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Aufarbeitung der Kindheit

11. April 2013 um 17:28

Hallo die Damen,
Ich bin 18 Jahre und besuche derzeit eine Psychotherapie. Nicht böse gemeint, aber ich richte mich mit meinem Beitrag ausschließlich an Leute, die dies auch machen/gemacht haben, da ich in meinem persönlichen Umfeld niemanden habe, der sich dieser Thematik "Aufarbeitung der Kindheit" angenommen haben, bzw. sich diese riesige und schwierige Aufgabe "aufgehalst" haben. Natürlich denkt sich nun der ein oder andere, dass ich ja mit 18 Jahren selbst noch ein Kind bin, aber das denke ich größtenteils nicht. Natürlich bin ich noch in der Entwicklung, aber die prägende Zeit, also die Pubertät, das was ich aufarbeiten will, habe ich schon hinter mir. Nunja, wo soll ich anfangen, ich bin im Grunde in einer guten Familie aufgewachsen, die Probleme kamen erst, als sich meine Eltern trennten. Ich will meine Familiengeschichte hier nicht allzusehr breittreten, nur dass ich nunmal einen sehr zynischen, in sich grundsätzlich wütenden Vater habe, welcher mir sehr das Leben zu Last machte im Alter von ca 11 - 15 Jahren, und es mir somit schwer viel, ein gesundes und stabiles Selbstvertrauen aufzubauen. Dies versuche ich im Augenblick, indem ich mich Schritt für Schritt emotional von diesen Verletzungen "freischlage". Nun zu dem Grund, warum ich mich hier her wende, da ich, wie einerseits schon gesagt, Im Freundes- und Familienkreis niemanden habe der dies je gemacht hat, man kann meine Gefühle größtenteils nachvollziehen, aber nicht verstehen. Es ist um einiges schwerer als ich es mir auch nur annähernd hätte vorstellen können, ich weiss, was für Verhaltensweisen mein jetziges Gefühlsleben ändern könnten, bin aber noch lange nicht so weit, mich innerlich von meinem Vater zu trennen, in dem sinne, dass die Verletzungen immer noch sehr stark weh tun und ich ihm noch nicht verziehen habe. Es ist sehr schwierig, da ich so viel weine wie noch nie bisher, und ich aus dem Grund, dass es niemand verstehen kann, oft denke ich kann das nicht schaffen. Hinzu kommt, dass ich derzeit mein Abi schaffen muss, und das auch keine allzu leichte aufgabe ist, sich mit einem solch vollen Kopf hinzusetzen. Alles in allem bin ich hier, um, ja erlich gesagt, ein wenig Zuspruch zu bekommen von Personen, welche dies schon hinter sich haben, damit ich merke, dass ich in diesen Momenten, in denen es sich anfühlt als ginge nichts voran, trotzdem nicht aufgebe und weitermache. Es wäre toll ein paar Erfahrungsberichte zu hören, wie es ist nach so einer Aufarbeitung, wie lange dies dauert(obwohl ich natürlich weiss das dies individuell ist) und wie man dies evtl alles besser hinbekommt. Denn, wie jeder weiss, würde man im Nachhinein in vielen Dingen gerne besser handeln, und diese Gedanken des "im nachhinein besser Handelns" könnten mir ja evtl ein bisschen helfen. Danke schonmal im Voraus

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24. Juni 2013 um 11:24

Hi,
ich hab deinen Text gelesen und mich selbst sehr darin wiedergefunden. Ich kann dich gut verstehen und einiges nachvollziehen, ich hab ähnliche Erfahrungen gemacht.
Ich hatte (auch) einen Vater (besser: Erzeuger), der schwer verhaltens- und persönlichkeitsgestört war, er war sehr narzisstisch (falls du das nicht kennst, es gibt darüber eine sehr informative Seite bei Wikipedia, falls es dich interessiert). Wegen ihm hatte ich auch eine sehr belastete Jugend, konnte auch kein Selbstwertgefühl aufbauen, habe es bis heute sehr schwer damit.
Ich habe schon eine Gesprächstherapie hinter mir, die auch hilfreich war, bin aber noch längst nicht durch damit.
Mein Problem ist, dass mein Erzeuger vor 13 Jahren verstorben ist, ich also nichts mehr mit ihm klären kann.
Soviel erstmal.
Würde mich freuen, wenn du dich wieder meldest.
Gruß, Assi
P. S. Ich hoffe, mit deinem Abi hat alles geklappt!

