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Belgien: Aktive Sterbehilfe für Täter

17. September 2014 um 8:55

Liebes Forum, nachfolgend ein Ausschnitt aus dem Grenz-Echo (deutschsprachige Tageszeitung in Belgien) von heute:

Palliativmediziner: Die Gesellschaft hat versagt
Fall von Sterbehilfe legt Missstände bloß

Der umstrittene Fall des psychisch kranken Häftlings Frank Van Den Bleeken hat nicht nur die Debatte über Sterbehilfe neu entfacht, sondern auch bloß gelegt, dass es in Belgien an Einrichtungen zur Betreuung und Behandlung von Internierten mangelt.

Der Flame Frank Van Den Bleeken, der als 20-Jähriger mehrere Sexualstraftaten und einen Mord begangen hatte, sitzt seit mehr als 30 Jahren hinter Schloss und Riegel ohne jegliche Form von psychiatrischer Therapie, obwohl der Richter ihn für schuldunfähig erklärt.

Frank Van Den Bleeken darf jetzt Anspruch auf Sterbehilfe nehmen, weil die Behörden in unserem Land eine psychologische Behandlung im Gefängnis nicht gewährleisten können. Wim Distelmans, eine Autorität und ein Pionier in Sachen Sterbehilfe, ist empört: Müssen wir ihm nicht vielmehr eine menschenwürdige Existenz anbieten? Da wir dazu aber nicht in der Lage sind, geben wir ihm alternativ Sterbehilfe. Das darf doch nicht sein. Ist das die Manier, wie Belgien mit seinen psychisch kranken Gefängnisinsassen umgeht, indem einfach nicht für sie gesorgt wird? reagierte er entrüstet im flämischen Fernsehen. Für Distelmans hat die Gesellschaft versagt.

So weit, so gut. Ich möchte nun gerne einen Leserbrief schreiben, in dem ich darauf eingehen möchte, dass die meisten Überlebenden (ich sage bewußt "Überlebende", und nicht Opfer. Denn ich habe einen Krieg überlebt, der sexueller Mißbrauch heißt) von sexuellem Mißbrauch ihr Leben lang unter den Folgen der Taten zu leiden haben. Wo ist meine menschenwürdige Existenz, wenn es noch nicht mal genug adäquate Therapien für die Überlebenden gibt. Viele Überlebende nehmen auch aktive Sterbehilfe in Anspruch, in dem sie sich nämlich das Leben nehmen, weil sie noch Jahrzehnte nach der Tat (den Taten) unter einem enormen Leidensdruck stehen.

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, und schreibe aus dem Bauch heraus. Da ich aber schon öfter nach Leserbriefen (zu diesem und ähnlichen Themen, z.B. Mißbrauch in der katholischen Kirche Belgiens) rüde von (männlichen) Lesern angegangen wurde, bitte ich Euch um Unterstützung. Ich möchte einen Leserbrief schreiben, bzw. einen Online-Kommentar, der aber nicht zu emotionell ist, sondern einfach Argumente auflisten, in denen ich zum Ausdruck bringen kann, dass aktive Sterbehilfe für Täter das absolut beste ist, was man machen kann, und die auch schon früher anwenden kann, nicht erst nach 30 Jahren . Ich denke mal, alle Überlebenden, die hier im Forum sind, wissen, wie ich das meine.

Könntet Ihr mir dabei helfen? Ich möchte etwas schreiben, was die interessierten Leser auf "unsere" Seite bringt, d.h. daß sie vielleicht mal ein bisschen mehr darüber nachdenken, wie es Überlebenden geht, wenn ein "ach so armer" Täter sooooo leiden muss.

Ich danke Euch jetzt schon.

Liebe Grüße von der einzig wahren

Chaosprinzessin



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17. September 2014 um 13:39

Aktive Sterbehilfe für Sexualstraftäter (Belgien)
Liebe Muh,

klar ist das keine Lösung. Vielleicht habe ich mich auch ein bisschen mißverständlich ausgedrückt. Der Hauptpunkt soll sein, dass sich alle möglichen Instanzen den Kopf zerbrechen, wie man den Täter therapieren kann. Aber - es gibt keinen Aufschrei, wenn die Überlebenden um Kostenübernahme einer Therapie bitten.
Machen wir uns nichts vor. Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass die Therapiestunden begrenzt sind, bei Überlebenden. Das müsste eigentlich ein lebenslängliches, selbstverständliches Angebot sein (ich spreche von Deutschland). Um Extrakontingente Stunden zu bekommen, muss jedesmal ein Gutachten erstellt werden etc. Puh - wieder 25 Stunden genehmigt - noch eine Gnadenfrist von einem halben Jahr. Möchte ich die Therapie übers OEG laufen lassen, dann viel Spaß. Die Mitarbeiter vom LVR sind so dreist, dass selbst, wenn kiloweise Gutachten und Akten vorhanden sind, sie Leistungsvergabe ablehnen. Könnte man bzw. frau sich ja ausgedacht haben. Usw. die Liste ist lang mit den Hürden, die man als Überlebende nehmen muss. Der Fonds schlägt in die gleiche Kerbe.

