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Auf gutem oder schlechtem Weg? Trauma überwinden und Kontaktabbruch

24. April um 13:51


Liebes Forum,
dies ist mein erster Beitrag ich würde mich über Rückmeldungen sehr freuen.

Mein Problem ist folgendes:

Ich hatte eine recht traumatische Kindheit, und war auch einige Jahre in Therapie. Nun geht es mir seit ca. 3 Jahren sehr gut. In den letzten Wochen kommen bei mir aber immer wieder schmerzhafte Erinnerungen hoch die mich verärgern, die Fragen aufwerfen oder mich traurig machen. Dies fühlt sich für mich so an als würde ich zum ersten Mal in meinem Leben "richtig" empfinden, ich habe vorher immer alles bagatelisiert um keine Schuld bei meinen Eltern suchen zu müssen. Diese Zeit gerade fühlt sich für mich sehr anstrengend aber richtig an, trotzdem habe ich Angst dass es mir wieder so schlecht geht, dass ich erneut eine Therapie anfangen muss. Mir wurde gesagt ich sei "austherapiert" da es mir so sehr gut geht.
Abgesehen von diesen Gefühlen und Erinnerungen geht es mir dazwischen immer super, ich bekomme Arbeit und Studium hin, treffe Freunde und schlafe und esse gut.

Ich wüsste gerne ob jemand Erfahrungen damit hat was passiert, wenn man plötzlich Gefühle zulassen kann? Wie war das bei euch?

Grüße
 

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24. April um 14:24

Mir fällt auf, dass wahrscheinlich für diesen Post noch einige Infos fehlen Entschuldigt bitte!

Ich bin 30, war 1 Jahr in stationärer Behandlung (das hat mir sehr gut getan). Danach habe ich leider die Diagnose Borderline bekommen was in meinem weiteren Therapieverlauf leider als falsch festgestellt wurde (Von auf Borderline spezialisierten Therapeuten, darum sehr sicher). Ich habe natürlich dadurch die Übungen die, die Borderline Patienten machen mitgemacht und was bei denen als Abschwächung von unangemessen starken Gefühlen gewirkt hat habe ich benutzt um Gefühle zu unterdrücken.
Wenn mich meine Eltern beispielsweise verbal stark verletzt haben, habe ich statt etwas dagegen zu sagen Entspannungs und Achtsammkeitsübungen gemacht um es weiter aushalten zu können.
Nun bin ich 3 Jahre ca. aus der Therapie raus und mir geht es sehr sehr gut! 

****Achtung ab hier möglicherweise Trigger für einige, weiß ich aber nicht genau ******
Zu meinen Traumatischen Erlebnissen: 
Mein Vater hat als ich klein war sehr viel Alkohol getrunken und ist irgendwie "abgedreht" (keine Ahnung wie ich das sonst beschreiben soll) er hat unverständliche Zeichen an die Wände gemalt und Sachen (anderer Leute draußen) angezündet, er hat seine Schusswaffe immer offen liegen lassen als Drohung und war gegenüber meiner Mutter krankahft eifersüchtig, er hat meine Mutter nachts geweckt um sie in den wahnsinn zu treiben und nach seinem Auszug unser Haus beschattet (hat Nachts den Eingang beobachtet) und allerlei anderes das sprengt hier aber den Rahmen.

Meine Mutter war sehr Gefühlskalt, ich habe schon als Kleinkind täglich Suizidgedanken gehabt und sie hat nur für sich selbst eine Therapie gemacht Sie ist dann nach der Trennung meiner Eltern, da war ich so 8 arbeiten gegangen, so dass ich sie in der Woche gar nicht mehr gesehen habe. Am Anfang kam sie abends immer an mein Bett und hat meine Hand gehalten. Irgendwann habe ich dann laut ihr mal wütend gesagt, dass sie dass jetzt auch nicht mehr machen braucht daraufhin hat sie mich dann gar nicht mehr beachtet.
Sie hatte wohl eine Art Depression oder so, sie lag immer wenn sie frei hatte in einem abgedunkelten Raum schweigend im Bett (den ganzen Tag).
Meine ältere Schwester hat die ersten 2 Jahre Dinge wie kochen und den Haushalt übernommen und sich sehr lieb um mich gekümmert
danach hatte sie leider einen Schlaganfall und musste selber gepflegt werden.

****Ab hier mögliche Trigger vorbei *********

Ich habe nun meine Eltern informiert dass ihr Verhalten nicht besonders angemessen war und ich darüber traurig bin. Natürlich nett, also dass sie ja auch nichts dafür können usw.
Mein Vater hat dann geschrieben dass hätte mich ja gestärkt und er hätte ja nichts schlimmes gemacht. Ich bin darüber sehr verletzt da ich es beleidigend finde dass er nicht sehen kann wie mich das Jahre meines Lebens gekostet hat bis es mir wieder gut ging.
Ich habe nun vor den Kontakt zu ihm abzubrechen, ich habe es denke ich verdient respektvoll behandelt zu werden. Ich habe versucht zu verzeihen und es wäre ok gewesen zu erfahren, dass er denkt er habe keine Schuld. Ich kann aber nicht akzeptieren dass er denkt sein Verhalten habe mir gut getan

Angesichts dieser Infos, würde ich gerne wissen wie ihr meine Situation einschätzt. Ich habe dass Gefühl ich werde gesund und kann endlich ehrlich und befreit durchs Leben gehen. Aber psychische Erkrankungen lassen sich ja manchmal von den Betroffenen nicht gut erkennen Deshalb wäre mir eine Einschätzung von Außen wichtig.