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10. Juli 2013 um 15:57

Antwort
Ich würde gerne wissen, wie bei dir die Therapie gelaufen ist, wie lange sie gebraucht hat und wie es dir währenddessen ging, ob du zwischendrin aufhören wolltest usw. Ich habe jetzt ein gutes halbes Jahr hinter mir, und wäre sehr neugierig, ob du denn noch weisst wie es dir ungefähr ging nach einem halben Jahr. Danke für die Antwort, btw. Gruß

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10. Juli 2013 um 16:13

Hey,
ich hoffe, du hast dein Abi geschafft und jetzt genießt du den Sommer

Ich möchte dir Mut machen. Ich steckte in einer ähnlichen Situation und um mich herum hatte ich auch niemanden, der einsatzweise verstehen würde, warum ich mir dies antue.
Ich fing auch an, meine Kindheit aufzuarbeiten und zuerst war es alles andere als angehnem. Ich hatte Zeiten, da war ich so traurig, dass ich sterben könnte. Ich war auch verwirrt, habe viel geweint...das alles ist ein Prozess und es dauert in den meisten Fällen länger als uns lieb ist.

Ich habe mich seitdem viel mit Persönlicheitsentwicklungen beschäftigt, viel mit Menschen gesprochen und mir Geschichten angehört. Manche brauchen Jahre, andere Tage - das ist wirklich absolut individuell. Ich kann dir auf jedem Fall sagen: Wenn du verwirrt bist, traurig oder weinst, dann ist es gut - denn es bewegt sich etwas.

Das Leben ist genauso wie in den Märchen beschrieben, wir müssen zuerst ein Abenteuer bestehen, den Drachen töten, durch dunkle Täler wandern bis wir am Ende den Prinzen kriegen und alles gut wird. Es lohnt sich, die Stärke, Klarheit und Selbstbewusstsein, die man am Ende gewinnt, kann dir kein Mensch mehr weg nehmen

LG L.

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10. Juli 2013 um 17:04

Antwor auf lilieth
Hi lilieth,
danke für deine Antwort. Das mit dem Abi hat gut geklappt, sogar so, dass ich in die 13te kann
Trotzdem wird es mit der Therapie immer heftiger. Ich wechsle zwischen hoffnungsvoll und mutig, und traurig und voll von Minderwertigkeitskomplexen. Ich habe eher das Gefühl, dass die Therapie eher schlechtes bringt als hilft. Hattest du das auch zeitweise?
gLG

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12. Juli 2013 um 10:03
In Antwort auf tadeo_12307420

Antwort
Ich würde gerne wissen, wie bei dir die Therapie gelaufen ist, wie lange sie gebraucht hat und wie es dir währenddessen ging, ob du zwischendrin aufhören wolltest usw. Ich habe jetzt ein gutes halbes Jahr hinter mir, und wäre sehr neugierig, ob du denn noch weisst wie es dir ungefähr ging nach einem halben Jahr. Danke für die Antwort, btw. Gruß

Die Therapie
war am Anfang sehr schwierig, weil ich große Probleme hatte, mich der Therapeutin zu öffnen, konnte keine Vertrauensbasis herstellen, da ich vorher nie gelernt hatte, überhaupt zu jemandem Vertrauen zu haben.
Auch hatte ich, wie du beschreibst, zwischendurch das Gefühl, dass es eh nichts bringt und dass ich am besten wieder aufhören sollte.
Das jedoch sollte man lieber nicht machen. Es sei denn(!), man kommt mit dem/der Therapeut(in) wirklich nicht klar, auch nach mehreren Sitzungen noch nicht. Sowas kommt vor, die Chemie stimmt einfach nicht. Dann sollte man sich anderweitig umsehen.
Ansonsten allerdings hatte ich selber einen Denkfehler gemacht. Ich hatte iwie schon erwartet, dass es schneller und einfacher geht... mehr oder minder, dass sie mir ein Wundermittel nennt und schon ist alles okay. Und das funktioniert natürlich nicht.
Man muss (oder ich zumindest, das ist wohl bei jedem individuell) schon einige Zeit dabei bleiben. Ich habe diese Therapie ca. 2 Jahre gemacht und das, was mir am meisten geholfen hat, war, dass meine T. mich bestärkt hat und mir vermittelt hat, dass das, was ich denke, okay ist, auch, wenn es anderen nicht gefällt. Dass ich meine eigene Meinung haben darf, auch, wenn gewisse Leute immer versuchen, mir dieses Recht abzusprechen. Und dass ich nein sagen darf, auch, wenn das für die "anderen" sehr unbequem und lästig sein kann.
Wenn man aber Jahrzehnte lang das Gegenteil von obigem gelernt hat, ist es sehr schwer, die Gedanken in die andere Richtung zu lenken. Das braucht Zeit.
Nach ca. einem halben Jahr fing ich gerade an, mich besser zu fühlen und zu denken, vielleicht ist doch noch nicht alles zu spät.
Fakt ist, dass man viel an sich selbst arbeiten muss und dass das teilweise sehr schwer, anstrengend und langwierig sein kann/ist. Aber es lohnt sich definitiv, schließlich hat man nur das eine Leben!
P. S. Glückwunsch zum bestandenen Abi!

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