Hinzu kommt, dass die ganze Sache mit der aktiven Sterbehilfe meines Erachtens nach eine Klasse Werbung ist, für die falsche Seite. Oh, der arme Mann. Hat in 30 Jahren keine Therapie bekommen. Ach was tut der uns aber jetzt leid. Hallo????? Und wir?? Der Täter soll nicht aufs Podest gestellt werden, für verfehlte Justizpolitik. Da oben sollte die Überlebende stehen, die tagtäglich gegen die Dämonen ihrer Kindheit kämpft.

Natürlich wird eine Sterbehilfe für Täter keine weiteren Übergriffe verhindern. Aber - hätte der infantile Täter rechtzeitig Hilfe bekommen, wäre er gar nicht zum Täter geworden. Das ist der Punkt.

Ich beschäftige mich auch schon lange mit der Sache, und habe beruflich und ehrenamtlich täglich damit zu tun. Und deshalb weiß ich auch, dass Pädophilie unheilbar ist.

Lieben Dank für Dein Feedback.

Die einzig wahre Chaosprinzessin

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19. Oktober 2014 um 14:47

Hallo
eine Präventivarbeit das es eingedammt werden kann das es erst gar nicht soweit kommen muss das Kinder missbraucht werden, da bin ich voll für bzw das die Häufigkeit eingedämmt werden kann. explizit zu dem Fall das dieser Täter sterbehilfe bewilligt bekommt...kann ich nur zu sagen, das es mich voll aus der Bahn geworfen hat. Ich habe lange gebraucht um damit klar zu kommen bzw schaffe es noch nicht ganz. Ich habe es als Demütigung empfunden, das dieser Typ sterbehilfe bekommt und sich dann auch noch im fernsehen als armer Typ bezeichnet der ja sooo leidet... tun die betroffenen das nicht auch? Und die können keine sterbehilfe beantragen. Also mit dem Lebenslauf dieses Typen ist es ja dazu noch ein viel schlimmerer Hohn für die Opfer. Für mivh als Opfer mehrerer Vergewaltigungen war es svhon echt schwer diese Nachricht zu verkraften. Es hat mich so wütend und hilflos gemacht so das ich mich frage : Wo darf ich denn jetzt Sterbehilfe beantragen weil ich ja so leide...aber ich muss so sehen wie ich damit fertig werde... naja soviel dazu. Aber generell finde ich es eine gute Idee und einen wichtigen Ansatz das in der Prävention auf beiden Seiten einiges getan werden muss. Da auch die Täter heufig in ihrer Vergangenheit Opfer von (sexueller) Gewalt waren .. Und ja. Die Stunden die man bewilligt bekommt reichen oft bei weitem nicht aus. Bei mir war es so der Fall das ich am Ende meiner bewilligten Stunden es erst geschafft hatte meiner Therapeutin soweit zu vertrauen, das ich da überhaupt erst mal angefangen habe zu reden..aber da waren die stunden dann aufgebraucht. zum Teil bezahle ich meine Stunden nun selbst was aber auch nicht jeder leisten kann. von daher wäre es schon wichtig auch die Therapiemöglichkeiten zu überdenken oder weitere Angebote auszuarbeiten. sorry für meine Rechtschreibung. bin etwas durch den Wind... lg

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5. November 2014 um 0:00

"aktive Sterbehilfe für Täter" = Todesstrafe
In Europa ist sie aus gutem Grund abgeschafft.
Es gibt hier keine Opfer- und keine Täterseite mehr.

Aktive Sterbehilfe bedeutet, dass die Medizin plötzlich nicht mehr dem Leben helfen soll, sondern es aktiv beendet, weil der Patient nicht mehr erwünscht ist. Für andere Menschen als für todkranke Patienten kommt "aktive Sterbehilfe" überhaupt nicht infrage.

So sehr ich Mißbrauch verabscheue und die Täter ebenso, "aktive Sterbehilfe" ist keine Lösung vor Gericht. Ansonsten brauchen wird wieder Henker.

Dass man allen Menschen, also auch den Opfern, eine menschenwürdige Existenz bieten soll, ist allerdings richtig

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