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Aufwachsen mit Bruder/Schwester mit Behinderung

11. September 2014 um 18:41

Hallo ihr Lieben!

Im Rahmen meiner Masterarbeit mache ich eine Befragung von Menschen, die mit behinderten Geschwistern aufgewachsen sind.

Wenn jemand von euch eine Schwester oder einen Bruder mit Behinderung hat, wäre ich sehr dankbar, wenn er/sie sich (maximal) 20 Minuten Zeit nehmen würde, um meinen Fragebogen auszufüllen

Dabei ist es egal ob der Bruder/ die Schwester das leibliche Geschwister oder ein Pflege- oder Adoptivgeschwister ist.

Hier der Link: http://www.unipark.de/uc/KWM/29d4/





Wenn ihr Lust habt, können wir über das Thema auch sehr gerne diskutieren (was wir in dem Forum schreiben verwende ich nicht für die Masterarbeit )

Die Motivation für dieses Masterarbeitsthema kommt daher, weil ich selbst eine grosse Schwester habe, die aufgrund von Sauerstoffproblemen bei der Geburt Schwerstbehindert ist.
Ab meinem 5. Lebensjahr haben meine Eltern sich dann dazu entscheiden, noch ein autistisches Pflegekind aufzunehmen. Über die Jahre sind dann noch 3 weitere Pflegekinder dazugekommen. Alle mehrfach behindert (geistig, körperlich).

Ich habe mir die Frage gestellt, wie das Aufwachsen mit einem behinderten Geschwister einen beeinflusst, da es ja schon etwas anderes ist, als mit einem nicht-behindertem Geschwister aufzuwachsen.

Meine Erfahrungen sind sowohl positiv als auch negativ.

Ich denke zum Beispiel, dass ich durch die frühe Konfrontation mit Behinderung sehr geduldig geworden bin. Ich denke nicht oberflächlich, bin verständnisvoll und es hat auch meine Studiumswahl stark beeinflusst (Sonderpädagogik. Hahaha ). Ich liebe meine (Pflege-)Geschwister. Ich schätze sie für ihr Wesen und für mich sind sie einfach meine Geschwister.


Aber natürlich gibt es auch Dinge, die mich belastet haben/ belasten. Zum Beispiel, wenn es einem meiner Geschwister plötzlich gesundheitlich sehr schlecht ging (mein Pflegebruder musste vor 2 Jahren am offenen Herzen operiert werden. Das war furchtbar, weil das Herz dafür angehalten werden musste. Bei dem Gedanken wird mir grad wieder ganz anders. Er hat die OP aber sehr gut überstanden.). Eine meiner Pflegeschwestern hatte vor 4 Jahren einen psychischen Zusammenbruch. Sie war von heute auf morgen Schizophren, hat viel geschrien, wirres Zeug geredet, musste starke Medikamente nehmen, hat das Essen verweigert... eine sehr belastende Situation für die ganze Familie eben.
Manchmal finde ich es auch etwas unangenehm Freundinnen in mein Elternhaus einzuladen, da ich merke, dass sie überhaupt nicht wissen, wie sie auf meine (Pflege-)Geschwister reagieren sollen. Sie sitzen dann immer total verunsichert am Esstisch und sagen kein Wort
Mein Freund (ich habe ihn noch nicht meinen Eltern vorgestellt) hat auch schonmal angemerkt, dass er nicht weiss, wie er sich bei meiner Familie verhalten solle.

Ohje, ich könnte wirklich Aufsätze schreiben Aber ich lass es für jetzt erstmal gut sein. Ich wollte nur ein bisschen das Eis brechen und euch zeigen, dass ich kein Virus oder Spam bin, der eure Daten klauen will

Liebe Grüsse,

euer cottoncandyunicron



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14. September 2014 um 19:00

Hallöchen
Hallo lollypop

Danke für deine Beiträge, auch wenn es etwas off-topic ist .
Es war eigentlich nicht mein Ziel eine Diskussion über die Abtreibung von Embryos mit Behinderung auszulösen.
Dass du dich für eine Abtreibung entschieden hast, ist dein gutes Recht und keiner sollte dich dafür kritisieren.
Ich bin alles andere als ein Moralapostel.
Ferner liegt es auch nicht in meinem Interesse Leute zu kritisieren, die mit behinderten Menschen- ich sags mal salopp- "nichts anfangen" können

Das Ziel meiner Masterarbeit ist auch nicht auszusagen "Woah, alle Menschen, die was mit behinderten Menschen anfangen können, sind viel besser und toller als alle anderen Menschen und deswegen ist es falsch Embryos mit Trisomie 21 abzutreiben" Nein, nein, nein. Das sind Unterstellungen deinerseits
Was ich habe sind Hypothesen, die auf bisherigen Forschungsergebnissen zu dieser Thematik beruhen. Diese Forschungsergebnisse liefern sowohl negative als auch positive Folgen für die Leute, die mit behinderten Geschwistern aufwachsen/ aufgewachsen sind.
Da ich ja selber "betroffen" bin, find ich es einfach interessant, mich mehr damit zu beschäftigen, was für (entwicklungspychologische) Auswirkungen das Aufwachsen mit einem behinderten Geschwister hat.

