Seltenheit, dass Menschen sich durch eine Therapie stark verändern - und zwar teilweise auch so, dass man kontrovers diskutieren kann, ob sie sich zum Vorteil änderten.

Aber machen kannst und solltest Du da nichts.
Je nach dem, wie lange die Therapie her ist, kann sich da noch mal oder mehrfach einiges ändern.
Wenn Du mit der "neuen" Freundin nicht zurecht kommst, wird Dir nichts anderes übrig bleiben, als auf Distanz zu gehen.
Als Freundin würde ich aber schon mal klar ansprechen, dass sie sich wahnsinnig verändert - und Dich diese Veränderung überfordert.

und nein, es gibt keine Bearbeitungsfunktion

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18. September um 15:31

Hi Pluma,

deine Freundin scheint die Symptomatik des Erbrechens in den Griff bekommen zu haben, aber Magersucht ist ja sehr facettenreich...

Nun scheint sie deiner Erzählung nach die Extreme im Sport zu suchen, beim Verreisen, Ausgehen. Sie sucht anscheinend die Zerstreuung und die völlige Verausgabung. Es wirkt als würde sie ihre Grenzen übergehen (Sport trotz Schmerzen). Oftmals ist Magersucht auch nicht das komplette Krankheitsbild. Oftmals resultiert Magersucht aus einer narzisstischen Struktur heraus. Es muss ja einen Grund für diese Magersucht geben... Bei Frauen zeigt sich diese oftmals anders, als bei Männer. Wenn du mehr darüber wissen willst, kannst du ja mal unter "weiblicher Narzissmus" googeln, ich kann dir Bücher oder Interviews von Bärbel Wardetzki wärmstens empfehlen. Natürlich möchte ich damit nicht sagen, dass das auf deine Freundin zutrifft, das könnte nur jemand vom Fach beurteilen.

Dass du mit der Wesensveränderung deiner Freundin überfordert bist und sie nicht wirklich zuzuordnen weißt, glaube ich dir. Vielleicht solltest du dich darüber mal in Ruhe mit ihr unterhalten. Sie scheint dir ja schon was zu bedeuten, weshalb ich nicht direkt den Kontakt abbrechen würde, ohne vorher das Gespräch zu ihr gesucht zu haben.

Alles Gute!

Butterfly

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18. September um 18:17
In Antwort auf piuma

Hallo ihr Lieben,

Ich melde mich zum allerersten Mal in diesem Forum, da ich mittlerweile echt überfragt bin.

Meine beste Freundin ist letztes Jahr an Anroxia nervosa ("Magersucht" erkrankt, sie hat es eine Zeit lang verdrängt und als Kompliment aufgefasst, wenn jemand meinte, dass man sie kaum noch wiedererkennt.

Es kam alles ganz plötzlich, auf einmal war sie von leicht übergewichtig auf stark untergewichtig herunter und wir haben uns alle Sorgen gemacht. 

Ich musste dann dooferweise (stand schon lange fest) für mein Studium wegziehen. Als ich weggezogen war, hat sie mich 2 Monate ignoriert.

Mittlerweile hat sich zwischen uns wieder alles geklärt und wir sind wieder sehr eng und verstehen uns eigentlich sehr gut.

Aber sie hat sich sehr stark verändert und teilweise verstehe ich sie deshalb nicht mehr. Es ist als hätte sich ihre Esstörung "verlagert". Sie war zwar früher auch ein recht reiselustiger, kreativer Mensch, aber auch immer recht ernst, realistisch und organisiert. 

Sie ist nicht mehr untergewichtig, aber sie macht jeden Tag Sport, auch trotz Schmerzen (ich habe ihr schon gesagt, dass sie mal eine Sport-Pause machen soll, vorallem wenn sie mittlerweile Schmerzen hat).
Jetzt ist es so, dass sie die ganze Zeit am lachen und am kichern ist, selbst bei ganz normalen Sätzen lacht und kichert sie übertrieben viel. Sie schlägt mich ständig "aus Spaß", das passiert jedes Mal, wenn wir über ihren Schwarm reden. Sie fängt zwar jedes Mal damit an, aber egal, was ich sage, sie schlägt mich und lacht dabei, sie lacht immer. 

Sie ignoriert Corona komplett, im Gegenteil sogar. Normalerweise verreist sie höchstens 2 mal im Jahr, während Corona war sie 5 oder 6 mal verreist, sie verabredet sich jeden Tag mit anderen Leuten und will alles machen, am liebsten in die Clubs und feiern gehen, obwohl sie das früher nie gemacht hat. Wenn sie mal ein paar Stunden nichts zu tun hat schreibt sie mir, dass ihr "laaaaaaangweilig" ist. Sie sagt selbst, dass sie seit Corona mehr unternimmt als jemals zuvor. 

Mich überfordert einfach ein wenig, dass sie jetzt so ganz anders ist, als vorher. Hat jemand mal ähnliche Erfahrungen gemacht bzw kommt das jemandem bekannt vor? Könnte das in Zusammenhang mit ihrer Erkrankung stehen? 

Hallo,

ich gehe davon aus, dass Teile ihres gezeigten Verhaltens mit ihrer Erkrankung in eng in Zusammenhang stehen. Wenn das Gefühl des Überfordertseins so weit geht, dass dir alles zuviel wird hast du als Freundin das Recht ihr zu sagen, wie es dir mit ihr geht und auch, dass sie sich extrem verändert hat. 

Vermutlich wird sie sich positiv bestätigt fühlen, denn diese Veränderung ist etwas, womit sie viel Macht auf andere Menschen ausüben kann. 

Vermittel ihr klar und deutlich, dass sie dich nicht schlagen soll und du dich distanzieren wirst, sofern sie das nicht unterlässt. 

LG Sis

 

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