Einen Termin beim Psychiater habe ich übrigens zur Sicherheit bereits ausgemacht, dies dauert allerdings noch ein paar Wochen. Ich weiß das ihr keine Psychologen seid, ich hätte trotzdem gerne Erfahrungsberichte oder ähnliches

Danke und Grüße!

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25. April um 14:32

Hi Du,
danke für Deine offene und ausführliche Beschreibung!
Dennoch kann Dir hier keiner eine verbindliche oder sicherstellende Empfehlung abgeben.
Dafür ist das Leben und auch die Psyche zu komplex, als dass man so eben leichtfertig eine Einschätzung vornehmen könnte.
Dass jetzt immer wieder mal Erinnerungen hochkommen, ist normal und sollte Dich erst mal nicht weiter beunruhigen. Ich sehe es sogar eher noch als Fortschritt: Du bis jetzt "stark" genug, hin und wieder einen Blick in die Vergangenheit zu wagen und dann zeigen sich die Bilder.
Deine Eltern werden vermutlich nie verstehen können, wie sehr Du unter den Bedingungen gelitten hast. Sie leben in einer anderen Gefühls- und Erlebenswelt und haben vermutlich eine total andere eigene Kindheit erlebt (wie waren deren Eltern?). Ihnen fehlen womöglich viele stabilisierende Eigenschaften - wie hätten sie die an eigene Kinder weitergeben können? Verständnis oder gar eine Entschuldigung wird es ergo wahrscheinlich nicht geben - sie können es nicht verstehen.

Solltest Du tatsächlich noch mal eine Therapie suchen, dann kuck doch mal, ob Du eine/n Traumatherapeuten/-in findest; mit einer echten Traumatherapie lassen sich viele Dinge auflösen. Und eine Therapie als solche ist eigt. (für die sog. Psychohygiene) nie verkehrt - man muss halt leider echt laaaange nach einem Therapeuten suchen, der zu einem passt.

LG Cat

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27. April um 13:47
In Antwort auf loveandcats

Hi Du,
danke für Deine offene und ausführliche Beschreibung!
Dennoch kann Dir hier keiner eine verbindliche oder sicherstellende Empfehlung abgeben.
Dafür ist das Leben und auch die Psyche zu komplex, als dass man so eben leichtfertig eine Einschätzung vornehmen könnte.
Dass jetzt immer wieder mal Erinnerungen hochkommen, ist normal und sollte Dich erst mal nicht weiter beunruhigen. Ich sehe es sogar eher noch als Fortschritt: Du bis jetzt "stark" genug, hin und wieder einen Blick in die Vergangenheit zu wagen und dann zeigen sich die Bilder.
Deine Eltern werden vermutlich nie verstehen können, wie sehr Du unter den Bedingungen gelitten hast. Sie leben in einer anderen Gefühls- und Erlebenswelt und haben vermutlich eine total andere eigene Kindheit erlebt (wie waren deren Eltern?). Ihnen fehlen womöglich viele stabilisierende Eigenschaften - wie hätten sie die an eigene Kinder weitergeben können? Verständnis oder gar eine Entschuldigung wird es ergo wahrscheinlich nicht geben - sie können es nicht verstehen.

Solltest Du tatsächlich noch mal eine Therapie suchen, dann kuck doch mal, ob Du eine/n Traumatherapeuten/-in findest; mit einer echten Traumatherapie lassen sich viele Dinge auflösen. Und eine Therapie als solche ist eigt. (für die sog. Psychohygiene) nie verkehrt - man muss halt leider echt laaaange nach einem Therapeuten suchen, der zu einem passt.

LG Cat

Liebe Cat, 
Vielen Dank für deine Antwort!
Ich habe jetzt auf deinen Tipp mit dem Traumatherapeuten bei einigen angerufen, aber noch keine Rückmeldung bekommen bisher. Ich bleibe da auf jeden fall dran.

Ich habe leider nun meine Gefühle wieder ganz gut weggedrückt, meine Mutter hat mich angeschrien dass ich sei wie mein Vater als sie vor ihm weinend auf dem Boden lag und hat mir allerlei Vorwürfe gemacht. 
Ich habe mich jetzt entschuldigt dass ich als Kind gesagt habe sie brauch meine Hand nicht mehr halten und dafür dass ich zweimal zu spät heim gekommen bin. Leider verzeiht sie mir nicht :/ ich habe jetzt versucht besonders nett zu sein und nur noch über ihre Probleme und so zu sprechen aber sie ist trotzdem wahnsinnig ablehnend zu mir-. - 
Mit meinem Vater weiß ich gerade gar nicht was ich machen soll, wenn ich die Verantwortung für das übernehme was ich als Kind erlebt habe finde ich es nur gerecht das dann auch ihm gegenüber zu machen. 

Zu deine Frage wie die Kindheit meiner Eltern war:
Meine Mutter war als Kind sehr neidisch weil ihre Familie wenig Geld hatte, ansonsten erzählt sie wenig. Das ist aber konstant ein Thema dass sie sich heute noch beschwert dass sie damals einen bestimmten Mantel nicht haben durfte oder so. 

Mein Vater hatte wohl eine sehr traumatische Kindheit. Er spricht wenig darüber, aber ich weiß das er schon als Jugendlicher im Hafen arbeiten musste um für seine Familie Essen zu verdienen. 
Ich denke auch dass da noch mehr in der Familie los war, es begehen auffällig viele Angehörige also meine cousins usw. Suizid 

Ich weiß gerade nicht wie es weiter gehen soll. Ich habe nun die Verantwortung für meine Kindheit übernommen aber fühle mich so wahnsinnig schuldig. Wie kann ich wieder gut machen, dass meine Mutter so schlecht behandelt wurde? 

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