Und du musst bedenken: Ich bin 1 Jahr mit dieser Masterarbeit beschäftigt Deswegen sollte ich ein Thema wählen, was mich wirklich interessiert, so dass ich die Motivation nicht verliere

Jetzt noch kurz zu meiner Schwester mit den Sauerstoffkomplikationen (du hast ausversehen "Bruder" geschrieben): Was da so genau passiert ist weiss ich ehrlich gesagt nicht. Die Entbindung fand ganz normal im Krankenhaus statt. Die Nabelschnur hat sich um ihren Hals gelegt und aus irgendeinem Grund hat man zu spät reagiert. Es ist ein tragischer Fall, der so nicht hätte passieren sollen. Ich glaube meine Eltern sind damals rechtlich dagegen vorgegangen.


Hier noch ein paar Anmerkungen meinerseits:

Auf mich hat es den Eindruck gemacht, dass du nun nur von Kindern ausgegangen bist, die schon behindert zur Welt gekommen sind. Ich will dir da einen kurzen Denkanstoss geben."Behinderung" ist wirklich ein riesengrosser Begriff und behinderte Menschen werden nicht unweigerlich behindert geboren. Natürlich gibt es Behinderungen, die man pränatal diagnostizieren kann, aber es gibt auch Behinderungen, die sich erst über die Kindheit entwickeln bzw. die erst auffallen, wenn die Kinder schon ein paar Jahre alt sind (z.B. Autismus, Intelligenzminderungen, Sprachbehinderungen, Hörbehinderungen, körperliche Behinderungen).
Dann gibt es natürlich noch die tragische Möglichkeit, dass das eigentlich gesunde Kind in einen schweren Unfall involviert ist und durch Hirn-, Organ-, oder sonstige Schäden behindert wird.

Noch kurz zu meiner beruflichen Ausbildung und deiner Anmerkung, dass gesunde Kinder zu wenig gefördert werden:

Heil- oder Sonderpädagogen arbeiten nicht automatisch ausschliesslich mit behinderten Kindern. Derzeit arbeite ich neben dem Studium noch als Heilpädagogische Früherzieherin und widme mich Vorschulkindern, die entwicklungstechnisch noch etwas "hinterher hinken".
Es handelt sich hierbei um Kinder zwischen 4 und 6, die nicht behindert sind, sondern einfach bei ein paar Dingen noch etwas Unterstützung brauchen und es etwas "üben" müssen. Zum Beispiel bei der Sprachentwicklung (gerade Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund), oder wenn es um ganz grundlegende Dinge geht, wie Schuhe an- und ausziehen (es gibt ja öfters das Phänomen, dass Kinder von ihren Eltern zu lange "klein gehalten" bzw. "babyhaft behandelt" werden).
Diese Kinder kommen einmal die Woche anstatt in den Kindergarten zu mir in eine Gruppe von maximal 4 Kindern, wo ich sie individueller fördern kann, als wenn ich eine Kindergärtnerin mit 21 Kindern in der Gruppe wäre.
Alternativ besuche ich auch Kindergärten und beschäftige mich dann dort mit den Kindern, die noch etwas mehr Unterstützung brauchen.
Natürlich behalte ich die weitere Entwicklung der Kinder dabei auch im Blick und wenn ich merke, dass ein Kind trotz Förderung immer noch stark auffällig oder entwicklungsverzögert ist, muss eine Abklärung mit dem Kinderarzt erfolgen.

In jedem Stadtbezirk hat es solche Heilpädagogen, die für mehrere Kindergärten verantwortlich sind. Es wird also durchaus Geld in die Förderung von nicht-behinderten Kindern gesteckt.
Zudem finde ich, dass auch schon allein die KindergärtnerInnen/ErzieherInnen sehr tolle Arbeit leisten, was die Förderung der Kinder betrifft. Wenn du also sagt, dass gesunde Kinder nicht genug gefördert werden, machst du auch ein Stück weit die (anspruchsvolle und energieraubende) Arbeit der Pädagogen schlecht.


lg

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19. September 2014 um 16:58


Es gruselt mich beim Lesen Deines Textes. Alleine, wie Du von Menschen mit Behinderung sprichst ist menschenverachtend und traurig. Ich hoffe, dass Du niemals in die Situation kommst, dass eines Deiner Kinder eine Behinderung bekommt und Du dann "so etwas", um bei Deinen Worten zu bleiben, finanzieren und betreuen musst! Liebe Threadstellerin, es tut mir leid, dass ich Dir keine Antwort auf Deine Frage geben kann, aber ich finde das Thema Deiner Arbeit sehr spannend und bin der festen Überzeugung, dass Du Geschwisterkinder findest, die Dich bei diesem Thema unterstützen können. Ich arbeite selbst in dem Bereich und bin froh, dass es in Deutschland Unterstützungssysteme für Familien mit behinderten Menschen gibt und der Großteil der Menschen aus den grausamen Ereignissen im zweiten Weltkrieg gelernt haben. Alles Gute! Sabrina

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